25. November 2019

Mein griechisches Dorf

Es riecht nach verbranntem Holz. Der kräftige Nordwind hat nochmals die Kälte in die Berge zurückgebracht. Die Männerrunde, die sich um den Bollerofen bildet, wird immer größer und die Kommentare zur Politik im fernen Athen lauter. Die Hammerschläge aus der benachbarten Werkstatt scheinen diesen Debatten zusätzliches Gewicht zu geben.

Dimitrios betreibt eine Messerschmiede. Im August strömen die Menschen zur Marienkirche und einige leisten sich ein Taschenmesser als Andenken an die Pilgerfahrt. In der Metzgerei verfolgt die Kundschaft, wie Emmanuel das frische Schlachtfleisch in Küchenportionen zerteilt. Aristos, der Friseur von gegenüber, wartet auf Kundschaft.

Lärmende Kinder füllen den Dorfplatz unter der Platane. Mittagszeit! Die Schulkinder kommen nach Hause und die Bauern kehren von der Feldarbeit zurück. Die letzten Meter gehen sie zu Fuß, denn die Gassen sind eng und steil. Große Lasten übernimmt bei Bedarf Manolis: Seine Maultiere sind harte Arbeit gewohnt.

Mann in einem Laden

Heiligenbilder an einer Wand

Frau geht aus einem Haus. An der Wand lehnt ein Sarg

Frisör in seinem Laden

Lokal

Gruppenportrait von vier Personen

Mann mit Tieren

Straßenszene

Laden

Gruppenportrait in einer Bäckeri

Kleines Steinhaus

Menschen im Dunkeln

Dieses griechische Bergdorf ist Fiktion, ein Ideal. Längst hat die Moderne Einzug gehalten. Fehlende Ausbildungsmöglichkeiten, die Mühsal der Feldarbeit und das karge Einkommen im traditionellen Handwerk sind keine Zukunftsperspektiven – nicht nur für die Jugend. Die Verlockungen und Arbeitsmöglichkeiten der Ballungsgebiete Griechenlands haben ganze Bergregionen und Landschaften entvölkert.

Fast an jedem Haus prangt die Aufschrift „poleítai“ – zu verkaufen. Aber selbst Tiefstpreise können den Zerfall nicht aufhalten. In manchem Dorf hat sich – man könnte meinen zum Trotz – ein harter Kern gebildet. Menschen, die bleiben wollen, oder müssen. Familien, die zusammenhalten und in ihrem traditionellen Lebensstil Zufriedenheit finden. Ältere, die nach Jahren im Ausland in ihr Heimatdorf zurückgekehrt sind.

Im ländlichen Griechenland lassen sich als Fotograf auch bei kleinen Lebensgemeinschaften Facetten des ursprünglichen Dorflebens finden. Fügt man diese als Mosaiksteine zusammen, entsteht ein Mikrokosmos: Mein griechisches Dorf.

Informationen zum Buch

„Mein griechisches Dorf“ von Wolfgang Bernauer
Sprache: Deutsch
Einband: Gebunden
Seiten: 160
Maße: 25,1 x 34,7 cm
Verlag: Edition Bildperlen
Preis: 49 €

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9 Kommentare

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  1. Ganz einverstanden mit den Kommentaren. Schöne Reportage! Nur die Mischung aus SW und Farbe funktioniert meines Erachtens nicht so richtig. Hier wäre eine klare Entscheidung besser gewesen. Persönlich hätte ich für SW plädiert. Trotzdem toll.

  2. Ich fühle mich an der Nase herumgeführt.
    Zuerst wird mir „mein greichisches Dorf“ angekündigt, am Ende des Artikels erfahre ich, das „Dorf“ ist Fiktion. Wer ist nun der Scharlatan? Die Autorenschaft des Artikels oder der Fotograf? Jedenfalls wäre es mir lieber gewesen, man hätte eine Reportage gezeigt, welche das reale Leben in den griechischen Bergen zeigt und auf die real existierenden Probleme verweist.