29. Mai 2019

Hopper Meditations

„Hopper Meditations“ ist meine persönliche fotografische Antwort auf die Arbeit des amerikanischen Malers Edward Hopper. Meine Bilder entstehen, indem ich Dioramen in Puppenhausgröße mit lebenden Modellen vermische. Die Sets habe ich in meinem Studio gebaut, bemalt und fotografiert.

Viele der Möbel sind Standardmöbel für Puppenhäuser, aber einige habe ich selbst gebaut. Ich habe dann die echten Modelle vor einer einfachen Kulisse fotografiert und schließlich die digitalen Kompositionen in Photoshop erstellt.

Als ich mit der Serie anfing, sollte sich jedes Werk auf ein bestimmtes Hopper-Gemälde zu stützen. Bei den früheren Arbeiten der Serie ist das auch der Fall. Im weiteren Verlauf der Serie wollte ich jedoch mehr Freiheit und kreierte meine eigenen Kompositionen, die noch von Hoppers Stil und Vision inspiriert waren, aber nicht mehr auf bestimmten Gemälden basierten.

Ich liebe es, wie Hopper in seinen Bildern mit sparsamen Mitteln die Mysterien und die Komplexität der menschlichen Natur zeigt. Er platziert ein oder zwei Figuren in bescheidenen, intimen Umgebungen und schafft ruhige Szenen, die Geschichten mit offenen Enden erzeugen.

Die emotionalen Zustände der Figuren können paradoxerweise zwischen Träumerei und Entfremdung oder vielleicht zwischen Sehnsucht und Resignation schwanken. Dramatisches Licht verstärkt die emotionalen Obertöne, die endgültige Interpretation bleibt jedoch den Betrachtenden überlassen. All dies sind Eigenschaften, die ich hoffentlich auch in meine Bilder einfließen lassen werde.

Frau liest auf einem Bett, Im Hintergrund die Familie

Frau steht im Zimmer

Frau und Mann sitzen im SchlafzimmerFrau auf einem Stuhl sieht aus dem Fenster

Nackte Frau auf einem Stuhl sieht aus dem Fenster

Szene im Schlafzimmer

Rauchende Frau liegt auf dem Bett und sieht zu einem Mann im anderen Zimmer

Frau sitzt auf dem Bett und sieht aus dem Fenster

Frau sitzt auf einem Bett, im Hintergrund ein Mann im Bad

Frau auf einem Sessel und Mann sieht aus dem Fenster

Auch in anderer Hinsicht weichen meine Bilder von Hoppers Gemälden ab. Die allgemeine Stimmung in meiner Arbeit ist düsterer und die Beleuchtung weniger hart als bei Hopper. Ich versuche, einen Effekt zu erzielen, der der Hell-Dunkel-Malerei von Rembrandt, einem anderen Maler, den ich sehr bewundere, näher kommt.

Ich möchte, dass das Licht wie ein weiterer Charakter wirkt. Es soll nicht nur Figuren beleuchten, sondern auch das Innenleben der Figuren reflektieren und evozieren. Ich denke, ich möchte gern die Theatralik von Rembrandt mit der Demut von Hopper verbinden.

Ich stelle mir meine Bilder gerne als Dramen für eine kleine Bühne vor. Die Figuren sind Schauspieler*innen in einem Stück für ein oder zwei Rollen. Die Charaktere sind ihrem Aussehen nach spezifisch in der Vergangenheit verwurzelt, irgendwo in Hoppers Mitte des zwanzigsten Jahrhunderts.

Das verstärkt für mich die traumhafte, inszenierte Wirkung der Szenen. Die Themen, die sie hervorrufen – Einsamkeit, Entfremdung, Sehnsucht – sind zeitlos und universell.

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13 Kommentare

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  1. Zuerst einmal finde ich die Serie handwerklich unglaublich stark. Das beginnt mit den Sets und zieht sich über das Blending und die Farbtöne durch.
    Vermutlich wären mir die Sets als Puppenhäuser nicht einmal aufgefallen – es wirkt realistisch genug, um es nicht direkt in Frage zu stellen, aber triggered doch irgendwie Zweifel an der Echtheit beim Betrachten. Auch das ein toller Effekt.
    Eine Verbindung zu Hopper hätte ich optisch nicht hergestellt. Aber tatsächlich kann man inhaltlich über die Darstellung und in Beziehung setzen der Charactere parallelen ziehen.
    Kurz: Eine sehr schöne Arbeit.

  2. Interessante Weiterentwicklung der Bilderwelt von Hopper!
    In diesem Zusammenhang sei auch an den wunderbaren Film „Shirley“ erinnert, in dem der Regisseur Gustav Deutsch 13 Bilder von Hopper zu einer losen Handlung verknüpft. Für Menschen, die sich mit Hopper nie auseinandergesetzt haben, vermutlich todsterbenslangweilig, für diejenigen, die die Bilder kennen, hochspannend.

  3. Eine sehr interessante Fotostrecke! Ein echtes Highlight. Die melancholische Grundstimmung der Hopper-Bilder ist überzeugend photographisch umgesetzt. Beeindruckend!

  4. feine arbeit … riesen respekt davor … wobei ich das problem habe, warum fotografien wirken sollen wie gemälde & auch umgekehrt (fotorealismus). das handwerk ist unglaublich stark, doch meist bleibt es dabei … bei deinen arbeiten ist das nicht so … eine feine weiterentwiclung … ganz toll

  5. Blogartikel dazu: Diese Woche: Sony A7R4 und Mondlandung | Spuelbeck.net