18. Januar 2019 Lesezeit: ~5 Minuten

Bergfotografie in schwarzweiß

Wenn ich ein Genre der Fotografie wählen müsste, das so ganz und gar meiner persönlichen Leidenschaft entspricht, dann würde ich die Schwarzweiß-Bergfotografie auswählen. Warum? Weil Bergfotos in schwarzweiß einfach eine Stimmung haben, die mich sowohl als Fotograf, also auch als Betrachter einfach magisch anzieht. Nachdem ich über zehn Jahren in den Bergen unterwegs war, haben sich bei mir zahlreiche Bergfotos angesammelt.

Anfangs habe ich mich kaum mit Schwarzweiß-Ausarbeitung beschäftigt, aber mit der Zeit habe ich an vielen Abbildungen zu experimentieren begonnen. Einige zum Teil sehr unscheinbare Fotos sind so zu spannenden schwarzweißen Bergbildern geworden.

Landschaftsaufnahme

Welche Bilder werden schwarzweiß?

So pauschal lässt sich das leider nicht sagen. Natürlich werde ich Fotos, die am frühen Morgen oder im Sonnenuntergang entstanden sind und die aufgrund der Lichtstimmung und der Farbtöne eine tolle Stimmung erzeugen, nicht für schwarzweiß bearbeiten.

Wenn man viel in den Bergen unterwegs ist, hat man oft durchschnittliches Wetter und man schießt dann zahlreiche Fotos, auf denen der Himmel komplett weiß und überstrahlt ist. Durch das schlechte Wetter entstehen Fotos, die aufgrund der geringen Kontraste und blassen Farben einfach langweilig wirken. Solche unscheinbare Fotos können durchaus interessante Schwarzweißbilder werden.

Das linke Foto von der Eiger Nordwand ist wenig ansprechend, wirkt aber als Schwarzweißfoto ziemlich spannend, bedrohlich und passt gut zum Mythos, den die berühmt-berüchtigte Eiswand ausstrahlt. Der Stacheldraht verstärkt diese Wirkung noch zusätzlich.

Ebenso können auch Aufnahmen in der harten Mittagssonne, die ja in der Landschaftsfotografie dogmatisch verpönt sind, mit der richtigen Bildbearbeitung durchaus zu spannenden Schwarzweiß-Aufnahmen werden.

Bergpanorama

Bergpanorama

Bergpanorama in der knallharten Mittagssonne – High-Key Bildbearbeitung in Schwarzweiß (Schareck, Hohe Tauern)

Interessant ist, dass sowohl Aufnahmen mit starken Kontrasten, als auch kontrastarme Bilder als Schwarzweißbilder sehr stimmig wirken können.

nebelverhangener Berg

Kontrastarmes Schwarzweißbild – erzeugt eine geheimnisvolle Stimmung (Berner Alpen)

Berg

Kontrastreiches Schwarzweißbild (Mount Kailash, Westtibet)

Um Details stärker wirken zu lassen, mache ich auch aus sehr detailreichen Bergfotos oft Schwarzweißbilder. Hier ein Beispiel aus dem Berchtesgadener Alpen. Das linke Bild ist bereits bearbeitet und durchaus ansprechend. Durch das Eliminieren der Farben kommen die Feinheiten in der Berglandschaft des Watzmann noch ein wenig besser zur Geltung und die unterschiedlichen Grautöne geben dem Bild eine zusätzlich Tiefe.

Zusammenfassend eignet sich folgendes Ausgangsmaterial gut für Bergbilder in schwarzweiß:

  • Kontrastarme, farblose Fotos
  • Kontrastreiche Fotos
  • Bilder mit überstrahltem, weißem Himmel
  • Bilder in der harter Mittagssonne
  • Detailreiche Aufnahmen

Um tolle Fotos zu machen, müsst Ihr also nicht unbedingt wie viele Landschaftsfotograf*innen zum Sonnenauf- oder -untergang unterwegs sein. Das macht das Sammeln von Bildmaterial für die Schwarzweiß-Bergfotografie um einiges leichter, vor allem, wenn man die Fotografie wie ich nebenberuflich betreibt.

Bergfoto

Bildbearbeitung – Ein paar grundlegende Gedanken

Für die Bildbearbeitung meiner Schwarzweißfotos verwende ich ausschließlich Adobe Lightroom Classic CC und Adobe Photoshop CC. Die meiste Arbeit findet in Lightroom statt, Photoshop verwende ich eigentlich nur, um störende Objekte zu entfernen.

Wichtig ist natürlich, dass Ihr im RAW-Format fotografiert, um den optimalen Spielraum bei der Bildbearbeitung zu haben. Es gibt für die Bildbearbeitung in schwarzweiß keinen generellen Workflow, lasst Eurer Kreativität freien Raum.

Ich gehe hier auf ein paar grundlegende Arbeitsweisen ein, die sich bei mir bewährt haben. Als Beispielbild nehme ich ganz bewusst ein unscheinbares und unspektakuläres Bergfoto, das an einem Schlechtwettertag entstanden ist. Die Farben sind flau und der Himmel weiß. Zur Veranschaulichung des Workflows übertreibe ich die Bildbearbeitung hier bewusst.

Landschaftsbild

Unspektakuläres Ausgangsbild (Hohe Tauern)

Die Bildbearbeitung startet im Entwickeln-Modul in Lightroom mit dem Schwarzweiß-Button rechts oben im Reiter Grundeinstellungen.

Landschaftsbild

Unbearbeitetes Ausgangsbild nach der Schwarzweiß-Konvertierung

Unter „Grundeinstellungen“ wurde Dunst entfernt (+63) und Klarheit (+21) angehoben. Mit dem Verlaufswerkzeug und dem Lichter-Regler (-55) hole ich mir Zeichnung aus dem Himmel zurück.

Per Gradationskurve ziehe ich den Lichter-Regler nach rechts (+49) und den Tiefen-Regler nach links (-66), um die hellen Bereich aufzuhellen und die dunklen Bereiche abzudunkeln.

Unter „Effekte“ erzeuge ich eine Vignette (-16) und erhöhe noch ein wenig den Gesamtkontrast des Bildes – fertig!

Ich habe hier sicher nicht das tollste Foto verwendet und die Ausarbeitung wie gesagt deutlich übertrieben. Im Vergleich zum doch sehr langweiligen Ausgangsbild wirkt das Schwarzweißbild jedoch deutlich spannender, oder?

Hier ein Vorher-Nachher-Vergleich:

Fazit

Ausgangsmaterial für die Bergfotografie lässt sich einfach sammeln. Vergesst nicht, im RAW-Modus zu fotografieren. Die meisten meiner Bergfotos sind mit Sony-Kameras entstanden. Die RAW-Dateien besitzen einen sehr guten Dynamikumfang, was zu einem geringen Bildrauschen nach der Bearbeitung führt. Hier ist übrigens eine Empfehlung von mir, welche Kamera in den Bergen sehr gut geeignet ist.

Die Schwarzweiß-Ausarbeitung ist dann ein kreatives Spiel in Lightroom und bereitet mir nach einem anstrengenden Tag in den Bergen große Freude. Viele meiner Schwarzweiß-Bergfotos könnt Ihr in meinem Bergbilder-Webshop auch als Wandbilder erwerben.

Dieser Artikel erschien bereits auf Stefans Blog. Wir veröffentlichen ihn mit freundlicher Genehmigung.

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9 Kommentare

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  1. Mmh 🤔 …ich liebe Schwarzweiß-Aufnahmen, ich hatte eine 2 jährige Phase da habe wirklich jedes Foto in Schwarzweiß konvertiert, aber hier fehlt mir die Farbe irgendwie.

    Bei den Beispielen finde ich die Farbvariante immer besser, okay man müsste noch etwas an den Kontrast- und Sättigungsregler fummeln, aber dann passt das schon.

    Naja, vielleicht habe ich mich auch einfach nur, an den monochromen Aufnahmen satt gesehen 😉

  2. Hmmm… die Bilder sehen ja knackig aus. Und s/w ist immer wieder schön anzusehen. Aber dann geht man raus und findet nur eine eher langweilige, unbearbeitete Natur.

  3. Das kontrastarme Schwarzweißbild mit dem Nebel (Berner Alpen) finde ich gelungen. Die anderen Bilder „leben“ aber von den schönen Farb- und Helligkeitsabstufungen, die ich in den konvertierten Fotos nicht wiederfinde.

  4. Also ich habe trotz Bemühungen immer noch Probleme mit digitaler SW-Fotografie. Das ist mir einfach zu glatt, es fehlt das Filmkorn um den Bildern eine gewisse Lebendigkeit zu verleihen.
    Farbaufnahmen lediglich zu „konvertieren“ halte ich auch nicht für den richtigen Ansatzpunkt. Interessanter finde ich die Kamera unter Bildstile auf Schwarzweiß einzustellen und dann JPEG und RAW aufzunehmen. Dann sehe ich gleich was „funktioniert“ und habe das RAW zum Bearbeiten. Und da wäre mir nur Lightroom für die Konvertierung zu eingeschränkt. Luminar als Plugin z.B. bietet mehr Möglichkeiten und Nik SilverEfex wurde speziell dafür entwickelt und hat mehr „fotografische“ Einstellungen als LR.
    Leica baut ja wieder reine (Digital)SW-Kameras und auch im Mittelformat gibt es Ähnliches. Vielleicht ist das ja ein Ansatzpunkt. Einige Digital-Kameras (ich habe nur Erfahrungen mit der Sony A7-Reihe) setzen SW ganz gut um – man muss etwas mit den Einstellungen spielen. Eventuell sollte man auch mit analogen Objektiven experimentieren und sich deren „Charakteristik“ zunutze machen.
    Aber warum nicht gleich zum Original greifen und analog mit Film fotografieren?

  5. Ich finde die S/W-Fassungen sehr gelungen. Da in der Landschaftsfotografie die Unart grassiert, die Sättigung und den Kontrast in den Bildern immer weiter hoschzuschrauben, und dadurch die Bilder mit den leisen Tönen kaum noch eine Chance haben, wahrgenommen zu werden, habe ich auch schon überlegt auf S/W umzusteiegen. Vielen Dank für die Anregungen.

  6. S/W ist meine Leidenschaft, digital wie auch analog.

    Es wurde schon von Otto Hablizel angesprochen, LR allein ist sicher nicht das beste Werkzeug. Nik Silver Efex hätte hier als Ergänzung dazu gehört. Ich benutze es seit der ersten Version mit sehr zufrieden stellenden Ergebnissen. Meistens versuche in, in LR das visualisierte Bild zu erreichen. Bei problemlosen Bildern klappt es auch oft. Gehe dann aber ggf. zu Nik und mache das Bild fertig.

    Unter „Effekte“ erzeuge ich eine Vignette (-16) und erhöhe noch ein wenig den Gesamtkontrast des Bildes – fertig!

    Abgesehen davon, dass die Vignette bei dem Ergebnis mir viel zu stark eingesetzt ist, sind die Lichter in den Wolken zu sehr ausgefressen.
    Auch fehlt ganz der Einsatz der Farbfilter, die LR bietet. Hier hätte z.B. das Grün aufgehellt werden können und das restliche Blau des Himmels reduziert. Damit hättest du die Kontraste nicht so stak ziehen müssen. In dem Bild fehlen mir die abgestuften Grautöne, auch wenn ich Kontraste liebe.

    Im ersten Bild, wie auch auf deiner Webseite, ist mir aufgefallen, dass die Berge durch die Bearbeitung eine halo oder Schein haben, der da nicht hin gehört. Besonders ausgeprägt bei dem Eingangsbild um die Bäume vor dem Berg. Auch hätte ich bei den Bildern die Kondensstreifen der Flugzeuge entfernt.

    Zu dem Titel „Bergfotografie in schwarzweiß“ hätte für mich auch die Option gehört, in infrarot zu fotografieren, entweder mit externem Filter oder mit einer auf IR umgebauten Kamera.

    dierk