16. Januar 2019 Lesezeit: ~6 Minuten

Drei Tipps für bessere Handyfotos

„Naturfotografie mit dem Smartphone“ ist ein ganz besonderes Buch für mich, denn es vereint meine Liebe und Leidenschaft zur Natur und zur Fotografie. Ich gebe im Buch viele kreative Tipps, die direkt umsetzbar sind. Drei dieser insgesamt 98 Tipps möchte ich Euch heute zeigen, um Euch einen ersten Eindruck vom Buch zu vermitteln.

Makroaufnahme von Gras

Bokehs fotografieren

Wenn man in der Fotografie über Bokehs (Lichtkreise) spricht, geht man meistens davon aus, dass man bei einem Objektiv die Blende weit öffnen kann. Der Begriff „Bokeh“ stammt aus dem Japanischen und bedeutet soviel wie Unschärfe. Dabei lässt sich über den Bokeh-Geschmack streiten – die einen lieben sie, die anderen weniger. Wer aber Bokehs als Gestaltungsmittel mag, wird sie bei der Smartphone-Fotografie schmerzlich vermissen, da, wie schon erwähnt, die Blende am Objektiv nicht eingestellt werden kann.

Doch es gibt einen kleinen Trick: Den Makromodus. Dieser muss in der App entweder aktiviert werden oder aber das Smartphone erkennt ihn automatisch, je näher man am Objekt ist. Ist er eingeschaltet, dann sind auch kleine Bokehs möglich. Sie sind zwar nicht so schön herausgearbeitet wie beispielsweise diejenigen, die mit einem 50-mm-Objektiv entstehen, aber sie sind trotzdem ein wunderbares Gestaltungsmittel.

Neben dem aktivierten Makromodus wurde die Kamera in dem Beispiel zusätzlich gedreht. Das Smartphone steht sicher auf dem Boden und die Linse ist nach unten gedreht, sodass von unten nach oben durch das Gras hindurch fotografiert wurde. Der Fokus lässt sich bei einem Smartphone leicht nach hinten verschieben, in dem man mit dem Finger auf den Bereich auf dem Display drückt, der scharf werden soll. Manchmal musst Du hier etwas rumprobieren, weil sich der Fokus nicht auf Anhieb verschieben lässt, aber mit ein bisschen Geduld gelingt es.

Wie bei allen Bokehs, ist ein gutes Licht Voraussetzung für das Gelingen. In diesem Beispiel wurde am frühen Morgen, als die Sonne am Horizont aufging, gegen die Sonne fotografiert. Die Tautropfen im Gras, die sich im Vordergrund des Bildes befinden, wurden so zu kleinen Lichtkreisen. Das Foto hat einen zusätzlichen Glitzereffekt, weil die Gräser noch von der Nacht gefroren waren und die Sonne sie aufgetaut hat.

Spinnennetz mit Wassertropen

Magischer Fokus

Eine besondere Funktion, „Magischer Fokus“, „Selektiver Fokus“ oder auch „Fokuseffekt“ genannt, gibt es in vielen aktuellen Smartphones. Du findest ihn üblicherweise im Menü der Kamera-App. Bei aktivem magischen Fokus musst Du sehr nah an das Objekt herangehen und beim Auslösen die Kamera ganz stillhalten. Wie bei einem Serienbild macht die Kamera nun verschiedene Aufnahmen mit in die Tiefe gestaffelten Fokuspunkten.

Sobald die Aufnahmen beendet sind, öffnet sich ein Menü. In diesem kannst Du Dir ein Bild aus einer Reihe von Fotos aussuchen, bei dem der Schärfebereich Deinen Vorstellungen am ehesten entspricht. In meinen Beispielbildern ist gleich, dass hier mit viel Unschärfe, wie bei einer geöffneten Blende, im Smartphone gearbeitet wurde. Der Unterschied ist, dass die App die geöffnete Blende, auch Offenblende genannt, digital errechnet hat.

Im oberen Foto, das Spinnennetzbild, liegt der Fokus auf dem hinteren Spinnennetz. Dadurch wirkt der Vordergrund wie ein Schleier, der über dem Bild liegt; auch der Hintergrund ist weichgezeichnet. Die verschiedenen Ebenen der Wassertropfen lassen das Bild dreidimensional anmuten.

Blumen mit Wassertropfen

Das zweite Bild hat einen Look, als wenn es unter Wasser fotografiert worden wäre. Es handelt sich dabei um eine taunasse Uferpflanze mit Wasser im Hintergrund. Das Foto wurde im Gegenlicht am frühen Morgen aufgenommen. Der Fokus liegt im hinteren Teil des Bildes, nämlich auf dem taubenetzten Spinnennetz.

Das Gegenlicht, die Reflexionen auf dem Wasser und der unscharfe Vordergrund geben dem Foto einen fantasievollen Unterwasserlook. Experimentiere mit der Funktion des Magischen Fokus. Die ersten Aufnahmen werden Dir nicht gleich gelingen, es braucht ein wenig Übung und das richtige Motiv. Dieser Effekt passt nicht überall hin.

Äpfel

Texturen für einen besonderen Look

Vielleicht möchtest Du Deinen Fotos einen Romantik- oder einen Retro-Look geben? Dafür gibt es verschiedene Apps, die über das Foto eine Textur legen. Dabei handelt es sich meistens um ein Bild, das Kratzer, Flecken oder Ähnliches enthält. Sobald eine solche Textur mit einer Fotografie verschmilzt, entsteht ein eigener Look, wie er bei vielen Instagram-Bildern typisch ist.

Für meine Bilder habe ich die ältere, kostenpflichtige App „Afterlight“ verwendet (Afterlight2 ist zum Zeitpunkt der Redaktion nur für IOS erhältlich). Diese bietet eine Vielzahl Texturen, die über das Bild gelegt werden können.

Im Herbstbild wurde eine einfache Textur mit Kratzern hinterlegt. Die Farbstimmung wurde mit Farbfiltern der App erzeugt. Im Unterschied zu Instagram ist es in dieser App möglich, gleich mehrere Filter und Texturen über ein Bild zu legen. Dies geschieht jedoch nicht – wie in der PC-Bildbearbeitung üblich – in einzelnen, nachträglich veränderbaren Ebenen, sondern nur nacheinander. Die Originaldatei bleibt stets erhalten, Du speicherst generell Deine Änderungen in einer neuen Datei ab.

Waldbild

Auf eine ähnliche Weise ist das Apfelbild bearbeitet worden: Hier habe ich nacheinander eine Textur mit Kratzern und eine weitere mit Dunst und Wolken über das Bild gelegt. Die Kombination führt zum alten Filmlook.

Welche Textur Du über das Bild legst, solltest Du Deiner Intuition überlassen. Hier gibt es kein Richtig oder Falsch. Probiere die verschiedensten Texturen durch und entscheide Dich für diejenige, die Deine Bildaussage und Stimmung am besten unterstützt.

Mein Tipp: Versuche, Texturen auszuwählen, die keine großen Muster bzw. Strukturen haben. Die Textur soll Deine Bildstimmung unterstreichen und nicht das Motiv zerstören.

Buch

Damit das Buch in gedruckter Form Wirklichkeit wird, brauche ich Eure Hilfe. In einer Crowdfundingkampagne auf Startnext könnt Ihr Euch das Buch für 22 € sichern und mir helfen, die Druckkosten zu bezahlen.

Ich hoffe, der kleine Einblick in mein Buch hat Euch gefallen. Die einzelnen 98 Kapitel bauen nicht aufeinander auf, sodass die Inhalte jederzeit quergelesen werden können. Viele Naturbilder illustrieren die Tipps und motovieren Euch hoffentlich, direkt selbst mit dem Smartphone loszuziehen.

Informationen zum Buch

Naturfotografie mit dem Smartphone von Jana Mänz
Sprache: Deutsch
Einband: Softcover
Seiten: 236
Maße: 14 x 21 cm
Preis: 22 €

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