20. Juni 2018 Lesezeit: ~7 Minuten

Mit dem Fahrrad durch Amerika

Ein Jahr ist es her, dass ich mit meinem Fahrrad vom Banff- zum Jasper-Nationalpark fuhr, durch die Kanadischen Rockies, um zu beweisen, dass kein Auto zu haben meine Leidenschaft für Landschaftsfotografie nicht zurückhalten konnte. Dieses Jahr nahm ich mir wieder ein freies Semester.

1.500 Meilen (ca. 2.400 km) fuhr ich mit dem Fahrrad die Amerikanische Westkünste runter, von Seattle nach Los Angeles, um die wundervolle Küstenlandschaft zu fotografieren. Das ist die Geschichte vom größten Abenteuer meines Lebens. Bis jetzt.

Meeresküste

Cape Kiwanda, Oregon

Die ersten Hürden

Diese Herausforderung erinnerte sehr an die vorherige: Mit 18 war ich immer noch zu jung, um ein Auto zu mieten und jetzt, als Student, konnte ich mir einfach kein eigenes leisten. Also belud ich mein Fahrrad erneut und begab mich am 21. März 2018 auf meine Reise.

Für 40 Tage lebte ich von meinem Fahrrad herab. Alles war selbstversorgend; das bedeutete auch, dass ich all meine Utensilien und meine Ausrüstung selbst tragen musste. Wenn ich sage, dass es oft herausfordernd war, ist das noch untertrieben. In meiner Vorstellung war die Westküste im Vergleich zu den Kanadischen Rockies ein Kinderspiel.

Nur ein paar kleine Hügel hier und da, aber sonst sehr einfach und flach im Gegensatz zu den Bergen, richtig? Oh, ich konnte nicht weiter daneben liegen! Die Küste war atemberaubend. Wunderschön und unerbittlich. Es schien, als müsste ich alle paar Meilen einen neuen Hügel erklimmen. Lektion gelernt: Unterschätze nie Deine Gegner!

Meeresküste

Seal Rock, Oregon. Mein Campingplatz war genau auf der anderen Seite der Straße, von der aus ich dieses Bild gemacht habe. Das hat es zu einer der am einfachsten reichbaren Orte meines Abenteuers gemacht.

Heide vor dem Meer

Bandon, Oregon. Im Gegensatz zum vorherigen Bild musste ich 5 Meilen (ca. 8 km) von meinem Campingplatz und noch einmal 5 Meilen zurück fahren, nur um diesen Ort zu fotografieren. Nicht so schwierig insgesamt, aber ein etwas aufwändiger Weg zurück im Dunkeln.

Orte, Orte, Orte

Es gibt unzählige Karten für die Westküste, aber ich entschloss mich, sie zu ignorieren und mir meine eigene Route mit noch unausgesprochenen Abenteuern zu planen; eine, die mich an all die fantastischen Orte brachte, die ich schon immer sehen und fotografieren wollte.

Meine größte fotografische Herausforderung bestand jedoch darin, Unterkünfte zu finden, die nah an den Landschaften lagen, die ich fotografieren wollte, aber gleichzeitig auch nicht zu teuer für mich waren.

Ich denke, es ist einfach, zu ignorieren, wie weit ein Platz von der eigenen Unterkunft entfernt ist, wenn man ein Auto hat. Im Auto ist man wie mit einem Schild geschützt vor den Elementen und sitzt gemütlich und sicher. Einfach mal 20 Meilen (ca. 33 km) zwischen dem Aufnahmeort eines Fotos und dem Campingplatz hin und her zu fahren, fühlt sich wie nichts an. Doch auf einem Fahrrad, auf dem man drei bis vier Mal langsamer unterwegs und allem ausgesetzt ist – sagen wir einfach, je näher die Unterkunft liegt, desto besser.

Zeitmanagement war entscheidend. Dieses Abenteuer im Frühling bedeutete kürzere Tageslichtstunden im Vergleich zum Sommer und folglich konnte ich nicht einfach meine Zeit damit verbringen, Rad zu fahren und Fotos zu machen und dann noch einige freie Stunden vor der Goldenen Stunde zu haben.

Küste von oben

Meine Ausrüstung

Meine fotografische Ausrüstung ist in etwa die gleiche wie im vergangenen Jahr, nur mit kleinen Erweiterungen. Die DJI Mavic Pro hat mich mit ihrer Vogelperspektive schon immer fasziniert, also brachte ich für diesen Ausflug meine neue Drohne mit. Im Gegensatz zu den Rockies bat die Westküste Plätze, an denen das Fliegen legal und erlaubt war.

Meine Fujifilm X-T2 und das XF 16–55 mm f/2.8 sind eine Kombination, die ich für lange Reisen schätzen und vertrauen gelernt habe. Sie waren starke Mitstreiter auf diesem Abenteuer, im Kampf gegen den Regen und die Kälte. Ich nahm meine Erfahrungen vom letzten Mal ernst und besorgte mir zusätzlich einen Fahrradanhänger. So konnte ich meine Ausrüstung sicher im Anhänger verstauen, anstatt sie auf meinem Rücken zu tragen. Das hat einen unermesslichen Unterschied für meinen Rücken gemacht.

Wasserfall

Thor’s Well, Oregon. Manche Campingplätze hatten spezielle Wander-/Fahrradpreise, die nur dem Bruchteil dessen entsprechen, was alle anderen zahlen müssen.

Reisen für kleines Geld

Wie kann sich ein 18-Jähriger kein Auto leisten, aber dafür eine Reise durchs Land? Simpel: Haushalten wie verrückt!

Zum größten Teil habe ich mir mein eigenes Essen vorbereitet und aß sonst nur außerhalb zum Probieren von neuen Dingen. Ich blieb teuren Unterkünften und Komfort fern und konzentriere mich auf Camping (günstig) oder Couchsurfing (kostenlos!). Natürlich ist ohne ein Auto auch kein Benzin nötig. Auch Wartungen, Versicherung und Parktickets entfallen damit.

Im Durchschnitt betrugen all meine Ausgaben am Ende nur 15 Dollar (~12 €) pro Tag! Ich musste oft viele bequeme Dinge auslassen, um an meinem Budgetplan festhalten zu können, aber am Ende des Tages konnte ich beweisen, dass ich es geschafft und durchgehalten habe.

Sonnenuntergang über dem Meer

Rialto Beach, Washington war in der Nähe von dem Ort, an dem ich fast von der Straße gedrängt wurde. Es gab keine Sicherheitsgeländer und einen steilen Abhang direkt in den pazifischen Ozean!

Menschen auf meiner Reise

Ich sollte erwähnen, dass die Menschen, die ich unterwegs getroffen habe, meistens ganz grandios waren. Neben völlig Fremden, die mich zu sich eingeladen haben und bei denen ich im Austausch von Geschichten meines Abenteuers schlafen durfte (das bedeutet Couchsurfing), habe ich auch viele interessante Leute getroffen und mit ihnen reden können, Fotograf*innen sowie Nicht-Fotograf*innen.

Manchmal haben sie mir Essen, Snacks und sogar Limonade angeboten. Viele Leute rufen und winken motivierend, wenn man an ihnen vorbeisaust. Diese Leute haben meine Reise noch ein bisschen unvergesslicher gemacht.

Doch als Schattenseite gab es auch eine kleine Anzahl wahrlich furchtbarer Leute. Ich erinnere mich an einen Typen aus Oregon, der fragte, wie lang ich plane, durch die USA zu fahren, bevor ich zurück nach China abhaue. Unglaublich! (Nebenbei, ich bin amerikanischer Staatsbürger, ich gehe nirgendwohin!) Naja, immer noch besser als das eine Mal, als ich fast von der Straße gedrängt wurde.

Küste von oben

Die Moral

Noch vor einer Weile hätte ich mir niemals vorstellen können, dass ich so etwas machen würde wie mit dem Fahrrad durch das halbe Land zu fahren und damit, schätze ich, hat mich das Fotografieren wirklich zu einem besseren Menschen gemacht. Es öffnete mich für neue Erfahrungen und ließ nicht nur mein Selbstvertrauen, sondern auch meinen Charakter wachsen.

Wie viele Teenager kann ich es kaum erwarten, mir endlich mein eigenes Auto leisten zu können, aber für den Moment kann ich mit ziemlicher Sicherheit sagen, dass es kein Problem für mich ist, keines zu haben. Bis zum nächsten Mal!

Der Text wurde von Samantha Evans aus dem Englischen ins Deutsche übertragen. Er erschien bereits auf Ethans Blog. Wir veröffentlichen ihn mit freundlicher Genehmigung.

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5 Kommentare

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      • Also ich fand den Text recht interessant, wenn auch sicher nicht extrem tiefsinnig. Genau so muss man reisen, mit dem Fahrrad – oder sogar ohne. Ich bin in den letzten zehn Jahren etwa zehntausend Kilometer zu Fuß herumgelaufen und habe „Street Photography“ betrieben, oder es zumindest versucht :-)))
        Das ist ökonomisch und ökologisch sinnvoll, man lernt tolle Leute kennen, und manchmal eben auch A****löcher. Aber die positiven Erfahrungen dominieren, definitiv! Man wird auch, in der Tat, oft eingeladen. In manchen Ländern werden dann kleine Gastgeschenke erwartet, aber es lohnt sich auch finanziell trotzdem, „billig“ und intensiv zu reisen.