27. Oktober 2017 Lesezeit: ~ 8 Minuten

Welche Kamera eignet sich für ein Kind?

Beginnen Kinder, sich für die Fotografie zu interessieren, kommt schnell die Frage nach einer eigenen Kamera auf. Die Kaufentscheidung fällt jedoch nicht leicht angesichts des Überangebots verschiedener Kameras. Zudem ist der Kauf auch mit einigen Kosten verbunden. Deshalb möchte ich im Folgenden einige Tipps geben und Kameras verschiedener Preisklassen vorstellen, die sich gut für Kinder eignen.

Wichtig vorab: Nicht nur das Alter des Kindes und das verfügbare Budget müssen bei der Überlegung berücksichtigt werden, sondern auch die Persönlichkeit und Reife des Kindes. Bezieht Euer Kind deshalb am besten bei der Suche mit ein, zeigt eine kleine Auswahl von Kameras und erklärt ihnen grob die Vor- und Nachteile der einzelnen Modelle.

Die Altersangaben in diesem Artikel sind meine persönlichen Empfehlungen und entsprechen nicht den Herstellerangaben. Da die hier aufgeführten Kameras vorrangig für Erwachsene produziert werden, ist keine Altersgrenze nach oben gegeben.

Ein Kind mit Kamera

 

Einwegkameras

Ihr seid noch nicht sicher, ob sich das Kind überhaupt länger für die Fotografie interessiert und sucht zunächst nach einer kostengünstigen Möglichkeit, um zu testen, wie es mit einer Kamera zurecht kommt? Dann ist eine Einwegkamera ein guter Anfang. Gastautor Carsten Beier berichtete im Artikel Mein zweites Jahr – Kindheitserinnerungen darüber, wie sein Sohn mit Begeisterung mit Einwegkameras spielt und zeigt im Artikel auch einige Ergebnisse.

Vorteile: Einwegkameras sind sehr günstig und eine gute Möglichkeit, erste Erfahrungen zu sammeln. Sie machen Spaß, sind sehr einfach zu bedienen und überstehen auch mal einen Sturz. Nach der Entwicklung des Films hat das Kind alle Bilder direkt als Drucke in der Hand und kann sich mit den Aufnahmen auseinandersetzen. Zum Entwickeln kann man die Kamera in jedem Fotogeschäft oder auch in der Drogerie abgeben. Zudem sind sie sehr klein und leicht und somit perfekt für Kinderhände.

Nachteile: Wie der Name schon sagt, kann man diese Kamera nur einmal verwenden. Der Preis ist zwar günstig, findet das Kind jedoch Gefallen an der Kamera, wird es doch schnell teuer. Zudem sieht das Kind erst nach der Entwicklung, was es fotografiert hat und gerade kleine Kinder können zu Beginn noch nicht verstehen, was es bedeutet, wenn sie den Auslöseknopf drücken. Deshalb ist ein Film auch mal schnell voller verwackelter Motive von Tischbeinen und Hundepopos. Die Bilderanzahl ist je nach Kamera begrenzt auf 27 oder 36 Aufnahmen.

Alter: ab fünf Jahren
Preis: 6–10 € (+ Entwicklungskosten des Films)

 

Kinderkameras

Natürlich gibt es auch Kameras, die extra für Kinder produziert werden und theoretisch sollten diese Kameras die ideale Wahl sein. Sie haben jedoch einige Nachteile, weshalb ich nur sehr eingeschränkt zu einer solchen Spielzeugkamera rate.

Vorteile: Sie sind optisch ansprechend für Kinder gestaltet und haben neben der Kamerafunktion oft noch viele kleine Extras wie Spiele oder Audiofunktionen. Auch halten diese Kameras einiges aus und sind recht günstig.

Nachteile: Die ganzen Extras lassen die eigentliche Fotografie nicht nur in den Hintergrund rücken, sondern auch die Bildqualität leidet ordentlich, wenn für 80 € auch Filtereffekte, Spiele und MP3-Funktionen in der Kamera verbaut werden müssen. Zudem ist so eine Kinderkamera ab einem gewissen Alter nicht mehr ansprechend.

Alter: 3–10 Jahre
Preis: 60–100 €

 

Outdoorkameras

Meine fünfjährige Tochter hat sich meine Outdoorkamera Olympus TG-4 geschnappt und begonnen, mit Begeisterung zu fotografieren. Die Kamera ist einfach ideal für sie und hat viele Vorteile. Ursprünglich war die Kamera für mich selbst gedacht und ich habe im Magazin auch einen Testbericht über sie geschrieben.

Vorteile: Outdoorkameras sind sturz- und wasserfest, also praktisch unkaputtbar. Sie sind handlich und leicht und man kann die Ergebnisse direkt auf dem Display betrachten. So können Kinder leichter verstehen, wie alles zusammenhängt und Motive verbessern, wenn sie unzufrieden sind. Meist nutzt meine Tochter den Automatikmodus, hat jedoch auch schnell gelernt, wie man den Blitz ein- und ausschaltet und stellt für Nahaufnahmen auf den „Mikroskop-Modus“. Eine Funktion der Kamera, die Kindern unglaublich viel Spaß macht. Es gibt viele weitere Einstellmöglichkeiten und einen manuellen Modus. So kann das Kind die vielen Knöpfe nach und nach verstehen lernen.

Nachteile: Outdoorkameras sind nicht günstig und die Vielzahl der Knöpfe und Möglichkeiten können zu Beginn etwas überfordern. Aber mit ein wenig Hilfe verstehen Kinder die Kamera sehr schnell.

Alter: ab drei Jahren
Preis: 130–360 €

Ein Mädchen mit Kamera auf einer Wiese

 

Sofortbildkameras

Sofortbildkameras sind wieder im Trend und es gibt eine Vielzahl neuer Modelle, die nicht nur Erwachsenen Spaß machen. Mit einem Klick kommen die Aufnahmen direkt aus der Kamera.

Vorteile: Wenige Sekunden nach der Aufnahme hat man sein Foto direkt in der Hand. Viele Kameras sehen sogar aus, als wären sie für Kinder konzipiert und kommen in bunten Farben wie die Fujifilm Instax Mini 9 . Sie sind zudem leicht zu bedienen, da es wenige Einstellmöglichkeiten gibt.

Nachteile: Die Kameras selbst sind in der Anschaffung relativ günstig, die Filme kosten jedoch etwa 9 € für 10 Fotos. Zudem lässt sich an der Kamera selbst wenig einstellen.

Alter: ab fünf Jahren
Preis: 60–130 € (+ 9 € pro Film)

 

Spiegelreflexkameras

Auch bei Spiegelreflexkameras gibt es günstige Einsteigermodelle mit guter Qualität. Eine neue Spiegelreflexkamera lohnt sich vor allem, wenn sich das Kind bereits für die Fotografie interessiert und wissbegierig ist, denn die vielen Möglichkeiten überfordern auch schnell.

Es gibt DSLRs von vielen verschiedenen Marken. Sollte in der Familie bereits eine Kamera vorhanden sein, ist es sinnvoll, bei dieser Marke zu bleiben, denn so kann sich das Kind auch leicht Objektive und Zubehör leihen, um zu experimentieren und die Erwachsenen können sich leichter in das Kameramodell hineindenken und beim Ausprobieren helfen.

Aufgrund der enorm großen Auswahl möchte ich an dieser Stelle keine konkreten Vorschläge machen. Am besten lasst Ihr Euch in einem Fotofachgeschäft beraten und nehmt die jeweiligen Kameras auch mal in die Hand. Redakteur Manuel Mut schrieb im Dezember 2014 einen ausführlichen Artikel zur Frage Welche Kamera soll ich kaufen?. Hier gibt er einige Tipps, die man beim Kauf beachten sollte und macht auch einige Kameravorschläge. Auch wenn der Artikel bereits von 2014 ist, sind viele der Kameras noch erhältlich. Alternativ gibt es natürlich auch noch viele gute Modelle gebraucht, die dadurch auch um einiges günstiger sind.

Vorteile: Mit einer solchen Kamera kann man die Fotografie mit etwas Geduld gut erlernen und sieht das Ergebnis direkt auf dem Display. Durch die verschiedenen Aufnahmemodi kann das Kind die Verbindung zwischen Blende, Belichtungszeit und ISO verstehen und ganz bewusst Bilder gestalten, bevor es auf den Auslöser drückt.

Nachteile: DSLRs sind auch mit den Einsteigermodellen kein günstiges Geschenk. Zudem sind die Kameras sehr groß und schwer und sollten unter keinen Umständen runterfallen. Daher ist eine solche Kamera eher für ältere, verantwortungsbewusste Kinder geeignet.

Alter: ab 10 Jahren
Preis: ab 400 €

Ein Junge mit Kamera

Die Kamera aus der Schublade

In fast jedem Haushalt liegt eine nicht oder kaum genutzte Kamera herum. Das kann eine kleine digitale Kompaktkamera sein oder eine analoge SLR aus den 80er Jahren. Ganz egal, um welches Modell es sich handelt, zu Beginn reichen diese Kameras durchaus, wenn das Kind keine speziellen Wünsche geäußert hat.

Oft möchten Kinder einfach nur selbst etwas produzieren und dabei Spaß haben, die Qualität spielt da eine untergeordnete Rolle. Mit solch einer Kamera kann man ohne große Unkosten herausfinden, ob das Kind wirklich Freude am Fotografieren hat und sich auch länger dafür interessieren wird.

Preis: 0 €

 

Egal, für welche Kamera Ihr Euch entscheidet, lasst Euer Kind nicht komplett allein mit dem Thema Fotografie. Wenn Ihr selbst nur wenig fotografische Erfahrung habt, seht es als Chance, gemeinsam mit Eurem Kind etwas Neues zu entdecken. Solltet Ihr selbst Profis sein, helft Eurem Kind vor allem, den Spaß an der Fotografie zu entdecken und steigt nicht direkt mit trockenen Technikerklärungen ein. Wie man Kindern die Liebe zur Fotografie vermittelt, beschrieb Gastautor Manolito Röhr erst kürzlich in einem sehr schönen Artikel.

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8 Kommentare

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  1. Guter Artikel mit guten Hinweisen, aber einig Ergänzungen hätte ich.
    Einfach in den üblichen Online Auktionshäusern nachsehen. Gerade etwas ältere, aber brauchbare digitale Kompaktkameras gehen dort für sehr kleines Geld über den Tisch. So erhält das Kind eine Kamera zum Ausprobieren mit, bei entsprechender Auswahl gutem Funktionsumfang. Der finanziellem Schaden ist hierbei sehr begrenzt, sollte die Schwerkraft doch irgendwann die Oberhand gewinnen.

    Alternativ zu einer Einwegkamera finden sich dort auch Unmengen von analogen Kompaktkameras aus der Endzeit dieser Geräte, die zum Startgebot weggehen. Der Nachkauf einer passenden Batterie ist hier in der Regel der teuerste Faktor. Spätestens beim dritten/viertem Film dürfte sich hier Kostenneutralietät gegenüber einer Einwegkamera einstellen. Die deutlich höhere Bildqualität dieser Kameras ganz außen vor.

    Am besten einfach das Kind fragen, egal wie alt… Wenn die Kamera nicht gefällt weil sie zu groß, zu klein, zu bunt zu schwarz ist, wird sie nicht benutzt.

  2. Hallo Frau Kemnitz,
    vielen Dank für diesen super Artikel. Er ist wirklich super geschrieben. Die Pro/Kontra Argumente sind auch gut nachvollziehbar und objektiv. Auch ich überlege, wie ich meinen Sohn in Zukunft, wenn er älter ist, an die Fotografie heranführen kann und mit welcher Kamera. Daher gefällt es mir gut, dass Sie die verschiedenen Aufnahmemöglichkeiten aufzeigen und auch die für Kinder wichtigen haptischen Gründe wie ausgedruckte Fotos erwähnen. Auch gefällt mir gut, dass Sie Kaufbeispiele mit verlinkt haben.
    Nochmals vielen Dank und ein schönes Wochenende Ihnen.
    Viele Grüße,
    Sébastien Feurton

  3. Mein Favorit für Kinderhände: Outdoorkameras. Diese müssen ja nicht im oberen Preissegment liegen, sondern können (besonders für kleinere Kinder von 3-7 Jahren) auch günstige Einsteigerkameras (ab ca. EUR 70,00 aufwärts) sein, ggf. auch gebraucht. Vorteile der Einsteigerkameras: Das Menü ist meist nicht so komplex wie im oberen Preissegment und überfordert die Kinder nicht. Die Einstellmöglichkeiten sind meist einfacher gestaltet und man kann auch nicht so viel versehentlich verstellen (z.B. Weißabgleich oder manueller Modus).

    Sofortbild- und Einwegkameras würde ich aufgrund des teueren Filmmaterials ausschließen. Wenn Kinder loslegen, kann es ganz schön viel Materialverbrauch geben. Kenne ich von meinen Neffen. Wenn sie schon mit meiner Kompakt-Digi oder DSLR fotografieren durften, haben sie sehr schnell den “Maschinengewehr-Modus” gefunden (Auslöser drücken und nicht mehr loslassen). Zum Glücks wars digital, bei Film wärs teuer geworden.

    Von speziellen Kinderkameras halte ich nichts, da diese meist keine ordentliche Bildqualität haben (meist nur um 2 MP) und die Fotos somit nur in Briefmarkengröße herzeigbar sind. Außerdem sind die darauf befindlichen Spiele meist interessanter und die Kinder daddeln lieber. So erging es meiner Freundin: Als ihr Kleiner kurz vor seinem 4. Geburtstag sich sehr für Mamas und Papas teuere Kamera interessierte, empfahl ich ihr eine günstige Einsteiger-Outdoorkamera. Die Kamera kam super an. Ein Jahr später erhielt er zum 5. Geburtstag von der Oma eine Kinderkamera geschenkt. Auf dieser spielte er die enthaltenen Spiele rauf und runter und fotografierte fast nichts damit. Meine Freundin war froh, als die ach so bruchfeste Kinderkamera bald darauf vom Regal fiel und den Geist aufgab. Die Outdoorkamera tut heute noch ihren Dienst…

    Übrigens: Es gibt noch “Zwischenlösungen”. Eine solche haben meine Schwester und mein Schwager letztes Jahr für meine Neffen (5, 7 und 9) entdeckt:
    Die Nikon Coolpix W100.
    Recht robust und mit ca. 14 MP gute Bildquallität, so dass sich ggf. auch noch Ausschnitte aus den Fotos machen lassen. In verschiedenen bunten Farben erhältlich und mit zusätzlichem Kindermenü ausgestattet (Fotos verzieren, spiegeln und andere kreative Effekte). Also genug fotografische Spielereien, aber keine Spiele. Preis ist mit ca. EUR 130,00 – 150,00 auch o.k.

    Spiegelreflex gerne, sobald sich das Kind näher für die Fotografie interessiert (ab 10 Jahren aufwärts). Trotzdem sollte im Haus noch eine Kompaktkamera vorhanden sein, die auch für den Fahrradausflug mit Freunden Platz in der Jackentasche findet.

  4. Ich kann da nur zustimmen. Die Kinderkameras kommen dann “gendergerecht” gern in pink oder hellblau und gern noch mit irgendeiner lustigen Disneyfigur drauf. Bloß nicht kaufen. Das ist üblicherweise die allerübelste Technik. Der kleinstmögliche Sensor. Eine richtig dumme Elektronik. Ein winziges 1-Zoll-Display mit 180×120 Pixeln oder ähnlich, auf dem nichts erkennt. Dann gibt es häufig eine Auslöseverzögerung von 1-2 Sekunden. Das alles frustriert auch Kinder. Sofern nicht eine ältere Kamera vorhanden ist, würde ich immer zu einer einfachen Marken-Kompaktkamera mit relativ großem Zoombereich raten.

  5. Blogartikel dazu: Best of... Familienfotografie im Oktober 2017 - Klick.Kind

  6. Wieso immer erst ab 3? :-) Mein Sohn wird in einem Monat 2 und liebt seine Sofortbildkamera. Für mich der beste Start in die Fotografie, weil man sofort sieht worum es geht und was man gemacht hat. Ausserdem findet er es spannend, wenn das Foto heraus kommt und sich langsam entwickelt. Wir grenzen die Fotos allerdings ein, weil es nicht die günstigste Variante ist, soll aber auch nur der Einstieg sein. Mitlerweile gibt es sogar monochrome Filme f die Instax Modelle u die Möglichkeit Langzeit- oder Mehrfachbelichtungen zu machen.

    Für uns ein super Einstieg