Natursteinmauer zwischen Wiese und Straße mit einem Schild auf dem Polling Station steht.
06. September 2017

Autonomy – Über die Unabhängigkeit

Am 18. September 2014 hatten die Einwohner Schottlands die Chance, ihre Zukunft nachhaltig zu verändern oder bei einem Scheitern des Referendums zur Unabhängigkeit in Großbritannien zu verbleiben. Anders als in der bisherigen Geschichte Schottlands, die von der Idee der Unabhängigkeit geprägt ist, ging es bei diesem Referendum viel mehr um die sozialen und wirtschaftlichen Bedenken der Schott*innen.

Am Donnerstag, zwischen 7 Uhr morgens und 10 Uhr abends, halten wir zum ersten Mal in unserer politischen Geschichte die Zukunft unseres Landes nachdrücklich in unseren Händen.
— Saul Day, Sozialarbeiter

Um dieses historisch wichtige Ereignis zu dokumentieren, reiste ich für drei Wochen zu den nördlichsten Inseln Schottlands, den Shetlandinseln. Diese Inselgruppe zeichnet sich vor allem dadurch aus, dass sie weit abgeschlagen zwischen dem Nordatlantik und der Nordsee liegt, den stark schwankenden und extremen Wetterbedingungen unterliegt und mit ihren vielen verschiedenen Sedimenten sowie Küstenformen geografische Varianten aufzeigt.

In Anbetracht dieser Grundvoraussetzungen müssen die Einwohner*innen dieser sehr dünnbesiedelten Inselgruppe ihre Lebensgewohnheiten ganz danach ausrichten, was dieser besondere Ort voraussetzt aber auch bietet. So ist vor allem die große Abgeschiedenheit, Einsamkeit und die damit einhergehend schwierige soziale sowie wirtschaftliche Lage ein Problem.

Luftblick auf Meeresbucht an gebirgiger Küstenlandschaft.

Außenansicht von einem Ladenlokal mit Aufschrift Yes Shetland.

Junger Mann mit langen Haaren steht draußen an einen Pfeiler gelehnt vor einem Haus.Älterer Herr in gestreiftem Shirt steht am Wasser, im Hintergrund ein steinernes Haus und ein Boot.

Bestuhlter Raum mit Holzvertäfelung, in dem Menschen einem Redner zuhören.

Durch die Orientierung der Wirtschaft hin zu einer erfolgversprechenden Fischerei und einer florierenden Ölindustrie eröffnen sich natürlich Möglichkeiten, dort Beschäftigung zu finden. Jedoch sind diese Bereiche überlaufen und viele, vor allem junge, Menschen finden keine oder nur sehr selten Arbeit. Teilweise fallen diese dann auch durch das soziale Netz, das sie in dieser schwierigen Situation auffangen sollte.

Somit war die Mischung aus der sozialen und wirtschaftlichen Isolation, der geografischen Lage und der daraus resultierenden Differenz zum Rest Großbritanniens der ausschlaggebende Startpunkt für die dokumentarische Arbeit „Autonomy“. Der Fokus dieser Arbeit liegt einerseits auf dem Ort und seinen besonderen Begebenheiten sowie der Wahlkampfgruppe Yes Shetland, die auf die mögliche Unabhängigkeit hinarbeitete.

Ein anderer wichtiger Beweggrund ist für mich der Klimawandel. Die schottischen Grünen–Politiker nehmen dieses Problem ernst, die Regierung in Westminster tut das nicht.
— Chris Dumont, Umweltaktivist

Die in den (Stadt–)Landschaftsbildern vermittelten Besonderheiten dieses Ortes gehen einher mit den durch Yes Shetland und ihre Mitglieder erhobenen Bedenken, ob ein Verbleib unter der Schirmherrschaft von Westminster der richtige Weg für die Einwohner*innen der Shetlands sowie ganz Schottland ist. Dabei ist es vor allem die große geografische Distanz und die noch größere Differenz der Grundvoraussetzungen an das alltägliche Leben, was die Unterstützer*innen der Unabhängigkeit antrieb und weiterhin auch antreiben wird.

Frau steht im Blaumann in einer Werkshalle in einem Boot.Mann mit Cap steht in einer Werkshalle vor Booten.

Laternenpfahl, an dem eine Leiter steht, auf der eine Person ist, während eine weitere Person unten die Leiter hält.

Natursteinmauer zwischen Wiese und Straße mit einem Schild, auf dem Polling Station steht.

Nachtaufnahme von leuchtenden Reklamen und Lichtern an einer nassen Straße.

Jugendliche sitzt an einem Tisch mit ausdruckslosem Gesichtsausdruck.Junger Mann mit Bart und Lederjacke steht vor einer Meeresszenerie.

Westminster ist einfach zu weit weg, um die Bedeutung dessen zu verstehen, was das Leben an so einem ländlichen Ort wie den Shetlands ausmacht. Es ist eine andere Art des Lebens.
— Amanda Brown, Krankenschwester

Auch noch drei Jahre nach dem Scheitern des Referendums sind die Stimmen für die Abspaltung groß. Mit dem Brexit vielleicht noch größer geworden. Es bleibt spannend abzuwarten, ob sich Schottland dazu durchringen kann, eine Unabhängigkeit zu Großbritannien zu erreichen und somit einen Verbleib in der EU anzustrengen.

Auf den Shetlands haben wir also für Angst über Hoffnung gewählt, wir haben dafür gewählt, in einem den Tafeln gleichenden Britannien zu bleiben, das von einer Tory-Regierung und ihren geschickten liberalen Kompliz*innen geführt wird. — Brian Nugent, Vorsitzender von Yes Shetland

Da die Arbeit umfangreicher ist, als sie hier dargestellt werden kann, lade ich Euch herzlich dazu ein, Euch die komplette Serie auf meiner Webseite anzusehen. Fotografiert habe ich mit einer Mamiya 7 und einem 80-mm-Objektiv auf Kodak Portra 400 , anschließend digitalisiert mit dem Scanner Imacon X5.

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