05. Juni 2017 Lesezeit: ~ 10 Minuten

Die beste Ausrüstung für die Wildlife-Fotografie

Wildlife-Fotografie – irgendwie kam ich durch Zufall während meiner ersten Afrikareise zu diesem Thema und heute ist es das Genre, das mein Herz höher schlagen lässt. Würde mich heute jemand fragen, ob ich nicht Lust hätte, mit auf eine Safari nach Afrika zu fahren… mein Rucksack wäre gepackt, bevor der Satz zu Ende gesprochen ist. Was macht dieses Thema so interessant und magisch anziehend für mich?

Lange Zeit habe ich mich überwiegend mit dem Thema Langzeitbelichtung beschäftigt und bin eher zufällig auf einer Afrikareise, während der ich mich eigentlich mehr mit dem Thema Reise- und Landschaftsfotografie auseinandersetzen wollte, das erste Mal mit der Wildlife-Fotografie in Kontakt gekommen.

In letzter Zeit habe ich angefangen, mich intensiver mit dem Thema Straßenfotografie auseinanderzusetzen und festgestellt, dass beide Genres sich durchaus sehr ähnlich sind. Spontaneität ist gefragt, das Ergebnis ist nicht planbar und insbesondere von Gefühl und dem Blick für das Wesentliche geprägt, nicht zu vergessen das notwendige Glück.

Die ersten Schritte habe ich noch mit der Cropkamera Nikon D90 , einem 70–200-mm-Objektiv von Sigma nebst zugehörigem 2-fach-Telekonverter gemacht. Diese Kombination und ein Cropfaktor von 1,5 ermöglichten mir so immerhin eine Brennweite von 600 mm und dennoch stellte ich fest, dass diese Brennweite nicht wirklich viel in der Wildlife-Fotografie ist.

Welche Ausrüstung ist für die Wildlife-Fotografie geeignet, bzw. was ist die notwendige Voraussetzung, um Wildlife-Fotografie adäquat betreiben zu können?

Büffel mit Vogel

Brennweite

Selbst mit viel Glück – und auch auf guten Safaris – werdet Ihr immer eine gewisse Distanz zu den Tieren wahren und das ist auch gut so, es sei denn, Ihr möchtet als Futter enden, plattgetrampelt werden oder im Wasser mit Hippos, Krokodilen und Schlangen schwimmen. Die Brennweite kann also kaum groß genug sein.

Im Moment verwende ich das Zoomobjektiv Sigma 120–300 mm mit zugehörigem 2-fach-Telekonverter und je nach Bedarf mit zugeschalteter Crop-Funktion am Vollformatbody meiner Nikon D810 , somit komme ich immerhin auf eine maximale Brennweite von 900 mm.

Neben den Zoomobjektiven gibt es auch diverse Festbrennweiten, allerdings ziehe ich den Zoom dem Qualitätsvorteil unter Flexibilitätsaspekten vor. Ein Objektivwechsel ist im Eifer des Gefechts zwar möglich, aber nicht sinnvoll, wahrscheinlich ist der einzufangende Moment direkt nach dem Objektivwechsel vergangen. Mit etwas Übung bin ich mittlerweile in der Lage, den Telekonverter schnell zu tauschen. Für alles andere hilft nur ein zweiter Kamerabody nebst Objektiv.

Ein Vogel auf einem Grashalm

Lichtstärke und die Belichtungszeit

Zusätzlich zur Brennweite ist die Lichtstärke in der Wildlife-Fotografie entscheidend vor dem Hintergrund des Freistellens. Oftmals ist das jedoch auch notwendig, um einen unruhigen oder störenden Hintergrund in Unschärfe verschwinden zu lassen.

Ein weiterer Punkt, der für ein lichtstarkes Objektiv spricht, ist die extern vorgegebene Belichtungszeit. Als Faustformel für ein verwacklungsfreies Bild ist die vereinfachte Formel 1/Brennweite anwendbar. Tiere bewegen sich permanent und oftmals auch spontan, aus diesem Grund ist eine kurze Belichtungszeit vorausgesetzt.

Bei einer Brennweite von 900 mm fotografiere ich häufig mit einer Belichtungszeit von ca. 1/1000 s, allerdings auch mit 1/500 s und weniger, wenn es die Lichtverhältnisse nicht anders zulassen. Hier ist etwas Bauchgefühl und Erfahrung gefragt.

Zur Stabilisierung des Objektivs verwende ich ein mittelgroßes Einbein , auch da einem ansonsten der Arm dank des Gewichtes im Laufe der Zeit mehr als schwer wird. Leider hilft ein Einbein auf einem schaukelnden Boot oder einem sich (auch langsam) bewegenden Jeep nur bedingt.

Mit einem kurzen Anlegen und Abdrücken ist es in den seltensten Fällen getan, viel mehr ist das eine glückliche Ausnahme. Wesentlich häufiger werdet Ihr lange Zeiträume mit der Kamera in der Hand und dem Sucher am Auge verbringen, auf den richtigen Moment wartend und hoffend, dass Euer Arm im entscheidenden Moment nicht zu schwer und wackelig ist.

Ein Leopard im Baum

ISO

Zur Verkürzung der Belichtungszeit steht uns zum Glück noch das Anheben des ISO-Werts zur Verfügung. Insbesondere im Dämmerlicht oder wenn Ihr aufgrund der Lichtstärke des Objektives zu einer höheren Blendenzahl gezwungen seid, ist dies von Vorteil.

Grundsätzlich vertrete ich die Auffassung, lieber ein leicht rauschendes Bild als gar kein Bild zu bekommen und habe deshalb auch kein Problem, mit ISO-Werten von 3.200 oder mehr zu fotografieren. Natürlich ist ein Qualitätsunterschied bei genauer Betrachtung anhand eines höheren Rauschens ersichtlich und auch die Nachbearbeitung kann das ab einem bestimmten ISO-Wert nur bedingt ausgleichen. Dennoch finde ich die Ergebnisse, wie zum Beispiel die Nashornmutter mit ihrem Jungen, vollkommen ausreichend – und machen wir uns nichts vor: Die Wildlife-Fotografie kratzt bei der möglichen technischen Ausstattung am oberen Rand der Preisskala.

Zwei Nashörner

Auflösung

In Standardsituationen bin ich ein großer Freund davon, die eigenen Beine in die Hand zu nehmen und den gewollten Bildausschnitt zu erlaufen. Offensichtlich ist das aus gesundheitlichen Gründen bei der Wildlife-Fotografie nur in seltenen Fällen möglich und das impliziert, dass Ihr auch bei einer Brennweite von 900 mm im Nachhinein oftmals während der Nachbearbeitung Eure Bilder zuschneiden werden müsst.

Aus diesem Grund spielt die Auflösung des Bodys, eine entsprechenden Auflösung des Objektivs vorausgesetzt, eine wichtige Rolle. Allerdings sind die meisten Spiegelreflexkameras heutzutage mit 24 Megapixeln ausgestattet und bilden eine gute Basis auch für stärkere Vergrößerungen bzw. Ausschnitte.

Ein Erdmännchen

Der Body

Zur Brennweitenmaximierung sind Crop-Bodys infolge des Umrechnungsfaktors von 1,5 in der Wildlife-Fotografie den Vollformatbodys durchaus überlegen und oftmals spürbar günstiger als ein vergleichbares Vollformatmodell. Allerdings möchtet Ihr auf einer Safari vielleicht auch das eine oder andere weitwinkelige Landschaftsfoto aufnehmen – hier hat das Vollformat dann wieder die Nase vorn. Viele Vollformatmodelle bieten auch die Möglichkeit, auf Crop umzustellen.

Beim Thema Crop dürfen auch die spiegellosen Systeme – wie zum Beispiel das Micro-Four-Thirds-System von OMD mit einem Crop Faktor von 2 – nicht mehr unerwähnt bleiben. Insbesondere das Objektiv Olympus 40–150 mm f/2.8 nebst Telekonverter an einer OMD EM-1 stellt eine interessante Alternative zum Spiegelreflexbody dar – nicht zuletzt, da so immerhin eine maximale Brennweite von 600 mm erreicht wird.

Zwei Nilpferde

Darüber hinaus ist das Micro-Four-Thirds-System, vorsichtig formuliert, dem Autofokussystem der Vollformatkameras von Canon und Nikon mindestens ebenbürtig und dazu gibt es noch einen herausragenden Bildstabilisator, bei allerdings nur 16 Megapixeln.

Ohne dass ich auf praktische Erfahrungen zurückgreifen kann (abgesehen von den Straßenfotos mit meiner EM-10), erscheinen mir die 16 Megapixel Bildmaterial für den in der Wildlife-Fotografie oft nötigen Zuschnitt als zu wenig. Darüber hinaus kann ich mich auch nach längerer Zeit nicht so wirklich mit dem digitalen Sucher anfreunden und das Fotografieren mit dem Live View ist nicht zweckmäßig, dennoch halte ich das Micro-Four-Thirds-System für eine echte Alternative.

Natürlich soll Sony auch nicht unerwähnt bleiben mit seiner alpha-Serie , die technisch über jeden Zweifel erhaben ist. Ich persönlich würde mir nur für die Wildlife-Fotografie eine Nikon D500 kaufen. – Klar, ich habe alles von Nikon, aber welcher rationale Grund spricht dafür?

Die D500 ist von der Verarbeitung und Robustheit auf dem Niveau der D750 und D810, der Autofokus ist der der D750 ebenbürtig und damit das Beste, was Nikon zu bieten hat. Sensortechnisch stehe ich einfach auf Nikon und ein Crop-Sensor ist es auch noch. Also meine Wahl steht fest.

Welche geeigneten Objektive gibt es auf dem Markt und welche sind empfehlenswert?

Das von mir verwendete Sigma 120–300 mm f/2.8 kann ich bis auf das massive Gewicht uneingeschränkt empfehlen, leider ist der Spaß nicht ganz preiswert.

Die Mutter der Teleobjektive ist die Festbrennweite Nikon 300 mm f/2.8 und im Hinblick auf die Schärfe über jeden Zweifel erhaben, nicht zuletzt gilt das auch für den Preis. Wie bereits erwähnt, schätze ich gerade den Zoom in der Wildlife-Fotografie und allein dies ist für mich ein Ausschlusskriterium für dieses wahnsinnige Objektiv. (Wer sich genauer über dieses Objektiv informieren möchte, dem empfehle ich den Testbericht von Gunther Wegner.

Eine sehr gute Alternative zum preislichen Superlativ ist das Nikon 300 mm f/2.8–4 , etwas weniger lichtstark, dafür für weniger als die Hälfte des Kaufpreises zu haben. Hier empfehle ich ebenso den sehr guten Testbericht von Gunther Wegner.

Ein fauchender Leopard

Des Weiteren sind in der engeren Auswahl noch zwei Objektive in einer etwas realistischeren Preisklasse: Das Sigma 150–600 mm und das Tamron SP 150–600 mm – beide mit einer Lichtstärke von f/5.0–6.3. Letzteres bietet mit einem Preis von ca. 1.000 € definitiv das beste Preis-Leistungs-Verhältnis. Mittlerweile ist auch ein sehr guter englischer Testbericht auf dpreview dazu erschienen.

Beide Objektive sind deutlich leichter als ihre teureren Alternativen und unter Verarbeitungsaspekten gibt es nichts auszusetzen. Getestet habe ich bis heute keines von beiden, außer dass ich sie in der Hand hatte und mal ein Foto auf die Schnelle geschossen habe. Dürfte ich mich heute erneut entscheiden, so würde meine Wahl wieder auf das Sigma 120–300 mm fallen, denn bis auf das Gewicht kann ich von diesem Objektiv nur Gutes berichten und es bietet in der gehobenen Preisklasse ein gutes Preis-Leistungs-Verhältnis.

Giraffe

Soll es preislich erheblich günstiger sein, würde ich ohne zu zögern zum erwähnten Tamron-Objektiv greifen und habe somit an einem Crop-Body ohne Telekonverter 900 mm Brennweite bei einer Offenblende von f/6.3. Damit möchte ich mit dem Gear-Acquisition-Syndrom abschließen, denn gute Bilder gehen nicht automatisch mit einer professionellen Ausrüstung einher – eine eher strapazierte Aussage und dennoch entspricht sie der Wahrheit.

Mit jeder Kameraausrüstung lassen sich gute Wildlife-Fotos aufnehmen, ein bisschen Brennweite und die richtige Perspektive vorausgesetzt.

Dieser Artikel erschien zuerst im Blog von Dennis Wehrmann. Dort gibt es nach dem Technikteil auch noch viele Erzählungen zu seinen hier gezeigten Aufnahmen und ganz praktische Tipps beim Fotografieren von Wildtieren.

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4 Kommentare

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  1. … und dann war da noch Alex Saberi, der in London auf dem Weg zur Arbeit Wildlife-Fotos im Richmond-Park macht:
    https://www.google.co.uk/search?q=alex+saberi&tbm=isch&tbo=u&source=univ&sa=X&ved=0ahUKEwiMguSD_KXUAhWI6xQKHQwLC_AQsAQIMw&biw=1242&bih=602

    Was ich sagen will: es ist nicht immer eine Frage des teuren Equipments, sondern oft auch eine Frage der Ideen, der Geduld und Erfahrung, und wenn man weiß, aus welcher Richtung der Wind kommt und sich von der Lee-Seite nähert, kommt man auch ohne langes Tele dicht heran an Tiere.

    Trotzdem ein guter Artikel, danke dafür. Deine Informationen über Olympus basieren auf der E-M1, die 16 Megapixel hat. Es gibt aber schon seit geraumer Zeit im Micro-Four-Thirds-System Nachfolger mit 20 Megapixel, z.B. die Olympus E-M1 Mark II ider die Panasonic Lumix GH-5.

    Noch etwas zum Sigma 70-200 mm mit Telekonverter: diese Kombination hatte ich auch mal, fand allerdings, dass das Ausschneiden einer Szene aus einem Bild, das ich ohne Telekonverter gemacht habe, genau so gut war wie eins, das ich mit Konverter machte. Also ließ ich den Konverter irgendwann zu Hause und habe ihn kurz danach verkauft.

  2. Schöner Artikel (-Beginn); ich könnte es natürlich nicht lassen, gleich noch den Rest des Berichts auf der Website zu lesen. Sehr toll!
    Ich kenne Namibia, Etosha und Caprivi von meiner Zeit in Kapstadt, als wir dort mal Urlaub gemacht haben vor etwa… 30 Jahren ;-)
    Ich muss gestehen, dass damals das Problem der 10 Boote vor ein paar Elefanten oder 15 Jeepas vor einem Baum mit Leoparden einfach nicht bestanden. Wir waren im eigenen Auto in der Etosha Pfanne unterwegs, so ziemlich alleine, und abends in irgendeines der Camps zum Übernachten.
    So kommt heute wohl neben den horrenden Geldern für Reise und Eintritte noch das sau teure Equipment hinzu (da sind ja, wenn ich die Objektive und Kameras addiere, schnell mal 10K€ weg… und dann muss ich mich mit Horden anderer Touristen rumschlagen… da hat sich doch einiges verändert!
    Trotzdem bin und bleibe ich seit dieser Zeit absoluter Afrika Fan! Kein Kontinent ist für mich bisher interessanter und aufregender gewesen!

    • Hallo Finny, Botswana hat auch heute noch mit Savuti, khwai, Okavango, nxai und der Central Kalahari sowie Namibia mit dem Kwando etliche fast unberührte Flecken zu bieten. Die Chobe Riverfront ist natürlich ein Hotspot, aber bietet einen unglaublichen Tierreichtum. Beim Equipment kann man auch eine gebrauchte Kamera und Objektiv kaufen, da reichen dann ganz locker K2, was natürlich immer noch sehr viel Held ist. Ich würde die Nikon D5500 mit dem Tamron 600mm empfehlen. LG Dennis