21. September 2016 Lesezeit: ~ 5 Minuten

Automobilfotografie: Zurück zum alten Handwerk

Computer Generated Imagery – Renderings der Fotografie. Genauer: der Automobilfotografie. CGIs sind technisch aufwändig erstellte Bilder, die kaum mehr das wirkliche Handwerk der Fotografie darstellen, sondern vielmehr auf technisch versierte „Photoshop-Profis“ zurückgreifen. Heutzutage werden Autofotos nicht mehr rein fotografisch erstellt. Mithilfe von 3D-Gitternetzen wird die Form des Autos reproduziert und anschließend detailgetreu eingefärbt. Realitätsnahe Lichtsetzung rundet das technische Werk ab.

Der stundenlange Aufbau von Blitzanlagen, Strahlern und Diffusorstoffen, Hunderte Testfotos und Perspektivwechsel für das optimale Bild, das alles war gestern. Aber was hat das noch mit der guten alten Fotografie, dem Handwerk gemein? Meiner Meinung nach nichts.

Schwarzes Auto in der Tiefgarage

Making of eines Autoshoots

Daher und auch aufgrund meiner großen Leidenschaft für Autos, entstand bei mir der Wunsch, Technik und Handwerk wieder miteinander zu verbinden. Denn alles technisch Generierte lebt nicht ohne das manuelle Feingefühl. Aber auch jedes noch so perfekte handwerkliche Können kann nichts ohne die perfekte Technik und Nachbearbeitung. Zwei verschiedene Ansätze, aber auch andere Ergebnisse.

Ich habe neulich noch ein Video von Spellworkpictures gesehen, in dem sie zeigten, wie ein Auto inklusive Landschaft bzw. Kulisse komplett am Rechner erschaffen wird. So etwas schreckt mich ab. Als Laie kann man nicht mehr differenzieren, ob es Realität ist oder nicht. Ein Foto hat für mich einfach einen ganz anderen Wert. Ich übe diesen Beruf aus, weil ich es gelernt habe und ich es gern mache. Es ist immer wieder etwas Neues: neues Auto, neue Kulisse. Und demnach auch immer wieder eine neue Herausforderung. Das ist mir wichtig.

Rücklichter

Karosserie und Leistung „ins echte Leben zurückbringen“ machte ich zu meiner ganz persönlichen Aufgabe. Die Schönheit eines Autos darzustellen und sie zugleich in einen unmissverständlichen Kontext zu setzen, war meine größte Hürde. Denn was macht schon ein Lamborghini im Wald? Ein Fiat Doblo vor einem modernen Privatanwesen? Das Verständnis von Situation und Funktion ist sehr wichtig. Ganz getreu dem Motto „form follows function“. Auch das Licht spielt dabei eine wesentliche Rolle. Wann ist der Zeitpunkt am besten? Morgens, wenn die Sonne aufgeht? Mittags, wenn sie ihren höchsten Punkt erreicht hat? Oder doch lieber bei Dämmerung?

Natürlich darf auch mal geschummelt werden, zum Beispiel zur Optimierung der Lichtverhältnisse oder dem Hervorheben besonderer Merkmale. Wichtig ist es mir aber vor allem, dass alles vor Ort passiert. In echter Kulisse, in echtem Licht, mit echtem Handwerk und einer ganz großen Portion Liebe zur Realität.

Schwarzes Auto im Wald

Autorad

Meine Ausbildung habe ich beim Werbefotografen Olaf Rayermann in Düsseldorf absolviert. Ich bin wirklich sehr froh, diesen Ausbilder gehabt zu haben, denn durch meine Zeit dort hat sich immer mehr herauskristallisiert, in welche Richtung ich gehen möchte. Da sich meine Ausbildung überwiegend mit Stills im Bereich Mode befasste, habe ich für mich entschieden, dass ich mich in meiner Freizeit anderen Bereichen der Fotografie widmen möchte und entschied mich für People und Autos.

Die Modelle für meine Bilder finde ich durch Freunde, Bekannte, Eltern oder auch Fremde, die ich einfach anspreche, wenn mir ihre Wagen gefallen. Den RS7 habe ich durch Zufall an meiner Stamm-Pizzeria gesehen, ich kam gerade vom Sport, habe angehalten, bin in die Pizzeria rein und habe in die Runde gefragt, wem der Wagen gehört. Der Besitzer war sofort interessiert. Es ist auch irgendwie eine beidseitige Leidenschaft.

Rotes Auto vor altem Haus

Die Leute, die solche Autos fahren, freuen sich, wenn sie von ihrem Auto ein paar gute Fotos haben. Und ich habe Fotos für mein Portfolio und kann weitere Erfahrungen sammeln, denn nicht jedes Auto ist gleich und ich muss sehen, was ich am jeweiligen Auto akzentuieren möchte.

Ein Audi RS7 mit knappen 800 PS ist etwas anderes als ein Renault Twingo. (Nichts gegen Twingo, ich bin selbst jahrelang Twingo gefahren). Es geht dabei schlichtweg auch um Luxus. Es sind eher die seltenen Autos, die mich reizen, meistens Sportautos. Das Automagazin Grip schrieb einmal: „Der Wolf unter’m Schafspelz“ – und genau diese Autos reizen mich. Sportlich, nicht zu auffällig, aber trotzdem ordentlich viel PS. Ein Ferrari ist zwar schön und ich würde ihn sicher gern einmal fotografieren und fahren, aber ihn nicht besitzen wollen. Dafür ist er mir einfach zu auffällig.

Aber wenn man mich derzeitig fragt, welches Auto ich toll finde, ist es der neue XC90 von Volvo, gefolgt vom Porsche 911 (aber ich denke, Porsche war und ist auch für jeden ein Traum).

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4 Kommentare

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  1. Danke für den Artikel. Autofotografie ist sonst so gar nicht meins, aber das war spannend zu lesen und zu schauen.
    Dafür liebe ich Kwerfeldein: Immer wieder plötzlich Themen interessant finden, die man woanders gar nicht angeklickt hätte – quasi “out of the box”.