05. Juli 2016 Lesezeit: ~4 Minuten

Und sie leben doch

Fotografiert habe ich schon als Kind. Auf Klassenfahrten, Geburtstagen, Ausflügen und so weiter. Meine erste Kamera war von Kodak und wurde mit Filmkassetten bestückt. Nachdem ich mein erstes eigenes Geld verdient hatte, kaufte ich eine Bridgekamera von Olympus. Zum ersten Mal eine Kamera mit einem Zoomobjektiv. Mit ihr wurden Urlaube, Ausflüge und die ersten Jahre der Kinder fotografiert.

Irgendwann, es war vor der Jahrtausendwende, gönnte ich mir meine erste SLR. Eine Canon EOS 30. Erst mit Zoom-, später dann mit lichtstarken Festbrennweiten. Von nun an glaubte ich, mache ich großartige Fotografie. Die ersten Entwicklungen waren ernüchternd. Dieselben Bilder wie gehabt, in gleicher Qualität. Ich war schon ein wenig enttäuscht. Aber es war auch der Schlüsselmoment, in dem ich begriffen habe, dass Bilder nicht in der Kamera, sondern wenige Zentimeter dahinter gemacht werden.

Eine Schaufensterpuppe betrachtet sich im Spiegel

Eine Schaufensterpuppe mit Hüten

Von nun an wurden Fotolehrbücher gelesen, einige VHS-Kurse besucht, sogar einen Portraitkurs an der Essener Fotoschule habe ich mir gegönnt. Übungsmaterial waren Freunde und Familie. Die waren aber nicht immer begeistert, so dass ich mich anderweitig umschauen musste.

Ich fing an, Statuen, Denkmäler und Schaufensterpuppen als Übungsobjekte zu benutzen. Schnell fiel mir auf, dass einige Puppen – Charakter würde zu weit gehen, aber doch: – einen gewissen Ausdruck haben. Ich ging immer öfter auf die Suche nach Schaufenstern.

Eine SchaufensterpuppeEin Portrait einer Schaufensterpuppe

Vor einiger Zeit bin ich auf ein Buch von Heinz Schubert (Ekel Alfred) gestoßen. Er ist während seiner Theatertourneen immer durch die Straßen der von ihm besuchten Städte gelaufen und hat auch Schaufenster fotografiert. Er nannte das Buch „Theater im Schaufenster“.

Dadurch animiert, machte ich auch ein kleines Fotobuch mit dem Titel „Und sie leben doch“, in dem ich mit zwinkerndem Auge einige „Persönlichkeiten“ der heimischen Schaufenster vorstelle.

Beine von Schaufensterpuppen

Kaputte Schaufensterpuppen

Schaufensterpuppen mit Gesicht und Charakter sind in der heutigen Zeit, in der alle Labelketten auf einheitliches Design setzten, schwer zu finden. Am ehesten findet man sie in Luxusläden oder aber Secondhand-Läden. Ich habe in meiner Nachbarschaft einen Laden, der ausschließlich Mode der 20er und 30er Jahre verkauft. An diesem Schaufenster komme ich fast täglich vorbei und schaue immer, ob schon umdekoriert wurde.

Natürlich wurde ich von den Besitzern auch schon angesprochen. Nachdem ich mein Anliegen erklärt habe, kam ein Lächeln auf ihr Gesicht und die Bitte, ihnen doch einmal ein paar Bilder zukommen zu lassen.

Eine weitere lustige Begegnung hatte ich mit zwei Mädchen, die vielleicht 14 oder 15 Jahre alt waren und im übertriebenen Schuloutfit daher kamen. Sie fragten mich, ob ich denn auch „richtige“ Puppen fotografieren möchte, natürlich gegen Gage. Ich war schon etwas perplex, faselte etwas von TFP und Volljährigkeit und lehnte dankend ab. Da wollten die Teenies tatsächlich ihr Taschengeld aufbessern. Ansonsten werde ich eigentlich nicht beachtet. Gelegentliches Kopfschütteln kann ich mittlerweile ganz gut ignorieren.

Zwei Schaufensterpuppen

Eine Schaufensterpuppe mit Hut

Ein wirkliches Problem beim Fotografieren sind eher die Spiegelungen in der Schaufensterscheibe. Ich begegne ihnen, indem ich versuche, nicht frontal vor der Scheibe zu stehen und selbst im Bild zu erscheinen, ansonsten nehme ich sie als gegeben und beziehe sie in die Gestaltung mit ein. Die Anschaffung eines Polfilters habe ich erwogen, mich dann aber dagegen entschieden.

Ein weiteres Problem ist der Autofokus, der natürlich auch nicht immer das macht, was er soll. Also manuelles Fokussieren. Seit einiger Zeit fotografiere ich mit einer Messsucherkamera von Zeiss und da es an ihr keinen Autofokus gibt, gibt es auch keine Probleme damit. Etwa die Hälfe der hier gezeigten Bilder sind damit entstanden.

Fotobuch

Mein Fotobuch zum Projekt ist ein Einzelexemplar. Wer daran Interesse hat, darf mich gern kontaktieren. Ich würde es gegen Übernahme der Kosten nachdrucken lassen. Falls das Interesse größer sein sollte, mache ich eine nummerierte Kleinserie daraus.

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7 Kommentare

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  1. Hallo Elmar,
    Richtig gute Aufnahmen. Beim Lesenn mußte ich schon ein wenig schmunzeln. Genau dein Thema habe ich vor über 25 Jahren über mehrere Jahre fotografiert. Auch damals hatte ich das Problem, daß nicht viele Schaufensterfiguren eine „Seele“ hatten. Fotografiert habe ich immer nur in den Abendstunden auf Kodak Tungsten- Diafilm mit Portraitbrennweite. Auch ich habe, allerdings erst vor ein paar Jahren daraus ein Photobuch-Projekt gemacht. Unter „Dolls Behind Walls“ ist es im Buchhandel erschienen und auch heute noch erhältlich. Ich habe dieses Buch über BoD herausgebracht. Heute würde ich aber wahrscheinlich über blurb solch ein Buch produzieren. Wenn dein Buch als Kleinauflage auf den Markt kommt, hätte ich Interesse an einem Exemplar.

    • Hallo Andreas,
      danke für die Komplimente. Also bin ich nicht der einzige der vor Schaufenstern rumlungert.
      Nach deinem Buch werd ich mal schauen. Ob und wie ich meins verlege weiß ich noch nicht.
      Die Kosten müßen sich im Rahmen halten. Wenn es soweit sein sollte, sag ich Dir bescheid.

      Grüße Elmar

  2. Der Buchtitel ist wirklich gut gewählt …
    Die präsentierten Aufnahmen haben für m i c h einen gewissen melancholischen
    Charme, vielleicht auch weil so manche Gesten dieser Puppen (vorletzte Aufnahme)
    so über die Maßen das Allgemeinmenschliche treffen. Insofern hatte auch „Ekel Alfred“
    mit seinem „Theater im Schaufenster“ recht: Ein absurdes Spiel mit vertauschten
    Rollen. Die künstliche Puppe ist ja schon im Kasperle-Theater der Ort, an dem sich das
    Menschliche bricht. … Vielen Dank für diese Anregung …

  3. hallo zusammen.
    schaufensterpuppen, fotografiere ich schon länger. freut mich dass ich nicht der einzige bin.
    aufgefallen sind mir die gesichter, wie sie gucken. kalt, seelenlos und arogant.
    wenn sie den zeitgeist in ihren gesichtern wiederspiegeln—- na dann. wie ausserirdische.
    die fotos gefallen, s/w für mich ein muss. l.g. werner