09. April 2016

Eschatologie

Es geschah in einem Theater, dass in den Kulissen Feuer ausbrach. Der Spaßmacher trat hervor, um das Publikum zu unterrichten. Man hielt es für einen Scherz und applaudierte. Er wiederholte es: Man jubelte noch lauter. Ebenso, denke ich, wird die Welt zugrunde gehen: Unter allgemeinem Jubel von witzigen Köpfen, die glauben, es sei ein Witz.
– Sören Kierkegaard

Die hier vorgestellte Serie Eschatologie entstand im Dialog mit der französischen Philosophin Claude Molzino. Ein Nebenprodukt der zahlreichen Gespräche anlässlich der Vorbereitung eines Buch- und Ausstellungsprojekts.

Impermanenz, Vergänglichkeit, Epochenwechsel, aber auch Entfremdung, Entfremdung vom Leben, die Massifizierung der Existenz, des Todes, sind einige der Schlüsselthemen, die in der Serie „Eschatologie“ zu finden sind. Eschatologie, nicht als Ende der Zeit, aber Endzeit, das Ende der Welt.

Die Welt, trügerisch heimlich, wird im Blick des Fotografen fremd, un-heimlich, im heideggerischen Sinne. Es gibt Risse in der Wahrnehmung des Vertrauten, die den Blick auf anderes freigeben, die vertraute Welt als Illusion entschleiern. Das antike Griechenland, das Tenochtitlan der Azteken, Metaphern der Zivilisation – was bleibt? Windhauch, Windhauch, das ist alles Windhauch.

Gebäude, Masten im Grau

Steine, groß und klein, ein Mahnmal.

Köpfe des Todes blicken dich an.

eine formatfüllende Struktur und Textur

hängende tote KörperKinderschuhe auf Asphalt
Linien, Formen, vielleicht Stoff der fällt.Strukturen, Helligkeit und Dunkelheit in einem Bild.

Eine rote Neonröhre.

Eine Ruine im Nichts.

ein Steinhaufen und ein bisschen Wiese

Ein Hund im Hintergrund auf der Wiese.

Glitzernder Erdboden und ein grauer Himmel.

Der Mond im Schwarz oder doch nur eine Scheibe.

Verbleichende Erinnerungen im ewigen Jetzt. Die Industrialisierung des Todes, Verachtung des Lebens, Holocaust, noch im vor-nuklearen Zeitalter, Hiroshima mon Amour! Tu n’as rien vu. Das Ende ist schon Vergangenheit. Warten auf den Anbruch einer neuen Welt. Warten auf die Vollendung der Schöpfung.

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17 Kommentare

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  1. Das Thema finde ich spannend. “An der Grenze” (im wahrsten Sinne des Wortes und auch im übertragenen Sinne) ist es meist am spannendsten und oft auch am fotogensten.

    Das Element des Wartens auf den Anbruch einer (besseren?) neuen Welt kann ich hier fotografisch fast nicht erkennen. Die meisten Bilder wirken auf mich sehr düster und eher pessimistisch.

    Eine Ausnahme, und mein “Lieblingsfoto” in dieser Serie, ist das mit dem Hund. Dort ist Leben, dort ist Licht und Schatten. Es erinnert mich an Fotos von Gueorgui Pinkhassov.

    Ein interessantes Projekt, mit ebenso interessanten Fotos.

  2. Blogartikel dazu: Eschatology – Prints & Books

  3. Blogartikel dazu: Eschatology – the complete collection | Matthias Koch

  4. Blogartikel dazu: Now available : Eschatology Square Prints + Catalogue – M KOCH SHOP

  5. Blogartikel dazu: Eschatology – first copies sent out – M KOCH SHOP

  6. Blogartikel dazu: M.