Testbericht: Samyang 135 mm f/2 ED UMC
Die manuell zu fokussierenden Objektive aus dem Hause Samyang sind ja durchaus dafür bekannt, gute optische Ergebnisse zu liefern, ohne dabei ihrem zukünftigen Besitzer ein nie mehr zu stopfendes Loch in seinen Geldbeutel zu reißen. Ob das Samyang 135 mm f/2 ED UMC* da keine Ausnahme macht, versuchte ich in drei, am Ende dann doch sehr kurzweiligen, Wochen herauszufinden.
Kaum stand das gute Stück in seiner schwarzen Kartonverpackung bei mir zuhause, wurde es auch gleich schon voller Vorfreude ausgepackt. Schick ummantelt von einem kleinen schwarzen Samtbeutel, wartet es nur noch darauf, an die Kamera geschraubt zu werden. Aber der Reihe nach.
Das Objektiv fühlt sich gut an. Der Fokus läuft weich und präzise, die Blendenpositionen rasten gut ein. Ja, genau so soll ein Objektiv beim ersten Eindruck rüberkommen. An der Kamera macht das Samyang auch weiterhin eine gute Figur. Anfangs noch etwas skeptisch, aufgrund des höheren, für mich ungewohnten Gewichts, durfte ich bald darauf feststellen, dass es an meiner leichten Canon EOS 6D* dennoch wunderbar ausbalanciert ist.
Und sind wir mal ehrlich: Man hat doch lieber so ein gutes Stück Metall in der Hand, anstatt sich irgendwelches Plastikspielzeug an die Kamera zu schrauben. Das werden vor allem Fotobegeisterte zu schätzen wissen, die, genau wie ich, sonst eher mit viel massiveren, analogen Kameras arbeiten.
Nach diesem kurzen ersten Eindruck sollte es nun endlich rausgehen. Raus mit der Kamera in der Hand und mit netten Modellen als Begleitung. Bei der ersten Fotosession testeten wir bei herrlichstem Sonnenschein. Bei soviel Licht war es nur äußerst selten ein Problem, das Samyang scharfzustellen.
Generell ging das Fokussieren recht schnell von der Hand. Soll das allerdings noch fixer und zuverlässiger ablaufen, ist es unumgänglich, eine Mattscheibe mit Scharfstellhilfe wie etwa einem Schnittbildindikator zu verwenden. Wobei auch dann aus dem Samyang wohl kein Action-Objektiv mehr wird.
Aber das muss es ja auch nicht sein. Zumindest für mich nicht. Nimmt man sich gern mal etwas mehr Zeit und arbeitet konzeptionell, dann hilft auch der Live View samt Zoom beim Scharfstellen. So geschehen bei den beiden darauffolgenden Sessions, als ich das Samyang in die laue Sommernacht mitnahm.
Hat man dann einmal richtig fokussiert, wird man mit einer grandiosen Schärfe belohnt. Natürlich nimmt diese abgeblendet zu, aber man kann sagen, dass die Schärfeleistung schon offenblendig absolut beeindruckend ist. Das ist auch gut so, denn wenn man das Samyang einmal hat, will man auch stets in den Genuss des tollen Bokehs kommen und lässt eigentlich fast immer das ganze Licht durch das Objektiv.
Auch die Abnahme von Kontrast und Auflösung zum Rand hin, so mein subjektiver Eindruck, hält sich absolut in Grenzen. Alles in allem ist das Samyang wunderbar offenblendig nutzbar.
Nach dem Praxiseinsatz konnte ich mir die Fotos endlich auf dem PC anschauen: Und wow, ich liebe den Schärfenverlauf und das Bokeh des 135er. Das Bild wirkt homogen, natürlich und nicht so, als hätte da jemand einen anderen unscharfen Hintergrund nachträglich hinzugefügt.
So macht es riesigen Spaß, große Szenerien einzufangen, bei denen die Person nur verhältnismäßig klein im Gegensatz zur Umgebung ist. Für nähere Aufnahmen oder gar Close-Ups ist die Brennweite jedoch eher ungeeignet.
Man muss einfach zu viele Schritte zurück machen und verliert dann aufgrund der Distanz auch irgendwie den Kontakt zur portraitierten Person. Aber das ist an sich ja keine Schwäche des Samyangs, bestimmt gibt es auch Fotografen, die lieber etwas Abstand zu ihren Motiven lassen.
All diejenigen, die sich gern Zeit zum Fotografieren nehmen, denen es also nichts ausmacht, manuell fokussieren zu müssen, die brauchen meiner Meinung nach keine großen Einschränkungen auf sich zu nehmen, wenn sie sich für das Samyang entscheiden.
Nein, ganz im Gegenteil, diejenigen werden mit einem optisch hervorragenden Objektiv belohnt, das man gern in der Fototasche mitführt und dann auspackt, wenn man tolle Szenerien auf natürliche Art und Weise, mit hoher Tiefenunschärfe festhalten möchte oder einfach nur eine längere Brennweite braucht.
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In Zeiten der Lächelerkennung finde ich einen Bericht über ein manuell fokussiertes Objektiv spannend zu lesen. Es fällt mir auf, dass die Kompositionen im Bericht alle mittig ausgerichtet sind. Hat das etwas mit dem getesteten Objektiv zu tun oder mehr mit der Vorliebe des Fotografen?
Das ist wohl viel eher Vorliebe, als in irgendeiner Weise durch das Objektiv bedingt.
Da fast alle Bilder offensichtlich bei voller Blendenöffnung
fotografiert wurden ergibt sich eine Minderung der Schärfeleistung
der Optik zum Rand hin – möglicherweise ein Grund das der Fotograf
vielleicht auch unbewußt das Motiv in der Bildmitte zentriert hat.
Das 135er ist auch meine aktuelle Lieblingsbrennweite.
Wenn ich die oben gezeigten Bildbeispiele betrachte erziehle
ich von der Anmutung und Bokeh mit meinem fast 5o Jahre
alten Nikkor Q 3,5/135 an meiner Nikon FX ähnliche Ergebnisse.
Das Handling älterer Festbrennweiten aus nur „Glas & Metall Zeiten“
ist eine Offenbarung für jeden der bisher nur AF Zoom Objektive
verwendet hat…..
Danke für den Test, die Linse ist bei mir schon länger in der engeren Wahl und wird leider nur recht selten mal getestet. An Sony-Kameras übrigens ist manuelles Fokussieren durch Fokuslupe + Focus-Peaking ein Kinderspiel, da kann Canon m.E. noch etwas lernen.
Irgendwann lernts Canon vll auch noch das Focus Peaking aus der Cinema Produktschiene zu übernehmen :-) … Fehlt dann nur noch der EVF.
Danke für den Testbericht. Klingt nicht schlecht und ist eine Überlegung wert…
LG
Armin
Ich hab das Samyang jetzt einige Tage an meiner D810 und bin begeistert.
Fokussieren ist kein Problem der Sucher der D810 ist hell genug und ich mache es so das ich den Fokus ganz leicht hinter die Pupille lege dann Serienauslösung 2B/sec und dabei den Fokus langsam nach vorne ziehe.
Ist immer ein Bild von 6 dabei das perfekt auf der Pupille scharf ist.
Da manuelle Fokussieren begeistert mich sogar.
Mit AF Linsen im Bereich 1,4 ist der Ausschuss besonders auf den äusseren Messfeldern recht hoch.
Da ist der MF sogar besser.