17. September 2015 Lesezeit: ~3 Minuten

Auf Abwegen

Große Teile der werten Leserschaft kennen meine Artikel und meine Arbeiten. Vorrangig lege ich meine Hand für die analoge Schwarzweißfotografie ins Feuer, ohne Angst vor Schmauchspuren. Aber seit einem Jahr hat es mich gepackt und durchgeschüttelt.

Es fing in Schottland an. Die Farben suchten sich auf stillen Pfaden einen Weg in mich hinein und verfingen sich dann irgendwo. Es gibt ja Menschen, die behaupten von sich, sie könnten Farben schmecken und die Vorstellung gefällt mir.

Bäume und rosa Wolken
Auf dem Weg an die Nordküste Schottlands, rosafarbenes Abendlicht eingefangen mit Kodak Portra 160*

Mondlicht über Schottland
Mondlicht über der Kyle of Tongue eingefangen mit Kodak Portra 160*

Ich gehe also davon aus, dass die Farbspuren wie grün, graublau und schafsgelbweiß durch meinen Mund ins Gehirn dirigiert wurden. Graublau schmeckt übrigens nach Regen. Aber nicht nach Platzregen, sondern nach diesem Bindfadenregen, der das ganze Land in einen feingespinstigen Nebel hüllt.

Über den Geschmack von schafsgelbweiß möchte ich allerdings nicht nachdenken. Aber grün, ja, grün schmeckt nach Moor, nach der unendlichen Geschichte, nach Entdeckungen und nach Fondant. Denn die Hügel in Schottland erinnerten mich bei Sonnenschein oft an große Torten, deren Oberflächen mit einer leckeren, grünen Fondantschicht überzogen wurden.

Ein Mann steht im Nebel und schaut nach oben.Eine Frau sitzt im Profil in einem weißen Kleid.

Fuji-FP 100 C*: Links mit Polaroidrückteil für eine Mittelformatkamera, rechts mit einer Polaroid Land

Ich hatte teilweise jedenfalls die Fähigkeit verloren, meine Umgebung in schwarzweiß zu sehen. Die Farben gewannen also an Kraft und nutzten ihren Auftrieb, um in mir an die Oberfläche gespült zu werden. Die grau gewaschenen Bilder in meinem Kopf erhielten Farbtupfer und verhielten sich wie Farbe auf einer nassen Leinwand: Sie zogen sich durch die Textur wie ein Fluss und füllten die Umgebung auf.

Ich suchte nach dem richtigen Filmmaterial, um sie so wiederzugeben, wie ich sie empfand. Ich fing bei den billigen Farbfilmen aus dem Drogeriemarkt an, versuchte mich auch am Kodak Portra 160 und 400 und musste natürlich auch den Trennbildfilm von Fuji ausprobieren. Zufriedengestellt hat mich mal das eine und mal das andere. Aber meine Lieblinge sind der Portra 160, der Rollei Chrome und der Sofortbildfilm Fuji 100. Sie kommen meinem Empfinden von Farbe am nächsten.

Nebel, Schottland und Felsen
Diafilm Rollei Chrome CR 200: Old Man of Storr im Nebel

grün verwaschen, Regen und ein Haus
Diafilm Rollei Chrome CR 200: Regen auf der Isle of Skye

Allerdings fühle ich mich in der Farbfotografie wie ein blutiger Anfänger und das bin ich ja auch. Wenn ich nun Bilder anderer betrachte, hat sich mein Standpunkt ein bisschen verschoben und ich habe das unerschütterliche Gefühl, fotografisch eine komplett neue Welt zu betreten und wieder bei Null anzufangen.

An die Entwicklung von Farbnegativen habe ich mich jedenfalls noch nicht getraut. Ich habe hier um die Ecke ein tolles Labor, das mir den Film innerhalb von ein paar Stunden fertig entwickelt. Und vielleicht wähle ich in Zukunft auch eher die Polaroid-Variante.

Wer die Anfänge meiner Farbfotografie mitverfolgen möchte, darf sich gern diesen Tumblr merken. Für Ratschläge und Vorschläge von weiterem Filmmaterial bin ich immer offen.

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