Akt Portrait einer Frau
06. Juni 2015 Lesezeit: ~9 Minuten

Einfach nackt sein

Aktfotografie – Ein Bereich der Fotografie, der schon immer sehr kritisch betrachtet wurde und immer noch mit vielen Vorurteilen behaftet ist. Was bedeutet es, Aktfotograf zu sein? Nackte Menschen abzulichten? Reiz zu erzeugen, um damit Klicks zu generieren? Ich bin mir da nicht sicher. Ebenso wenig, ob ich, trotz meiner Erfahrung im Bereich der Aktfotografie, inzwischen behaupten kann, ich wüsste, worum es wirklich geht. Viel zu sehr schwanke ich selbst zwischen Vorstellung und Wirklichkeit.

Die Vorstellung, mit meinem Körper Sinnlichkeit und Zerbrechlichkeit darzustellen und die Wirklichkeit letzten Endes, die falschen Leute damit zu erreichen. Viele sehen meine Arbeiten und kritisieren das Nacktsein. Ich selbst betrachte mich als Darstellerin oder eben einfach nur als Fotomodell. Ich liebe es, vor der Kamera zu stehen, leidenschaftlich zu sein und das zu tun, was ich liebe.

Viele Modelle – ob männlich oder weiblich – fangen mit der sinnlichen Fotografie an, um in sich etwas zu entdecken. Um einen verloren geglaubten Teil wiederzufinden oder eine Selbsterkenntnis zu erlangen, meistens ist diese dann das Selbstbewusstsein. Viele, die auf der stetigen Suche nach sich selbst sind, beginnen irgendwann, ihr tiefstes Inneres zu erforschen. Ohne Mauern, ohne Ketten, einfach nackt zu sein.

Akt Portrait einer FrauEine Person nackt am Boden

Diesen sehr intimen Moment mit einem komplett fremden Menschen zu teilen, ist meiner Meinung nach etwas ganz Besonderes. Leider sehen viele das nicht so. Die meisten Fotografen sind wahre Meister darin, Bilder zu veröffentlichen, die das genaue Gegenteil erzeugen können. Nämlich den nackten Körper als etwas darzustellen, was er nicht sein sollte. Das kann auch schon mal schnell ins Pornografische abrutschen. Denn bei vielen geht es nur um das eigene Bedürfnis, nackte Haut zu sehen und Fantasien durchzusetzen, die sie sonst eben nicht erleben dürfen.

Wenn dabei noch eine unsichere Person mit wenig Selbstvertrauen vor der Kamera steht, kann es noch schlimmer werden. Mit dem vollendeten Werk rückt man das Model eventuell in ein ungewolltes Licht oder im schlimmsten Fall missbraucht der Fotograf die Nacktheit des Modells für die eigenen Zwecke. Ich selbst habe natürlich auch schlechte Erfahrungen gemacht, aber ebenso auch gute.

Meine ersten Versuche in der Aktfotografie habe ich damals mit einem befreundeten Fotografen unternommen. Wir kannten uns schon länger und somit gab es eine Vertrauensbasis, auf der wir aufbauen konnten. Die ersten Aufnahmen waren Lowkey und wir haben viel gelacht am Set. Obwohl ich unsicher und etwas nervös war, hatten wir einige tolle Ergebnisse und ich erinnere mich noch ganz genau daran, wie es war, zum ersten Mal meinen nackten Körper auf den Fotos zu sehen.

Eine Frau liegt nackt auf dem Waldboden.

Er war so völlig fremd und ich brauchte einige Zeit, um wirklich zu begreifen, dass ich diejenige bin, die darauf abgebildet ist. Ich empfand so etwas wie Stolz und war zufrieden mit dem, was ich sah und das, obwohl ich mich in meinem Körper immer so unwohl gefühlt und ihn jahrelang abgelehnt habe. Meine erste Akt-Fotosession war somit eine tolle Erfahrung für mich und es motivierte mich, auch weiterhin Aktprojekte, die interessant waren, anzunehmen.

Doch die negative Erfahrung sollte nicht lange auf sich warten lassen. Ich wollte erotische Bilder von jemandem machen lassen, der sein Werk verstand, zumindest dachte ich das damals. Bildtechnisch war dem vielleicht auch so, aber menschlich war es eine völlige Katastrophe.

Schon bei der Ankunft merkte ich, dass etwas nicht stimmte. Der Fotograf war kühl und unpersönlich. Er holte mich damals vom Bahnhof ab und anstatt mich zu begrüßen, fing er direkt damit an, mir zu erzählen, was er von Modellen erwarte. Er hörte gar nicht mehr auf, über seine schlechten Erfahrungen mit den „Weibern“ zu sprechen und ich fühlte mich immer unwohler. Im Studio angekommen, drängte er direkt, zu beginnen und formulierte es mit dem Satz: „Ich hab’ ja nicht den ganzen Tag Zeit!“

Ich erinnere mich genau daran, wie es war, als ich hinterher die Bilder sah. Ich war enttäuscht. Enttäuscht von mir selbst. Ich hätte gehen sollen, stattdessen bin ich dort geblieben, weil ich unsicher war und habe mich den ganzen Tag schlecht von einem völlig fremden Mann behandeln lassen, der in seinem verrauchten Wohnzimmer Bilder so manipuliert, wie eine bestimmte Zielgruppe sie gern hätte.

Ich habe Bilder bekommen, die vielleicht erotisch waren, aber zu denen ich keinerlei Bezug hatte. Sie waren leer, so ganz ohne Inhalt. Danach wollte ich nie wieder solche Aufnahmen von mir machen lassen. Aber es kam anders. Ich traf zum Glück Fotografen, die nicht nur den nackten Körper fotografierten, sondern auch den Inhalt.

Eine Person nackt am Boden

Heute bekomme ich manchmal immer noch merkwürdige Anfragen. Manche davon sind so kurios, dass man sich gar nicht vorstellen kann, dass sie echt sind. Schlammcatchen im String vor laufender Kamera, Fußbäder in Sahne oder der Klassiker: Akt bei einem Fotografen, der kein Portfolio hat, aber ein Hotelzimmer.

Zum Glück kann ich über so etwas inzwischen schmunzeln und gehe meinen Weg zielgerichtet und selbstbewusst. Vielleicht eben deshalb, weil ich schon so viele positive wie auch negative Erfahrungen sammeln durfte. Bei Anfragen, die mich interessieren, überlege ich dennoch lange, ob ich es mache oder nicht. Ich bin viel vorsichtiger geworden und schaue bei Zusammenarbeiten auch mehr auf das Menschliche als auf die Resultate. Blenden lasse ich mich nicht mehr. Ich entscheide, ob ich mich ausziehe und nicht der Fotograf!

Kein Bereich der Fotografie ist so emotional sensibel. Nach sieben Jahren, die ich nun schon vor der Kamera stehe, habe ich viel gelernt. Sowohl über mich selbst, als auch über andere. Ich habe Menschen getroffen, die mich weitergebracht haben, aber auch einige, die ich nie wieder sehen möchte. Ich denke, dass immer dann, wenn Menschen zusammen kommen und etwas Kreatives zusammen erschaffen, es Komplikationen geben kann. Die Kunst dabei ist es, sich selbst treu zu bleiben.

Zu meinem Körper habe ich inzwischen ein gutes Verhältnis. War ich damals noch unzufrieden mit meiner Rolle als Frau, fühle ich mich nun wohl und aufgehoben. Ich bin stolz, eine Frau zu sein und versuche dies auch durch meine Arbeiten als Modell zu zeigen. Dass besonders Frauen im Mittelpunkt der Kritik stehen, wenn es um das Thema Nacktheit geht, kann ich nicht verstehen.

Warum sollte man sich überhaupt für seinen Körper schämen? Warum lernen gerade wir Frauen schon so früh, dass unser Körper etwas ist, das versteckt werden muss und über das man nicht reden darf? Ich hoffe, dass es Leute gibt, die meine Bilder wirklich sehen und nicht nur die Zielgruppe Mann, die zu dieser Massenproduktion an Fleisch beiträgt.

Zwei Frauen mit Turban und voller weißem Pulver umarmen sich.Eine Frau auf einem Bett dreht den Kopf zur Seite.

Und obwohl ich nichts bereue und den Akt als Teil der Fotografie ansehe, denke ich dennoch oft darüber nach, wie es wäre, mit der Aktfotografie aufzuhören. Immer wieder gerate ich dabei selbst in Gewissenskonflikte.

Gesehen zu werden und mitzuhalten bei der Flut der Massendarstellung. Bilder zu kreieren, die beeindrucken und fesseln! Daran gibt es erst einmal gar nichts auszusetzen, denn jeder von uns möchte irgendwie gesehen werden. Aber es gibt diese Schattenseite, in der man sich sehr schnell selbst verlieren kann. Aufzufallen um jeden Preis! Und diesen Preis möchte ich für mich persönlich nicht mehr zahlen.

Ständig den Druck zu haben, weiter mitzumachen in diesem großen Kindergarten der Fotografie, von Leuten, die Bilder hochladen und nach Aufmerksamkeit ringen. Manchmal bin ich enttäuscht, wenn ich sehe, wie schnell Aktbilder, die schlecht gemacht sind, diese Aufmerksamkeit bekommen und das, obwohl andere ausdrucksstarke Bilder um so viel reicher sind an Emotionen.

Ich sehe mein eigenes Portfolio durch und wie oft meine Aktarbeiten angeklickt werden. Dann frage ich mich, ob ich genauso weit gekommen wäre, wenn ich keine Aktprojekte angenommen hätte. Ich vergleiche mich – so wie alle es manchmal machen – und dann erwische ich mich eben dabei, manchmal doch noch unsicher zu sein. Dann überwiegen aber zum Glück die Momente, in denen ich stolz bin und es so sehe, wie jeder es sehen sollte: Als einen Teil der Fotografie. Als ein Puzzlestück in einer Geschichte.

Ich für meinen Teil bin stolz, diesen Weg gegangen zu sein, denn dadurch bin ich mir als Frau auch näher gekommen. Die positiven Erlebnisse in meinem Dasein als Fotomodell haben bisher überwogen und ich werde mit Sicherheit noch weitere tolle Erfahrungen sammeln dürfen. Im Grunde genommen ist es egal, in welchem Genre man arbeitet und sich wohl fühlt, wenn man es nur mit Leidenschaft angeht.

Bei der heutigen Flut an Fotografien ist es nicht mehr einfach, aufzufallen. Aber muss man das? Es ist einzig und allein wichtig, dass man sich identifizieren kann mit dem, was man geschaffen hat und seine eigene Geschichte erzählt. Zu welchen Ende man jedoch kommt, muss jeder für sich selbst erfahren.

Titelbild von © Luxxlooks

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42 Kommentare

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  1. Danke für diesen Artikel. Ich persönlich betrachte den Bereich der ästhetischen Aktfotografie als die Highclass der Fotografie und erfreue mich immer an Bildern mit mehr oder weniger nackten Menschen, in denen Seele steckt. Auf der anderen Seite finde ich wenig schlimmer als: “ ich hab ne Kamera, ich weiss wo der Auslöser ist, ich kann jetzt Akt fotografieren. Ich stell mein Model einfach nackt in einen trashigen Hinterhof (am besten mit Highheels an) und dann drücke ich den Auslöser. Muss ja was werden, is ja ne nackte Frau drauf.“ Wenn das Bild schlecht ist, ändert auch eine nackte Frau daran nichts. Leider sieht man letzteres viel zu häufig auf den einschlägigen Seiten, was einem dieses eigentlich wirklich sensible und anspruchsvolle Thema immer wieder verleidet. Zum Glück gibt es aber auch Gegenbeispiele (um hier nur Stefan Beutler oder auch Nujolie zu nennen). Ich kann nur sagen: Bitte hör nicht auf damit, ein Model zu sein, von dem es Aktbilder mit Seele gibt, denn davon gibt es viel zu wenige.

  2. WoW TJ,

    ein gut geschriebener Artikel, danke dass du deine Erfahrungen mit uns teilst.

    Leider ist dieses ein sehr komplexes Thema und während unseres Frühstück eben, haben meine Freundin lange drüber diskutiert und werden gleich noch weiter diskutieren.

    Ich denke wir werden dazu noch ausführlicher Antworten….

  3. Ich stehe Aktfotografie sehr kritisch gegenüber, da der Großteil der Bilder – wie du auch selbst schreibst – nichts anderes als Fleischbeschauung und zutiefst frauenfeindlich sind. Sie fangen nur den weiblichen Körper ein und die Seele darin, versuchen sie gar nicht zu zeigen. Deine Bilder sind für mich das pure Gegenteil. Sie zeigen Verletzlichkeit und Stärke. Und repräsentieren für mich der Inbegriff von schönen und sensiblen Aktbildern. Es stehen nicht Brüste im Vordergrund, sondern trotz oder gerade wegen der Nacktheit der Mensch dahinter. Auch deine Gedanken zu den Bildern und der Aktfotografie habe ich sehr gerne gelesen. Es ist spannend zu erfahren, was der Mensch, die Frau vor der Kamera denkt.

    • Da gebe ich dir recht Leah, ich denke sogar das viele meiner anderen Arbeiten ebenfalls als frauenfeindlich betrachtet werden können. Ich denke es kommt oft auch auf die Sichtweise an. Vielen lieben Dank für deinen Kommentar!

  4. Wenn ich auf das OEuvre schaue, sehe ich da doch ein entsprechend Maß an Fleischwarebildern mit dazugehörigem Pin-up Posing, Reizwäsche, Sklavenhalsbändern, sogar Ejakulationen ins Gesicht werden suggeriert. Und das sind noch nicht einmal die Aktserien, weiß der Himmel was da noch zu sehen wäre – von daher leuchtet mir überhaupt nicht ein, woher die Abneigung gegenüber der Fleischbeschau kommen mag, offenbar ist sie integrativer Bestandteil der eigenen Modelarbeit.

    • Sehr geehrter EC, ich danke für ihren Kommentar, allerdings denke ich sollten sie noch mal genauer schauen bevor sie Dinge unterstellen. Zwar muss Ihnen nicht gefallen was Sie sehen, dennoch wüsste ich wenn man mir ins Gesicht ejakuliert hätte.

      Lieber Gruß,

      Miss Souls

    • Eigentlich sollte man zur Trollerei nichts mehr hinzufügen.
      Aber wie hier schon bereits beschrieben wurde, manche Menschen haben wohl zuviel Zeit um verschiedene Seiten nach Bildern zu durchstöbern, die ihrer Meinung nach Ejakulationen im Gesicht suggerieren lol (musste an der Stelle wirklich lachen, danke dafür)

      Ich habe auch nie im Artikel gesagt ich sei Fehlerfrei, obwohl ich auf alle arbeiten mit positiven Gefühlen zurück schauen kann (außer der oben beschriebene Tag mit dem Herrn). Ich denke ich gehe da sehr selbstkritisch mit dem Thema um. Hier empfehle ich es noch mal zu lesen.
      Wenn jemand nicht mag was er sieht, so mag er doch gerne weiter klicken, denn ich denke genug Alternativen sind im Internet vorhanden. Das unten, das aufgeführte Bild in der Wanne zu finden ist, finde ich persönlich lächerlich. Aber da hat wohl jemand zuviel Druck auf der Leitung :D Dennoch Herr EC, ich denke wir haben alle verstanden das sie anders und besonders sind und kritisch, angespannt und natürlich klug. Danke noch mal, ich mag sowas ja immer gern! Sonst wäre es ja langweilig!

  5. Dieser Artikel hat mich sehr berührt, denn er drückt in vielen Zeilen das aus, was auch in meinem Kopf herumschwirrt. Bei meinen Shotting’s ist es für mich eine Pflicht, das Vertrauen, das mir das Model entgegen bringt mit meinen Bildern zurück zu zahlen. Wenn es mir gelingt, das zum Teil gestörte Verhältnis zum eigenen Körper ins positive zu lenken, Unsicherheit in Richtung Selbstbewußtsein und zu einem entspannten Posing zu bringen, dann waren die Aufnahmen ein voller Erfolg. Ich schaue mir gerne Aktfotografien von Fotografinnen an, um zu lernen, wie Frauen nackte Frauen sehen und habe meine Sichtweise als Mann dadurch in vielen Dingen korrigieren können. Mir gefallen Aktaufnahmen deshalb so gut, weil die Ästhetik von Frauen einfach wunderschön ist und auch weil bei dieser Art von Aufnahmen Stärke und Verletzlichkeit ausgedrückt werden. Es hat mir große Freude bereitet, einmal ehrliche Gedanken von einer Frau vor der Kamera zu erfahren.

    • Genau das habe ich auch gedacht. Man sieht ja immer nur die Fotos und vermutet anhand dessen, welcher Sorte der Fotograf zuzuordnen ist. Ich finde es daher sehr interessant, mehr über die Motivation eines Aktmodells zu erfahren.

      Ich kann deine Geschichte gut nachvollziehen. Ich habe (selbst als Mann) meinen Körper wie auch den Rest von mir selbst lange nicht angenommen und daher kaum etwas von mir preisgegeben. In einem langen Reifeprozess habe ich mich jedoch versucht mehr und mehr zu öffnen und bin dabei mit immer mehr positivem Feedback und besseren Beziehungen belohnt worden. Sich ohne Scham nackt zu zeigen (zumindest vor der Lebenspartnerin) erlebte ich dabei als einen letzten großen Schritt der Befreiung und Selbstannahme. Ich kann mir vorstellen, dass dieses Prinzip auch bei deiner Akt-Erfahrung gewirkt hat und dass die Tätigkeit als Aktmodell auch aus einem Wunsch herrühren könnte, von anderen so gesehen werden zu wollen, man ist. Mit all seiner Verletzlichkeit, die in einem nackten Köper besser zum Ausdruck kommt als mit Kleidung, die ja auch immer ein (verfremdendes bzw. manipulierendes) Image transportiert.

      Und zum Thema Pornografie: Bei vielen (NICHT den hier gezeigten) Bildern wundert mich, dass sich Frauen so fotografieren lassen und ein Stück weit damit auch fahrlässig zu dem Bild beitragen, was manche Männer wohl im Kopf mit sich rumtragen. Wie du schon schriebst, kann man einen Teil solcher Bilder sicher auf Unsicherheit oder mangelnde Erfahrung zurückführen, andere sind evtl. als Provokation gemeint, der größte Teil entsteht wohl aber aus finanziellen Gründen.

  6. Die Grenze zwischen Fleischbeschau und künstlerischem Akt ist fließend. Da spielen reichlich gesellschaftliche, religiöse und moralische Normen hinein und die verändern sich im Zeitablauf. Ein Paradebeispiel sind für mich die Arbeiten von Robert Mapplethorpe. In den 80er Jahren als pornografisch gebrandmarkt und teilweise verboten, sind es heute geradezu Ikonen der Aktfotografie. Was ja nicht bedeutet, dass man seine Fotos mögen und sich im Wohnzimmer aufhängen muss. Ich finde, auch heute ist bei diesem Thema immer noch jede Menge Verklemmtheit im Spiel. Kritisch sehe ich allerdings die völlige Übersättigung mit Fotos von unbekleideten Menschen, egal in welchen Posen und zu welchem Zweck auch immer. Akt ist aber mehr als nackt.

      • Da nicht für. Du musst deine eigene Position und dein Handeln weder rechtfertigen noch erklären. Wo du genau stehst und warum, ist für mich auch nicht genau klar und auch nicht entscheidend. Ich gehe an das Thema Aktfotografie meistens mit einer simplen Frage heran: Finde ich die Aufnahme ästhetisch oder provokant ohne dass sie den Menschen zum Objekt macht? Bei den von dir gezeigten Fotos, ein klares Ja.

  7. Erst einmal auch ein Dank von mir für den sehr persönlichen Einblick und die sehr ästhetischen Bilder.

    Ich tue mir offengestanden auch schwer mit der Thematik, wenngleich ich mich weder vor noch hinter der Kamera bisher mit der (N)A(c)ktfotografie beschäftigt habe. Ich bezeichne mich also einfach mal als „Konsument“.

    Wenn ich mich zunächst einmal in die Rolle der Akteure hineinversetzte, kann ich Deine Zwiegespaltenheit zwischen Anspruch/Selbstfindung und Fleischbeschau/Selbstdarstellung sehr gut nachvollziehen. Das Problem ist halt das ein noch so niveauvolles Bild bei gewissen Betrachtern schlichtweg erotische oder gar pornografische Assoziationen und Reaktionen erzeugt. Davor bist Du als Akteurin bezüglich der subjektiven Bildwirkung nicht gefeit. Andersrum frage ich mich in welcher Form die digitale Veröffentlichung Deiner sehr persönlichen Bilder Deiner Selbsterkenntnis und Deinem Selbstbewusstsein dient. Man setzt sich der sehr undifferenzierten, oft aus der Anonymität heraus pöbelhaften Meinung und Beurteilung von Fremden aus.
    Hinzu kommt für mich das sehr schwierige Thema der digitalen Nachbearbeitung. Viel zu oft habe ich erlebt wie weibliche (Akt)modelle hier zunehmend die Realitätsnähe verloren haben und somit aber gleichzeitig nicht nur sich selbst belogen, sondern auch den Druck bezüglich weiblicher Körperideale auf Normalos erhöhten. Ein Teufelskreis…

    Leider komme ich also zu dem (zugegebenermassen simplizierten) Schluss, dass es zwei Arten von Aktmodellen, deren Aufnahmen auch publiziert werden und somit einer breiten Masse zugänglich sind, gibt:
    a) Welche die sich vom Fotografen für die Aufnahmen, die dann in seinen Besitz übergehen bezahlen lassen. Fair enough, sofern freiwillig und ohne Druck entstanden.
    b) Aufmerksamkeitsaffine, die sich weitestgehend über die Meinung anderer definieren.

    Just my 2 cents,

    Martin

    • Ich denke zwischen A und B gibt es noch etwas. Nicht nur schwarz und weiß.
      Klar kann man für sein Hobby, seine Leidenschaft Geld nehmen, optimal wenn es dazu noch menschlich passt und man sogar einen gewissen Anspruch auf die Bilder hat, aber ich denke so leicht ist das nicht. Die Frage, die ich mir dazu stelle ist, wie beginnt jemand überhaupt damit sich nackt vor der Kamera auszuziehen? Geschäftsinn muss man dafür nicht haben. Ich denke hier eher grau. Neben dem dringenden Bedürfnis auffallen zu wollen oder Geld zu machen, gibt es noch Modelle die es auch aus Leidenschaft tun. Ich selbst war selbst mal A und mal B und inzwischen bin ich wohl eher dazwischen zu finden.

      Ich danke dir sehr für deinen Kommentar!

  8. Zunächst: wir leben Gottseidank in einer aufgeklärten und relativ offenen Gesellschaft: daher soll sich ausziehen, wer mag. Wer das nicht anschauen will, soll es lassen. Problematisch ist für mich nicht die Frage der Kunst, sondern ob zB ein rumänisches Erotikmodel wirklich macht, was sie will, oder keine Alternativen hat.
    Und die Kunst? Siehst wohl jeder anders: die „Spielerfrau“, die sich für den Playboy entblättert, spricht ja zB von „künstlerisch“ wertvollen Bildern :-) Hurra
    Die Bilder hier im Artikel sind auf jeden Fall gut gemacht.

  9. Mich hat deine Geschichte sehr bewegt. Hat sie mir doch eine Seite der Fotografie gezeigt, die mir bis dahin verborgen war. Ich bewundere Fotos von Menschen, die voller Gefühl und Inhalt sind. Jetzt weiß ich, dass dies nicht vom Fotografen, sondern vom Modell kommen muss. Der Fotograf ist dafür verantwortlich, dass das Modell bereit ist, diese Inhalte und Gefühle zu zeigen.

    Ich fotografiere gelegentlich Menschen. Dabei ist das Vertrauen zwischen uns immer wichtig. Oft sich Freundschaften daraus geworden, wenn auch nur im sozialen Netzwerk.

  10. Ein wirklich großartiger Artikel über dieses recht umstrittene Genre! Vielen Dank an die Autorin und an Kwerfeldein für dieses feature!

    Die Grenzen zwischen kunstvollem Akt und platter Pornografie sind wirklich sehr schmal.
    Man muss wirklich ein gutes Gespür für Modell und Inszenierung haben, damit solche Fotos gelingen. Jene, die nach Pornografie oder Biologieunterricht aussehen, sind entweder genau so gewollt oder nicht gekonnter Akt. Deshalb ist jedem ambitionierten Neuling in dem Genre geraten, seine Models vorab aufzuklären, dass man eben kein Profi in dem Bereich ist. Andernfalls hat man zum Resultat nicht nur schlechte Fotos, sondern obendrei noch ein enttäuschtes Model.

    Aber wer in diesem Genre sein Handwerk versteht und kunstvoll umsetzt, hat Applaus verdient. Denn gute Aktfotos entstehen meist auf eben dieser o.g. schmalen Linie. Und das ist nicht leicht.

  11. Ich bin rundum für Fleischbeschau, im Sinne eines zelebrierenden Umgangs mit unser aller Fleischlichkeit, Weichlichkeit, Haarigkeit, denn die Furcht vor dem Fleisch kommt IMHO aus der Furcht vorm Tod, und dem wollen wir doch nicht unser Leben widmen.

    Und ein grinsendes nackertes Mädchen in High Heels, Frisur, Make-Up und Ruinen ist für mich nicht einmal Fleischbeschau, weil nicht nur ihr Wesen, sondern auch ihr Körper überhaupt keine Rolle spielt, wenn sie nur krude Lifestyle-Gebete aufsagt und ein volksmusikalisches Verständnis von sexiness bedient.

  12. Blogartikel dazu: Leseempfehlung vom 9. June 2015 | off the record

  13. Ein sehr schöner Artikel. Ich schreibe und sage immer wieder, dass die innere Haltung das Äußere bestimmt.
    Die meisten Fotografen sind sicherlich sehr nett. Aber es ist natürlich klar, dass auch dieser Personenkreis einen Querschnitt der Bevölkerung darstellt, der unterschiedlichste Verhaltensstränge zeigt. Leider muss erwähnt werden, dass Personen, die abweichende Persönlichkeitsstrukturen offenbaren, sich in bestimmten Gruppierungen häufen. man schaue sich einfach an, in welchen Berufszweigen sich vermehrt Pädophile befinden.

    Trotzdem sollte man sich nicht entmutigen lassen und seinen Weg gehen. Ich denke, dass es durchaus erlernbar ist, die Bremse rasch zu ziehen und unliebsame Menschen zu verlassen.

  14. Schöner Artikel und schöne Bilder von dir. Bitte mehr Akt von der Sorte!
    Wer Pornos will, guckt Pornos dachte ich immer. Aber du hast Recht, schlechte Nacktbilder haben im Nu einige hundert Klicks, je mehr zu sehen ist, desto schneller. Wie simpel doch viele gestrickt sind. Fine Nude Art ist nicht „geil“, aber es ist schön es sich lange anzusehen.
    Danke :)

  15. wenn Model und Fotograf mit ihrer Arbeit zufrieden sind, ist alles OK was andere denken ist mir vollkommen Latte. Die wissen nichts von der Aufgabenstellung haben keine Ahnung was man erreichen wollte

  16. Dank für den wirklich guten Artikel, der einen sensiblen Bereich der Fotografie aus Sicht des Models treffend beschreibt. Öffentlichkeit bedeutet immer das Vorhandensein von Voyeurismus.
    Und Voyeurismus bedeutet Fleischbeschau und nicht erkennen einer ästhetischen Komposition.
    Ich fotografiere seit 35 Jahren und halte es bis heute in dem Bereich so, daß ich die Dateien komplett weitergebe, mich selbst als Amateur freue, etwas zustande gebracht zu haben, und der/das Model entscheidet ganz allein für sich was mit seinen Bildern passiert.
    Die „Klickstuktur“ auf einer bekannten Fotoplattform spricht Bände, stell ein erotisches Foto ein und die Klicks und Kommentare (meist entbehrliche) türmen sich haushoch.

    Gute Aktfotos gehören meiner Meinung nach, wenn schon Öffentlichkeit, auf Papier gezogen an die Wand einer guten Galerie oder an die entsprechende Wand im trauten Heim.

    Es ist nicht wichtig aufzufallen, diesen Wettlauf mit Millionen anderer Wettläufer kann heutzutage niemand mehr gewinnen. Es ist wichtiger zu wissen wer man ist und was man kann. Die Anerkennung weniger „Sehender“ ist mehr Wert als 5000 Klicks aus denen der Sabber tropft.