17. März 2015

Havanna Cabs

Sie sind der ganze Stolz ihrer Besitzer, Statussymbol und Einnahmequelle: Die Oldtimertaxis von Havanna. Amerikanische Oldtimer sind in Kuba überall zu finden – und längst zu einer Art Kulturgut des Landes geworden. Sie sind ein Relikt des US-amerikanischen Einflusses aus der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts.

Die meisten der Autos fahren noch und das seit mehr als 50 Jahren. Viele Menschen verdienen mit ihnen als Taxifahrer ihren Lebensunterhalt. Besonders beeindruckend ist die enorme Vielfalt durch die individuelle Restauration der einstigen kapitalistischen Luxuskarossen. Egal, ob in schrillen Farben neu lackiert oder fast durchgerostet: Der Anblick dieser fossilen Fortbewegungsmittel zeugt von einer vergangenen Zeit, die im sozialistischen Kuba weiterlebt.

Ursprünglich hatte ich nicht vor, die Oldtimer zu fotografieren. Zu oft wurden diese schon gezeigt, meistens aus immer wiederkehrenden Ansichten. Als ich jedoch in Havana angekommen war, entschied ich mich schnell um. Zu groß war die Faszination, die die Autos auf mich ausübten.

Ich probierte, so wie ich es meistens bei Projekten mache, unterschiedliche Darstellungsvarianten, bis ich schließlich auf diese Draufsicht gekommen bin. Durch diese Betrachtung wird die Form- und Farbsprache besonders gut hervorgehoben. Den Hintergrund habe ich später in Photoshop komplett in schwarz umgewandelt.

© Thomas Meinicke

Blaues Auto

grünes Auto

Rotes Auto

Weißes Auto

© Thomas Meinicke

Türkises Auto

© Thomas Meinicke

© Thomas Meinicke

Bronzefarbenes Auto

Mintgrünes Auto

Blaues Auto.

Silbernes Auto

Goldenes Auto

Violettes Auto

Die Fotos wurden beim Nikon Photo Contest mit dem 2. Platz prämiert. Im Sommer erscheint auch ein Bildband mit Kalender zur Serie. Zudem ist eine größere Ausstellungsreihe in Deutschland geplant.

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25 Kommentare

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  1. Hmmmm Beim ersten Bild dachte ich noch: “wow! Toll fotografiert”. Beim 2. Bild habe ich mich “gewundert”, dass es exakt aus der gleichen Perspektive aufgenommen wurde; beim 3. Bild: “aha, eine Serie/Masche”.
    Dann fand ich es langweilig!
    Perfekt fotografiert. Technisch. Aber es den Autos nicht gerecht.
    Bei Portraits fotografiere ich auch nicht nur die Nase oder die Augen. Da fehlen entscheidende Details.
    “Sein Anliegen ist es, außergewöhnliche Augenblicke zu zeigen, die der Betrachter ansonsten womöglich so nicht wahrnimmt. ” Das stimmt zwar, wird aber durch die Menge der immer gleichen Bilder etwas langweilig…
    Trotzdem schön! :-)

  2. Ich bin alles andere als ein Auto-Enthusiast und diese Fotos gefallen mir richtig gut. Die Komposition, die Farben und die Geschichte dahinter – hier passt alles zusammen. Und schließlich gibt es ja noch einen unsichtbaren Kontrast zwischen den lebensfrohen Farben und den schwierigen und kargen Lebensumständen. Großformatige Abzüge in großen Räumen und auf weißen Wänden sind wohl nötig, um die Bilder richtig genießen zu können. Glückwunsch!

  3. Die Serie funktioniert ausserordentlich gut. Die strikt, formale Bildsprache hebt die Unterschiede in Farbe und Form der Oldtimer und ihr Zustand sehr gut hervor. Die angedeuteten Personen runden die Serie ab, sie füllen die Bilder mit Leben.

    Großartig! Bin auf das Bildband gespannt (würde mich sogar über eine Nachricht freuen).

  4. Tolle Serie. Hat aus der Perspektive was von Spielzeugautos – so hab ich meine Sikus, Tonkas, Wikings und Matchboxs damals auch von oben gesehen. Die knalligen Farben tragen ihren Teil dazu bei.

  5. Sehr gelungene Serie. Durch den schwarzen Hintergrund sehr schön reduziert auf die Farbvarianten der Autos und die unterschiedlichen Extremitäten, die aus den Autos herausragen. Das vermittelt einiges über die Stimmung im Auto, finde ich. Absolut buch- und kalendertauglich, da würde ich mich auf jeden Monat freuen.

    Es gab letztes Jahr ein ähnliches Projekt von Alejandro Cartagena über Menschen in Mexico, die gemeinsam mit dem Truck zur Arbeit fahren: http://www.amazon.de/Carpoolers-Alejandro-Cartagena/dp/B00OA2HCKK – Da das Buch von Martin Parr empfohlen wurde, sind die Preise leider astronomisch, signierte Exemplare beim Autor für 900$.

    • Hallo Tilman, vielen Dank für deinen Kommentar. Die andere Serie kenne ich auch, ist echt toll!!! Das diese jetzt 900$ kostest ist schon echt der Hammer. Naja, wenn es der Herr Parr empfiehlt ;-) Du kannst mir auch gerne eine E-Mail schreiben. Dann würde ich dich in meinen Verteiler aufnehmen. Beste Grüße, Thomas.

  6. Mir gefallen die Fotos. Besonders vor dem schwarzen Hintergrund. Mich erinnert das etwas an die Serie eines deutschen Fotografen, welcher große Lastkähne auf einem Fluß abgelichtet hat.

    • Hallo Herr Meier, ich weiß, was sie mit ihrer Meinung zum Ausdruck bringen wollen. Solche Stereotype, wie die Oldtimer, werden sehr häufig verwendet. Aus meiner Sicht sollte man jedoch nicht gleich daraus schließen, dass es deshalb nur um Bilder geht. Mit den Autos werden auch gesellschaftliche Aspekte deutlich. Zudem ist das Kulturgut (Amerikanische Oldtimer in Kuba) weltweit einzigartig und sehr speziell. Und nur weil man dieses zeitgeschichtliche Phänomen darstellt, heißt das nicht, dass man mit Scheuklappen durch das Land reist und nichts anderes mehr sieht. Sie können z. B. gerne auf meine Webseite schauen. Dort finden Sie weitere Projekte aus Kuba, die sich mit anderen Themen (Alltag, Armut) befassen. VG THM
      http://www.meinicke-photo.com

      • Über Fotografie zu diskutieren ist nicht immer Sachlich und ist natürlich immer auch stark von persönlichem Geschmack geprägt.

        Bei Thomas Meinickes fotografischer Arbeit ist die Perspektive eine neue Variante sich dem Thema “Automobil” zu nähern. Hier wird dem Betrachter eine nicht alltägliche Perspektive geboten. Kein anderer Blickwinkel würde diese Vergleichbarkeit nur ansatzweise ermöglichen. Das war aber das Ziel von Meinicke. Auch die Fülle an Aufnahme ist notwendig, damit die Vergleichbarkeit und die Stereotypen deutlich werden. Es geht nicht nur um die grundsätzliche Formensprache Automobil sondern um die kleinen Unterschiede auf dem Lack, im Auto, usw.
        Vergleichbares gibt es in der Fotografie und in der Kunst sicherlich, aber keines ist vergleichbar mit diesen Arbeiten. Es ist also etwas Neues und Eigenständiges. Dafür erst einmal herzlichen Glückwunsch.

        Bei aller Kritik sollte man sich dann auch die Frage stellen: Sind dann die Fotografien von Bernd und Hilla Becher auch Langweilig! Sicherlich oder auch nicht, wenn man genau hinschaut und das Entdecken von Details zulässt.
        Das Werk von Bernd und Hilla Becher umfasst erheblich mehr fotografische Aufnahmen.

        Deren fotografisches Werk wird als Spurensuche und kulturelle Anthropologie angesehen. Sie sind bewusst betont sachlich konzipiert. Nicht nur das, es wird auch hier der Begriff der NEUEN SACHLICHKEIT verwendet.

        Das sollten wir auch einem jungen Fotografen zugestehen.

        Ich wünsche Thomas Meinicke viel Erfolg für seine Arbeit, die ja nicht ohne Grund schon mit dem 2. Platz beim “Nikon Photo Contest” ausgezeichnet wurde.

    • Interessanter Link, Danke.

      Ich war noch nie in Kuba, aber ich glaube, die Oldtimer sind dort i.d.R. Taxen, genau so wie beispielsweise alte Villen in manchen Gegenden der Welt heute Hotels sind.
      Mit der Frage, ob es “den Menschen dort” gut oder schlecht geht, hat das eher wenig zu tun. Dass alte Autos gepflegt und erhaltenj werden, finde ich an sich positiv.

  7. Formal streng, zu typologischen Vergleichen reizend, ästhetisch schön und dazu noch ein für Autofotografie ungewöhnlicher Blickwinkel, gefällt mir alles sehr gut.