15. Januar 2015 Lesezeit: ~4 Minuten

Lost Places: Dr. Anna L.

In dieser verlassenen Villa in Hessen befindet sich nicht nur eine voll eingerichtete Wohnung, sondern auch eine Arztpraxis mit Wartezimmer, Labor und Bibiliothek. Wer schon in einem normalen Lost Place Gänsehaut bekommt, der wird sich hier beim Anblick des Untersuchungsstuhls und der konservierten Organe sicher alles andere als wohl fühlen.

Oft sind die Geschichten hinter solchen Lost Places doch sehr traurig. Ein Gebäude wird nicht einfach so aufgegeben. Meist stirbt der Besitzer und es gibt keine Erben. Oder im schlimmsten Fall einen großen Erbstreit und das Haus verfällt, während sich Anwälte böse Briefe schreiben. Um diese Villa ranken sich viele Gerüchte. Am wahrscheinlichsten ist, dass nach dem Tod ihres Mannes die Frau Doktor in ein Altenheim ging und nicht mehr fähig war, sich um das Haus zu kümmern.

Ein Flügel in einem verfallenen Zimmer mit rosa Vorhängen

Verwüstetes Untersuchungszimmer eines Urologen.

Konservierte Nieren in Gläsern.

Titelbild und Fotos: Leon Beu

Mit diesem Gedanken im Hintergrund ist der Besuch der alten Villa sehr bedrückend. Sie war noch voll eingerichtet: Bücher stehen in den Regalen, Kleider liegen in den Schränken. Briefe und Fotos findet man auf dem Schreibtisch und im Flur stehen auf einem kleinen Schränkchen Blumen. In ihrer Vase sind sie mit der Zeit getrocknet. Nach dem Tod und Auszug der Besitzer wurde hier vorerst alles genau so belassen wie es war.

In den oberen Etagen finden sich die Wohnzimmer, im Untergeschoss war die Arztpraxis des Urologen-Paares. Auch sie wurde von den Besitzern im ursprünglichen Zustand verlassen. Am beeindruckensten ist dabei wohl der Untersuchungsraum mit Patientenliege. Ordner mit Aufschriften wie „Prostata-Karzinom“ finden sich im Regal und weisen auf den Beruf hin. Auf dem Regal stehen in Formaldehyd eingelegte Nieren in verschiedenen Krankheitsphasen in Gläsern. Einige von ihnen sind mittlerweile zerbrochen, sodass es im ganzen Haus unglaublich stinkt.

Treppenhaus von oben

Altes Bett an einem verlassenen Ort.

Das Haus ist wohl einer der bekannteren Lost Places und wurde von vielen Menschen besucht. Von vorsichtigen Abenteuerern ebenso wie von Randalierern und Dieben. Viele Bücher wurden mittlerweile aus den Regalen gerissen und bedecken die Böden und das Treppenhaus. Zettel und Kleidung liegen überall verstreut und auch einige Möbel sind bereits zu Bruch gegangen. Wie es hier aussah, als die ersten Entdecker kamen, kann man sich leider kaum vorstellen.

Auf Youtube finden sich unzählige Videos von Rundgängen durch das Haus und auch viele Fotografen haben sich hier bereits eingefunden. Einige von ihnen haben dabei für ihre Fotos viel umgestellt und insbesondere das Untersuchungszimmer stark arrangiert.

Ein Kleid und ein Spiegel hängen über einer alten Liege.

Ein alter Sessel vor einem kleinen Tisch.

Leider konnte ich bisher niemanden finden, der das Haus in seinem ursprünglichen Zustand festgehalten hat. Ins Auge fällt auf den ersten Bildern jedoch ein Kunstwerk, auf das mich der Fotograf Leon Beu aufmerksam gemacht hat. Ein blauer Paravant mit Skelettfrauen, bei dem es sich wahrscheinlich um ein Original mit einem Schätzwert im mittleren fünfstelligen Bereich handelt. Was damit passiert ist, konnte ich nicht herausfinden.

Nicht nur der Vandalismus setzt dem Haus zu, auch die Zeit tut ihr Übriges. Die Wände sind feucht und schimmeln, die Tapeten fallen ab, die Holztüren und Balken werden morsch und Farbe blättert überall ab. Im obersten Stockwerk wird der Boden nur noch von einzelnen Streben gehalten. Die Villa steht seit 1988 leer und wird wohl nicht mehr lange ohne Gefahr zu betreten sein.

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23 Kommentare

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  1. Traurig aber auch interessant zu sehen wie so ein Anwesen langsam verrottet weil sich niemand mehr darum kümmert. Gibt es da normalerweise keine staatlich geführte Versteigerung wenn sich keine Erben finden lassen!? Oder gibt es Erben die sich nicht einigen können und deswegen lieber alles verrotten lassen? Warum können fremde Leute in das Haus? So oder so müsste der Nachlass doch irgendwie verwaltet werden?

    Noch trauriger ist es zu sehen, dass Leute ohne Respekt vor privatem Eigentum dort eindringen und Inventar zerstören oder umstellen wie es ihnen passt, nur um ein tolles Foto oder Video zu machen.

    Ich bin auch ein Fan von solchen Lost Places, aber was mich wirklich interessiert ist der Ursprungs-Zustand und nicht das was andere Leute daran verändert haben.

  2. Wie verrückt! Da wohnt man jahrelang nur einen Katzensprung entfernt, geht vielleicht des öfteren dran vorbei und erfährt über Kwerfeldein von diesem großartigem Haus! Verrückt schön, werde da mal vorbei schauen müssen

  3. In Nordhessen kenne ich noch ein weiteres Objekt (Villa), die schon seit Jahren verlassen und alleine mitten im Feld steht. Leider kenne ich niemanden, der weiß an wen man sich wenden sollte, um ggf. dort Fotos machen zu können. Eigentlich Schade, denn diese Fotos zeigen mal wieder, welch großartige Fotos in solchen „lost places“ zustande kommen. Klasse Artikel!

  4. Tolle Fotos, da bekommt man wirklich Gänsehaut-Feeling. Ich bin ein Fan von diesen altmodischen medizinischen Geräten und liebe Kunst in jeder Form die sich mit der „Medizin von damals“ befasst! z.B. Serien wie „American Horror Story – Asylum“ oder „Dr. Quinn“, die Kunstinstallation „O.R.pheus“ oder eben auch Urbex-Photos aus verlassenen Krankenhäusern und Arztpraxen.

    Ich habe von dem Haus vor einger Weile schon Bilder gesehen, die müssen allerdings deutlich älter gewesen sein, denn auf den Bildern war alles deutlich weniger verfallen und zerstört (leider finde ich den Link dazu nicht mehr). Es ist eine Schande, dass so viele Leute dort eingestiegen sind und deutlich mehr hinterlassen haben als Fußspuren.

    Soweit ich weiß ist es eine Urbexer-Regel, den Ort zu den Bildern geheim zu halten. Häufig erfährt man nichtmal um welche Art Gebäude (Arztpraxis, Privathaus, Krankenhaus…) es sich handelt. Zum einen, damit es eine Herausforderung bleibt, Lost Places zu finden und zum anderen damit Vandalen kein leichtes Spiel haben. Zum Haus von „Dr. Pain“ findet man im Internet die exakten GPS-Koordinaten – Schade.

    Wann sind die Bilder denn entstanden? Soweit ich weiß soll es in den letzten beiden Jahren deutlich schwieriger geworden sein, dort hineinzugehen weil die Stadt mittlerweile ein Auge darauf hat wer sich in der Nähe des Hauses (oder im Innern) rumtreibt?

    Viele Grüße und viel Erfolg für die Zukunft von kwerfeldein!

  5. Wow, super cool!

    Bin selbst gerne und ziemlich oft in Sachen Urban Exploration zum fotografieren unterwegs. Hier stimmt wirklich alles. Abgesehen davon, dass eine Villa sowieso an sich schon ein sehr interessanter verlassener Ort ist und eine gute Kulisse bietet ist diese hier ja sogar noch komplett eingerichtet – das hat man wirklich selten! Haben hier auch ein paar verlassene Villen im Ruhrpott, aber die stehen fast alle komplett leer. Außerdem sind solche medizinischen Geräte ja wohl der Traum eines jeden Urban Explorers – wie man z.B. gut an den Heilstätten Beelitz sehen kann :D

    Ohne mich aufdrängen zu wollen: Wer möchte kann ja mal auf http://www.SagtMirNix.net vorbeischauen, welche Orte ich so besucht habe. Viel unterirdisches (v.A. alte Bunker und Stollen) ist dabei.

    Bis bald!

  6. Hallo
    Als noch nicht tausende von Leuten dieses Haus gestürmt haben, hingen 4 oder 5 einzelne Bilder dieser Skelettfrauen im Treppenhaus.Bei meinem zweiten Besuch war leider sehr viel ausgeräumt…. Gab doch mal ein Gerücht das Engländer dieses Haus gestürmt haben und mindestens 20 blaue Müllsäcke rausgetragen haben!

  7. Wenn mich nicht alles täuscht, hingen die „Skelettfrauen“, also der „Paravent Metamorphose einer Frau“ – ursprünglich mal an den rot tapezierten Wänden. So war das auf einem Video zu sehen.
    Das Bild, was hier gezeigt wird, kannte ich noch gar nicht. Da beneide ich Dirk :)

    Interessant finde ich, das der Link zum Aktionshaus Von Zezschwitz nicht mehr funktioniert, wo es dort zu einem Schätzpreis von 22.000 Euro angeboten wurde. Hier gibt es aber noch einen Archivlink:
    http://web.archive.org/web/20160314035531/http://von-zezschwitz.de/detail.php?chapter=6&id=47&objectid=25820
    Mittlerweile wird diese Kunst schon über nächste Aktionshäuser und zum niedrigeren Preis verhökert.
    Gibt es von solchen Kunstwerken eigentliche mehrere Ausführungen? Oder geistert da etwa das Original durch Auktionshäuser von „Kunstunternehmen“?
    Die Geschichten um dieses Haus scheinen kein Ende nehmen zu wollen.

    Tolle Story, Bildauswahl (und Recherche des Paravents)! Weiter so :)

    • Der Paravent ist gedruckt, somit war es möglich, ihn relativ einfach zu reproduzieren… Insgesamt wurden somit 135 Exemplare erschaffen, 15 davon waren für die Künstlerin gedacht.. 120 Exemplare befanden sich auf dem freien Markt, wovon jeder ca. 22.000 Euro wert ist…Es wäre spannend zu erfahren, ob einer der früheren Fotografen mal die Nummerierung des Paravents in der Villa nachgesehen hat, so könnte man seinen späteren Weg recht einfach nachverfolgen..

  8. Hey Leute!

    Ich bin 18-Jahre und habe mir vorgenommen, so viele Lost Places wie nur möglich zu besuchen.
    Mir sind in Horrorfilme schon oft , solche Plätze aufgefalllen.
    Meistens sind es , leere Gebäude oder Krankenhäuser.
    Ich möchte aus nur einem Grund diese Orte besuche, da es dort auch um die Geschichte vieler Menschen geht.
    Unter anderem gibt es auch Gebäude in dennen Hilter persöhnlich war.
    Es erweckt eine große neugier in mir .
    Die Geschichte der Welt solllte uns alle interresieren.

  9. Jeder der gewusst hätte was dieser Paravent Wert ist, hätte das Teil mitgenommen. Ich will nicht wissen wieviel Leute sich darüber ärgern das sie das Teile nicht mitgenommen haben als sie da waren…..