Ein mann in der Natur
14. Januar 2015 Lesezeit: ~11 Minuten

Manueller Fokus im Zeitalter der DSLR

Kennt Ihr das auch? Ihr habt Hunger, geht in eines der berühmt-berüchtigten Systemgastronomie-Restaurants à la Burger-Donalds, Sub-Piano oder Dunkin Fried Chicken und blickt voller Ehrfurcht und Vorfreude auf diese talentierten Meister der Gaumenfreuden, die voller Inspiration und Leidenschaft ein Gourmet-Essen zaubern. Nein? Ich auch nicht. Mal ehrlich: So ziemlich jeder gönnt sich diese ungesunden Zwischenspeisen hin und wieder, weil sie schlicht einfacher und schneller sind.

Trotzdem läuft uns doch erst dann der Saft im Mund zusammen, wenn wir uns aus einer Speisekarte etwas aussuchen, von dem wir wissen, dass es von einem Koch zubereitet wird, der liebt, was er tut. Der das beste Stück Fleisch heraussucht, es nach seinem ganz persönlichen Bauchgefühl auf den Punkt brät und nochmal eine Prise Salz dazu gibt, weil er das Gefühl hat, dass genau das dem Gericht noch fehlt.

Warum sollte es sich beim Fotografieren anders verhalten? Klar, als ich zum ersten Mal eine Spiegelreflexkamera in der Hand hielt, stand der Programmregler auf „P“ und ich war begeistert, als meine Katze vor einem unscharfen Hintergrund freigestellt war. Als ich dann merkte, welche unglaublichen kreativen Möglichkeiten mir die einzelnen Einstellungen boten, befand sich meine Kamera bald nur noch im M-Modus.

Das Einzige, was ich mir noch vorkauen ließ, war der Fokus. Aber ich dachte mir irgendwann: „Warum eigentlich?“ Wenn die manuelle Veränderung von Blende, Verschlusszeit und ISO-Leistung ein Bild so ausschlaggebend verändern kann, dann sollte das doch beim Fokus nicht anders sein.

Also los, ist ja nichts dabei. Ich stellte einfach den Schalter von AF auf MF und ab ging die Post. Raus in den Garten, die Blumen ins Visier nehmen, Blende auf 1.4 (soll ja schön freigestellt sein) und am Fokusring drehen, bis es scharf aussieht. Pustekuchen.

Die Sichtung meiner ersten manuell fokussierten Bilder auf einem Computerbildschirm ergab folgende Erkenntnis: Ich hatte keine Ahnung, was ich da eigentlich tat. Aber andere schaffen’s doch auch, oder nicht? Manche Objektiv-Schmieden machen sich noch nicht einmal die Mühe, überhaupt ein Autofokus-System in ihre Linsen zu bauen, irgendwie muss es also möglich sein.

Portrait einer jungen Frau

Früher, als die Leute noch auf Film fotografierten, gab es lange Zeit überhaupt keinen Autofokus, wie hat das denn da funktioniert? Da gab es verschiedene Mattscheiben, die dem Nutzer das Fokussieren erleichterten. Die wohl am meisten genutzte war die sogenannte Schnittbild-Mattscheibe. Diese Scheibe hat einen Kreis in der Mitte, der horizontal geteilt ist. Das Bild in der oberen Hälfte des Kreises wird versetzt zum Bild in der unteren Hälfte des Kreises dargestellt.

Würde man eine Person in diesem Kreis sehen, dann würde es so aussehen, als wäre diese Person in der Mitte durchgesägt und Ober- und Unterkörper etwas nach links bzw. rechts versetzt. Dreht man jetzt den Fokus auf die Person, dann passen obere und untere Kreishälfte perfekt zusammen, der Fokus „sitzt“. Klingt jetzt kompliziert, aber wenn man einmal durch den Sucher schaut, versteht man sofort, was man tun muss. Das klang jedenfalls genau nach dem, was ich suchte.

Leider hatte Canon für meine EOS 550D nicht vorgesehen, dass die Mattscheibe gewechselt wird. Dennoch gab es für ca. 25 € auf dubiosen Hong-Kong-Webseiten Schnittbild-Mattscheiben für dieses Kameramodell zu kaufen. Okay, den Preis war es mir wert, auch wenn ich ewig darauf warten musste.

Stolz wie Oskar befreite ich mein Wohnzimmer so weit es eben ging vom Staub und meine arme Kamera musste eine 30-minütige Operation über sich ergehen lassen, in der ich mit filigranen und teils wirklich komplizierten Bewegungs-Kombinationen meine alte Mattscheibe aus- und die neue einbaute.

Ein junger MannEine junge Frau

Es war ganz schön viel Aufwand für so ein kleines Stück Glas, aber ich war endlich soweit. Ich brachte die Kamera an mein Gesicht, schaute durch den Sucher und tatsächlich, da war er: Der Kreis mit den zwei Hälften, die ich perfekt übereinander setzte, abdrückte und… unscharf? Wie jetzt? Nochmal… unscharf! Ich hatte tatsächlich so viel Aufwand und Schweiß investiert, nur um am Ende festzustellen: Kaufe keine komplizierten Kamerateile für kleines Geld aus Hong Kong.

Damit stand es 2:0 für den manuellen Fokus. Meine nächste Herangehensweise erwies sich allerdings als wesentlich fruchtbarer. Moderne Digitalkameras bieten alle die Möglichkeit des sogenannten Live-View-Modus und der eignet sich tatsächlich super, um manuell zu fokussieren. Normalerweise hat man die Möglichkeit, den Bildausschnitt auf dem Display nochmal heranzuzoomen, was das Scharfstellen zusätzlich erleichtert.

Genau so sah dann auch lange Zeit mein Fokus-Workflow aus: Ich schaltete meine Kamera auf Live View um, rückte den Bildausschnitt zurecht und zoomte dann an die Stelle, an der ich den Fokus haben wollte. Jetzt ließ sich das Bild wunderbar und ohne große Probleme scharfstellen und ich hatte es endlich geschafft, erfolgreich manuell zu fokussieren. Zu dieser Zeit fotografierte ich sowieso hauptsächlich Natur- und sehr ruhige, unbewegte Motive, wofür sich diese Methode wunderbar eignete.

Zwei Personen und eine Laterne

Bis ich anfing, Menschen vor meine Kamera zu stellen und mit Live View zu fokussieren. Habt Ihr das schon einmal probiert? Irgendwie peinlich, oder? Ihr habt eine super Location, super Licht, Euer Modell ist in Pose geworfen und wartet nur noch darauf, dass Ihr den Auslöser drückt. Und was macht Ihr? „Warte…“ – Bildausschnitt heranzoomen – „Warte…“ – am Fokusring drehen – „Warte, hab’s gleich…“ – Bildausschnitt wieder rauszoomen und die Komposition nochmal korrigieren – „Ahhh, Mist, jetzt hast Du Dich aus dem Fokus rausbewegt…“ – alles wieder von vorn.

Dieser ewige Fokus-Prozess hat mir bei der Portraitfotografie wirklich viele Dinge zerstört. Die Stimmung, die Spontaneität und vor allem die Kommunikation zwischen Modell und Fotograf. Außerdem kann man eine Tatsache nicht abstreiten: Ein Fotograf, der sich die Kamera ca. 15 cm vor sein Gesicht hält und wie gebannt auf das Display starrt, erinnert einfach wesentlich mehr an einen nervigen Touristen als an einen Künstler.

War es das also mit dem manuellen Fokussieren? Mein Schwerpunkt verlagerte sich immer weiter auf die Portraitfotografie und für mich war klar, dass ich auf keinen Fall weiterhin mit dem Live View Menschen fotografieren wollte. Es war aber noch etwas anderes klar: Ein Upgrade auf Vollformat musste demnächst durchgeführt werden. Das hat mir in vielerlei Hinsicht die Augen geöffnet.

Eine Frau und ein Cello

Habt Ihr schon einmal direkt hintereinander durch den Sucher einer Vollformat- und dann durch den einer Crop-Kamera geschaut? Ich musste eine halbe Stunde lang lachen, als mir klar wurde, was ich die letzten Jahre alles verpasst habe. Der Sucher meiner neuen 5D Mark II war einfach größer, heller und formatfüllender als alles, was ich bisher gesehen hatte. Na also, das sollte mir doch auch beim Fokussieren neue Möglichkeiten bieten!

Etwas Recherche brachte mich dann bald darauf, dass Canon extra für diese Kamera (und übrigens auch für die 6D) eine Mattscheibe mit dem Namen „EG-S“ verkauft, die speziell für das manuelle Scharfstellen gebaut wurde. Konkret heißt es in der Produktbeschreibung: „Erhöht die Kontraste und erleichtert dadurch das manuelle Fokussieren.“

Klingt jetzt etwas weit hergeholt, funktioniert aber tatsächlich! Die Mattscheibe hebt scharfe von unscharfen Bereichen viel stärker ab, was die Trefferquote beim Fokussieren extrem erhöht. Allerdings erfordert diese Methode einiges an Übung. Ich fühlte mich anfangs ein wenig wie beim Augenarzt. Ich stellte scharf, vertraute aber noch nicht genug auf meine Fähigkeiten, deshalb drehte ich noch etwas weiter am Fokusring und fragte mich dann innerlich: Besser oder schlechter?

Eine Person im Wald

Es war immer noch ein extrem langsamer und unbeholfener Prozess, aber mit mehr Übung und Erfahrung wurde ich immer schneller. Bis ich irgendwann sogar den Autofokus übertreffen konnte. Während bei anderen Fotografen noch der kleine Motor im Objektiv summte, hatte ich schon drei Bilder geschossen. Bei schlechten Lichtverhältnissen sogar fünf.

Zudem war mein Ausschuss aufgrund fehlfokussierter Bilder praktisch bei null. Der „Käfig“, der durch die wenigen Fokusfelder meiner Kamera früher bestand, war ebenfalls aufgebrochen. Ich konnte scharfstellen, was immer ich wollte und musste dafür nicht einmal die Kamera bewegen.

Als ich mir kürzlich die Fujifilm X100s als Reisekamera zulegte, lernte ich eine vollkommen neue Methode der Fokushilfe kennen, das sogenannte „Focus Peaking“. Dabei werden die Kanten von fokussierten Bereichen durch überspitzte weiße Linien hervorgehoben, was wirklich wunderbar funktioniert. Bei der X100s lässt sich das Ganze sogar im digitalen Sucher darstellen, wodurch man sich wiederum mehr als Fotograf fühlen kann und nicht ständig auf das Display an der Rückseite starren muss.

Manueller Fokus bedeutete für mich Beschleunigung und Entschleunigung zugleich. Mittlerweile fotografiere ich ganze Hochzeiten zu 100 % manuell und treffe auch bewegte Motive ohne Probleme. Nach so viel Übung und Schweiß drehe ich einmal am Fokusring und weiß ganz genau, wann die Schärfe getroffen ist und wann nicht.

Gleichzeitig heißt es aber auch, dass ich mir, wenn ich genug Zeit habe, viel mehr Gedanken über mein Bild machen und die Schärfe millimetergenau dort setzen kann, wo es das Bild am meisten bereichert. Egal ob es kleine Äste sind oder sogar Haare. Ich hatte sehr schnell das Gefühl, das manuelle Fokussieren bringt mich dem Bild noch ein ordentliches Stück näher und zwingt mich vor allem dazu, mir intensiver Gedanken darüber zu machen, was scharfe und unscharfe Elemente in meinen Fotos bedeuten.

Eine junge Frau mit Wunderkerzen

Wenn Ihr das manuelle Fokussieren selbst ausprobieren wollt, kann ich Euch ein paar Tips geben, die ich vor einigen Jahren selbst gern bekommen hätte:

Startet mit Tele-Festbrennweiten, also alles ab 85 mm. Zum Einen ist der Sucher durch die offene Blende schön hell, zum Anderen lässt sich aufgrund der hohen Freistellung der Fokus sehr leicht erkennen. Geht erst mit etwas Übung auf weitwinkligere Brennweiten. Ab 35 mm wird es verdammt schwierig und erfordert schon einiges an Erfahrung. An einer Vollformatkamera ist es zudem noch um einiges einfacher, da der Sucher wesentlich größer und heller ist als an Crop-Kameras.

Habt Ihr „nur“ eine Crop-Kamera und wollt trotzdem manuell fokussieren, dann versucht es entweder mit der Live-View-Methode oder recherchiert mal, ob es für Euer Kamera-Modell eine Mattscheibe mit Mikroprismen gibt. Diese hatte ich kurz vor meinem Upgrade auf Vollformat ausprobiert und war sehr angetan.

Einfach war mein Weg nicht und vor allem nicht kurz. Aber gelohnt hat es sich definitiv. Ich bin in der Anfangszeit teilweise von Shootings ohne ein einziges scharfes Bild nach Hause gekommen, aber ich habe es immer weiter versucht und fühle mich dadurch mehr mit der Fotografie und meinen Bildern verbunden als jemals zuvor.

Zugegeben, es ist mittlerweile schon viel Arbeit: Manuelles Belichten, Bildkomposition, Kommunikation mit den Modellen, manuelles Fokussieren. Aber dafür fühlt sich jedes Bild an wie ein handgemachtes Unikat, bei dem ich volle Kontrolle über jede Einzelheit habe.

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84 Kommentare

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    • Hi Björn,
      ich kann’s dir zwar nicht 100%ig sicher sagen aber ich kann mir kaum vorstellen, dass das Wechseln der Mattscheibe bei der 6D Auswirkungen auf die Garantie hat.

      Anders als z.B. meine alte 550D, hat die 6D extra einen Mechanismus, der die Mattscheibe praktisch „herunterklappt“, um sie leicht wechseln zu können. Das ist kaum schwerer, als ein Objektiv zu wechseln, deswegen würde es für mich logisch keinen Sinn machen, dass man die Garantie verliert.

      • Auch wenn es nicht mehr ganz zeitnah ist… ich habe bei meiner 6D die Mattscheibe gewechselt und es ist wirklich ein Kinderspiel. Da es sich bei dem Teil um ein Original-Canon Teil handelt, gehe ich davon aus, dass es keine Probleme bei der Garantie geben sollte. Die Beschreibung ist ausführlich und mit Bildern.
        Man kann praktisch nichts falsch machen.

  1. Der Grund für das Problem mit dem manuellen Fokussieren ist ein technisches: Je matter einer Mattscheibe ist (d.h. je dünner/kleiner der auf der Mattscheibe dargestellte Bereich ist), desto dunkler ist sie. Wenn ich mit einer Mattscheibe arbeite, die möglichst hell sein soll (um etwas zu sehen), dann muss ich damit leben, dass sie eine ewig weite Schärfentiefe abbildet. Wenn ich eine geringe Schärfentiefe haben will, dann bekomme ich eine „dunkle“ Mattscheibe.

    Im Zeitalter von Autofokus und Zoomobjektiven, die irgendwo bei f/5.6 oder f/6.3 enden, wollen die meisten Konsumenten eine Mattscheibe die hell ist – denn das Fokussieren übernimmt „ja eh“ der AF.

    • Hi Tobi,
      Danke für die Ausführungen, das war mir in der Form gar nicht so wirklich klar, deckt sich aber in etwa mit meinen Erfahrungen. Vor allem an meiner Crop-Kamera habe ich teilweise etwas sehr dunkle Mattscheiben ausprobiert. Die EG-S von Canon schafft dabei den recht guten Spagat. Sie bleibt trotz Darstellung einer geringen Schärfentiefe noch hell genug.

  2. Wunderbar geschrieben. Man konnte den ganzen Leidensweg bis zum Erleuchtung mitfühlen.

    Ich nutze trotzdem den Autofokus mit mittiger Scharfstellung. Man muss nur der Versuchung widerstehen beim Fokussieren prinzipiell erstmal auf die Mitte zu halten. Das vergibt dann aus Bequemlichkeit Möglichkeiten, weil man dann doch einfach oft abdrücken würde.

    Insofern kann ich den beschriebenen kreativen Prozess gut nachvollziehen.

    • Hi Karlis,
      als ich vor ca. einem Jahr vor der Entscheidung stand „Kauf ich mir jetzt eine 6D oder eine 5D Mark III?“, hatte ich mich vorab etwas zu dem Thema informiert und bin dabei drauf gekommen, dass die 6D noch darauf ausgelegt ist, dass man die Mattscheibe wechselt, die 5D Mark III aber tatsächlich nicht so wirklich. Wechseln lässt sich die Mattscheibe natürlich trotzdem, könnte sich aber als ähnlich kompliziert herausstellen wie bei meiner 550D wobei ich glaube, dass man für die 5D Mark III dann doch etwas hochwertigere Mattscheiben bekommen könnte.

      Trotzdem würde ich an deiner Stelle vorher mal abklären, in wiefern du die Garantie verlierst, wenn du einen Wechsel durchführst.

      Canon hält wohl so viel vom Autofokus der 5D Mark III, dass sie sich dachten, manuelles Fokussieren kommt gar nicht in Frage. Bringt mir mit meinen manuellen Zeiss- und Samyang-Linsen natürlich wenig ;-)

    • Ich habe zwar nicht den direkten Vergleich, aber die eingebaute Mattscheibe der Mark III ist nicht so übel für das manuelle Fokussieren. Bin damit immer zurecht gekommen. Vielleicht nicht das gleiche »feeling«, doch es funktioniert.

  3. Interessanter Artikel, der mich tatsächlich dazu motiviert, das manuelle Fokussieren zu trainieren. Teilweise liefern die Bildbeispiele auch eine Begründung, warum es mitunter gar keine andere Möglichkeit gibt.
    Zitat: „An einer Vollformatkamera ist es zudem noch um einiges einfacher, da der Sucher wesentlich größer und heller ist als an Crop-Kameras.“
    Das gilt übrigens auch für gute Systemkameras mit Focus-Peaking, die u.a. ganz hervorragend fürs manuelle Fokussieren geeignet sind.

  4. Hallo Christopher,
    Danke für den guten Artikel. Ich nutze an meiner Crop-kamera nur noch M, aber mit einem Fokus auf der Mitte. Und ich habe die Belichtungsmessung von der Scharfstellung entkoppelt.
    Damit komme ich ziemlich weit. Aber das Erweckungserlebnis war die Nutzung einer analogen Mittelformatkamera. Nix automatik, alles manuell.
    Damit ist das Fotografieren sehr intensiv geworden.

    Udo

  5. Sehr guter Artikel. Danke dafür!
    Habe erst vor kurzem einen sehr guten Artikel über das Thema „Equipment Update“ gelesen. Der Autor sagt, dass heutzutage alle glauben Vollformat wäre das Nonplusultra. Dabei vergessen viele, dass es viel mehr darauf ankommt, welche persönlichen Zwecke das Equipment erfüllen soll. Denn gute Bilder machen inzwischen nicht mehr nur Vollformatkameras. Was war dein Grund auf Vollformat zu wechseln?

    LG
    Philipp

    • Durchaus eine gute Frage und ich musste jetzt erstmal kurz nachdenken und zurück Blicken.

      Ehrlich gesagt war damals das haupt-Argument: Der Look einer Vollformat-Kamera mit einer 1.4er Festbrennweite. Ich konnte diese cremige Schärfentiefe einfach nicht in der Form mit einem Crop-Sensor hinbekommen. Hinzu kamen dann noch die Aspekte mit dem großen Sucher und die Gute ISO-Leistung (war wichtig für Hochzeiten). Außerdem lagen zwischen der Detailzeichnung der 550D und der 5D Mark II einfach Welten ;-)

    • Sowas in der Art gibt es bei Canon auch allerdings ist der natürlich nur so gut, wie der Autofokus. Das heißt, bei schlechten Lichtverhältnissen konnte ich mich bei meiner 5D Mark II nicht wirklich darauf verlassen. Ich verwende teilweise auch komplett manuelle Linsen (an denen man die Blende z.B. direkt am Objektiv einstellen muss und damit funktioniert der Fokusindikator leider nicht.

  6. Netter, sehr nachvollziehbarer Artikel! Ich habe an meinen DSLR auch oft den guten alten Schnittbildindikator vermisst, wenn ich mal manuell fokussieren wollte. Nur mit der Schlussfolgerung kann ich mich nicht anfreunden. Statt als Lösung auf eine große, schwere, teure Vollformat-DSLR umzusteigen, würde ich eher empfehlen, sich mal mit den spiegellosen Systemkameras mit ihren elektronischen Suchern zu beschäftigen. Meine Sony A6000 z.B. ermöglicht Fokus Peaking mit konfigurierbarer Stärke und Farbe auch im Sucher, und dazu noch eine sehr gut funktionierende und natürlich verschiebbare Fokuslupe. Spiegellose Kameras anderer Hersteller haben ähnliche Features. Den mittigen Schnittbildindikator vermisse ich seitdem überhaupt nicht mehr. Und wenn es wirklich unbedingt Vollformat sein muss, wäre eine Kamera aus der Sony A7-Reihe eine Variante, die ebenfalls hervorragende Unterstützung beim manuellen Fokussieren bietet.

    • Das mit den Sony Kameras und dem exzellenten Focus Peaking höre ich in letzter Zeit immer öfter und ich sollte mir das definitiv mal ansehen. Wie gesagt hat das meine Fujifilm X100s auch und bin ich sehr angetan von der Technik. Sony ist nicht wirklich meine Marke aber ich denke, dass sich diese Technik in der nächsten Zeit auch in die Kameras anderer Hersteller einschleichen wird.

      • Hallo Bettina!
        Da bin ich ganz deiner Meinung. Ich habe mir vor kurzem eine Sony A6000 gekauft und und die Fokus-Peaking-Funktion in Kombination mit dem kompakten Kameragehäuse ist einfach toll! Verwende den manuellen Fokus allerdings hauptsächlich für Videoaufnahmen und vertraue beim Fotografieren nach wie vor auf den Autofokus.
        Sony hat da wirklich eine tolle Kamera herausgebracht: http://www.pixelexperts.de/sony-alpha-6000-im-test/

  7. Interessanter Ansatz! Ich fotografiere vorwiegend Flora mit manuellem Fokus – und Insekten, wenn es kühl ist, dann laufen/fliegen die nicht so schnell weg. Kinder oder ein Chamäleon niemals! :D Die sind einfach zu schnell bzw. ich bin zu langsam. Hut ab vor allen, die schnelle Bewegung manuell fokussieren können!

    Gruß Ruth

    • Naja, ich muss dazu sagen, dass ich vier Nichten und Neffen habe, da hatte ich die letzten Jahre ganz viel Zeit, um das manuelle Fokussieren von spielenden Kindern zu trainieren. Es ist eben einfach – wie so oft: Übung. Irgendwann hat man ein Gefühl dafür, wie schnell man am Fokusring drehen muss, um mit der Bewegung synchron zu sein.

  8. Ja, auch ich bin am Fokus-System meiner APSC-DSLR verzweifelt, sowohl am manuellen als auch am Autofokus, wenn ich mein wunderbares 1,4/85 bei offener Blende verwenden wollte: Systembedingt sind die Autofokus-Systeme der nicht-Spitzenmodelle (und so eines hatte ich nie) auf kleinere Lichtstärken limitiert, d.h. der Autofokus-Sensor schaut durch einen Strahlengang mit zentral maximal f2.8, aussen f5.6. Sch…, und das steht auch nirgends, wo man es vor einer Kaufentscheidung lesen würde. Und die Standard-Microlinsenscheibe ist halt keine Mattscheibe (denn die wäre für Standardzooms zu dunkel) und damit zum fokussieren ungeeignet.

    Aber mit meiner Olympus OM-D EM-5 verwende ich die offenste Blende meiner Objektive oft und gerne – der Autofokus ist genauer und der manuelle Fokus durch das automatische Vergrößern beim Drehen des Fokusrings am Objektiv viel angenehmer zu nutzen.

    • Die Erfahrung kann ich bezogen auf mich bestätigen (Olympus OM-D E-M1). Die Kamera bringt die besten Voraussetzungen mit, der Artikel motiviert mich nun dazu, diese bzgl. des manuellen Fokussierens auch verstärkt zu nutzen. :-)

  9. Den Schnittbildindikator kenne ich auch noch gut von meinen manuellen analogen Minoltas. Der Sprung zu einer 5D III mit ihrem überzeugenden Autofokus war schon gewaltig, aber beide Systeme eint ein Problem: Das Scharfstellen auf Bereiche außerhalb des Schnittildes bzw. des AF-Feldes – und zwar ohne den Kameraschwenk, den wir ja eben so gerne vermeiden möchten. Bleibt die manuelle Fokussierung über die Mattscheibe – ohne Schnittbild, ohne Indikator. Und das ist und bleibt immer noch schwierig und ist nur mit geeigneten Mattscheiben und ausreichender Helligkeit zu meistern… und wehe, das Motiv bewegt sich dann auch noch.

  10. Ja, schön zusammengefasst. Mattscheiben für das manuelle Fokussieren gibt es aber auch für viele APS-C-Kameras (z.B. Pentax) von sehr guten Drittanbietern. Die kosten dann halt mehr 25,- EUR, das ist klar. Auch eine eingesetzte Mattscheibe kann und muss man ggf. übrigens mit sogenannten ‚Shims‘ justieren. Das sind dünne Metallblättchen (ich schreibe Blättchen, nicht Plättchen, das ist Absicht ;-), die man ggf. zwischen Halterahmen und Mattscheibe klemmt.

    Trotzdem habe ich die DSLR (auch) nicht als die perfekte Nachfolge der alten manuellen SLR empfunden. Schnittbildmattscheiben können einen Einfluss auf die korrekte Belichtungsmessung haben, ‚umgeschaltete‘ AF-Objektive bieten viel zu steile Schneckengänge und viel zu schmale, oft unpräzise Fokusringe, nein so richtig toll fand ich das nie.

    Tatsache ist, dass ich mit dem manuellen Fokus erst warm wurde, seit ich auch spiegellos fotografiere. Mit Fokuspeaking und der Kamera vor dem Bauch (Klappmonitor) oder wahlweise (wenn die Kamera so was hat) am EVF ist das manuelle Fokussieren schnell, selbstverständlich und intuitiv. Kann ich nur empfehlen. Inzwischen kaufe ich ‚Altglas‘ eigentlich nur noch, um es per Adapter an eine Spiegellose zu hängen. Und man ist dabei noch nicht mal dauerhaft an einen Hersteller gebunden. Adapter kosten nur wenig und die Investition in charaktervolles Glas (egal, ob billig oder teuer) ist daher auch langfristig gut angelegt. Welche Kamra dahinter zum Einsatz kommt (SonySamsungFujiPanaOly) ist ziemlich egal und kann sich durchaus auch mal ändern. Selbst das was vor dem Adapter kommt ist mehr oder minder frei wählbar. Ich habe gerade zu meinem Pentax/Samsung-Adapter noch einen Nikon/Samsung-Adapter bestellt um auch meine alten Nikon-Optiken mal am Sensor statt an Film zu benutzen. Man ist dem Traum einens freien Bausatzsystems sehr viel näher als mit der SLR, die meistens deutlich weniger Adaptierungen zulässt.

    • Danke dafür! Das sind sehr interessante Ausführungen und es erinnert mich vor allem daran, dass ich mir mal mehr alte Objektive ansehen wollte. Wie du schön sagst, kann man heutzutage alles relativ einfach adaptieren.

      Das mit den Shims höre ich tatsächlich zum ersten mal und mir kommt gerade der Gedanke, dass das mein Fehler mit meiner alten Crop-Kamera gewesen sein könnte. Sowas hatte ich eben nicht.

      • Mag sein. Wobei Mattscheiben für 25 EUR einfach Schrott sind. Diese Erfahrung musste ich aber auch persönlich machen, damit bist Du nicht allein ;-). Der Fokus saß zwar richtig aber das Ding war duster und körnig und das Schnittbild war schon bei mittelmäßigem Licht unbrauchbar (weil auf einer Seite dann immer schon komplett schwarz). Wenn man umrüsten mag, dann muss man gute Markenqualität kaufen. Nicht unbedingt vom Originalhersteller aber eben gut und teuer.

        Ich habe das derzeit ad acta gelegt und nehme wie gesagt die Spiegellose für’s Altglas. Oder eben eine alte Kleinbild-SLR und eine Rolle Film. Das aber mehr als selten.

  11. Ich kann den Verweis auf die Sony-Spiegellose-Systemwelt nur empfehlen.
    Gerade mit dem Fokus-Peaking bekommt man mit der Zeit ein sehr gutes Gefühl für das manuelle Fokussieren, und man lernt nebenbei auch noch die Zusammenhänge mit der Blende kennen.

    Was ich persönlich momentan nicht verstehe (und mittlerweile überall äußere):
    Warum kuckt man dann noch durch den Sucher?
    Warum bleibt fast hartnäckig die Meinung stehen, dass man richtig Fotografieren, nur
    mit dem Blick durch den Sucher kann?

    Seit dem ich (fast) nur noch mit der Spiegellosen und manuellen Objeltiven unterwegs bin,
    habe ich für mich den Live-View kennen und schätzen gelernt.
    Einen Sucher, egal ob optisch oder EVF, egal ob APS-C oder VF,
    halte ich generell nur noch für dunkles Mäusekino…

    • Na ja. Ein optischer Sucher (nicht EVF) ist – wenn er was taugt – schon eine sehr tolle Sache. Natürlich, entspannt, ungefiltert.

      Ein EVF hilft immerhin noch, wenn blendendes Licht die Komposition und Scharfstellung am Monitor fast unmöglich macht.

    • Ein optischer Sucher hat einen sehr wichtigen Vorteil: Man kann auch kontrastreichere Motive vollständig sehen. Bei elektronischen Suchern oder über das Display sind entweder die Schattenbereiche schlicht schwarz oder die Lichter einfach weiß. Das ist mir zuletzt bei der Fuji X-T1 negativ aufgefallen und ein bekanntes Problem von EVF. Also lieber optisches Mäusekino als Trash TV ;).

      Zudem ziehen Display und EVF Strom, weshalb man mit einer Kamera mit optischen Sucher in der Regel deutlich mehr Fotos machen kann ohne den Akku wechseln zu müssen.

      Ich fotografiere schon seit Jahren nur noch mit manueller Fokussierung. Meine Kamera bietet erst gar keinen Autofokus. Das erspart zum einen überflüssige Knöpfe an der Kamera und gibt einem mehr Kontrolle über die Gestaltung des Bildes.

    • Die Sache mit dem Sucher hat bei mir eigentlich relativ viel Gründe. Zum einen, wie bereits im Artikel beschrieben bin ich mit dem Live-View viel langsamer. Zum anderen habe ich das Gefühl, ich halte die Kamera wesentlich stabiler und verwackelungs-freier, wenn ich durch den Sucher schaue. Hinzu kommen die „romantischen“ Gedanken daran, wie das Fotografieren eben aussieht aber das ist wohl tatsächlich absolut subjektiv.

      Selbstverständlich sind alle Gründe absolut anfechtbar und vermutlich extrem stark von der einzelnen Person abhängig. Aber genau das ist ja das schöne am Fotografieren: Es gibt so viele verschiedene Techniken und es entstehen mit jeder Technik wundervolle Bilder.

  12. Deine Geschichte gleicht der meinen.
    Ich habe mit einer Canon EOS300 und einen Tamron Suppenzoom angefangen zu fotgrafieren.
    Natürlich auch im P-Modus. Als erstes mußte ich feststellen das mit dem Objektiv das was ich machen wollte nicht zu erreichen war. Es wurde nach und nach auf Festbrennweiten umgestellt und das Glück stellte sich ein. Naja, nicht ganz. Mittlerweile mit Zeit- oder Blendenvorwahl fotografierend machte der Autofocus nicht immer das was ich wollte.
    Der nächste Schritt war den Focus auf dem mittleren Autofocuspunkt festzusetzen und anschließend den Bildausschnitt wählen. Mittlerweile wurde aus der 300er eine 30er. Ah, so gehts. Aber richtig zufrieden war ich immer noch nicht. Dämmerung oder flaue Kontraste waren immer noch nicht zufriedenstellend zu bewältigen. Ich fotografierte immer öfter mit manuellen Focus. Aber ein wirklich exakten Fokuspunkt lies sich auch so nicht finden. Die Nase aber nicht die Augen waren scharf, oder doch die Ohren. Nach reichlicher Recherche und vielen Gedanken hab ich mich dann für ein Messsuchersystem (nicht Leica) entschieden
    und glaube angekommen zu sein. Mann muß ein bischen üben, aber dann gehts sehr zuverlässig.
    Das was da oben steht ist ein Prozeß über Jahre.
    Und ich habe Spaß an der Fotografie wie seit langen nicht mehr.

  13. Sehr schöner Artikel. Der Vergleich mit Fast food finde ich sehr treffend. Wir hatten die Diskussion ja letztens schon und kann nur bestätigen, was für ein Traum es ist an der Hasselblad zu fokussieren.
    Man muss dazu aber fairerweise erwähnen, dass manuelles Fokussieren mit AF-Linsen auch ein ganz schöner Alptraum sein kann. Zb das 17-35 2.8 da läufts einem kalt den rücken runter wenn man den Fokusring dreht.

    • Oh ja, da sagst du was, das ich gar nicht erwähnt hatte. Ich hab natürlich auch die Erfahrung gemacht, dass sich manche Objektive besser zum manuellen fokussieren eignen als andere. Es gibt einfach Objektive, da ist der Fokusring ZU leichtgängig, sodass es unmöglich ist, wirklich präzise zu arbeiten.

  14. Hallo Christoph,

    sehr schöne erzählt. Ich bin gerade dabei dieses Experiment zu wagen. Vor ca. 1 Monat habe ich auf Ebay ein altes M42 Objektiv 135mm 2,8 von Pentacon geschossen. Ich war fasziniert von der einfachen aber denoch besonderen Technik (15 Blendlamellen) und hab mich auf das Experiment mit MF eingelassen.

    Bei meiner 5D MK III gibt es dank der „digitalen“ Mattscheibe keine „offizielle“ Möglichkeit gegen einen Schnittbild-Indikator zu tauschen. Aber auch im MF Betrieb funktioniert der AF-Indikator wenn du den Auslöser nur halbd drückst. D.h. du kannst manuell fokussieren und die Kamera zeigt, dann mit einem Piep und einem Blinken des AF Felds an, wenn du die Schärfe stimmt einstellt hast. Das ist gerade am Anfang eine Hilfe ohne auf den Monitor zu starren.

    Viel wichtiger ist aber für mich, dass ich gelernt habe, dass nicht immer alle Fotos auf den Punkt scharf sein müssen, um die Geschichte des Bildes zu erzählen.

    LG

  15. Toller Artikel! Ich habe bis vor kurzem mit einer Canon 5DII gearbeitet und bei der habe ich schon vor Jahren die Standard-Mattscheibe gegen die Canon-Mattscheibe EG-S für manuelles fokussieren getauscht. Von da an gab’s kein zurück mehr zur Standard-Mattscheibe! Die EG-S ist zwar minimal dunkler, aber das manuelle fokussieren geht leichter und auch der Autofokus wird in keiner Weise eingeschränkt. Ein weiterer Vorteils ist, dass die EG-S einen realistischeren Eindruck von der zu erwartenden Schärfentiefe gibt. Voll empfohlen!

    • Toller Artikel!

      Als ich anfing zu Fotografieren war manuelles Fokussieren State of the Art, daher muss ich das nicht erst neu lernen.
      Ich habe nie richtig verstanden, warum man die Scharfeinstellung der Automatik überlassen sollte. Das funktioniert meistens ganz gut, aber wenn es drauf ankommt, weiß der Automat nicht von allein, wo das Motiv ist. Das verhält sich so ähnlich wie mit dem 18% Grau bei der Belichtung, da kann die Kamera auch nicht wissen, ob das Motiv weiß, grau oder nachtschwarz ist.
      Mit der Sony A7 trauere ich den Einstellscheiben der Spiegelreflexkameras nicht nach. Gerade bei wenig Licht ist der elektronische Sucher auch hellen analogen Spiegelreflexsuchern deutlich überlegen.

      • Vielen Dank, damit hast du absolut meinen Eindruck bestätigt. Ich war auch immer der Meinung, dass der Autofokus an Spiegelreflexkameras mitunter das unzuverlässigste Feature ist.

        Eine nicht ganz korrekte Belichtung kann ich in der Regel leichter am Computer ausgleichen als einen falschen Fokus.

  16. Hi Christopher,

    schöner Artikel. Ich musste lachen, weil Du in dem Artikel auch meine Entwicklung beschrieben hast. Es ist schon lustig – Als ich nach meiner 7D zur 5D Mk3 wechselte waren sowohl Autofokus und der Blick durch den Sucher eine Offenbarung. Der Autofokus der Mk3 ist echt genial und trotzdem schränke ich mich mittlerweil künstlich ein. Ich nutze nur noch zwei Blenden und fokussiere immer öfter manuell…

    Viele Grüße
    Patrick

  17. Super Artikel, man kann sich richtig in die Geschichte hineinfühlen!

    Für alle die nicht auf Vollformat umsteigen wollen / können (oder Fokuspeeking), kann ich die Katzeye Mattscheiben empfehlen (nein, ich arbeite nicht für die und bin auch nicht mit denen verwandt ;) ).

    Ich fokussiere auch gern manuell und mit meiner Crop war das früher eher ein Krampf – hier ist ein (deutlich) größerer Sucher (wie an VF) ja schon von Vorteil. Habe mich dann irgendwann überwunden nicht-wenig Geld für eine anständige Mattscheibe zu investieren (habe mir den Schritt über „günstige“ Angebote gespart) und bin bei besagter Scheibe mit Schnittbild gelandet. In meiner Ausführung beeinträchtigt sie auch nicht die Belichtungsmessung und ermöglicht, trotz kleinerem Sucher als VF, eine sehr präzise Fokussierung.

    Was man jedoch bedenken muss, wie schon jemand richtig erwähnt hat, dass viele AF-Objektive für MF nicht wirklich geeignet sind, weil sie konzeptbedingt nicht genau genug oder nur schwierig einstellbar sind. Da hilft auch die beste Mattscheibe nix.

  18. … es gibt noch Kameras ohne Focus Peaking. Man lernt nie aus.

    Nein, ich weiss nicht, wie es funktioniert. Hat mich auch bis eben nicht interessiert, weil ich dachte das kann jede bessere Kamera. Mmmh, jedenfalls ein wirklich guter Grund nicht die Marke zu wechseln. Was mich jetzt etwas stört.

  19. Toller Artikel. Ich habe leider nur bedingt Ahnung von all dem. Werde mich aber in Zukunft damit beschäftigen. Ich habe mir eine Canon Eos 300D in Ebay ersteigert. Und werde mich so langsam mal in dieses Thema hinein arbeiten.

  20. Also ich habe ein Paar alte MF Objektive die gut und gerne 40 Jahre und älter sind. Bei denen funktioniert der Fokusring immer noch wie Butter und der komplette Fokusbereich liegt in einer 2/3 wenn nicht sogar in einer 3/4 Umdrehung am Fokusring. Schaut Euch nun mal aktuelle AF Objektive an und findet den Fehler. Der Sucher ist hier nur ein Aspekt! Haben ja hier auch schon ein Paar Kommentatoren geschrieben. Was aber ganz interessant ist, ist wenn der Fokusring nicht mehr mechanisch sondern elektronisch gekoppelt ist. Das kommt dem alten Feeling sogar viel näher. Fuji X Objektive und die Fuji X100 Kameras haben so was und auch das 85er f1.2L von Canon. Fuji bietet neben dem Fokus Peaking auch einen digitalen Schnittbildsucher an! Wer aber gerne an einer DSLR mit MF arbeitet sollte sich definitiv mal die MF Objektive von Zeiss anschauen. Ich persönlich arbeite zwar zu 99% im M Belichtungsmodus aber verwende auch fast ausschließlich AF. Mit dem Wechsel von der 5D Mark II auf die 5D Mark III funktioniert der nun auch so wie ich mir das Wünsche. Das war immer ein großes Manko bei der 5D Mark II.

  21. tach christopher,

    deine ausführungen sprechen mir aus der seele, ich kann deine geschilderten erfahrungen und die daraus resultierende fotografische weiterentwicklung quasi 1:1 nachvollziehen …
    mittlerweile empfehle ich jedem, der mich diesbezüglich um meine meinung/meinen rat fragt, sich schleunigst eine manuelle festbrennweite zuzulegen und einfach noch mal neu reinzukommen *grins*
    NICHTS hat mich in fotografischer hinsicht weitergebracht als mein altes Minolta MC Rokkor-PG f1.4/50mm!
    es geht dabei meiner ansicht nach nicht nur um das manuelle fokussieren, was ja anfangs durchaus einer übung in demut gleichkommt, sondern ist insbesondere auch unter dem aspekt der bildgestaltung höchst interessant!
    NICHTS hat mein auge so geschult wie die immer gleiche brennweite! wer zu fuß zoomt, lernt einfach, genauer hinzuschauen …
    ich habe seinerzeit das mit meiner kamera mitgelieferte 18-55mm-kit-objektiv eingemottet, bin dann erst mal ein halbes jahr mit der 50mm-festbrennweite losgezogen und habe mir dann nach und nach weitere alte schätzchen an land gezogen: 17mm, 55mm, 35-70mm, 135mm, fertig; seit langer zeit schon fotografiere ich nur noch manuell, was meine beste entscheidung überhaupt war!

    deine bilder sind in meinen augen übrigens durchweg ein starkes plädoyer für die manuelle herangehensweise – gerne mehr davon!!

    mit besten grüßen,
    pete

    • Das kann ich so echt unterschreiben! Als ich Anfang ausschließlich mit Festbrennweiten zu arbeiten ist meine Fotografie mit großen Schritten voran gekommen. Der Vorteil ist auch, dass man bei manuellen Linsen einfach Mehr Bildqualität für sein Geld bekommt, weil man halt den Autofokus nicht zahlt ;-)

  22. Ich beneide dich um so viel Wissen und Können über die Sucherei und Scharfstellerei des manuellen Focus. Vor allem bewegte Objekte waren und sind für mich nach wie vor das Schwierigste aller Foto-Objekte und ich scheine diese Motive deshalb zu meiden. Allerdings konnte ich mich noch nie mit dem Autofocus anfreunden, denn er stellt grundsätzlich das für mich falsche scharf ;) Toller Artikel, Christopher – mehr, bitte :)

    • Beim manuellen Fokussieren von bewegten Objekten gibt es einen ganz simplen Trick:

      Erst die Bildkomposition überlegen, also bestimmen, wo sich das Objekt im Bild hinbewegen soll. Dorthin scharfstellen und dann darauf warten, bis das Objekt dort ist. Kurz vor dieser Zeit auf den Auslöser drücken und ein paar Bilder machen. Das scharfe Bild auswählen und den Rest löschen.

      Der Trick ist so einfach, dass ich mich fast nicht traue es hier zu schreiben. Ganz ohne Übung geht es natürlich nicht und auch nicht ohne Ausschuss. Der Ausschuss kostet heute aber nichts mehr.

    • Ach naja, „Wissen“ ist das falsche Wort, ich hab einfach schon sehr viel geübt ;-).

      Das mit den bewegten Motiven ist schon eine Sache für sich. Der Tip von Chilled Cat ist gar nicht so schlecht und ich mache das oft ähnlich. Aber auch die Fokus-Nachführung funktioniert mit der Zeit ganz gut!

      Üben, üben, üben :-)

  23. Kann man machen, muss man aber nicht.
    Die neuen Systemkameras von Sony und Olympus treffen dank
    Gesichtserkennung extrem präzise – auch außerhalb der Mitte.

    Natürlich hat man dann nicht dieses MF-Feeling. Ich habe aber lieber mehr scharfe Bilder!
    „Ich bin in der Anfangszeit teilweise von Shootings ohne ein einziges scharfes Bild nach Hause gekommen“

    • Wenn du dich vorher jahrelang auf den AF verlassen hast, dann ist der Einstieg in die manuelle Fokussierung natürlich mit erhöhtem Ausschuss verbunden.

      Das mit der Gesichtserkennung funktioniert wirklich sehr gut. Aber eben nur dann, wenn du Gesichter auf dem Bild hast. Bei einem abstrakten Bild hat der Automat keine Ahnung, wo es drauf ankommt.

  24. hat schonmal jemand durch den sucher einer alten, analogen om-1 geschaut? das ist wie kino. dagegen kann leider jede digitalkamera einstecken… dabei ist das gehäuse und das sucherprisma sowas von kleiner -> das ist ein technischer leckerbissen :)

    • Ja.

      Damit ich hier keinen Stuss schreibe, habe ich gerade noch einmal einen Vergleich gemacht. Olympus OM1 mit Gittermattscheibe und 1:1.4/50mm gegen Sony A7 mit 1:1.8/50mm.

      Ich finde der elektronische Sucher der Sony A7 muss sich vor dem analogen Sucher der OM1 nicht verstecken. Die OM1 ist noch etwas kleiner als die A7, aber nicht sowas von kleiner. Das Auslösegeräusch der Sony hält einem Vergleich nicht stand. Das ist wie das Motorgeräusch von einem Mähdrescher zu einem Jaguar V12.

  25. Das manuelle Fokussieren zwingt den Fotografen dazu, sich bewusst oder unbewusst zu entscheiden, wo die Schärfe liegen soll und damit auch zu bestimmen, was das Motiv im Bild sein soll. Insbesondere dann, wenn die Schärfentiefe nicht von 30cm bis Unendlich geht.
    Ich finde, die dazu notwendige Überlegung trägt viel dazu bei, gute Bilder zu machen.

    “You don’t take a photograph, you make it.” (Ansel Adams)

  26. Sehr schöner Erfharungsbericht. Auch ich möchte wie du Näher am Bild sein und versuche hin und wieder mit dem manuellen fokusieren klarzukommen. Es wird. Ich bleibe dran. Sau starke Fotos!!!

  27. Ein sehr schöner Beitrag, vor allem auch deswegen, da er nicht bei der einzig heilversprechenden Empfehlung einer Vollformatkamera hängen bleibt :-)
    Deine Beschreibung mit der anfangs langwierigen Einstellerei ist sicher ein Argument gegen die manuelle Fokusierung. Wenn man allerdings diese Methode mit etwas Übung beherrscht, können Bilder in der Tat noch schneller gemacht werden, als es bei einer AF-Fokusierung möglich wäre.
    Zudem entfällt bei der manuellen Fokusierung dieses ständige Anfokusieren, Festhalten und Weiterziehen. Der Bildausschnitt kann einfach schnell und beliebig verändert werden.
    Ich nutze selbst auch immer wieder den manuellen Fokus, da eines meiner Objektive keinen AF unterstützt. Live-View ist mir hier aber zu langsam bzw. zu ungenau in der Ausrichtung und die Methode zieht auch ganz schön den Akku leer.
    Das Auswechseln der Mattscheibe ist bei Kameras innerhalb des Gewährleistungszeitraumes wohl auch eine heikle Geschichte.
    Meine Methode ist daher bislang, den Auslöser wie beim Autofokus anzutippen und hierdurch den manuell fokusierten Punkt zu kontrollieren. Ist auf dem Bildausschnitt der mit dem Suchermessfeld anvisierte Punkt scharf fokusiert, leuchtet die AF-Kontrollleuchte im Sucherdisplay auf.

  28. Inspirierender Artikel. Manche Dinge nimmt man als gegeben hin, ohne sie zu hinterfragen. Hab auch schon zwischendurch mal manuell fokussiert, dann aber immer schnell auf gegeben und gedacht „Ach, zu kompliziert.“ Kann man aber alles lernen. Danke fürs Hinterfragen, ich werde jetzt öfter mal manuell fokussieren!

  29. Ein sehr toller Beitrag. Ich wußte garnicht das es sowas (Mattscheibe) gibt. Ich habe gleich nach ein paar Videos auf Youtube geschaut. Viele der Videos zeigen die Fokushilfe in der Mitte. Was mache ich wenn ich nach goldenen Schnitt fotografiere? Muss ich da auch die Kamera ziehen oder gibt es dafür auch Tipps und Tricks? Du sagst ja das du auch Portraits fotografierst vielleicht hast du ja da auch eine Lösung.

    Empfiehlt sich sowas nur für manuelle Objektive?

    Danke nochmal für diesen guten Beitrag.

  30. Der Artikel beschreibt meine Erfahrungen mit DSLRs und AF, und eigentlich war das schon meine Meinung über AF, als ich in den 80ern analog SLR fotografierte und die ersten AF Systeme auf den Markt kamen. Ich dachte mir – warum soll man sich das antun, fokussieren ist so wesentlich, das geht schnell, intuitiv und macht zum großen Teil das Bildergebnis aus. Irgendwann war AF allgegenwärtig und auch ich benutzte es. Aber seit einiger Zeit hab auch ich wieder umgestellt auf manuellen Focus, ausgelöst durch die Verwendung alter Optiken.

  31. Hallo Christopher,

    vielen Dank für diesen tollen Artikel untermalt mit professionellen Impressionen!

    Das motiviert unheimlich und zeigt Möglichkeiten auf wie man sich weiter verbessern kann.

    Danke!

    Bestens
    Magnus

  32. Ich hätte mir noch eine eindeutigere Empfehlung hin zu spiegellosen Systemen gewünscht. Spiegelreflexkameras wurden seinerzeit doch gerade dafür erfunden, um vor der Aufnahme besser beurteilen zu können, was letztlich auf dem Film landet. In Zeiten von DSLRs hat sich das jedoch ins Gegenteil verkehrt, bei DSLRs ist es erschreckend, hinterher zu sehen, welche Aufnahmen gerade nichts geworden sind, das Sucherbild allein bietet doch kaum noch eine wirkliche Aussagekraft. Und wenn es ohnehin auf eine Arbeit im Liveview hinausläuft, dann ist man doch mit einer Kamera besser bedient, die ausschließlich Liveview unterstützt und zusätztlich noch Fokussierhilfen wie z.B. Fokuspeaking anbietet. In der 500-Euro-Klasse ist mit Sicherheit zum Beispiel die Sony Alpha 6000 einer günstigen Spiegelreflexkamera eindeutig vorzuziehen. Und Autofokus funktioniert ja trotzdem: Mit dem passenden AF-Objektiv rennt ein Hund auf dich zu, du machst 11 Serienbilder pro Sekunde, das Objektiv regelt die ganze Zeit nach und so gut wie jede Aufnahme ist krachscharf, es werden sogar Gesichter und Augen erkannt, dank 174 Fokuspunkten, die über den kompletten Sensor verteilt sind. Und mit dem geringen Auflagemaß von 18 mm kann man Objektive jedes Anschlusses, der jemals in größerer Stückzahl hergestellt wurde mit einem 10-Euro-Adapter an die Sony anschließen. So richtig alte Objektive mit total geilen manuellen Fokusringen, wo Fokussieren zum Hochgenuss wird. Da kannste dir für 200 Euro eine Objektivsammlung zusammenstellen, wo sich DSLR-Addicts die Finger nach lecken. Für mich sind spiegellose Systemkameras die legitimen Nachfolger analoger Spiegelreflexkameras. Nur sie schaffen es, genau dieses geile Feeling beim Fotografieren zurückzubringen, was du beschrieben hast.

  33. Und noch eine Anmerkung, vielleicht etwas off-topic, aber in der Fotografie hängt ja alles mit allem zusammen, deswegen behaupte ich: Du bist seinerzeit nur deswegen zum manuellen Modus gewechselt, weil die Belichtungsmessung bei DSLRs eine Technik aus dem letzten Jahrtausend ist. Zu Analogfilmzeiten war sie vielleicht noch hilfreicher als gar nichts und man hat sich sowieso noch mehr Gedanken gemacht, bevor man auf den Auslöser gedrückt hat. Heutzutage fragt man sich als DSLR-Besitzer, wenn man der Belichtungsautomatik vertraut, warum die Kamera denn jetzt so oder so belichtet hat. Zumindest sind jede Menge Aufnahmen dabei, die heller oder dunkler sind, als man es eigentlich haben wollte, weil die Kamera bei komplizierten Lichtverhältnissen anfängt zu raten. Man probiert verschiedene Belichtungsmessmethoden aus, mal ist die eine, mal die andere besser und mit der Belichtungskorrektur versucht man die ganze Zeit gegen die Unarten des Messsystems anzuarbeiten. Das heißt, ich bin als Fotograf die ganze Zeit gegen die Unwägbarkeiten der Technik am ankämpfen, bevor ich überhaupt mal kreativ werden kann. Dieser ganze Rotz entfällt bei der DSLR (erst) im manuellen Modus. Bei spiegellosen Systemkameras gibt es dieses Problem nicht, weil der Liveview bzw. das Sucherbild die ganze Zeit so hell angezeigt wird, wie dann auch das Foto ist, ich hab also eine Belichtungskontrolle bereits vor der Aufnahme. Und weil auch für die Belichtugsmessung der komplette Sensor zur Verfügung steht, liegt die Automatik zu 99% richtig und man muss nur bei extremen Situationen eingreifen, was aber dann auch wirklich gut funktioniert. Dadurch gewinnt man so viel Zeit, dass manuelles Fokussieren selbst bei bewegten Szenen plötzlich möglich wird.

  34. Nachdem ich diesen Artikel gelesen hatte musste ich wieder an mein Tamron 80-200 adaptall + D7100 denken :)
    Ich wollte gleich zu Beginn Schmetterlinge fotografieren, und scheiterte natürlich. Ich konnte gar nicht so schnell scharf stellen wie die Schmetterlinge kamen und gingen. Ich werde es in diesem Jahr wieder (diesmal mit der D750) versuchen, drück mir die Daumen!

    Da hast du wirklich einen tollen Artikel geschrieben!
    Danke dafür