21. Oktober 2014 Lesezeit: ~ 3 Minuten

Lost Places: Alte Kühltürme in Belgien

Ein sehr beliebter Lost Place, an dem man nicht vorbei kommt, wenn man sich näher mit verlassenen Orten in Europa auseinandersetzt, ist dieses stillgelegte Kohlekraftwerk mit Kühlturm in Belgien. Es steht hier in einer kleinen Industriestadt. In ihrer Blütezeit war die Stadt ein Zentrum der wallonischen Kohle- und Stahlindustrie, nach deren Niedergang ging es jedoch schnell bergab.

Die Folgen des Bergbaus sind überall sichtbar, stillgelegte Stahlwerke, Eisenhütten und Kohleminen gibt es überall in der Stadt verteilt, sogar von einer alten verlassenen Metro-Station ist mir berichtet worden. Was für die Stadt, der sichtlich das Geld fehlt, ein Disaster ist, ist für Fotografen und Abenteurer eine Goldmine.

Mit Moos bewachsener Abgrund.Kühlturm
Grauer ringförmiger Tunnel mit kreisrunder heller Öffnung.

Fotos: brokenview

Aber zurück zu besagtem Kohlekraftwerk, dessen großer Kühlturm zu den wohl beeindruckendsten Lost Places in Europa gehört. Nicht nur optisch durch die imposante Größe hinterlässt er einen bleibenden Eindruck, auch die Akustik im Inneren ist unglaublich. Jeder Ton wird gefühlt hundertfach reflektiert, weshalb man schnell zu flüstern beginnt.

Denn der Besuch des Turmes ist eigentlich nicht erlaubt und schon viele sind auf ihrer Erkundungstour einem Wachmann in die Arme gelaufen.

Ein graues kreisrundes Gebilde gibt an der Öffnung einen Blick auf die Wolken frei.

Dass es dennoch so viele versuchen, ist wohl der Einmaligkeit dieser Location geschuldet, deren unglaubliche Größe einem erst so richtig bewusst wird, wenn man im Inneren des sonst eher unauffälligen grauen Turms steht. In seiner Mitte befindet sich ein mit Moos bewachsener Schlund, der in die Tiefe führt und nicht ganz ungefährlich ist. Der ehemalige Kühlturmzulauf.

Nach oben erstrecken sich die grauen Betonwände bis zur kreisrunden Öffnung des Turms. Beides sehr beliebte Fotomotive, auf die man zuerst stößt, wenn man nach Fotos des Turmes sucht.

Ein helles Loch zwischen grauen Betonwänden.

Schwarzweißbild Kühlwasserzulauf

Nicht weit von dem Kohleturm steht noch ein kleinerer, von außen etwas weniger beeindruckender Turm, der zum angrenzenden Stahlwerk gehört. Im Inneren befindet sich ein kleines Häuschen mit Stuhl davor. Eine seltsame Komik hat dieser Anblick und den Grund für diese skurrile Erscheinung wusste mir bislang auch niemand zu erklären.

Zwischen Betonblöcken erobern sich Pflanzen in einzelnen Rillen ihr Revier und es wirkt hier und da fast wie eine kleine Gärtnerei oder eine Art Kunstinstallation. Die Bilder aus diesem Kühlturm haben etwas wunderbar Surreales.

Ein kleiner Weg, im Hintergrund eine Betonwand.

Ein kleines Häuschen in einer surrealen Umgebung aus Beton.

Die runden Formen der Türme und die vielen geraden Linien bieten das Potential für einzigartige Architekturaufnahmen und viele Möglichkeiten, mit Perspektiven zu experimentieren. Da der Ort schon sehr oft fotografiert wurde, ist es jedoch schwer, einen neuen Blickwinkel zu finden.

Unterstütze kwerfeldein

Wenn Dir dieser Artikel oder das ganze Magazin gefällt, kannst Du die weitere Arbeit von kwerfeldein gern via Paypal, Überweisung oder Dauerauftrag mit dem, was es Dir wert ist, unterstützen. Vielen Dank!

kwerfeldein finanziert sich neben Werbeeinnahmen auch durch Provision von Verkäufen auf Amazon und freiwillige Beiträge der Leser*innen, um unabhängig zu bleiben.

Paypal


Überweisung

kwerfeldein
IBAN: DE0837050198 1933436766
BIC: COLSDE33XXX

Amazon
kwerfeldein @ Spreadshirt


  • Merken

8 Kommentare

Schreib’ einen Kommentar

Netiquette: Bleib freundlich, konstruktiv und beim Thema des Artikels. Mehr dazu.

  1. Schöner Artikel!
    Aber interessant wie manche Leute die sonst immer für absolute Verschwiegenheit stehen plötzlich ihre Bilder in Artikeln haben, in welchen die Location in Verbindung mit dem Standort genannt wird..

  2. Überall dort, wo “die Wirtschaft” bzw. “Industrieunternehmen” tätig sind, hinterlassen sie verbrannte Erde. Die Beseitigung der Kollateralschäden ist dann – sofern sie überhaupt geschieht – Sache der Gesellschaft und des Steuerzahlers.

    So spannend ich solche Bilder finde, so wütend macht mich auch die gängige Praxis, ausgebeutete und verschandelte Orte einfach zu verlassen, um neue, unverbrauchte Landschaft auszubeuten. Dass wir dafür irgendwann eine nicht mehr bezahlbare Rechnung präsentiert bekommen werden, ist so sicher wie das Amen in der Kirche.

  3. Ich kapier diesen Hype um Lost Places irgendwie nicht. Die Bilder sind doch einfach nur Architekturaufnahmen, und warum mussten dafür jetzt 4 Fotografen miteinander verglichen werden? Soll das zeigen wie viel Spielraum das ganze hat? Erschließt sich für mich nicht weil die Bilder total ähnlich sind und auch alle von einer Person stammen könnten. Was soll uns dieser Artikel sagen, dass es diese Türme gibt und dass schon viele Menschen dort knipsen waren? Ich fände es interessanter zu erfahren warum die Autorin da hingefahren ist, obwohl sie selber schon erkannt hat dass es schwer ist neue Blickwinkel auf den Ort zu bekommen.

    • “Nur Architekturaufnahmen”? Wann hat man schon mal die Möglichkeit in das Innere solch gigantischer Türme zu blicken und ich denke das macht auch die Faszination aus, deshalb zieht es einen an den Ort, weil man es selber erleben will, egal ob man schon Fotos von diesem Ort kennt. Das Beeindruckende dieses Ortes kommt in den Fotos deutlich wieder. Ich kenne sonst keinen Ort der eine vergleichbare Architektur bietet.