Blick in eine Menschenmenge.
04. Juni 2014

Straßen: Orte der Begegnung

Bernd Arnold hat mit seinem Projekt „Black East Wild West“ ein Überthema geschaffen, in das sich vier Unterthemen einreihen, die allesamt im Genre der Straßenfotografie anzusiedeln sind. Und das alles in Deutschland. Wie, was, und vor allem: warum?

Fangen wir noch einmal von vorn an. Der Kölner Bernd Arnold fotografiert auf der Straße. Seine Bilder sind zwar spontan und ungestellt, doch eines hat er immer im Hinterkopf: Das Thema, an dem er gerade arbeitet. Und nochmals muss ich einschränken: Es sind Orte, auf die er sich begrenzt.

Das alles hat er vier Mal gemacht und diesen vier Themen Namen gegeben: „Mimesis“, „Das Portal“, „Die Zone“ und „Black East“. Alle gemeinsam sind zusammengefasst unter dem Titel „Black East Wild West“ und beschäftigen sich mit den Orten der Aufnahme, haben dabei aber das Verhalten der Menschen genau im Blick.

Arnold ist einer der Fotografen, die den zweiten Blick fordern. Dabei verzichtet er auf Dramatik und forciert den Betrachter, kleine, unscheinbare, im Angesicht der Thematik aber entscheidende Details zu erkennen und einzuordnen.

 

Die Zone

Straßenfotografie: Licht und Schatten, ein Hund tritt deutlich hervor.

Straßenfotografie: Verdrehte Hand auf dem Rücken eines Mannes.

Straßenfotografie: Die Beine verschiedener Menschen.

Straßenfotografie: Hartes Licht trifft auf ein paar Menschen, viele Schatten.

 

Mimesis

Straßenfotografie: Ein Mann schaut zur Seite.

Straßenfotografie: Blick in eine Menschenmasse.

Straßenfotografie: Zwei Menschen, die aneinander vorbeilaufen.

Straßenfotografie: Eine Menschenmasse im Gegenlicht.

Straßenfotografie: Fokus auf das Ohr einer Frau.

 

Black East

Straßenfotografie: Mehrere Menschen in einer Fußgängerzone.

Straßenfotografie: Eine Wand von hinten, oben schauen Köpfe von Menschen hervor.

Straßenfotografie: Verschiedene Silhouetten von Menschen.

Straßenfotografie: Eine Frau steht am Wasser. Düstere Aufnahme.

 

Das Portal

Straßenfotografie: Angeschnittene Hand einer Frau.

Straßenfotografie: Eine Frau zwirbelt an ihrem Haar.

Straßenfotografie: Fokus auf eine ältere Frau mit Hut.

Straßenfotografie: Zwei Menschen betreten eine Kirche.

Straßenfotografie: Fokus auf die Haare einer Frau.

Bernd Arnold betrachet die Fotografie als „ein ungewöhnliches Werkzeug – unmittelbar und direkt, ähnlich zu den Improvisationen im Jazz.“ Jazz ist hierbei ein gutes Stichwort, denn Kenner wissen zu gut, dass Jazz zwar oft spontan, aber keineswegs willenlos ist. (Free Jazz lassen wir mal außen vor.)

Weiter beschreibt der Fotograf, schaffe er sich mit diesem spontanen und spielerischen Ansatz die Möglichkeit, in die ihm gewohnten Welten einzutauchen, die, je gewohnter sie sind, umso unsichtbarer werden können. Doch genau diesen Blick hinter die Kulissen des Gewöhnlichen, gar Offensichtlichen muss Arnold wagen, um an seine subtilen Aufnahmen wie die oben Gezeigten zu kommen.

Diesen Vorgang beschreibt er so: „Wenn ich mich inhaltlich aus einer anderen Richtung dem Gewohnten annähere, verändert sich meine Wahrnehmung.“ Und somit wird auch diejenige des Betrachters um eine Sichtweise erweitert – wenn dieser dazu bereit ist.

Mich haben Arnolds Fotografien sowohl zum Nachdenken, als auch zum Umdenken gebracht. Denn seine Aufnahmen haben Kante, sind angenehm unbequem und fordern das, was ich (selbst in zeitgenössischer Straßenfotografie) gewohnt bin, gerade deshalb heraus.

Abschließen möchte ich nun mit einer Empfehlung an all diejenigen, die nach „Black East Wild West“ neugierig geworden sind und drauf und dran sind, munter zu recherchieren. Denn seit Ende 2013 ist der Bildband „Wahl Kampf Ritual“ von Bernd Arnold erhältlich, der Aufnahmen der Bundestagswahlkämpfe von 1984 bis 2013 in düsterem Schwarzweiß präsentiert.

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4 Kommentare

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  1. Gott sei Dank sind die Geschmäcker verschieden :-) und jeder soll tun was ihn glücklich macht.
    Aber weil du die Bilder hier zeigst stellst du sie zur Diskussion…

    Und ganz ehrlich ich vermisse bei denn Bilder jegliche Bildkomposition oder Spannung !
    Für mich wirken sie wie schlechte Schnappschüsse ! vielleicht fehlt mir auch die Künstlerische Ader um die Bilder zu verstehen ?

  2. Bilder, an denen mein Blick hängen bleibt können nicht schlecht sein. Mir gefallen sie jedenfalls, auch oder gerade deswegen, weil er der einen oder anderen Konvention trotzt. Spielerisch passt bei ihm. Ein Fotograf der unverknifferen Sorte womöglich.
    Henry