30. April 2014

Italien in den 80ern

Unter Kennern und Könnern werden ältere Straßenfotografien besonders gern in Farbe gesehen. In den 1950ern und darauffolgenden Jahrzenten entstanden, entfalten sie heute einen ganz besonderen Reiz. So fallen Namen wie William Eggleston, Joel Meyerowitz oder Helen Levitt, die zu bekannteren Pionieren gehören. Heute möchte eine Serie zur Einsichtnahme geben, die das öffentliche Leben Italiens in den 80ern präsentiert.

Charles H. Traub selbst war und ist jedoch kein Einheimischer, sondern Amerikaner. Infolgedessen fotografierte er mit den Augen eines Touristen – was keineswegs negative Folgen hatte. Seine Aufnahmen sind gespickt mit Humor, italienischer Anmut und satten Farben.

Was jedoch ist das Besondere an derartigen Fotografien? Was bringt es uns, Bilder anzusehen, die vor dreißig Jahren entstanden sind? An dieser Stelle möchte ich Garry Badger zitieren:

Sie bringen Dich an Plätze, zu denen Du nicht gehen kannst, wie etwa die Oberfläche des Mondes und sie bilden auch Erinnerungen, sie bringen Dich an ein vor langer Zeit. Sie erlauben Dir, durch Zeit und Raum zu reisen.¹

Und das trifft – Kraft Virtuosität der Aufnahmen Traubs – auch in diesem Fall fraglos zu. Denn bei aller Farbenpracht und Originalität sind sie von einer Beiläufigkeit, die nicht zu übersehen ist. Wiederholt sind Füße abgeschnitten oder der Horizont sitzt schief. So gar nicht profihaft wirken die Kompositionen, nein, viel eher aus dem Alltag gegriffen, genuin und deshalb glaubwürdig.

Verona 82 © Charles Traub

Rome 82 © Charles Traub

Naples 82 © Charles Traub

Reggio Emlia © Charles Traub

© Charles Traub

© Charles Traub

Florence 81 © Charles Traub

Florence 82 © Charles Traub

Capri 82 © Charles Traub

Milan 81 © Charles Traub

Venice 81 © Charles Traub

Naples 81 © Charles Traub

Amalfi 82 © Charles Traub

Rome 81 © Charles Traub

Da ich selbst vor Kurzem Farbe dem Monochromen vorgezogen habe, bin ich umso glücklicher über jeden Fotografen, der „früher“ in Farbe dokumentierte. Charles Traub hat es geschafft, mich erneut dafür zu begeistern. Und scheint damit nicht nur mich erreicht zu haben:

Dolce Via wurde in der TIME Lightbox vorgestellt und ist eines der Bücher, die ARTnews unter dem Titel „11 edgy new photo books that will make you look (and think) twice“ publizierte. Beim ICP (International Center of Photography) gab es sogar eine Signierstunde. Und die hier gezeigte Serie „Dolce Via“ (Süßer Weg) ist seit März auch als Buch* erhältlich.

¹ Ten questions for Martin Parr and Gerry Badger | Phaidon

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