12. April 2014 Lesezeit: ~ 5 Minuten

Ein Projekt geht um die Welt

Es war bestimmt ein lauer Frühlingstag irgendwann im März 2013, als Penny Felts, die ihre Sofortkamera über alles liebte und auch überall mit hin nahm, plötzlich bemerkte, dass ihr die Ideen ausgingen.

Zum Glück hatte sie sich mit der Zeit ein großes Netzwerk an Fotografen aufgebaut, die ebenfalls wie sie ihre Sofortfilm-Kameras nicht nur als Objekte sahen, sondern auch als eine Sache, der eine Prise Magie anhaftete, wann immer man sie auf sich oder andere hielt.

Warum sollte man sich also nicht zusammen tun und gemeinsam an einem Projekt arbeiten? Immer allein der Magie hinterherjagen, das hatte sie ja nun gesehen, bringt einen manchmal auch an die Grenze seiner Kreativität.

Surrealism, Sunny Side Up © Penny FeltsSilence, The Great Divide © Rhiannon Adam

Transition, The Passage © Amanda Mason

Sie lud elf Frauen aus der ganzen Welt ein, mit ihr gemeinsam eine Reise zu wagen. Bis zu diesem Zeitpunkt war jedoch noch nicht klar ausdefiniert, wie und wohin die Reise überhaupt gehen sollte, aber alle waren sich einig, sie gemeinsam anzugehen.

Sie entschieden, dass die Reise genau zwölf Monate andauern und jeder Monat unter einem eigenen Thema stehen sollte. Jeder durfte sich ein Thema aussuchen und so war jeder Monat mit je einem Thema bestückt, über das sich jeder Gedanken machen musste, um am Ende ein Bild abzuliefern.

Stranger, No One Remembers Your Name when you’re Strange © Marion Lanciaux

Light, Colors of light © Sarah Seené

Als erstes begann Penny Felts, in Tennessee beheimatet, selbst. Sie gab ihrem Monat das Thema „Surrealismus“ und musste den Monat damit also selbst beginnen. Danach durften die anderen elf ihre Interpretation des Themas erarbeiten und zeigen.

Anschließend folgten die anderen mit den Themen: Silence, Transition, Stranger und Light in den Sommermonaten. Im Herbst kamen die Themen Mystery, Reflection und Hysteria hinzu. Den Winter füllten die Themen Bloom und Childhood. Und der letzte Monat der Reise stand unter dem Titel Connection.

Mystery, the enigma of pluto and charon© Maritza de la Vega

Natürlich ist diese Art von Projekt keine neue Erfindung, aber erschwerend kam hier das Verfahren hinzu. Sofortbildfilme sind teuer und möchte man sich nicht nur auf der sowieso schon künstlerisch wirkenden Erscheinung von Sofortbildfilmen ausruhen, musste man erfinderisch sein. Eine digitale Bearbeitung war nämlich nicht erlaubt.

Und so ist es mitunter recht erstaunlich, welche Lösungswege die Teilnehmerinnen gingen, um das jeweilige Thema umzusetzen.

Zu erwähnen wäre hier die Umsetzung des Themas Surrealismus von Penny Felts, die ein Paar zeigt, über dem große Hände gerade dabei sind, das Innere eines rohen Eis auf die Erde klatschen zu lassen. Der Humor und die Mehrdeutigkeit, die dieses Bild mit sich bringen, machen mich doch erheblich staunen. Auch sehr spannend finde ich das Bild von Rachael Baez und ihre Umsetzung des Themas „Bloom“.

Es wurden also alle Möglichkeiten ausgeschöpft, die ohne eine digitale Bearbeitung möglich sind. Es wurde geklebt, gebastelt, doppelt belichtet oder aufeinander gelegt. Also alles rein analoge Manipulationen.

Secret, Inside © Emilie Trouillet

Im Mai 2013 unterstützte dann auch das Impossible Project diese Arbeit und spendete jeder Teilnehmerin einen Gutschein für Sofortbildfilme, womit zumindest das leidliche Thema der Kosten teilweise geklärt war und sich die Protagonisten auf ihr Thema und dessen Umsetzung konzentrieren konnten.

Das Projekt gewann an Fahrt und im Blog von Impossible wurden die Teilnehmerinnen in gleich mehreren Artikeln vorgestellt.

Mit dabei ist übrigens auch Agafia Polynchuk, die uns hier bei Kwerfeldein schon einmal einen Blick in ihre Welt gewährt hat und beim Projekt den vorletzten Monat mit dem von ihr gewählten Thema „Childhood“ begann.

Reflection, Reflect © Kat WhiteHysteria, Hysterical Paroxysm - A crack through which evil departs the soul © Carmen De Vos

Bloom, Florescence © Rachael Baez

Nun ist seit der Idee ein Jahr vergangen. Es war wohl ein Jahr voller Hochs und Tiefs, zwischen grübeln und verstehen. Eben all das, was einen umtreibt, wenn man gemeinsam an einer Sache arbeitet. Penny Felts antworte mir auf die Frage, wie es ihr jetzt nach einem Jahr geht und ob sie ihr Ideentief nun überwunden hat, folgendes:

Gewissermaßen war ich traurig darüber, dass das Projekt nun endet und denke darüber nach, zu fragen, ob jemand von dem Mädchen sich an einem zweiten Jahr versuchen möchte. Ich habe es sehr genossen und jeden Monat mit Spannung das neue Thema erwartet.

Einige davon waren sehr schwer für mich und ich habe gemerkt, dass ich bei einigen nicht das Bild zustande gebracht habe, das ich wollte; aber ja, das Projekt hat mir alles gegeben, was ich an Hoffnungen hineingesetzt hatte.

Jeden Monat war ich aufs Neue kreativ gefordert, was wiederum meine anderen fotografischen Projekte verbessert hat. Und zusätzlich hatte ich das Vergnügen, mit all den anderen fantastischen Frauen in dieser Gruppe arbeiten zu können.

Childhood, In my magical Universe © Agafia PolynchukConnection, only connect © Emilie Lefellic

Als krönenden Abschluss wird es zwei Ausstellungen geben: Die erste findet in Paris vom 17. Mai bis 12. Juni 2014 im EN FACE, in der 8 rue Gambey, 75011 statt und die zweite in Berlin vom 15. Juli bis 14. Setpember 2014 im INSTANTLAND (Sofortbildshop), Mulackstrasse 22, 10119.

Wer weder nach Paris noch nach Berlin kommen kann, sollte unbedingt einen Blick auf den Blog des 12.12 Projekts wagen, auf dem alle Bilder zu sehen sind. Außerdem gibt es auch eine Facebookseite, um nichts mehr zu verpassen.

Ich danke Rhiannon Adam, Rachael Baez, Penny Felts, Maritza de la Vega, Carmen De Vos, Marion Lanciaux, Emilie Lefellic, Amanda Mason, Agafia Polynchuk, Sarah Seené, Emilie Trouillet und Kat White für die außergewöhnlichen Arbeiten und fürs Zeigen und Vorstellen dürfen.

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4 Kommentare

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  1. “…. plötzlich bemerkte, dass ihr die Ideen ausgingen.” – meist lese ich von den hier vorgestellten Photographen, das sie voller Leidenschaft fotografieren, ohne Fotografie nicht leben können, ohne Kamera nicht das Haus verlassen etc.. Interessant, das es wohl auch das Gegenteil gibt.
    Ich glaube, das die Welt voller Bilder ist, auch ohne dass man die Motive erst selbst erschaffen muss – insoweit sollte es ein ausgehen der Ideen eigentlich nicht geben.

    • Das sehe ich anders. Denn “dass die Welt voller Bilder ist”, mag für Dich zwar stimmen, aber eine andere Person kann das ganz anders erleben. Und ich kenne das auch sehr gut von mir, dass ich Tage hatte, an denen ich nicht wusste, wie und was ich fotografieren sollte.

  2. Blogartikel dazu: browserFruits Juli, Ausgabe 4 › kwerfeldein - Fotografie Magazin | Fotocommunity