20. November 2013 Lesezeit: ~3 Minuten

Warum ich keine Sonnenuntergänge, Blumen und Katzen fotografiere

Wie oft habe ich früher von Freunden und Familie gesagt bekommen, ich solle etwas „Vernünftiges“ fotografieren. Gewöhnliche Straßen und normale Menschen üben auf viele Fotografen keinen Reiz aus, auf mich aber schon.

Auch für viele andere Fotografen ist die urbane Umgebung ein El Dorado für Motive, Stimmungen und Szenen, die lustig, traurig, nachdenklich aber auch unschön sind. Ich habe schon seit meiner frühen Jugend fotografiert, den Wendepunkt gab es jedoch erst vor etwa zweieinhalb Jahren. Da bin ich der Straßenfotografie verfallen.

© Georgie Jerzyna Pauwels

© Georgie Jerzyna Pauwels

Ich reise viel und gern, die traditionellen Motive wie Sehenswürdigkeiten interessieren mich jedoch fotografisch gesehen weniger als die Besucher, deren Herkunft, ihr Verhalten, ihre Emotionen und die „nicht spektakulären“ Nebenstraßen mit ganz normalen Bewohnern sowie ihre Leben, Sorgen und Freuden.

Per Zufall und durch soziale Netzwerke habe ich entdeckt, dass es ziemlich viele gibt, die die Straßen ähnlich betrachten wie ich. Also besuchte ich einige Workshops, las ziemlich viel, knüpfte Kontakte, besuchte Ausstellungen – aber ohne das fast tägliche Ausgehen auf die Straßen und Fotografieren entwickelt man sich nicht weiter.

© Georgie Jerzyna Pauwels

© Georgie Jerzyna Pauwels

Ich bearbeite meine Bilder nur minimal, denn ich ziehe es vor, mit meiner Kamera nach draußen zu gehen, anstatt vor einem Computer zu sitzen.

Ich bin pragmatisch und ich teste verschiedene Kameras, aber die Kamera ist nicht das Wichtigste. Ich habe eine DSRL, aber ich bin lieber mit kleinen, unauffälligen und guten Kameras unterwegs. Diese kleinen Modelle passen in jede Handtasche und sind diskret, sodass der Fotograf nicht bemerkt wird und in Ruhe fotografieren kann.

Ich mag Einfachheit, klare Linien und Strukturen. Ich mag keine überladenen Bilder, sondern Effizienz und Klarheit. In vielen meiner Bilder sieht man nur eine oder ein paar Personen, da mich die Einsamkeit in der urbanen Welt am meisten berührt.

© Georgie Jerzyna Pauwels

© Georgie Jerzyna Pauwels

Natürlich sind auch die Bilder, die ich auf meinen Reisen in Indien oder Südostasien gemacht habe, unterschiedlich, dynamischer und mehrschichtig, denn die Straßen und die Stimmung dort unterscheiden sich sehr von den Straßen in Europa.

Straßenfotografie lehrt mich, Geduld zu haben, zu beobachten, meine Umgebung genauer wahrzunehmen und das Unerwartete zu meistern.

Ich habe keine „tiefsinnigen“ Erklärungen für meine Bilder – sorry. Ich fotografiere intuitiv und spontan, achte auf die Lichtverhältnisse, die Umgebung und hauptsächlich auf die Menschen. Viele meiner Bilder entstehen zufällig.

© Georgie Jerzyna Pauwels

© Georgie Jerzyna Pauwels

Hin und wieder jedoch kehre ich an einen Ort zurück, betrachte diesen genauer und warte auf die Situationen, die sich dort ergeben. Ich wünsche mir für die Zukunft mehr Anerkennung für die Straßenfotografie sowie deren Vertreter und weniger Restriktionen und rechtliche Beschränkungen.

PS: Okay, eine Katze habe ich doch fotografiert, es war aber nicht absichtlich.

Ähnliche Artikel


39 Kommentare

Schreib’ einen Kommentar

Netiquette: Bleib freundlich, konstruktiv und beim Thema des Artikels. Mehr dazu.

  1. Vielleicht hättest Du als Titel besser einen Anderen gewählt, nämlich „Warum ich gerne Street fotografiere“. Warum Du keine Katzen, Sonnenuntergänge und Blumen fotografierst, konnte ich nicht lesen.

    Warum Du nun Street fotografierst unterscheidet sich leider auch nicht von den Statements anderer Streetfotografen. Vielleicht hättest Du einfach nur geschrieben, dass Du es liebst Street zu machen, aber Abstand von jeder tiefsinnigen Erklärung nimmst.

    Ich finde auch dass man nicht alles erklären muss und dass man intuitives auch gar nicht in angemessene Worte fassen kann. Deine Leidenschaft für Street kann ich nachvollziehen, hat es doch etwas dokumentarisches und ist Teil unseres Lebens undLebensraum in dem wir uns bewegen.

    Das Street machmal genauso kitschig sein kann wie Blumen , sonnenuntergänge oder Katzen, zeigt für mich übrigens dein bild nummer 5 des Pärchens.

    Gruss Bogi

  2. „Also besuchte ich einige Workshops, las ziemlich viel, knüpfte Kontakte, besuchte Ausstellungen – aber ohne das fast tägliche Ausgehen auf die Straßen und Fotografieren entwickelt man sich nicht weiter.“

    Sehe ich genauso. Street-Fotografie ist ein Punkt der viel Zeit kostet. Ich mag sie sehr gerne, aber mir fehlt genau diese Zeit. Es freut mich immer wieder Bilder von Street-Fotografen zu sehen die wissen worauf zu achten ist, die die Umgebung mit die Menschen in Harmonie bringen. Zu viele knipsen einfach nur drauf los (mich eingeschlossen). Bei mir ist es allerdings die fehlende Zeit damit ich die Bilder bekomme, die ich gerne hätte.

    Ich finde deine Bilder toll die du hier präsentierst!

  3. Ich muss schon sagen, dies sind hervorragende Bilder.
    Den leichten Sarkasmus im Text hört man aber heraus, ebenfalls eine gewisse Überheblichkeit. Dies ist keine Kritik, ich schreibe Texte über die Fotografie, der ich verfallen bin, auch nicht anders.
    Doch lässt man die ersten drei Absätze weg und liest den Rest ohne den Fachjargon der Streetfotografie, lässt sich das Geschriebene nicht eins zu eins auf die Landschaftsfotografie, ja sogar auf die Makrofotografie übertragen?
    Interessant, hmm?

  4. Ich finde die Bilder ganz toll, aber die wertende Überschrift stört mich ein bisschen. Das wirkt auf mich etwas arrogant, so als wäre es grundsätzlich weniger wert, wenn man Sonnenuntergänge, Katzen und Blumen mag. Man kann in jedem fotografischen Genre Mist produzieren und auch Kunstwerke erschaffen. Es gibt auch genug Beiträge, bei denen ich mir denke „oh nein, nicht schon wieder jemand, der aus alltäglichen Belanglosigkeiten unästhetische Fotos macht und sich Street-Fotograf schimpft“. Vielleicht kommt der nächste und schreibt „Warum ich nicht ohne zu fragen meine Mitmenschen ablichte und Abzüge davon an geschmacklose Neureiche verticke“.

    Ok, das ist mit einem Augenzwinkern zu verstehen :-) Aber ich denke einfach, ein ganzes Genre abzuwerten ist etwas unfair.

    So oder so, deine Bilder gefallen mir sehr gut. Danke für’s zeigen.

    Gruß Thomas

  5. Mir geht es auch so, dass ich denke „Street-Fotografie“ oder überhaupt Fotografie braucht nicht immer zwingend einen philosophisch erklärbaren Unterbau.

    Es sind eher Einzelaspekte bzw. -aussagen, die mich interessieren und die ich hier spannend finde. ZB die Frau im Holocaust-Denkmal, die bedrohlich von den Mahnmalen überragt wird, während gleichzeitig mit der Sonne am Horizont ein hoffnungsvoller Lichtblick (für die Zukunft?) ins Dunkel der Vergangenheit dringt.

    Andere Bilder finde ich einfach rein gestalterisch oder szenisch interessant, wie den Jungen mit Schatten vor der Tür oder die Katze in der Gasse.

  6. Ja, sehr unterschiedliche Bilder mit unterschiedlichen Aussagen, aber alle mit einer bestimmten Aussage und das macht die Bilder tatsächlich sehr klar. Richtig finde ich auch die Formulierung, dass solche Fotografie Geduld braucht. Oft wird Streetfotografie mit Spontanität und Schnelle gleichgesetzt. Das macht sie dann beliebig.

  7. Hallooo,
    also mir gefällt dein letztes Bild am Besten.
    Die Katze sorgt für einen Aha Effekt, verleiht dem Bild so richtig leben und auch eine priese Witz, Zufall und Spontanität. Vielleicht solltest Du versuchen öfter das „tierische Element“ in deine Bilder mit einzubeziehen …

  8. Lieben Dank für Eure Kommentare, es freut mich sehr dass meine Bilder Zuspruch bekommen. Ja, der Titel ist etwas provokant, ist aber nicht arrogant oder abwertend gemeint. Eher soll es dem Klischee wiedersprechen, dass weibliche Fotografen für „niedliche“ Themen zuständig sind. Leider ist die Straßenfotografie immer noch eine Männerdomäne, ich wünschte es wäre anders.
    Jede Art von Fotografie hat ihre Daseinsberechtigung, die Vielfalt der Themen ist eine Bereicherung.

    Viele Grüße
    Georgie :-)

    • Als Frau habe ich natürlich sofort verstanden, was du mit dem Titel sagen wolltest, trotzdem klingt es ein wenig arrogant, wenn du das so plakativ verkündest ;-). Warum Menschen sich so einschränken wird sich mir nie erschließen. Ich fotografiere, wenn ich ein Bild sehe, was auch immer das eigentliche Motiv ist, aber veröffentlichen tue ich nicht alles.

      Deine Bilder sind schön komponiert, aber der Aspekt, den „Street“ für mich ausmacht, sehe ich hier nicht. Die Menschen sind eher eine gelungene Dekoration in deinen Kompositionen. Vielleicht liegt das aber auch an meinem Blick auf deine Bilder. Ich sehe z. B. interessante Schatten und Spiegelungen.

  9. Ich finde die Bilder auch gut, und fotografiere ebenfalls gerne „Street“ aber ich versuche Menschen zu vermeiden…
    Fragt ihr jeden den ihr fotografiert und bittet um Erlaubnis das Bild im Net zu veröffentlichen? Wie man weiss kann man da ganz schön in Schwierigkeiten geraten, wenn man es nicht tut.
    Da fotografiere ich lieber Katzen,die koennen einen nicht verklagen. Von meiner habe ich ein paar tausend gemacht ;-)

  10. Durchweg tolle Bilder, Kompliment.
    Daneben kann ich zwar den Wunsch nach mehr Freiheit verstehen. Gerade was das Recht am persönlichen Bild angeht finde ich die Einschränkungen aber gut. Gerade in der Streetfotografie verfällt man als Fotograf so leicht in den Papparazzi-Modus. Dem Menschen ist meist ja nicht klar dass er da fotographiert wird. Die Gesichter sind maskenlos, was ja oft den Reiz in ein Bild bringt. Vielen macht das sicherlich nichts aus und siei freuen sich meistens über tolle bilder (sofern sie sie zu sehen kriegen). Aber eben nicht alle.

  11. ‚kann mich den Kommentaren nur anschließen. Doch beim Betrachten Deiner teils sehr gelungen Fotos auf flickr, denke ich mir manchmal: Ach!, schöner wäre es in Farbe, dezent die Sättigung rausgenommen. Schließlich hat man doch die Möglichkeit. Der oft clevere Bildaufbau erlaubt es.

    Allerdings präferiere ich auch s/w … dann aber analog. Mit der 5d war ich letztlich weniger überzeugt gewesen: Es fehlte das Tiefe, die naturgemäße Körnung, das Diffuse …

  12. Wunderbare Bilder, die meiner Meinung nach vor allem durch die Komposition und die Umsetzung der vorhandenen Lichtstimmung bestechen. S/W ist hier klar das (klassische) Mittel der Wahl (besonders für Streetfotografie).

    Spontan haben mich deine Bilder auch an die Fotos von Astrid Riecken erinnert (http://astridriecken.photoshelter.com).

    PS: Vorschlag an die kwerfeldein Redaktion, doch auch mal Astrid Riecken hier vorzustellen. Würde mich freuen…

  13. Beide Daumen gehen bei mir ganz nach oben. Bilder, Bericht, Einstellung. Top.

    „Ich habe keine „tiefsinnigen“ Erklärungen für meine Bilder“ – gefällt mir ebenfalls ausgesprochen gut. Man muss nicht alles erklären, wenn etwas einfach gut ist.

  14. Ich bin allgemein kein Freund von Straßenfotografie (kann ich häufig nicht von belanglosen Schnappschüssen unterscheiden), aber Deine hier finde ich sehr schön (die Parkbank mit den Bäumen kam hier schon mal, oder?).

    Ich glaube das Reduzierte macht hier den Unterschied für mich, da kann ich Bildaufbau erkennen, wirkt nicht so „einfach zufällig draufgehalten“ :-)

    Im Gegensatz zu einigen anderen Kommentaren finde ich den Ton der Überschrift – im Zusammenhang mit dem Text gesehen – und nicht übertrieben überheblich.

  15. Gefallen mir sehr gut die Bilder, vor allem Bild 5 und 6 (das Paar auf der Bank und der Flughafen) find ich echt super.
    Du schreibst, du bist lieber mit „kleinen UND guten Kameras“ unterwegs – kannst du vielleicht ein Modell besonders empfehlen (vorausgesetzt, das ist ok hier in den Kommentaren)?

  16. Du schreibst:
    “ Ich habe eine DSRL, aber ich bin lieber mit kleinen, unauffälligen und guten Kameras unterwegs.“
    Auf deinen Flickr/500px Accounts hast du viel mit der E-M5 fotografiert.
    Was wäre denn für dich eine kleine, unauffällige und gute Kamera?
    Bin schon länger am suchen nach etwas kompakterem….

  17. Blogartikel dazu: Links vom Rhein, 25. November 2013 | Hendryk Schäfer