11. November 2013 Lesezeit: ~2 Minuten

Marianne

Ich sehe die Reflexion meiner Jugend im Spiegel, wann immer ich Zeit mit Dir verbringe. Ich war auch so. Ein Mädchen mit einer Milliarde Ideen und Dingen, die ich erreichen wollte.

– sagt Marianne zu mir, nach einem spontanen Fotoshooting, das in meiner Wohnung stattfand.

Marianne und ich sind seit drei Jahren Nachbarn. Schon bald nach meinem Einzug in das Gebäude wurden wir Freunde. Unsere Freundschaft begann, nachdem ich das erste Mal an ihre Tür klopfte, an einem sonnigen Sommertag mit einer Tasche voller Prinzessinnen-Kleider.

Marianne © Sabina Tabakovic

Ich fragte sie: „Kann ich Dich fotografieren? Gleich jetzt?“ Marianne war sehr verwirrt. „Warum willst Du mich fotografieren? Ich bin nicht hübsch!“

Eine halbe Stunde später wurde Marianne das erste Mal von mir fotografiert. Seitdem fotografiere ich sie regelmäßig, aber immer spontan. Wenn man nur zwanzig Sekunden voneinander entfernt wohnt, ist das möglich.

Marianne © Sabina TabakovicMarianne © Sabina Tabakovic

Abgesehen von der gemeinsamen Kreativität hat sich zwischen uns eine tiefe Freundschaft entwickelt, wir können stundenlang über das Leben, die Liebe und Filme sprechen. Wir teilen ein großes Interesse für alte Filme und dergleichen.

Marianne lebt allein mit ihrem Hund. Ich habe mich zu einem ihrer engsten Freunde entwickelt. Sie ist für mich eine „anonyme Mutter Theresa“ und ich bin glücklich, sie im selben Gebäude zu wissen. Wenn sie nur wüsste, wie schön sie für mich ist!

Marianne © Sabina Tabakovic

Dank meiner Fotografien kann ich ihr zumindest beweisen, wie schön sie auf den Fotos wirkt, auch wenn sie nie das Gefühl hat, schön zu sein. Ich beginne jedoch, Selbstbewusstsein bei ihr zu sehen, wenn ich ihr die Ergebnisse zeige und das hält meine Motivation, weiter schöne Bilder von Marianne zu erstellen, aufrecht.

Die letzte Herbstgeschichte war, wie üblich, sehr spontan. Ich textete ihr: „Kann ich jetzt gleich ein paar Bilder von Dir machen? Falls ja, komm in mein Appartement.“

Marianne © Sabina Tabakovic

Zehn Minuten später trafen wir uns. Wir hatten beide einen schlechten Tag gehabt. Ich war über irgendetwas traurig und Marianne war müde, aber das Beste an unserer Freundschaft ist, dass jeder er selbst sein kann, wenn wir zusammen sind.

Bei nur wenigen gesprochenen Worten begannen wir, Bilder zu machen. Und die Ergebnisse seht Ihr nun hier. Erfreut Euch daran!

Dieser Artikel wurde von Marit Beer aus dem Englischen ins Deutsche übersetzt.

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18 Kommentare

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  1. Keine Fashion Fotos,
    kein Hochglanzbilder oder dergleichen.
    Aber Emotionsgeladene Bilder wie man Sie selten sieht.

    Danke für den Artikel, es ist schon wenn man mal „abseits“ der normalen Wege Bilder sieht die dann auch noch eine so starke Aussagekraft haben (zumindest für mich).

    gruß
    Chris

  2. Ich bin echt mehr so die stille Leserin, auch hier. Aber dieses mal, wirklich, ich hatte Gänsehaut beim Lesen. Ich studiere Pädagogik und möchte später unbedingt mit „alten Menschen“ (was auch immer das ist) zusammenarbeiten. Und ich fotografiere. Ich finde deine Kombination so, so toll und deine Bilder zeigen, wie viel in den Alten steckt. Bei euch würd ich gern mal Mäuschen spielen. Ganz wunderbar, ich freue mich für euch über diese Freundschaft!

  3. Sehr schöne Bilder und eine wunderbare Geschichte aus dem wahren Leben. Unaufgeregt, sanft und berührend menschlich. Dir und Marianne weiterhin alles Gute und noch viel gemeinsame und kreative Zeit.

    Grüße
    Andreas