24. Oktober 2013 Lesezeit: ~3 Minuten

Dunkle Machenschaften

Dass künstlerische Fotografie nicht völlig für sich stehen muss, zeigt die Zusammenarbeit von Roger Ballen mit der Band Die Antwoord. Anfang des letztens Jahres haben sie gemeinsam ein Musikvideo erschaffen, das zwei Welten miteinander verbindet. Er brachte ihren Stimmen die Bilder und sie ihm den Sound.

Roger Ballens erschaffene Welten sind düster, fleckig und seltsam. Von Menschen Ungeliebtes und Vergessenes hebt er auf. Sie finden sich dann in seinen Bildern als Requisiten wieder. Eine alte und verschmutzte Puppe, dreckige Matratzen, Drahtgeflecht, das sich hinter den Augäpfeln kühl anfühlt.

Seine Bilder greifen etwas im Inneren an, etwas, das wir manchmal gern verdecken oder nicht wahrhaben wollen, weil es sich unmoralisch oder gar anstößig anfühlt. Er hebt das Tuch der Verwunderung und zeigt, was sich dahinter verbirgt, mit grau verschmutzter Wirklichkeit.

Roger Ballen / Die Antwoord © Marit Beer

¥o-Landi Vi$$er und Ninja von Die Antwoord leben in Südafrika – genauso wie Roger Ballen. In ihren Texten setzen sie sich mit sozialkritischen Themen auseinander. Als sie Roger Ballens Bilder das erste Mal sahen, war das wie ein Schlag in die Fresse, heißt es in den ersten Zeilen des vom Prestel Verlag veröffentlichten Fotobandes.

Wenn man ¥o-Landi und Ninja betrachtet, möchte man glauben, Roger Ballen selbst hätte sie erfunden oder erfinden müssen, wenn es sie nicht schon gäbe. Es war also nur eine Frage der Zeit, bis sie einander finden würden. In „I Fink U Freeky“* kommen nun auch Nicht-Musikenthusiasten in den Genuss, dieser Zusammenarbeit beizuwohnen und auch mal im Stillen die Bilder auf sich wirken zu lassen.

Roger Ballen / Die Antwoord © Marit Beer

In dieser seltsamen Roger-Ballen-Welt haben sich also die Musiker eingefunden, werden zu weißen Afrikanern in Lumpen, vor befratzten Wänden, die an zukünftige Höhlenmalerei erinnern, in einer Zeit, in der die Menschen ihre Behausungen verlassen haben werden und die Wildheit unserer Anfänge von Neuem beginnt.

Wo Figuren an Wänden zu Göttern werden, mit Vogelköpfen und vertauschten Menschenleibern oder eine Schlage ihre Symbolhaftigkeit auslebt. Die Bilder sind also nicht nur dunkel, dahinter verbirgt sich auch Humor und Feinsinnigkeit für Fragen, die uns Menschen immer wieder bestürmen. Wer sind wir, woher kommen wir, was ist unsere Natur und wonach sehnen wir uns?

Roger Ballen / Die Antwoord © Marit Beer

Nicht jeder ist von dieser Welt angetan, nicht jeder will darin spazieren gehen. Wer jedoch Roger Ballens Arbeiten schätzt und sich den Menschen oder dem, was sie in uns auslösen, verbunden fühlt, für den ist dieser Band ein Muss. Oder anders ausgedrückt:

This book i dedicated to those who live on the edge, who stare into the abyss, who find light in darkness.

Alle anderen dürfen lächeln, winken und weitergehen.

Roger Ballen / Die Antwoord © Marit Beer

Informationen zum Band:

I Fink U Freeky
Roger Ballen, Die Antwoord
Gebundene Ausgabe, 128 Seiten
28,6 x 24,6 x 1,8 cm
in englischer Sprache
erschienen im Prestel Verlag
ISBN-10: 3791348604

Zu beziehen direkt über den Prestel Verlag oder via Amazon*.

PS: Für die Präsentation des Buches kamen eine Holga, ein Tri-X 400, Standlicht, eine Matratze, ein alter Spiegel und Lippenstift zum Einsatz.

* Das ist ein Affiliate-Link zu Amazon. Wenn Ihr darüber etwas bestellt, erhalten wir eine kleine Provision, Ihr zahlt aber keinen Cent mehr.

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2 Kommentare

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  1. Danke, Marit, für die Vorstellung des Werkes von Ballen. Sie hat mich angeregt, mich mal bei uns in der Buchhandlung danach umzuschauen.
    Gut dazu passen die Bilder mit „der Matratze, dem alten Spiegel und dem Lippenstift“ wie du im PS vermerkst – Spass bei Seite! Das letzte Bild spricht mich sehr an… Schön!
    Liebe Grüsse aus Burgdorf in der CH, Paul

  2. Ich schätze Ballens Arbeiten schon lange, gerade weil sie sehr verstörend sein können, weil sie zuweilen im Widerspruch aus Faszination und reflexartiger innerer Abwehr im Betrachter emotionale Stolpersteine auslegen. Und ich schätze kwerfeldein, weil auch solche Fotografen hier Berücksichtigung finden.