copyright Kilian Schönberger
17. August 2013 Lesezeit: ~4 Minuten

Fotogenes Deutschland – Dreiländereck

Im heutigen Beitrag zur Serie „Fotogenes Deutschland“ möchte ich Euch das Dreiländereck Deutschland – Tschechien – Österreich vorstellen. Als natürliche „Fortsetzung“ des Nationalparks Bayerischer Wald liegt es im äußersten Südosten Bayerns. Das Gebiet gehört vollständig zum Landkreis Freyung-Grafenau und liegt etwa 50 km nordöstlich von Passau.

Die Landschaft des Dreiländerecks Bayerischer Wald findet ihre Fortsetzung im tschechischen Nationalpark Sumava (Böhmerwald) und im Nordwaldkamm des oberösterreichischen Mühlviertels. Die dominantesten Berge auf deutscher Seite sind der von bizarren Granitklippen gekrönte 1.312 m hohe Dreisessel und der 1.167 m hohe Haidel mit seinem Aussichtsturm.

In den letzten Jahrzehnten hörte man häufig vom Waldsterben im Nationalpark Bayerischer Wald. Auch das hier vorgestellte Gebiet blieb von Stürmen und Borkenkäfern nicht verschont. Erst langsam wächst heute wieder ein junger artenreicher Bergmischwald zwischen den bleichen Baumgerippen der ehemaligen Fichtenwälder nach. Beste Bedingungen für Landschaftsfotografen, die gern mal den Blick bis zum Horizont schweifen lassen: Durch den abgestorbenen und zum Teil abgeholzten Wald bieten sich Ausblicke, die bis vor wenigen Jahren nicht möglich gewesen wären.

Spektaktulär Stimmungen erlebt man besonders im nahen Herbst, aber auch im Winter, wenn der Blick von den genannten Bergzügen weit nach Böhmen, Österreich und über Bayern hinweg bis zum Alpenhauptkamm reicht.

Für Landschaftsfotografen spielt das „gute Licht“ eine wichtige Rolle. Ein Vorteil der genannten Aussichtspunkte diesbezüglich ist ihre gute Erreichbarkeit. Der Dreisesselberg ist über eine Hochstraße gut erschlossen. Am Gipfel lockt die Fernsicht von den Felstürmen des Dreisessels und des nahen Hochsteins über den Bayerischen Wald, das oberösterreichische Mühlviertel und das Tal der jungen Moldau bis hin zu den Alpen.

Der 360° Rundumsicht bietende Haidel Aussichtsturm kann über Bischofsreut im Osten und Grainet im Westen ebenfalls schnell erreicht werden. Auf 1000 m Höhe wird von Graint aus der Ortsteil Obergrainet passiert – an sich schon ein hervorragender Aussichtspunkt.

Für Fernblicke bis zu den Alpen favorisiere ich den Spätherbst: Wenn bei Inversionswetterlagen die Täler bis hin zur Donau und Moldau im Nebel versinken, herrscht auf den Bergen Sonnenschein mit hervorragender Aussicht. Bei dieser recht stabilen Wetterlage bewegt sich die Nebelobergrenze meist zwischen 700 und 1000 m. Darüber finden sich dagegen blauer Himmel und Hochdruckeinfluss.

Nur die höheren Bayerwaldberge ragen dann wie Inseln aus dem schier endlosen Nebelmeer heraus. In südwestlicher Richtung begrenzen erst die 150 km entfernten Alpen das Naturschauspiel. Östlich und nördlich erheben sich in den Nationalparken Sumava und Bayerischer Wald weitere Bergkuppen (Rachel, Lusen, Bobik und Boubin) weit über die Nebelobergrenze und strukturieren das samtig weiße Meer.

Hervorragend ist die Fernsicht auch an Föhntagen im Winter. Dachstein, Großvenediger, Schneeberg und Watzmann bilden mit ihren Gipfeln gut auszumachende Landmarken am Horizont. Wobei zu bedenken ist, dass die Hochlagen des Bayerischen Waldes im Winter regelmäßig mehr als zwei Meter Schnee abbekommen und die Temperaturen unter 30 °C fallen.

Dann sind Tourenski oder Schneeschuhe für die Fortbewegung dringend zu empfehlen. Der Aufstieg auf die Aussichtspunkte ist dann ebenfalls nicht völlig risikofrei. Für die Mühen wird man dafür mit teils 25 cm Raureif an den Felsen und abgestorbenen Bäumen belohnt.

© Kilian Schönberger

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Borkenkäfer und Stürme haben in jüngster Vergangenheit dazu beigetragen, dass der Hochwald des Bayerischen Waldes aus der Nähe betrachtet eher einer unfotogenen Geisterlandschaft gleicht. Aber gerade diese Umstände und die dadurch entstehenden neuen Aussichten machen das Dreiländereck Bayerischer Wald für mich zu einer der fotografisch spannendsten Mittelgebirgslocations in Deutschland.

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10 Kommentare

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    • Mich fasziniert, dass bei Landschaftsbildern immer mindestens ein Kommentar kommt, der „bonbonbunte Stimmungsbilder“ abfällig erwähnt. Mag ja sein, dass solche Bilder nicht jedermanns Geschmack sind, aber muss man sie denn wirklich JEDESMAL schlechtreden? Dem einen gefällt das körnige SW, dem anderen perfektionierte HDRs, dem nächsten das komplett unbearbeitete Bild. Leben und Leben lassen.
      Die Bilder finde ich übrigens auch sehr schön, vor allem die schneebedeckten Hochstapel-Felsen sind faszinierend.

      • Hallo Antje und Thomas,

        danke für eure Rückmeldungen. Das Wort „bonbonfarben“ scheint ja auf kwerfeldein ein kleiner „Klassiker“ zu sein in den Artikeldiskussionen. Ich selbst kann beide Seiten gut nachvollziehen – also sowohl die farbintensive als auch eher die zurückgenommenen gedämpften Perspektiven auf die Natur und versuche je nach Außenbedingungen auch beides zu bedienen. Erstgenannte Strömung scheint diejenige zu sein, die international präsent ist (zumindest wenn man sich die Landschaftsfotografie aus den USA und dem UK ansieht) – das Zweitere, reduzierte, in gewissem Umfang auch in Tradition der Düsseldorfer Schule stehende scheint dagegen v.a. in Deutschland und im akademischen Kontext populär zu sein. Für mich hat beides seine Daseinsberechtigung und der Übergang ist fließend… freut mich, dass die Bilder ankommen.

  1. Super Fotos! Wir leben am Fusse des Dreisessels, ich bin in Grainet aufgewachsen u. da als Kind Schigefahren. Es gab keinen Lift, so sind wir zu Fuß nach Obergrainet u. Zum Haidl ( teilweise 5 mal an einem Nachmittag bis zum Haidl). Jetzt bin ich, in meiner Freizeit, als Waldführer im Nationalpark Bayerischer Wald tätig. Wir sind unserer Heimat sehr verbunden und es ist uns wichtig dass wir den Gästen unsere Heimat zeigen können. http://www.pronationalpark.de

    • Hallo Jutta,

      danke für deine Rückmeldung. Bei mir ist Bischofsreut die Basis von der aus ich mehrmals im Jahr die Umgebung erkunde – inzwischen auch viel über die Grenze hinweg. Deine Seite werde ich mir mal ansehen (hab eben gegooglet danach, weil der Link hier nicht funktioniert, es fehlt wohl das „-„). Schön zu sehen, dass es auf der anderen Seite des Haidels so ein Engagement gibt – manchmal hab ich schon das Gefühl gehabt, dass einige Einheimische gar nicht Schätzen, in welchem Naturparadies sie leben.

      Beste Grüße