29. Juni 2013 Lesezeit: ~2 Minuten

Anna träumt von Menschen und Eulen

Annas Bilder wirken entrückt. Sie zeigen sehr oft Portraits und erinnern an Filmstandbilder. Sie hält die Zeit an und doch läuft sie weiter, während Du schaust. Du verlierst Dich im Blick des anderen, folgst dem seinigen und damit ins Uferlose.

Anna fotografiert noch nicht lange. Nach ihrem ersten vollendeten Studium hatte sie einfach keine Lust mehr auf Texte. Sie wollte Bilder machen und so hat sie es noch einmal gewagt. Hat sich an der Ostkreuzschule beworben, wurde angenommen und studiert seitdem dort Fotografie und Gestaltung.

© Anna Eckold

Die Kamera rettet sie vor der Antriebslosigkeit, sagt sie.

Man denkt, heute versinke ich, nichts klappt und dann geht man fotografieren – und rettet sich, überwindet die Realität, man schafft eine neue, in Bildern.

Geboren und aufgewachsen ist sie in St. Petersburg. Die Stadt jedoch blockierte sie, hatte sie regelrecht belagert zwischen dem Wunsch zu sein und etwas sein zu müssen. Berlin dagegen empfindet sie als sehr befreiend, eine Stadt, in der sie sich neu erfinden darf.

© Anna Eckold

Am meisten faszinieren sie an der Fotografie die Menschen.

Da ist immer diese Gratwanderung zwischen der offensichtlichen Schönheit und der ungeschönten Weiblichkeit oder Männlichkeit.

Es sei schwierig, dann nicht die Mitte zu verfehlen. Aber ob das unbedingt sein muss, diese Mitte, das fragt sie sich auch. Denn eigentlich sei es ja viel interessanter, Portraits zu machen, die irgendwo da beginnen, wohin man normalerweise nicht gelangt, eben am Tiefpunkt oder am Aufschwung und gerade nicht in der Mitte.

Sie lässt ihre Bilder lange liegen, bevor sie sie entwickelt oder bearbeitet. Sie braucht die Distanz zum Machen und Erkennen. Denn gerade die Bilder, die ihr etwas bedeuten, die brauchen Zeit, damit sie sehen kann, was sie da überhaupt fotografiert hat.

© Anna Eckold

Anna spricht damit etwas aus, was viele Fotografen überhaupt motiviert, zur Kamera zu greifen. Fotografie ist die Motivation, etwas zu tun, hinauszugehen, zu kommunizieren und etwas mitzunehmen aus diesem Prozess.

Möchtest Du Annas Bildern folgen, dann schau bei Flickr vorbei oder besuch ihre Webseite.

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8 Kommentare

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  1. Wieder ein sehr schöner Artikel. Schön ist es, wenn man sagen kann, in Berlin durchatmen zu können. Gerade in dieser hippen Stadt stelle ich es mir schwer vor, seine eigene Mitte zu finden. Einfach zu viele Einflüsse prallen auf einen ein, um diese in Ruhe selektieren zu können.
    Es ist auch schön zu wissen, dass andere Fotografen ihre Bilder auch gern etwas ruhen lassen, um die wahre Qualität der Aufnahmen zu erkennen.

  2. Schöner Bericht, ich hätte mir auch noch mehr Bilder angeguckt- es gefällt mir aber Einblick in eine nicht zurechtgestempelt und verzerrte Art der Fotografie zu haben.
    “ Da ist immer diese Gratwanderung zwischen der offensichtlichen Schönheit und der ungeschönten Weiblichkeit oder Männlichkeit.“
    Schönes Zitat, ich erlebe es ähnlich- alles fallen lassen und sich für einige Momente auflösen.
    Weiter so!

  3. Es ist immer gut, sein Werk noch einmal mit Ruhe betrachten zu können, nicht nur in der Fotografie. Ich bin aber noch nicht soweit, in der Großstadt zu fotografieren, ich fange erst an und arbeite mich gerade durch die Natur :-) Ein interessanter Bericht, der mich antreibt!

  4. Der Artikel macht mir Lust von Tokyo nach Berlin zu ziehen – auf die Dauer wird der Trubel und die Menschenmengen hier zu viel, ich vermisse dieses „befreiende“, das erwaehnt wird, und das doch so wichtig ist.
    Zeit zum Durchatmen… ja, die zu finden erscheint immer schwieriger zu sein.

    Was die Bilder betrifft, da geht eine unglaubliche Ruhe davon aus (ausser vielleicht vom Titelbild, wo ich den Gesichtsausdruck ein wenig angespannt finde). Schoen.