18. Juli 2012

Serienvorstellung: I Feel Space

Wie Martin schon im Relaunchartikel beschrieben hat, war eines der Ziele des neuen Designs, das Foto mehr in den Vordergrund zu rücken. Dazu haben wir auch eine neue Kategorie hinzugefügt: Vollbild. Artikel dieser Kategorie erscheinen immer in voller Breite, also ohne Sidebar und sonstigen Schnick-Schnack.

Fotografisch interessiere ich mich sehr für Monotonie, Tristesse sowie klare, einfache Strukturen. Mich fasziniert die Vielfalt einfacher Erscheinungen, die ich in meinen Bildern aufgreife.

Alles wirkt ruhig und friedlich, so ruhig wie ich werde, wenn ich meine analoge Kamera in die Hand nehme und durch die Straßen ziehe. Bei meinem Beruf als Fotomedienlaborant im Fotolabor Görner kann man häufig feststellen, dass Fotografie gegenwärtig zu einer Art visuellen Gedankenstütze oder zur reinen Information verkommt.

Für mich sind Fotos aber mehr, das fängt schon bei der Vorbereitung an. Ich überlege mir, welchen Film ich einlege und welches Objektiv ich an meiner Hasselblad benutze. Beim eigentlichen Fotografieren wird so schon durch die Einfachheit der Technik die Geschwindigkeit auf Genuss gestellt. Wenn ich dann die Filme entwickelt vor mir liegen habe, rekapituliere ich die ganze Szenarie nochmals und habe doppelt etwas davon. Aber wie alles im Leben bestätigen Ausnahmen die Regel. So eine Ausnahme sind diese Bilder.

Eigentlich wurde hier kaum etwas geplant. Ich war im Oktober zu einer Geburtstags-Motto-Party eingeladen, die unter dem Thema „Roboter“ stand. Die Kostüme meiner beiden Freunde fand ich so schön und wir waren uns einig, dass es schade wäre, sie nur für den einen Abend leben zu lassen. So beschlossen wir, am nächsten Tag ein paar Fotos davon zu machen.

Wir machten uns ein paar Gedanken, wo denn die Kostüme am besten zu Geltung kommen und kamen nach vielen verrückten uns spaßigen Ideen zu dem Schluss, dass wir uns am nächsten Tag an einer nahegelegenen Kiesgrube treffen sollten.

Gesagt, getan. Das Wetter war nicht gerade das beste, es wehte kalter Wind, aber die Sonne stand wundervoll am Himmel. Ich packte die Hasselblad und ein paar abgelaufene Dia- und Farbfilme ein. Wir fuhren also alle zu der Kiesgrube und waren begeistert: Alle wussten, dieser Ort war wie für diese Kostüme geschaffen.

Die beiden Roboter schlüpften in ihre Anzüge, ich schaute mich um, maß die Belichtung und schon ging es los. Jeder steuerte ein paar Motivideen bei und so sprangen wir in der Kälte durch den Sand, auf den Förderbändern hin und her, wechselnden Filme mit zitternden Händen, lachten, genossen die Stimmung der Sonne, den Sand und die Kostüme.

Die ganze Serie gibt es auch bei Flickr.

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42 Kommentare

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  1. zuerst dachte ich..hmmmm und dann gefielen sie mir und die story dazu auch…wenn ich mir die fotos in sw denke dann könnte ich glauben sie sind auf dem mond entstanden so bin ich gerade in die GROßEN ;) fotos eingetaucht. danke

  2. Ich muss ganz ehrlich sagen, wenn nicht erwähnt wurde das es kalt gewesen ist an dem Tag, hätte ich gedacht, dass sich die beiden die Seele aus dem Leib geschwitzt haben.

    Coole Aktion, sieht echt lustig aus :).
    Die Location sieht echt richtig geil aus.

    • Man muss ja nicht gleich jede Fotoserie zur Kunst erklären. Für mich ist es einfach eine Serie von Aufnahmen, bei denen Thema, Location und Motive stimmig sind und die fotografisch gut umgesetzt ist. Mehr nicht. Aber das kann einem schon mal ein „Wow!“ entlocken. :)

    • Ich finde, die Kunst ist, zu erkennen und anzuerkennen, wenn etwas gut gemacht ist. Auch, wenn es einem nicht gefällt oder man nichts damit anzufangen weiß.
      „Gefallen“ist kein Kriterium.

  3. Ein Super Artikel mit genau der richtigen Menge Text und dafür viele grosse und grossartige Bilder!

    Klasse Idee mit den Anzügen und einfach nur schön mit dem square Format und den kräftigen Farben! Das reinste Vergnügen!

  4. So seht mir der neue Anstrich auch gefallen mag – dieses Template ist aus Usabilitysicht ein Graus. Der Text läuft viel zu breit. Zu dem Thema gibt es verschiedenste Ansichten – alle haben aber eine ziemlich ähnliche Auffassung: Die optimale Zeilenlänge ist zwischen 50 und 75 Zeichen. Alles was länger ist erschwert es dem Leser den Text zu erfassen und Zeilenanfang und -ende zu finden. Das hätte durchaus noch Verbesserungspotential ;)

    Trotzdem schöne Bilder und richtiger Ansatz diese vollflächig zu zeigen.

    • Hallo Robin, wir sind uns der Problematik bewusst, dass in diesem Format die Zeilen zu lang laufen. Daher wird es hier auch immer alles andere als textlastig zugehen. Die weiteren Beiträge werden sehr wahrscheinlich sogar noch weniger Text haben als dieser Beitrag hier. Das ist unser Kompromiss, da wir Bilder nicht gänzlich ohne Kommentar zeigen wollen.

  5. Eine klasse Serie, in meinem Kopf springt „Intergalactic“ von den Beastie Boys an und vervollständigt die dichte Atmosphäre der Bilder. Plötzlich: Breaking Bad! Ein Assoziationsgelöt vom Allerfeinsten… ;-)

    Außerdem: Euer Vollbildformat rockt. Gerne mehr! ;-)

  6. Ich wiederhole mich gern! Wer jetzt immer noch „Clofoto/Fotocommunity“ &Co liest, oder noch schlimmer abonniert, dem ist einfach nicht zu helfen… Oder sich in den immer infantiler werdenden Dxyz-Forenkasperletheatern umtreibt. Für eine Vielzahl „User“ ist analoge Fotografie eh nur eine „Hype“. Na dann lassen wir diese Theoretiker doch bei ihrer Meinung und in den Kindergärten. Da sind sie bestens aufgehoben. Ich steh‘ zu meinem PHOTONEWS-Abo. Dazu kwerfeldein und gut ist! Danke für diesen Beitrag und das neue – vergleichsweise – RIESEN-Format!!

    Ralf

  7. noch ein Verständnis Problem: „… Beim eigentlichen Fotografieren wird so schon durch die Einfachheit der Technik die Geschwindigkeit auf Genuss gestellt. ….. und habe doppelt etwas davon. Aber wie alles im Leben bestätigen Ausnahmen die Regel. So eine Ausnahme sind diese Bilder.“
    Jetzt muss auch ich fragen: Häää???
    Die Geschwindigkeit wird auf „Genuss“ gestellt??? :kopfkraz:
    Und wieso sind diese Bilder“eine Ausnahme“, soll dann also heißen, dass Du hier KEINEN „doppelten Genuss“ hast (also max. einen einfachen, vielleicht auch gar keinen Genuss)???

  8. Tolle Sache. Mir gefällt die Idee und die optische Umsetzung. Vor allem aber gefällt mir, wie sehr aus den Bildern der Spaß an dieser Idee spricht. Die Lust und Unverkrampftheit mit der diese fantasievolle „Spielerei“ angegangen wurde kommt für mich voll rüber. Wirklich sehr schön!

  9. Ich habe den Artikel regerecht verschlungen. Toller Text, feine Stimmung, Hammer Licht, wunderbare Kostüme und richtig gute Bildideen. Die Wahl der Kiesgrube passt perfekt! Sehr gut also!!!

  10. Tolle Bilder! Haben für mich (durch die Farben) etwas Warmes,
    Und durch die Szenen teilweise etwas witziges. Musste spontan bei
    einigen nicht nur schmunzeln.

    Mit der Geschichte aber auch die Bestätigung einer alten Weisheit, welche
    besagt, dass spontanes meist die besten Aktionen sind.

    Gruß,

    Andreas

  11. Sau schön. Habe gerade eine Weile überlegt, welches mir am besten gefällt, aber das tolle ist ja eben die Serie.
    Danke für die Ermutigung, meine Analogkamera jetzt auch wirklich mal wieder in die Hand zu nehmen…

  12. Hab eigentlich nicht erwartet, dass mir die Serie gefällt, als ich sie angeklickt habe. Aber ich muss sagen, einsame spitze. Mir gefällt, dass es so unwirklich wirkt, man sich trotzdem denken kann an welchen Orten die Bilder aufgenommen wurden und man auch sehen kann, wie die Kostüme gemacht wurden. Einfach diese Mitte zwischen realistisch, unrealistisch und die Umsetzung mit „einfachen Mitteln“. Sehr toll :)

  13. Am besten finde ich das Foto mit dem G-Stiefel, das ging gut als Werbung durch. Die Serie an sich gibt mir nichts. Erinnert mich eher an alte Sc-Fi Movies, wem so etwas gefällt der wird an dieser Serie auch seine Freude haben. Für mich persönlich wirkt es halt irgendwie nach: „Machen wir mal schnell eine Serie …“.

    Aber das ist natürlich eine persönliche Meinung, mein Eindruck den ich durch die Bilder gewinne. Wie man sieht gibt es ja genug denen es gefällt ;)

  14. Blogartikel dazu: Guck ich gern an: Georg Müller - Holger Altgeld