22. Februar 2012 Lesezeit: ~6 Minuten

Drei Wochen Jagd nach dem Licht

Im letzten Jahr war ich in Schottland, um die Landschaft zu fotografieren. Auf der Tour mit dem Auto durch den Norden Großbritanniens habe ich die dortige Natur kennengelernt. Und vor allem das Wetter. Dies ist ein Reisebericht davon.

Schottland. Ich wollte schon immer mal nach Schottland. Auch schon, als ich noch nicht fotografiert habe. Meine Vorstellung war eine dunkle, wenig bevölkerte Landschaft. Mitunter war es auch so. Als mich dann eine befreundete Fotografin fragte, ob ich für drei Wochen mitkommen wollte, musste ich nicht lange überlegen.

Nach einer Nacht auf der Fähre vom Amsterdam nach Newcastle begrüßte uns Großbritannien wie erwartet – grau und mit Regen. Es war von vornherein klar, dass wir die Kosten niedrig halten und mit Selbstverpflegung in Hostels übernachten wollten.

Drei Wochen auf der Jagd nach dem Licht
Sonnenaufgang in Talmine Beach – 08:22 Uhr

Ein paar Nächte hatten wir gebucht, aber unser Plan war, zu sagen: Wenn das Wetter nicht mitspielt, dann bleiben wir eben noch eine weitere Nacht. Nach einer Nacht in England und einem tollen Sonnenaufgang am Hadrians Wall fuhren wir Richtung Norden und damit nach Schottland. Es gibt wirklich viele sehenswerte Orte. Am Anfang gab es noch etwas Wald, aber je nördlicher wir kamen, umso weniger Bäume waren zu finden.

Wir standen zu fast jedem Sonnenaufgang auf, fotografierten oder scouteten den ganzen Tag und waren auch zum Sonnenuntergang noch draußen. An der Nordküste angekommen, hatten wir ein paar wirklich raue Tage, in denen auch die Stative an ihre Grenzen kamen. Allgemein wechselt das Wetter in Schottland sehr schnell. Regnete es mal, so konnte man einfach zehn Minuten warten und es war wieder vorbei.

Drei Wochen auf der Jagd nach dem Licht
Sonnenaufgang am Rua Reidh Leuchtturm – 08:10 Uhr

Die erste Woche war nun vorbei. Ich fühlte mich jetzt wirklich in Schottland angekommen, hatte mich langsam an das Wetter gewöhnt und war froh, noch zwei Wochen vor mir zu haben. Entlang der Westküste fuhren wir langsam Richtung Süden. So viele Motive, Strände, Berge, Seen und Felsen waren zu sehen.

In besonderer Erinnerung wird mir ein einsamer Leuchtturm bleiben, in dessen Wärterhaus wir übernachteten. Abgeschnitten vom Straßennetz wurde dieser früher nur vom Seeweg aus beliefert. Wir verbrachten hier zwei Nächte und waren froh, das Auto mal nicht benutzen zu müssen. Man fährt jeden Tag drei bis vier Stunden, sieht dabei zwar viel, sitzt aber trotzdem eben nur im Auto. Rundherum um den Leuchtturm gab es nichts als Felsen und Wiesen.

Ich hatte genug Zei,t um viele Studien in Form von Langzeitbelichtungen zu machen, Robben zu beobachten oder einfach nur mit dem Buch auf dem Bett zu verbringen. Weiter Richtung Süden. Die Isle of Skye lag vor uns. Auch hier ist die Landschaft beeindruckend, allerdings sind die Motive der bekannten Plätze „overphotographed“.

Drei Wochen auf der Jagd nach dem Licht
Sonnenuntergang in Elgol Beach – 17:10 Uhr

Schottland gehört sicher zu einer der meistfotografierten Gegenden Europas. Jedes Jahr kommen hier viele Landschaftsfotografen her, eben weil die Landschaft so beeindruckend ist. Man trifft auch an den bekannten Spots zu fast jedem Sonnenauf- oder untergang andere Fotografen an. Ich habe im Vorfeld versucht, mir nicht allzu viele Fotos anzuschauen, um nicht vorgefertigte Bilder im Kopf zu haben. Genau das ist aber sehr schwierig.

Man hat trotzdem bestimmte Plätze abgespeichert und fährt dann dorthin, um das Bild, das es schon unzählige Male gibt, noch einmal zu fotografieren. Ich höre Euch jetzt sagen: Ja, das stimmt, aber man macht es doch immer noch ein wenig anders; das Wetter ist anders oder man findet eine neue Komposition. Das stimmt zum Teil, aber dass die Bilder sich im Kopf bereits eingeprägt haben, hat auch den Grund, dass es bereits interessante Bildkompositionen, Stimmungen und Wetterverhältnisse sind.

In Schottland habe ich gelernt, dass mich diese „Collector Shots“ überhaupt nicht reizen. Landschaften zu bereisen, um dort Bilder „einzusammeln“, die schon gut gemacht wurden, finde ich einfach unkreativ.

Drei Wochen auf der Jagd nach dem Licht
Sonnenaufgang am Quirang – 09:15 Uhr

Die zweite Woche war vorbei, trotzdem lag für mich das Herz dessen, was ich mir an Stimmung in Schottland vorstellte, noch vor uns: Glen Coe. Es folgten zwei der seltenen Tage, an denen es in Glen Coe fast ganztägig regnete. Mit dem Buch in der Hand wartete ich den Regen im Auto ab. Denn die staatlichen schottischen Hostels haben den Nachteil, dass sie tagsüber geschlossen sind.

Das ist zum einen gut, denn man wird quasi gezwungen, raus zu gehen und etwas zu unternehmen, bei Mistwetter verbringt man dann aber leider die Zeit im Auto oder in einem Pub. Man kann in Schottland generell auch nicht schnell reisen, denn es gibt im Norden keine Autobahnen. Die meisten Straßen sind nur einspurig mit Ausweichen, so dass man für 100km gern mal 2,5 Stunden braucht.

Noch etwas anderes war für mich neu: Viele Wanderwege sind keine befestigten Pfade wie wir es aus Deutschland kennen, sondern eventuell gibt es einfach keinen Pfad und man läuft einfach über die Wiesen. Im Herbst sollte man immer wasserdichte Schuhe oder gleich Gummistiefel dabei haben, denn es ist überall nass.

Nachdem ich in Glen Coe die dunkle Atmosphäre aufnehmen konnte, genau so wie ich sie mir vorgestellt hatte, war ich auch froh, dass wir wieder zur Ostküste weiterfuhren.

Drei Wochen auf der Jagd nach dem Licht
Stürmischer Tag in Glen Coe – 13:37 Uhr

Es war nie schwer, ein Hostel zu bekommen, denn fast alle Hostels hatten Internet oder man konnte die nächste Übernachtung direkt an der Rezeption buchen. Im Gemeinschaftsraum lernt man jeden Abend neue Leute kennen, viele davon Reisende, die sich eine Auszeit von ihrem Leben nehmen.

Gerade gekündigt, Job verloren, Sabbatical, Weltreise, hier findet man alles. Auf die Frage, wie es in der Zukunft nach der Reise weitergehen wird, merkt man keine Furcht in den Antworten. „Ich werde schon irgendwo etwas Neues finden“, war meist die Antwort. Um Karriere, Lebenslauf oder ähnliches sorgt sich keiner.

In der Nähe des Bamburgh Castle verbrachten wir noch zwei Tage, um das Auto dann in Newcastle wieder auf die Fähre zu laden und den Heimweg anzutreten.

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31 Kommentare

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  1. danke für den schönen und auch informativen reisebericht. da ich ebenfalls vorhabe, schottland in diesem jahr zu bereisen, freute es mich besonders, schon mal vorab über deine erfahrungen zu lesen.

    die bilder sind hervorragend, wie ich finde, auch wenn man diese art von bildern schon x-mal zu gesicht bekommen hat. es ist eben schon etwas anderes, wenn man solche fotos selber gemacht hat. favorit: natürlich das s/w von glen coe :-).

  2. Schöner Bericht und tolle Fotos.

    Aber „In Schottland habe ich gelernt, dass mich diese “Collector Shots” überhaupt nicht reizen. Landschaften zu bereisen, um dort Bilder “einzusammeln”, die schon gut gemacht wurden, finde ich einfach unkreativ.“

    Nicht sehr kreativ vielleicht, aber man muss auch bedenken, dass die meisten der spektakulärsten Spots schon fotografiert wurden. Auch wenn es vll. unkreativ erscheint, nehme ich die Fotos trotzdem mit!

    Das einsammeln macht doch egtl. jeder erstmal und es ist auch nichts schlimmes dabei! Wenn man schon weit reist ,möchte man ja auch sichergehen, dass man ein paar „sichere Keeper“ mit nach Hause bringt.

    Und deine letzten drei Bilder gehören ja auch zu diesen „Collector Shots“ ;-)

    Grüße

  3. Schöne Bilder … mein Ziel wäre Australien. Aber ich glaube das wird sich erst in vielen Jahren realisieren lassen, wenn die Kinder groß genug sind.

    Aber mal sehen wohin mich die Fotografie noch so führen wird, es muss nicht zwangsläufig so weit sein … aber schön ist es trotzdem.

  4. Gut geschriebener Artikel und schöne Bilder!

    Zu dem Punkt „Bilder einsammeln…..finde ich einfach unkreativ“ habe ich den Gedanken, dass es aber auch merkwürdig ist, dass so viele Fotografen mit den gleichen Bildern nach Hause kommen. Oft sind es die gleichen Ausschnitte, Perspektiven, ähnliche Belichtung, also meist Langzeitbelichtung, bei Sonnenauf- oder Untergang mit schön dramatisch bewölktem Himmel. Die Bilder erstrahlen zudem alle in den gleichen Farben und scheinen tatsächlich irgendwie auswechselbar zu sein. Als gäbe es einen Code, der bestimmt, wie ein Landschaftsbild aus Schottland auszusehen hat. ;-)
    Oder hängt es vielleicht damit zusammen, dass man dort hin fährt, eben weil man genau diese Bilder reproduzieren will?

    Mir gefallen diese Bilder sehr und wenn ich mal in Schottland bin, werde ich wohl auch mindestens ein paar Mal die sich eventuell einstellende Kreativität zur Seite schieben und genau solche Bilder machen wollen ;-)

  5. Sehr schöner Bericht!!!

    Ich bin bereits den West Highland Way durch Schottland gewandert und kann es jedem der Schottland einmal hautnah erleben möchte nur ans Herz legen das Land auf diese Art zu bereisen. Dabei kommt man auch an Stellen vorbei, die noch nicht ganz so oft fotografiert worden sind! Vorallem, wenn man einfach mal 10 Minuten vom Weg abweicht :)

  6. Hallo zusammen…

    Seid mir nicht böse, aber ein großteil der Landschaftsfotografien, die ich in letzter Zeit im Netz, nicht nur bei kwerfeldein, sehe erscheinen mir austauschbar. Auch als ich die Galerie-Thumbs auf Matthias Webseite sah hatte ich das Gefühl, daß sie alle gleich aussehen.

    Geht das nur mir so?

    Gruß Maude

      • Hallo Matthias!

        Landschaftsfotografie dieser Art (HDR, WW, Komposition, tiefe Sonne, ND – oder Verlaufsfilter, feste Komposition mit Diagonalen usw.) scheint mir gerade Mainstream zu sein. ALLE Bilder sehen gleich aus, ob in Schottland, Franreich, Seychellen, oder von sonstwo (MJ weiter unten hat dazu ja eine schöne Linkliste).
        Dazu finde ich die einleitenden Worte aus dem Wikipediaeintrag
        http://de.wikipedia.org/wiki/Kitsch passend:
        „In Gegensatz gebracht zu einer künstlerischen Bemühung um das Wahre oder das Schöne, werten Kritiker einen zu einfachen Weg, Gefühle auszudrücken, als sentimental, trivial oder kitschig.“
        Sorry vielleicht zu hart. Der einfache Weg ist hier für mich die Verwendung des immer gleichen Schemas.
        Verstehe mich nicht falsch: ich möchte nicht für mich in Anspruch nehmen bessere Fotos zu machen. Aber so wie Dich die „collector shots“ nicht reizen, habe ich generell meine Probleme mit diesem „Massenphänomen“.

        Gruß Maude

  7. Mich würde mal interessieren, wie denn ein typischer (?!) Schotte aussieht :-) Oder die Dörfer, in denen typische Schotten wohnen.

    Denn wie schon angemerkt, die Landschaft in Schottland scheint immer ähnlich zu sein (saftige Wiesen, schroffe Felsen, und ein raues Meer, das man nur mir ND Filter glätten kann / muss), und die Sonne scheint in Schottland wohl auch meistens am untergehen in zartrosa Pastelltönen zu sein.

  8. Ein sehr schöner Beitrag. Bild 1 (vielleicht) den Himmelbereich etwas zu kräftig abgedunkelt, aber das ist sicher Geschmackssache. Beeindruckende Langzeitbelichtungen, von denen ich gern wissen möchte, ob sie digital oder analog gemacht wurden…
    Ich habe manchmal den Eindruck, dass der Effekt der LZ.- Bel. nur auf Film so gut kommt. Ist es mein Irrtum?
    Als „Dankeschön“ ein Link auf Bilder, die ich vor 30 Jahren auf Sensia mit der Bronica SQ-A machte. Weiterhin GUT LICHT! Klaus Ender

    http://www.klaus-ender.de/publikat/poster/nebel/mein_freund_der_nebel_idx1.html

  9. Es tut mir leid wenn ich sagen muss, dass die Bilder mich nicht sonderlich berührt haben. Vor allen Dingen gehen mir HDR-Fotos langsam auf den Sac, auch wenn ich mit der Meinung wohl mal wieder gegen den Strom schwimme.

  10. Schöne Fotos zeigst Du hier,auch wenn es sie vielleicht so oder ähnlich schon x-mal gibt lassen sie einen doch immer wieder in Gedanken in die schöne Natur und Landschaft unserer Erde abschweifen.Schottland scheint echt ein tolles Reiseziel für Fotografen zu sein,werde mir das auch mal auf die Liste der zu bereisenden Länder setzen….Danke für den Artikel.

  11. ja.. ich hab nun mal die letzten landschaftsartikel angeschaut, immer wieder dasselbe. total knallige farben, hdr, weitwinkel etc. wo ist schwarzweiss? wo ist minimalismus? wo sind mal „mehr als 17mm brennweite“?.. einfach mal was anderes zum thema landschaft.

    http://kwerfeldein.de/index.php/2012/02/21/die-redaktion-stellt-sich-vor-michael-breitung/

    http://kwerfeldein.de/index.php/2012/01/20/neuseeland-kurzbericht-aus-der-sicht-eines-landschaftsfotografen/

    http://kwerfeldein.de/index.php/2011/12/23/warum-benutze-ich-verlaufsfilter/

    http://kwerfeldein.de/index.php/2011/12/17/wales-rain-or-shine/

    • @MJ drei von den genannten Artikeln sind von mir. Also kein wunder, dass „immer wieder dasselbe“. Und der Neuseelandbereicht ist von einem Kollegen ;-) Wir sind halt alle fans von bunten Fotos *gg*

      Muss ja nicht jeder mögen ;-)

  12. Blogartikel dazu: linkTime – März 2012 – #1 | linkTIME | bhoffmeier.de