31. Dezember 2011 Lesezeit: ~13 Minuten

1 Jahr schwarzweiß, Quadrat & Straße.

Zugegeben: Es ist keine neue Idee, ein Jahr rückblickend zu beschreiben. Interessanterweise habe ich jedoch vor fast exakt zwölf Monaten ein Projekt begonnen, das ich bis heute verfolge. So bietet es sich erst recht an, zu reflektieren, was sich mir in einem Jahr Fotografieren erschlossen hat, respektive welche Fragen sich neu gebildet haben oder sogar unbeantwortet blieben.

Ich habe hin und her überlegt, ob ich meine Gedanken hier der breiten Öffentlichkeit zugänglich machen soll. Ob es einen Mehrwert haben wird für den Leser, der Neues über die Fotografie wissen will, denn ich habe im letzten Jahr das Rad ganz sicher nicht neu erfunden.

So drängte sich die Frage auf: Was ist schon ein Jahr? Ein Jahr ist doch gar nix, eigentlich.

Zeit ist jedoch nur ein Faktor in dieser Rechnung. Ein weiterer – und in meinen Augen wesentlicher – ist der, wie viel man in dieser Zeit fotografiert. Und ich kann sagen: So viel und so häufig wie in den letzten zwölf Monaten habe ich bisher noch nie fotografiert. Dabei vergleiche ich mich nicht mit anderen, sondern lediglich mit mir selbst.

So viel war es nicht nur allein nach Klickzahlen in Form von Auslösungen, sondern auch die effektive Zeit an der Kamera: In Momenten stillen Erwartens neuer Fotografien, der Freude über einen Treffer oder das Herumtrotten in der Karlsruher Fußgängerzone, die Kamera am Anschlag. Ungefähr 600+ Bilder habe ich auf Flickr geladen und alle gehören für mich – ich betone: für mich – in die Kategorie tauglich.


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Doch nun mache ich einen Sprung in die Vergangenheit und zwar in den November 2010. Ich hatte ein Burnout hinter mir und das auch im Bereich der Fotografie. 2010 war das Jahr, in dem ich keine Lust mehr auf Landschaften hatte, aber auch keine neuen Ideen. Ich wollte weitermachen, wusste aber nicht wie oder wo. Und ich hatte keinen Bock mehr darauf, das fünhunderachtundsiebzigste Bild eines einzelnen Baumes im Sonnenuntergang zu machen – für die versierten Leser dieses Magazines keine Neuigkeit.

Doch dann kam der Umzug. Weg vom Land, rein in die Stadt. Tapetenwechsel, ein Neuanfang, der mir gut tat. Und alles andere als Landschaft, nämlich: Stadt. Buntes Leben auf der Straße, Autolärm, Vielfalt der Hautfarben, Sprachen und Akzente. Chaos, Schnelligkeit und vor allem: Menschen, Menschen, Menschen.

Ich hatte schon einmal in der Stadt gelebt, doch dieses „zweite Mal“ war wie – Achtung: Kitsch – Liebe auf den zweiten Blick. Mir gefiel die tosende Unordnung. Das Dreckige, Unsaubere, Nichtsoglattgebügelte. Kurzum: Ich fühlte mich und ich fühle mich bis heute: Pudelwohl.

Jedoch ist mir auch bewusst: Die Kraft der Abwechslung wird irgendwann nachlassen. Denn das, was man nicht (mehr) kennt, ist immer am interessantesten. So hatte Martina Mettner recht, als sie sinngemäß schrieb: „Der Bauer fotografiert die Kuh auf dem Lande nicht, der Städter schon.“ Bei mir verhielt es sich bloß umgekehrt, ich fotografierte in der Stadt, weil ich Dorf und Landschaft nicht mehr sehen konnte.

Doch die reine Freude war nur der erste Teil, die Vorraussetzung. Der zweite Teil, der auch vonnöten ist, heißt bei mir Struktur. Regelmäßigkeit, ein fester Rahmen, in dem ich mich austoben kann. „Stadt ist schön“ reicht da nicht, auch wann und wie musste festgelegt werden.

So machte ich mit mir selbst eine Vereinbarung. Und die sah so aus:

  1. Jeden Tag mindestes zehn mal den Auslöser betätigen.
  2. Schwarzweiß.
  3. Finales Bild in quadratischer Form.
  4. Stadt und Alltägliches.
  5. Erstmal ein Jahr lang.

Diese Vereinbarung machte ich nicht öffentlich, zumindest nicht in dieser präzisen Form. Solche Dinge behalte ich gern für mich, tüftle im Hintergrund in aller Ruhe etwas rum und zeige ab und zu ein Bild. So stehe ich nicht unter Druck, da ich keine Versprechungen gemacht habe. Innerhalb des Jahres habe ich die Bedingungen hier und da etwas angepasst, aber auch das ist kein Problem, wenn man so einen Deal nur mit sich selbst macht.

So begab ich mich also auf eine Reise mit der Kamera. Jeden Tag mindestens zehn Bilder. Auf der Straße und unterwegs. Im Quadrat. Schwarzweiß.

 
 

Schwierigkeiten

Nach einem enthusiastischen Start von zwei Monaten, in denen ich immer mehr als zehn Bilder pro Tag gemacht hatte und eigentlich alles super lief, begannen auch die inneren Kämpfe. Willst du wirklich immer schwarzweiß fotografieren? Warum beschränkst du dich auf das Quadrat? Ist das vielleicht nur ein Zwang? Und so viel fotografieren, was soll das bringen?

Manchmal hatte ich – wen wundert’s? – keine Lust zu fotografieren, auch wenn die ab dem dritten Klick meist von selbst kam. Eine Vereinbarung mit sich selbst zu treffen ist eine Sache, das dann auch umzusetzen aber eine ganz andere. Auf Farbfotos grundsätzlich zu verzichten und sich dem „stylischen Schwarzweiß“ zu verpflichten klingt zwar super, ist es aber nicht immer.

Es gab Momente, in denen ich am liebsten das ganze Projekt mitsamt Kamera in die Tonne getreten hätte. In denen ich dachte, Jo, pffft, schwarzweiß. Drauf geschissen. Ich mache ab jetzt wieder Farbe und Querformat. Schließlich wusste ja fast keiner davon.

Und nicht selten habe ich den Farbe-Schwarzweiß-Vergleich – meine Güte Farbe ist ja wunderwundervoll ich muss sofort nur noch Farbe machen oh da ist ein Einhorn – gemacht, um mich dann am Ende bis auf Ausnahmen doch wieder für schwarzweiß zu entscheiden. Dieses Vergleichen machen so ein Projekt weiß Gott nicht einfacher. Aber auch das gehört dazu.

Außerdem habe ich mir erlaubt, die Regeln der Vereinbarung zu brechen. So habe ich hier mal ein anderes Format benutzt, da mal eine Woche Pause gemacht oder gar ernsthaft Farbfotos ins Internet gestellt. Diese Lockerheit hat mir aber schlussendlich dabei geholfen, das Ding durchzuziehen. Geschätzte 95% aller Fotos (Hochzeitsfotos ausgenommen) entsprechen der abgeschlossenen Vereinbarung. Diese nun im Detail.

Jeden Tag mindestens zehn Fotos

Als erste Rahmenstruktur habe ich mir selbst die Aufgabe gestellt, mindestens zehn Fotos zu machen. Und ja, klar, ich hätte auch zehn Mal mit geschlossenem Objektivdeckel abdrücken können, aber darum ging es nicht. Ich wollte einen Richtwert haben, ein Minimum, das für mich machbar klang. Und das war es.

Denn – wie hier schon angesprochen – es blieb eigentlich nie bei den zehn Fotos. Meist kam, wie das Sprichwort sagt, „der Appetit beim Essen“ und als ich mal angefangen hatte, wollte ich so schnell nicht mehr aufhören. Es fühlte sich manchmal an wie ein Tanz mit der Kamera, in den ich eingrooven konnte und nach einer kurzen Weile lief es wie von alleine.

Das ging soweit, dass ich, wenn ich mal nicht fotografieren konnte, spürte, dass irgendetwas komisch war. Dass etwas fehlte. Und dieses Fehlen spüre ich bis heute, wenn ich mal längere Zeit nicht fotografiert habe.

Ich war schon immer jemand, der gern fotografiert hat, aber diesen engen Bezug zum Klick und zur Kamera hatte ich bisher noch nie. Außerdem werde ich mittlerweile kribbelig, wenn ich am Rechner nichts zu bearbeiten habe.

Gegen Ende diesen Jahres habe ich die Regelung dann umgeschmissen und statt täglich ein bisschen, lieber jeden zweiten Tag etwas länger fotografiert. Ohne Überwindungsprobleme. Es gehört dazu, wie das Frühstück nach dem Aufstehen. Ich brauche keine Inspiration, sondern ich weiß, was ich tun werde. Und auch, wie.


Schwarzweiß

Schwarzweiß spricht anders zu mir als Farbe. Warum, das kann und will ich gar nicht begründen. Ob ein Schwarzweißbild „mehr Emotionen“ transportiert oder nicht, ist mir gelinde gesagt, zu hochgestochen. Jedoch hält schwarzweiß auch ob seines historischen Werdegangs die Zeit an und allein das reichte für mich Ende 2010 als Grund aus, es einfach mal zu probieren.

So habe ich mein Kameradisplay auf der Rückseite der Kamera auf schwarzweiß gestellt, um vorausahnen zu können, wie das Finalbild aussehen wird. Diese Funktion hat es mir leicht gemacht, Farben zu ignorieren und schon bei der Bildüberprüfung vor Ort monochrom zu sehen. Es wäre mir wesentlich schwerer gefallen, bei schwarzweiß zu bleiben, hätte ich am Display noch die Farben gesehen.

In Lightroom war der erste Schritt immer, direkt beim Importvorgang das Raw gleich monochrom umzuwandeln. So habe ich nie ein Farbbild gesehen. Außer vor Ort mit den Augen, natürlich.

Manchmal habe ich auf das Machen eines Fotos deshalb verzichtet, weil die Farbe eine Leitkomponente war, ohne die das Bild nicht funktioniert hätte. Und manchmal habe ich mich im Nachhinein dagegen entschieden, ein Bild in Lightroom zu bearbeiten, weil es eben nur in Farbe gewirkt hätte.

Ein Beispiel? Vor zwei Wochen fotografierte ich ein knallgelbes Rad vor einer alten Wand. In Farbe wirkte das. Schwarzweiß hingegen überhaupt nicht. Ergo: Bild gelöscht. Und nein, ich habe da keine Hemmungen mehr und trauere den nichts gewordenenen Bildern keine Träne hinterher. Warum auch?

Nüchtern betrachtet hat mir die Jahres-Übung dabei geholfen, meine Fotografie etwas zu reduzieren. Eine Komponente (Farbe) wegzunehmen und dann zu gucken, was ich mit schwarzweiß so alles anstellen kann. Und das ist eine ganze Menge, wie ich feststellen durfte.

Quadrat

Ich mag quadratische Bilder. Seitdem ich fotografiere. Die vier gleich langen Seiten bringen eine Ruhe mit sich, die auf das, was innerhalb des Rahmens ist (also das Bild), wirken. Ich würde das Quadrat als beruhigend, friedlich und schlicht bezeichnen. Und als ein Fan von Minimalem habe ich über die Monate eine positive Beziehung zum Quadrat entwickelt.

Doch das ging nicht ohne Kämpfe. So gab es Zeiten, in denen ich jedes andere Format dem Quadrat vorgezogen hätte. Weil es nicht passte oder weil irgendein ganz ganz wichtiger Bestandteil des Bildes durch das Freistellen verlorenging.

Scheiß Quadrat, dachte ich manchmal. Da fotografierst du mit einundzwanzig Megapixeln ein Rechteck und schneidest mit eigener Hand bei jedem beschissenen Bild beinahe die Hälfte wieder raus. Super!

Doch meist hatten sich Ausfälle wie dieser spätestens am nächsten Tag erledigt, denn dann kamen neue Bilder und Möglichkeiten. Und oft gab ich mir einen Ruck und zog die Sache durch. Warum? Aus Prinzip. Und weil ich es gut finde, Sachen konsequent zu Ende zu bringen; auch, wenn es mal weh tut.


Stadt & Alltägliches

Im letzten Jahr war ich so häufig wie möglich auf der Straße und habe versucht, das, was ich dort interessant fand, aufzunehmen. Oft sind in meinen Bildern Menschen zu sehen, aber auch nicht immer.

Im Laufe der Monate hat sich auch herauskristallisiert, dass ich gerne Menschen im Kontext zeige – so, dass um sie herum genügend Platz für die urbane Architektur oder eine Allee mit Bäumen ist. Es hat etwas Zeit gebraucht, diese Vorliebe für mich klarzustellen, sie zu definieren. Doch seitdem ich mir darüber bewusst bin, fällt es mir leichter, genau diese Form der Menschenfotografie zu verfolgen.

Weiter habe ich mir die Freiheit gelassen, alles Mögliche zu fotografieren. Versucht, mich jedes Mal intuitiv auf das zu konzentrieren, was ich zum gegebenen Zeitpunkt interessant fand. Das hat mir genügend Spielraum gelassen und der war wichtig.

Denn mein Ziel ist es nicht, „klassischer Straßenfotograf“ (was auch immer das ist) zu sein, sondern herauszuarbeiten, was mir persönlich gefällt oder in einer Situation wichtig ist. So finden sich in meinen Fotos auch Dinge, nicht gar nicht so wirklich in das Bild der Straßenfotografie passen wollen. Und auch nicht müssen.

Erstmal ein Jahr lang

Nach ungefähr drei Monaten entschied ich mich, meine Vereinbarung auf ein Jahr auszuweiten. Denn ich merkte, dass ich noch viel mehr üben musste. Dieses Jahr ist jetzt um. Ich bin also eigentlich fertig mit meinem Projekt.

Ich könnte theoretisch mit meinem Projekt abschließen und etwas Neues anfangen. Doch ob ich das tue, weiß ich noch nicht. Im Moment sind für mich alle Optionen offen, eine neue Vereinbahrung mit mir zu treffen oder eine Verlängerung dranzuhängen. All das steht für mich in den Sternen und bis ich mir darüber im Klaren bin, werde ich erst einmal so weitermachen wie bisher.

Mein Projekt hat, neben den vielen Bildern, die ich zeigen konnte, auch einen anderen für mich sehr wesentlichen Effekt gehabt: Ich habe meinen optimalen Rhythmus gefunden, mir die Angewohnheit zugelegt, so oft wie möglich zu fotografieren. So ist dies für mich erst der Anfang. Und die Fortsetzung, die folgt 2012.

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54 Kommentare

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  1. Ein klasse Ergebnis eines Jahres. Alle hier gezeigten Bilder wirken rund und in sich abgeschlossen. Und was mich besonders anspricht: es ist ein Stil erkennbar, der sich durch alle Aufnahmen zieht – dein Stil.

  2. Tolles Projekt, vor allem gefallen mir die „Regeln“ welche du dir selbst aufgelegt hast. Die geben dem Ganzen einen festen Rahmen und du weißt immer worum es geht.

    Finde es auch nicht schlimm, dass du das ein oder andere mal die „Regeln“ gebrochen hast. Schönes Projekt, vor allem sehr inspirierend!

    Sollte mir so ein Projekt für 2012 auch zulegen ;)

  3. Chapeau! Ich finde deine s/w-Bilder meistens klasse, insbesondere die kräftige Kontrastzeichnung. Ich für meinen Teil würde mich über eine Fortsetzung und einen oder mehrere Artikel mit Bildbearbeitungstipps zu den Fotografien freuen.

    In dem Sinne: Danke und einen guten Übergang!

    LG vom Jochen

  4. Für einen wie mich, der die Fotografie erst vor kurzem für sich entdeckt hat, war es eine Freude über dein Projekt zu lesen. Dies hat zur Folge, dass ich mir für 2012 auch ein Projekt vornehme – ab ans Brainstorming ;)

    Eine Frage noch: das Bild im Wald mit den Zugschienen, ist das in der Nähe von Karlsruhe entstanden? Der Ort hat mir auf den ersten Blick gefallen! Vielleicht ist es ja nicht so weit von mir aus ;)

  5. howdy martin,

    ich höre gerade durch zufall fragile von sting ( http://www.youtube.com/watch?v=n5DJ2ovQUk0 ) und betrachte dabei dein foto mit dem zaun und bekomme eine unweigerliche gänsehaut….das foto und der song lösen gerade etwas in mir aus und ich merke wie ich deinen text verarbeite und immer mehr in das fantastische foto eintauche. jeder kennt die eigenen kriesen gut genug um seine schlüsse aus deinem text zu ziehen. ich schöpfe gerade neue kreative kraft…dank dir dafür. eine guten rutsch und auf ein neues im jahr 2012…

  6. Danke für diesen Beitrag. Nach vielen Fotos die ich via Flickr usw. von dir gesehen habe ist es spannend die Gedanken und Gefühle dahinter zu erfahren.
    BTW: Ich wohne auf dem Land und mag alleinstehende Bäume, seit ich diese bei Dir gesehen habe. 2x habe ich die Bäume und das Dorf auch in SW und quadratisch fotografiert. Sozusagen ein Landei-Plagiat ;)

  7. Danke für deine Beispiele! Dein Vorhaben hat sich gelohnt. Viele deiner Bilder erzeugen ziemliche Emotionen bei mir; gerade solche Bilder wie das Hochhaus mit den Schäfchenwolken, keine Ahnung warum! Obwohl das Quadrat an sich eine statische Proportion ist, passiert mir oft dasselbe wie dir: Innerhalb des Quadrats kann es dann ganz schön dynamisch zugehen; das Bildformat ist ja nur das „Fenster“ nach „draußen“.

  8. Danke dir dafür, dass du auch anderen den Anstoß und den Mut gibst solch ein Projekt zu starten. Während des Lesens ist in mir auf jeden Fall das Bedürfnis aufgekommen und für 2012 möchte ich nun auch solch ein Projekt starten.

    Zufälliger Weise habe ich gestern zum ersten Mal meine Kamera auf Schwarzweißmodus umgestellt und habe mir sogar schon vorgenommen es dabei zu belassen für die nächsten Wochen.

    Schwarzweiß und das Quadrat sind sehr spannend und ich bin auch Fan von beiden.

  9. Hallo Martin, schöner Artikel zum Jahresende. Quadratisch, praktisch, gut… ach ja, das gehört nicht unbedingt zur Fotografie :-)…. Aber das quadratische Format hat was, versuche es meist in der Porträtfotografie, da kommen Erinnerungen zur 6 x 6-Fotografie auf, und SW-Fotografie macht Spaß, nicht nur wegen der „Nostalgie“. Ich hatte mal Kollegen SW-Porträts gezeigt und hörte oft die Worte: „Oh, und das ja in Schwarzweiß“… Keine Ahnung, ob das ein Kompliment ist, aber diese Technik hat was – ohne Zweifel.
    Dem ambitionierten Fotografen kann ich allerdings raten, seine Kamera NICHT in den SW-Modus zu schalten, sondern wie gewohnt in Farbe aufzunehmen, sonst bringt er sich in der digitalen Dunkelkammer (Photoshop) selbst um Möglichkeiten, das Schwarzweiß-Bild besser durch Filtertechniken (Farbkanäle zu manipulieren) zu gestalten!
    Dir, lieber Martin (und natürlich allen Lesern), die besten Wünsche für 2012 – vor allem Gesundheit und viele fotografische Ideen, Kwerfeldein ist als Webseite absolut zu empfehlen!
    LG aus Berlin Jörg.

  10. Ein sehr feiner Jahresabschluss. Dem Kwerfeldeinformat und Anlass so würdig. Ich habe das Lesen Deines persönlichen (Fotografie-)Jahresrückblick sehr genossen.Es lohnt sich einfach in unserer schnelllebigen Zeit mit ihren mannigfaltigen Möglichkeiten ganz bewusst Entscheidungen zu treffen und sich einzuschränken. Die fotografischen Ergebnisse geben Dir Recht: die Bilder gefallen mir allesamt ausgesprochen gut, wenngleich ich letztes Jahr die Anfänge Deiner SW Fotografie im Quadrat skeptisch beäugt habe. Man wird halt besser, konsistenter, glaubwürdiger. Ich würde mit Fug und Recht behaupten, dass Deine neuen Streetaufnahmen genauso „gommeln“ wie die frühen Baumbilder.

    Viel Erfolg im Neuen Jahr mit neuen Projekten und dem hervorragenden Blog. Prost,

    Martin

  11. Bin ebenfalls beeindruckt von deiner Arbeit, zumal auch ich heute ein Jahresfotoprojekt (Portrait) abgeschlossen habe und ebenfalls drüber sinniere, was es mir und meinen Bildern/meiner sicht auf die Fotografie gebracht hat.

    Deine Regeln sind zugegebenermaßen strikter als meine, vor allem, was das tägliche fotografieren betrifft. Hut ab! Das verändert den Alltag sicher enorm, auch wenn es einem der Suchtfaktor irgendwann vielleicht leichter macht ;-)
    Ich glaube, man wird unweigerlich besser und strukturierter, wenn man so regelmäßig, häufig und mit einer Aufgabe Fotografiert.Und es schult die Selbstdisziplin, was man als Fotograf nicht immer automatisch im Gepäck hat.

    Auch ich stehe vor der Frage, ob ich mit dem heutigen Tag das Projekt für beendet erklären soll, denn auch ich merke, dass es noch vieles gibt, was man machen möchte. Ich glaub, ich werde „weich“ und mach weiter :)

    Mir gefallen deine Bilder, die Früchte dieses Jahres, wirklich ausgesprochen, sie sind poetisch und die harten SW-Kontraste lassen trotzdem keinen Kitsch aufkommen.

    Wirst du mit deinem „Schatz“ etwas anstellen? (Ich persönlich will aus meinem Projekt ein Buch machen)

    Gutschen Rutsch,
    Tanja

  12. Hallo Martin!

    Ich finde, das Projekt war erfolgreich! Gerade mit Abstand betrachtet hast du dich sehr weiterentwickelt und mehr zu *deinem* Stil gefunden. Finde ich gut! Weiter so :D

  13. Ein Jahresabschluss der inspiriert – Danke dafür …

    So ehrlich geschriebene Worte, finde ich hinter tollen Fotos immer am genialsten. Lässt einen wieder lockerer werden beim fotografieren und zufriedener. Geht´s uns allen doch irgendwie ähnlich. Aber toll, dass du dich immer wieder überwunden hast. Hut ab …

  14. Tolle Idee und erstaunlich, was man doch aus der Alltäglichkeit noch heraus holen kann. Auch wenn ich man für 10 Schüsse jeden Tag eventuell genug Zeit haben muss den Weg aus dem Haus (neben der Arbeit) zu finden.

    Einen Guten Rutsch!

  15. Danke für den interessanten Beitrag. Mir gefällt quadratisch sehr, mir gefällt auch schwarzweiss und Du hast tolle Bilder geschossen. Ich bewundere Dein Durchhaltevermögen.
    Euch allen einen guten Rutsch und viel gutes Licht für 2012

    Suleica

  16. Ein starker Artikel zum Jahresende! Vielen Dank, Martin, dass Du Dein Jahresprojekt so genau beschrieben hast.
    Deine Konsequenz, an einer Vereinbarung mit Dir selbst dranzubleiben, egal, was auch immer sich Dir (innerlich oder äußerlich) in den Weg stellt, ist bewundernswert.
    Für mich war es dieses Jahr zum ersten Mal genau umgekehrt. Ich hatte selten Lust, eigene Bildideen zu verfolgen. Irgendwie war ich müde und leer. Fühlte mich so, als hätte ich eh schon alles auf die eine oder andere Weise fotografiert. Wozu also noch mal und noch mal.
    Habe überhaupt nirgens mehr etwas hochgeladen. Viele virtuelle Kontakte dadurch vernachlässigt.
    Da für mich Fotografieren ein Teil Identität ist, fühlte sich dieser Zustand alles andere als angenehm an. Ich dachte, nun ist es also so weit, dass der Beruf die Lust an eigenen Bildern vertrieben hat.

    Ich habe mich beim Lesen Deines Artikels mehrfach dabei ertappt, zu denken, dass ich so eine Vereinbarung mit mir selbst ein Jahr lang nicht durchhalten könnte. Gleichzeitig- wieso eigentlich nicht. Ein Versuch wäre es wert.
    Ich hätte Angst, dass sich dann in meinen Bildern eine Art Sprachlosigkeit zeigen könnte.
    Dass ich an vielen Tagen einfach keinen Zugang zu dem bekomme, was um mich herum passiert und meine Bilder absolut nichtssagend und langweilig sein würden.
    Dass sich der ursprüngliche Impuls plötzlich in Nichts auflösen könnte und ich nicht mehr den Sinn meines Tuns erkennen könnte.
    Dass ich anfangen könnte zu zweifeln, alles in Frage zu stellen und bei der erst besten Gelegenheit die gemachten Regeln über den Haufen werfen würde.
    Wie hast Du den roten Faden behalten? Schreibst Du auf, was Dir an Gedanken, Zweifeln und Fragen bei solchen Langzeitprojekten in den Sinn kommt?

    Den größten Nährwert bei Deinem Artikel hatte für mich die Beschreibung Deiner Krisen. Einerseits hat das etwas sehr beruhigendes, zu sehen dass es anderen ähnlich geht. Andererseits konnte ich beim Lesen in eine Art Selbstbefragung gehen und habe festgestellt wo meine persönlichen Schwachpunkte sind. Wo ich wankelmütig werde und wo ich etwas Neues lernen kann. Vielen Dank dafür!

    Einen guten Rutsch und alles Gute für das Neue Jahr wünscht Lis

    • Hey Lis. Ja, ich schreibe viel von dem auf, was mir so an Zweifeln kommt, bin ein Tagebuchschreiber geworden. Das hat mir geholfen. Aber in vielen Fällen war es einfach das: nicht viel drüber nachdenken und machen. ;-)

  17. …..“Ungefähr 600+ Bilder habe ich auf Flickr geladen und alle gehören für mich – ich betone: für mich – in die Kategorie tauglich.“…..

    Warum das „ich betone: für mich“? Natürlich sind DEINE Bilder für DICH tauglich. Sie sind ein Produkt DEINER Arbeit. Sie sind einzigartig. Wie andere darüber denken, ist sekundär.

    Mir kommt es manchmal so vor, als dürfe man seine eigene Meinung und Ansichten nur mit grösster Vorsicht publik machen. Und das noch auf seinem eigenen Blog.

    Ich wünschte mir, dass jeder aufrecht und selbstbewusst seine Gedanken äussern könnte, ohne dass es dem ein oder anderen Leser, aus welchem queren Grund auch immer, in den falschen Hals kommt.

    Meiner Meinung nach gibt es keine schlechten oder guten Bilder. Ausser für einen selber. Alles liegt im Auge des Betrachters. Leben und leben lassen. Der einzige, legitime Kritiker solltest immer du selber sein. Wenn man die Bilder anderer Fotografen besonders gut findet, weil sie einem eben gefallen, so kann man dies kundtun. Gefallen sie einem nicht, so liegt das nicht daran, dass sie in irgendeiner Weise schlecht sind, sondern eben nur, dass man persönlich damit nichts anfangen kann. Und?

    Also Martin, gehe weiter DEINEN Weg. Aufrecht. Kreativ. Selbstkritisch.

    Und stehe dazu.

    Wünsche dir ein gutes 2012.

    mycle

  18. Hey Martin,
    Das hab ich vermisst von dir ehrlich, aufrichtig persönlich und gerade raus. Mein bisheriger Favorit dieses Jahr war ja „fly my Love“ aber das Bild davor hat soeben mein Herz erobert. Ein Traum…

  19. Kann Martins Beitrag nur bestätigen. Wenn man sich keine klaren Eckpunkte beim Fotografieren setzt, dann kann man zwar immer noch viele schöne Einzelaufnahmen machen, aber eine klare Linie wird man darin nicht wieder finden.

    Frohes Neues!
    Marc

  20. Die Bilder sind super, respekt.

    Ein paar kritischere Anmerkungen dennoch:

    365 x 10 wär‘ mir ein wenig zu viel, gerade wenn sie alle einer Linie folgen (1:1, SW). Wie hier das BestOf ist schon übersichtlicher und damit auch prägnanter.

    Die Modewelle der Projekte und die dramatische Bild-Ausentwicklung halte ich für ein rechtes „Kind seiner Zeit“, über das man später lächeln wird. Ob man dann „Projekt“ mit „Beschäftigungstherapie“ übersetzt möchte ich nicht behaupten, aber so die Richtung geht’s schon.

    Auf jeden Fall vielen Dank für ein tolles Jahr außergewöhnlicher Beschäftigung mit Fotografie und alles Gute für die Zukunft.
    Danke!

  21. Hey Ihr. 1000 Dank für Eure Rückmeldungen. Auch, wenn ich nicht auf jeden einzelnen eingehe, lese ich alle und freue mich über Eure Gedanken, die ihr hier eingebracht habt. Und: Frohes Neues! ;-)

  22. klasse fotos muss ich auch sagen. die kommen an. eine frage htte ich. Wie bearbeitest du die bilder in sw? Wäre sehr gespannt auf deine Antwort.
    Feliz año nuevo/Frohes neues Jahr
    avil

    • Hallo Avil. Nun, ich habe ganz viele verschiedene Methoden, mit denen ich in Lightroom meine Fotos bearbeite – und es würde den Rahmen sprengen, sie hier alle aufzulisten. Ich merke mir aber mal vor, mal wieder ein Tutorial darüber zu schreiben. ;-)

  23. Große Worte möchte ich dazu garnicht verlieren, aber bedanken tu ich mich gerne.
    Habe deinen Artikel gelesen und verstanden beinen Beweggrund und die Neufindung. (Hatte dieses Jahr ein ähnliches Loch)

  24. Lustige Sache, habe auch gerade angefangen hauptsächlich SCHWARZWEISS, QUADRAT & STRASSE zu fotografieren. Als Projekt und so konsequent, wie du, jeden Tag leider noch nicht. Mal schauen…Deine Fotos wecken schon irgendwie die Lust…

  25. Blogartikel dazu: Buchbesprechung: "Fotokurs Straßenfotografie" (dpunkt-Verlag) | itsaboutphotography°

  26. Ganz ganz toll… habe die Bilder auf flickr verfolgt und find echt toll was du da gemacht hast! Hab mich auch schon zwischendurch gefragt wo deine landschaftsaufnahmen sind, aber jetzt weiss ich es ja. bin gespannt wie du weiter machst… ich find deine Fotografie super und die Emotionen kommen rüber. das hällt fest!

  27. Ich mag die Bilder, die während deines Projektes entstanden sind und wohl noch entstehen werden ;-) Klasse!
    Außerdem kann ich gut nachempfinden, dass es auf dem Land langweilig wird, wenn man denn dort lebt ;-) Ich müsste auch mal umziehen :-)))

  28. Blogartikel dazu: Fotoprojekt “Feiertage 2012″ | birgitengelhardt.de

  29. Hey,

    wirklich sehr schöne und zum teil sehr interessante Bilder. Was ich mich frage ist, ob du die Menschen, die du in deinen Bildern mit „eingefangen“ hast, gesagt hast, dass du sie fotografierst? Ich sehe auch manchmal gute Bilder aber habe immer ein wenig Angst davor auf den Auslöser zu drücken, weil ich ja nicht weiß, ob sie es mögen, von mir fotografiert zu werden.

    Liebe Grüße

    Felix

  30. Blogartikel dazu: Flaschenpost 14.01.12 | Matthias Haltenhof Fotografie Blog

  31. Blogartikel dazu: Fotografisch weiterentwickeln – aber wie? Part II | Tobias Naumann

  32. Blogartikel dazu: Fotoprojekt “Feiertage 2012″ | birgitengelhardt.de

  33. Hallo Martin,
    ich muss sagen, dass ich sehr angetan von deiner Idee und den dabei entstandenen Fotos bin. Deine Kreativität trifft voll meinen Geschmack. Vielleicht liegt das auch daran, dass ich selber überwiegend im Quadrat und schwarzweiß fotografiere. Einerseits sollte man sich und seine Kreativität nicht einschränken, andererseits kann man durch solche Projekte auch einen gewissen Teil an „Betriebsblindheit“ aus dem Weg schaffen.