Bracelet Bay
26. November 2011 Lesezeit: ~7 Minuten

Landschaftsfotos in LR & PS: Teil 1

Die Anfragen nach einem Einblick in meine Nachbearbeitung haben sich in letzter Zeit gehäuft. Also werde ich nun, verteilt über zwei Artikel, ein bisschen darüber erzählen, wie ich meinen Bildern ihren Look verleihe. Ich werde anhand eines Beispiels die verschiedenen Techniken, die ich verwende, vorstellen und meine Arbeitsweise beschreiben.

Vielleicht ist ja die eine oder andere Technik dabei, die Ihr für Eure Fotos ausprobieren wollt. Oder Ihr bekommt ein paar neue Ideen vermittelt. Hier ist zunächst das Ausgangsmaterial, mit dem ich im Folgenden arbeiten werde:

2 Belichtungen, die überblendet werden

Ich habe die Fotos kürzlich in Wales aufgenommen, wie gewöhnlich früh morgens.

Für beide Aufnahmen habe ich einen Lee-0.6-hard- und einen 0.6-soft-GND-Filter verwendet, um den Himmel etwas abzudunkeln. Beim oberen Bild hat das ganz gut funktioniert, aber nach der fünf-minütigen Belichtung musste ich feststellen, dass das Bild im Ganzen noch etwas zu dunkel war. Deshalb habe ich die zweite Belichtung gemacht, bei der dann der Vordergrund schön detailliert rauskommt, aber der Himmel in den Lichtern etwas ausbricht.

In diesem Artikel werde ich Euch zeigen, wie ich die beiden Fotos vorbereite und überblende. Im zweiten Artikel geht es dann um die kreative Bearbeitung und den finalen Look. Beide Artikel enthalten auch ein paar Videos, die ich aufgezeichnet habe, um die einzelnen Schritte detailliert zu veranschaulichen.

Ausgangsmaterial in Lightroom aufbereiten

Der erste Teil meiner Bearbeitung dreht sich immer darum, aus dem Ausgangsmaterial möglichst viele Informationen herauszuholen. Manchmal ist das Ausgangsmaterial nur ein Bild, manchmal sind es wie hier mehrere. Zum Beispiel dann, wenn der Einsatz von Filtern nicht ausreicht, um dem Dynamikumfang einer Szene Herr zu werden.

In Lightroom 3 findet bei mir der erste Teil der Bearbeitung statt. Im folgenden Video erläutere ich ausführlich, welche Einstellungen ich dort vornehme, um mein Ausgangsmaterial dort vorzubereiten:

Nach dem Import sind einige Einstellungen automatisch schon so gesetzt, dass Informationen verloren gehen. Beispielsweise ist standardmäßig der Schwarzpunkt auf 5 eingestellt und eine Gradationskurve vorhanden.

Ich habe mir deshalb ein Lightroom-Preset erstellt, das ich beim Import direkt auf alle Bilder anwende. Wenn Ihr wollt, könnt Ihr es gern testen und auch verwenden. Es setzt den Schwarzpunkt herunter, stellt Klarheit ein, erhöht dezent Dynamik und Sättigung, stellt die Gradationskurve auf linear, aktiviert Objektivkorrekturen und schärft etwas vor. Hier ein Bild, das die Grundeinstellungen für die Beispielbilder zeigt:

Angepasste Grundeinstellungen in Lightroom

Manuell mache ich dann auch noch ein paar Einstellungen: Ich optimiere den Weißabgleich, arbeite dezent mit selektiver Farbe und zum Schluss schaue ich mir noch unter „Kamerakalibrierung“ ganz unten in den Einstellungen die Profile an.

Kameraprofile auswählen in Lightroom

Manchmal bringt zum Beispiel das Profil „Camera Landscape“ eine interessante Farboptimierung. Oft wirkt es aber auch übertrieben, dann verwende ich „Camera Faithfull“ oder „Camera Standard“.

Hier ist der Vorher-Nachher-Vergleich für die helle Belichtung:

Lightroom Bearbeitung

Würde ich hier direkt auf das Endergebnis abzielen, so hätte ich bis jetzt noch nicht viel gewonnen. Das Bild wirkt noch kontrastarm und flau. Aber das ist in Ordnung, darum kümmere ich mich später. Zunächst jedoch exportiere ich beide Fotos als 16bit-TIFFs.

Luminanzmasken

Die beiden TIFFs lade ich nun in zwei Photoshop-Ebenen und erstelle mir zunächst als Hilfe für das folgende Überblenden der Belichtungen einige Luminanzmasken, die abgestuft die Bereiche der Lichter, Tiefen und Mitteltöne auswählen.

An diesem Punkt möchte ich Euch auf das Tutorial von Tony Kuyper hinweisen. Auf den darin vorgestellten Techniken beruht ein Großteil meiner Bearbeitung und auch die von mir verwendeten Luminanzmasken werden sehr gut erläutert.

Für einen kleinen Unkostenbeitrag kann man sogar eine ganze Menge nützlicher Photoshop-Aktionen von ihm bekommen, die ich ausgiebig verwende. Die im Video vorgestellten Schritte lassen sich dann zum Beispiel mit einem Klick durchführen.

Noch eine kleine Anmerkung hier: Die Aktionen, die Tony zur Verfügung stellt, erzeugen etwas andere Luminanzmasken für die dunklen Töne als ich es im Video tue und als er es in seinem Tutorial beschreibt. Der Unterschied liegt in der Erstellung der initialen „darks“-Auswahl.

Diese erhält man auch dadurch, dass man eine „Umkehren“-Einstellungsebene über das Bild legt und dann wie bei den Helligkeitsmasken verfährt. Dieses Vorgehen führt zu etwas anderen Masken als durch Invertierung der „lights“-Auswahl. Ihr könnt ja selbst ausprobieren, welche Masken bessere Ergebnisse liefern. Ich tendiere zu den Masken in Tonys Aktionen.

Maske mit der beide Belichtungen überblendet wurden

Exposure Blending

Mit Hilfe der Luminanzmasken überblende ich nun die beiden Ebenen. Dabei gibt es kein Rezept, das bei jedem Bild funktioniert. Ich muss immer etwas ausprobieren, um herauszufinden, welche Herangehensweise gerade die richtige ist. Mit der Zeit bekommt man aber ein Gefühl dafür. Das folgende Video zeigt mein Vorgehen mit Ausprobieren am Beispielbild:

Dabei geht es im konkreten Beispiel darum, Details in den Lichtern und Tiefen der beiden Belichtungen in einem einzigen Bild zusammenzuführen. Die Auswahlen auf den verschiedenen Luminanzmasken verwende ich dazu, um die Überblendung gezielt auf einzelne Bereiche anzuwenden, ohne angrenzende Bereiche mit anderer Helligkeit zu beeinflussen.

Cleanup

Ein Schritt fehlt noch, bevor es ans kreative Nachbearbeiten geht. Ich entferne mit dem Reparaturpinsel Flecken im Bild, die durch Staub oder Wassertröpfchen auf den Filtern entstehen. Das Ganze mache auf einer separaten Ebene, vielleicht habt Ihr im letzten Video die „Cleanup“-Ebene schon entdeckt.

Um die Flecken besser zu sehen, erstelle ich mir temporär ein paar Hilfsebenen. Zunächst eine Schwarzweiß-Einstellungsebene gefolgt von drei Gradationskurven in Form einer umgedrehten Parabel.

Hilfsebenen zum Hervorheben von Flecken im Bild

Das Resultat ist ein extrem kontrastreiches Bild, in dem ich aber auch sehr gut Flecken und Fehler erkennen kann. Beim Reparaturpinsel muss ich deaktivieren, dass Einstellungsebenen mit einbezogen werden. So kann ich in der 100%-Ansicht etwas Kosmetik am Bild vornehmen.

Smartobjekt

Die Schwarzweiß- und die Gradationsebenen entferne ich danach wieder und alle übrigen Ebenen fasse ich in einem Smartobjekt zusammen. Vorher lösche ich aber auch noch alle Luminanzmasken, denn diese haben ihren Zweck erfüllt.

Das Smartobjekt dient zum einen der Übersichtlichkeit und zum anderen gewährleistet es eine nicht destruktive Arbeitsweise. Wenn ich später einen Filter auf das Smartobjekt anwende, kann ich trotzdem noch Änderungen an den internen Ebenen vornehmen. Die Filter werden danach einfach aktualisiert.

Nach Blending und Cleanup

Ich hoffe, Ihr konntet bei der Vorbereitung meines Ausgangsmaterials etwas mitnehmen. Der kreativen Bearbeitung des Bildes widmet sich morgen dann der zweite Teil.

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49 Kommentare

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  1. Manchmal frage ich mich, warum so ein großartiger, und mit viel Mühe gemachter Artikel so wenig Kommentare bekommt…

    Kommentierst Du noch oder likest Du schon?

    Vielleicht sind aber auch alle schon im vorweihnachtlichen Shopping-Wahn, oder ergötzen sich gerade an dem gepanschten Zeug, dass sich Glühwein nennt ;)

    Danke Michael!

    • Danke Holger ;-) So oft wie mir beim Aufnehmen der Videos Camtasia abgeschmiert ist, weil mein PC zu lahm war oder ich Teile nochmal aufnehmen musste, weils framedrops gab, hatte ich auch auf mehr Feedback gehofft … ;-)

      Hoffe trotzdem, dass die Leute was mit anfangen können!

    • So, alle Videos durchgeackert. :) Vielen Dank für Deine Mühe, ich hoffe trotz bislang wenig Rückmeldung, dass Du uns weiter mit solchen Tutorials versorgst!

      Aber eine Frage hab ich noch: Ich verstehe, dass Du so vorgehst, weil Du das zweite, dunkle, Bild zusätzlich gemacht hast. Aber das hat man ja nun nicht unbedingt. Deswegen hätte ich, um den Himmel in den Griff zu bekommen, in Lightroom die Wiederherstellung bemühlt. Lässt sich damit Deiner Erfahrung nach wirklich etwas ausrichten, oder sollte man lieber standardmässig mit mehreren Belichtungen arbeiten?

      • Hallo Michael,

        erst mal danke fürs Feedback! Wenn im Himmel die Pixel komplett weiß sind, dann kann auch die Wiederherstellung nichts machen außer die weißen Pixel abzudunkeln. Am Ende hast du statt weiß grau ohne detail.

        Falls du PS hast, kannst du dort mit dem Stempel versuchen Teile aus anderen Bereichen des Himmels rüberzuklonen, da wirst du bessere Ergebnisse erzielen.

        Oder du lässt die Pixel einfach weiß.Wenns nicht zu viel ist, dann schaut das oft gar nicht so schlecht aus!

        Grüße

  2. wow. das rockt.

    und einmal mehr sieht man, das gute bilder nicht einfach sooo entstehen. du hast dich sehr mit der materie auseinander gesetzt. danke fürs zeigen deines workflows.

    freue mich jetzt schon auf die fortsetzung.

  3. Ich versehe nichts von Photoshop, da ich immer noch in meiner Duka meine Bilder von Hand belichte und entwickle. Das Foto mag zwar technisch perfekt sein, aber ich finde es stink langweilig. Da schau dir doch mal die Landschaftsfotos von meinem Freund Helmut Hirler an (www.helmut-hirler.de) dann weist du von was ich spreche.

    • Hey Sebastian, danke für den Link. Sehr schöne Bilder hat der Helmut da. Ich habe zwar lieber Farbe im Bild aber gegen gute SW Bilder ist nichts einzuwenden, und seine sind toll.

      PS: ich bin immer an konstruktiver Kritik interessiert aber so etwas wie ein plumpes „stink langweilig“ geht auf der einen Seite rein und auf der anderen wieder raus ;-)

      • ich bin nach langem nachdenken zur erkenntnis gelangt – auch „konstruktive“ kritik interessiert mich nicht. ich will die bilder machen, die mir selber am meisten gefallen. da kann mir jemand noch so konstruktiv sagen, was ihm nicht gefällt – und auch alles begründen… ist mir dann trotzdem egal.

  4. Vielen Dank für die beiden wirklich ausführlichen Teile 1 und 2.
    Ich bearbeite schon seit langen Bilder in Photoshop, dabei ist das Werkzeug Luminanzmasken komplett an mir vorbei gegangen. Wie ich aber in deinem Tutorial sehe kann man noch einiges aus den Bilder raus holen.

  5. Sehr schöner Artikel von dir Michael!
    Ich denke ich werde mir die eine oder andere Technik mal näher anschauen. :-)
    Danke für die vielen Tipps und auch für den Link zu Tony Kuyper.

    Grüßle,
    Scotty

  6. Blogartikel dazu: Warum benutze ich Verlaufsfilter? | KWERFELDEIN | Fotografie Magazin

  7. Morgen!

    Seit gestern verschlinge ich förmlich Kwerfeldein.de und irgendwie wird es von tag zu tag schöner hier. Angefangen habe ich mit den Grundlagen über die Fotografie und bin nun heute hier gelandet.DANKE dass uns an deiner Art und Weise hast teilhaben lassen!! DaNkE!!!

  8. Moin Michael,

    ein wirklich interessanter Artikel, besonders die Vorgehensweise zum maskieren von Lichtern und Schatten hat mir sehr geholfen.
    Könntest du das Lightroom Preset wieder online stellen?
    (Wenn ich auf den Link klicke bekomme ich eine Fehlermeldung)

    Gruß
    Hannes

  9. vielen Dank für das tolle Video Tutorial,leider sind die oben erwähneten Lightroom-Preset nicht mehr downloadbar bzw. offline! Ist es möglich diese nochmals verfügbar zu machen,das wäre toll..vielen Dank im Voraus..Mike B.

      • Hallo gzs, die Preset-Datei musst Du erst in Lightroom installieren. Ggf. variiert der Weg je nach LR-Version und Betriebssystem, das Du verwendest. Google spuckt aber einiges zum Thema „Lightroom Preset installieren“ aus. Bist Du einer Anleitung gefolgt?

      • danke fur die antwort. ich habe lg, ich kann auch preset installieren. nur, hier ist der preset gar nicht zum herunterladen. Wenn ich drauclicke, dann offnet sich ein fenster, mit dem text: s = {
        id = „AB035F69-7279-4FC4-A722-5688246E8B5F“,
        internalName = „mibreit-basic“,
        title = „mibreit-basic“,
        type = „Develop“,
        value = {
        settings = {
        AutoBrightness = false,
        AutoContrast = false,
        AutoExposure = false,
        AutoShadows = false,
        Brightness = 40,
        ChromaticAberrationB = 0,
        ChromaticAberrationR = 0,
        Clarity = 20,
        ColorNoiseReduction = 25,
        ColorNoiseReductionDetail = 50,
        Contrast = 10,
        ConvertToGrayscale = false,
        CropConstrainToWarp = 0,

        usw….
        also, was zu tun? danke

      • Hallo gzs, was Du da siehst, IST das Preset, nur zeigt Dein Browser es als Text an, statt Dir den Download anzubieten. Du kannst den ganzen Codetext kopieren und z. B. in einem Texteditor speichern, statt .txt als Textendung aber .lrtemplate schreiben. Oder mal versuchen, ob Dein Browser die angezeigte Datei via „Seite speichern unter…“ o. ä. direkt mit der korrekten Endung speichert (oder als irgendetwas anderes, dann manuell die Dateiendung umbenennen), bei mir tut’s das.

    • Hi Michael,

      klasse Job!

      Die Vorarbeit der Bilder in LR beruht noch auf der inzwischen doch etwas betagtes Version 3.
      Wie gehst Du in LR5 vor? Hier ist ja z.B. der Regler Klarheit eher mit Vorsicht zu genießen oder?

      Schöne Grüße,

      Helmut

  10. Blogartikel dazu: Luminanzmasken in Photoshop - Peter's BlogPeter's Blog

  11. Blogartikel dazu: Landschaftsfotos – schwierige Lichtverhältnisse meistern › raiklight.de