27. September 2011 Lesezeit: ~6 Minuten

Mallorca monochrom

Ich war mal wieder auf Mallorca und habe Euch Fotos und eine kleine Geschichte mitgebracht. Wie jedes Jahr war ich auch diesen September wieder für ein paar Tage auf der Insel. Ich kann gar nicht mehr zählen, wie oft ich schon dort war und es ist für mich, seit ich fotografiere, jedes Jahr eine kleine Herausforderung, neue, interessante Wege zu finden, ein paar gute Fotos mit nach Hause zu bringen.

Nach dem Vorgespräch mit Ronny zu seinem Island-Artikel dachte ich mir, dass es doch auch für mich mal Sinn machen würde, die Fotos vor der Reise schon ein wenig zu planen. Die Betonung liegt bei mir auf „ein wenig“, denn ich bin ein ausgesprochen spontaner Mensch, schrecklich schlecht im Planen und fast noch schlechter in der Durchführung von Plänen – wie sich gleich herausstellen wird.

Jedenfalls habe ich ein paar Tage vor Abfahrt Google Maps geöffnet und mir die Insel mal von oben angesehen. Da ich vorhatte, abends und morgens Langzeitbelichtungen am Meer zu machen, ging es mir eigentlich nur darum, nette Buchten zu finden, von denen aus man einen schönen Blick Richtung Osten bzw. Westen hat. Zwei Orte hatte ich mir rausgesucht – einen für abends und einen für morgens. Einen Termin für die Fotos wollte ich mir nicht machen. Da beide Orte nur 30 Minuten Autofahrt von meinem Wohnort entfernt waren, dachte ich, das „machste spontan“.

Dachte ich…

Soviel zu meiner peniblen Planung – und nun zur Durchführung.

Der Ort, den ich mir für abends rauchgesucht hatte, hat mich und meine Kamera dieses Jahr gar nicht zu Gesicht bekommen. Irgendwie kam immer was dazwischen. Da ich nicht alleine Urlaub gemacht hatte, kann so was ja schonmal passieren. An einem Abend war das Wetter nicht gut, am nächsten Abend war das Auto nicht verfügbar und am wiederum nächsten Abend erfuhr ich, kurz bevor ich loswollte, dass wir zum Essen eingeladen waren.

Das hat mich aber alles nicht sonderlich gestört. Ich hatte meine Kamera ja sowieso fast ständig dabei und auch schon ein paar nette, spontan gemachte Fotos auf der Karte. Außerdem hatte ich ja noch den Plan, morgens zu fotografieren. Sonnenaufgang ist ja eh viel cooler als Untergang. Rosa Wölkchen und so … auch wenn die bei mir momentan meist ihre Farbe verlieren.

An besagtem Abend, an dem wir zum Essen eingeladen waren, hatte ich die Kamera auch dabei. Das Restaurant war in einem winzigen, völlig untouristischen Kaff, irgendwo mitten auf der Insel gelegen. Irgendein Dorffest war dort im Gange. Die engen Straßen waren mit Lampen und kleinen Fähnchen geschmückt. Dazu kam, dass gerade ein paar Gewitterwolken am Himmel aufzogen.

Diesen Kontrast fand ich schon sehr interessant. Ich hatte nur mein nicht sonderlich lichtstarkes 17-70er drauf und ein Stativ nimmt man ja auch nicht unbedingt mit, wenn man zum Essen eingeladen ist. Also ISO rauf auf 3200 und aus der Hand fotografiert. Die beiden ersten Fotos sind an diesem Abend entstanden.

Vielleicht fragt Ihr Euch jetzt, was denn das mit der Durchführung der geplanten Sonnenaufgangfotos zu tun hat. Kommt jetzt.

Das Essen war jedenfalls extrem gut, der ganze Abend sehr schön. Als wir gut gelaunt wieder zu Hause waren, dachte ich mir, komm, leg schonmal deinen ganzen Kram zusammen. Kamera, zweiten Akku, Stativ, Fernauslöser, Flasche Wasser und Wecker stellen. Es war Montagabend. Nun ist es ja so, dass man bei gewissen Smartphones auch den Wochentag mit angeben muss, an dem man geweckt werden möchte. Ich also den Wecker auf Montagmorgen 4:45 gestellt. Ja, Montagmorgen.

Ich weiß nicht, wie es bei Euch ist, aber da ich mich montagabends ins Bett gelegt hatte, wurde ich logischerweise an einem Dienstagmorgen wach. Nein, nicht vom Wecker! Der weckt mich ja schließlich brav nächsten Montag… oder viellcht hätte er mich ja auch gestern geweckt, wenn ich in der Zeit zurückreisen könnte. Wach geworden bin ich zufällig um 6:00.

Raus aus dem Bett, rein in die Hose. T-Shirt drüber, Autoschlüssel und Tasche geschnappt und runter. Aufzug. Komm. Jetzt. Ah, da is er. Los, fahr schon runter! Bling! Tür geht auf, raus durch die Tür, rein ins Auto! Quiiietsch! Losgefahren. Ah, gut, die ganzen Touris pennen noch. Nach 20 Minuten der geschätzten 30 am GEPLANTEN Ort angekommen.

Stativ in den Sand gerammt! Kamera drauf gestopft! Fernauslöser dran und los! Moooment. Puh… ich lag doch grad noch im Bett. Erstmal ’ne Kippe rauchen und gucken, wo ich hier überhaupt bin. Schön hier. Haste dir ’n gutes Plätzchen ausgesucht bei der PLANUNG.

So, runterkommen und die Landschaft mal durch den Sucher betrachten. Mist, die Sonne geht ja schon fast auf. Ist schon fast zu hell, um lange zu belichten. Hmmm, sach ma, wie weit soll ich denn die Blende noch zudrehen, damit ich mal länger belichten kann und das Meer dadurch so schön verwischt? Komisch! Naja.

Klack. Klack. Noch eins. Ah ja, hier ist gut. Klack. Klack. Mensch warum kann ich nicht länger belichten? Komisch. Erstmal wach werden. Wo war ich noch mal gestern? Ach ja. Essen. War saulecker, ne? Bin mal gespannt, wie die Fotos werden, die da in dem Kaff gemacht hab. Hoffentlich rauschen die nich zu sehr wegen ISO 3200. Naja, machste schwarzweiß draus. Is‘ ja grad eh dein Ding. ISO 3200? Aaahhrgh!

~

Naja. Es wurden dann keine Langzeitbelichtungen. Aber da der Strand dort wirklich sehr schön und es vor allem um diese Uhrzeit bis auf einen einsamen Jogger menschenleer war, konnte ich doch noch ein paar nette Fotos mit nach Hause bringen.

Ich hab‘ jetzt übrigens einen 16er ND-Filter.

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16 Kommentare

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  1. Wunderbarer Text…. grins!! Könnte wirklich von mir sein – jedenfalls habe ich meine ersten Erfahrungen mit Langzeitbelichtung im vergangenen Urlaub auf ähnliche Weise gemacht… mehrfach sogar :-) (muss ich zugeben)
    Ein paar erste Versuche gabs dann schon, aber das mit diesem Filter hab ich zuhause erst kapiert :-)))

  2. :-) Lustig, ich erkenne mich wieder….. Es hilft, sich die wichtigsten Infos zur Langzeitbelichtung mit ND-Filtern zu notieren und in die Fototasche zu stecken ;-) und bei stärkeren Filtern nicht vergessen, was zum Zeit stoppen mitzunehmen ;-) Das ist mir nämlich auch schon passiert und die Zählerei ist irgendwie so unpräzise ;-)

  3. Ich plane aus gutem Grund nicht mehr zu genau. Je mehr ich geplant habe, desto mehr ging schief. Vielleicht ist es einfach der Persönlichkeit zuzuordnen, aber die benötigte, größtmögliche Flexibilität erreiche ich nur durch wenig Planung. Ich habe schon oft versucht, meine Arbeiten besser zu planen, habe mir den Ort und die Umgebung per Google-Maps angeschaut, habe mit einer App den Sonnenstand und die Richtung errechnet etc.
    Als ich dann dort war, standen lauter Autos dort und alles war Sch…. Hätte ich mit weniger Vorstellungen gemacht, hätte ich vermutlich flexibler reagieren können. Für mich sind es oft die Vorstellungen von den Dingen, welche die Dinge an sich kaputt machen. Trotzdem habe ich eine leise Bewunderung für erfolgreiche Planer :)

    • Hi André,

      das trifft’s so ziemlich. Auch wenn man Menschen bewundert, die gut planen, und die Pläne dann auch umsetzen können, muss man sich einfach eingestehen, dass man selber nicht der „Planer-Typ“ ist.

      Ich glaube manchmal kommt dieser Wunsch nach Planung auch, weil man mit seiner Arbeit vielleicht nie so 100%ig zufrieden ist, und man meint, dass man durch penible Planung bessere Ergebnisse erzielt.

      Beides ist ein Trugschluss. Denn ich werde hoffentlich nie zu 100% mit meiner Arbeit zufrieden sein, und penible Planung muss noch lange nicht bessere Ergebnisse liefern.