29. Juli 2011 Lesezeit: ~9 Minuten

Der Weg durch den Photoshop-Dschungel

Bevor ich vor etwas mehr als 5 Jahren das erste Photoshop Tutorial angesehen habe, war ich überzeugt, dass die Sache mit der Bildbearbeitung ja nicht so kompliziert sein kann. Mit Photoshop Elements bewaffnet wollte ich mit vollem Elan starten – und war erschlagen von den ganzen mysteriösen Symbolen, Menüs und Extra – Fenstern.

Nach der schnell eintretenden Erkenntnis, dass Photoshop nicht selbsterklärend ist, begann ich, mir mit Hilfe von Büchern, Tutorials, erfahreneren PhotoshopperInnen und viel Geduld den Weg durch den Dschungel an nahezu unendlichen Bearbeitungsmöglichkeiten zu bahnen. Herausgefunden aus diesem Dickicht aus Ebenen, Blend Modes und Masken habe ich bis heute nicht, aber ein kleines Bisschen Orientierung habe ich mittlerweile erlangt.

Meine ersten Versuche, Photoshop durch Probieren und Drehen an den Reglern seine Geheimnisse zu entlocken, brachten kaum Erfolg. Im Gegenteil, sie führten mich nur weiter ins Unterholz. Um mich herum Short Cuts, Ebenenstile, Werkzeuge. Histogramme, Alphakanäle, Pfade. Verlaufsumsetzungen, Aktionen, Filter. Und die Einsicht: Ohne Hilfe im Dschungel wohl nicht überleben zu können. Mein Weg führte mich also schnurstracks in die nächste Buchhandlung, in der Hoffnung, dort einen Survival – Ratgeber in Form eines Buches zu finden, das mir zumindest den Weg zur nächsten Lichtung zeigen würde.

Der Wälzer, den ich damals enthusiastisch gekauft habe, steht bis heute fast unangetastet in meinem Regal. Wenn ich jetzt darüber nachdenke, muss ich grinsen. Wie habe ich mir das vorgestellt? Ich schaffe es nicht einmal, die dreiseitige Bedienungsanleitung meines Waffeleisens zu lesen! Dass ich es nicht hinbekommen würde, mich durch einen Großteil der 600 Seiten zu wühlen und dabei nach brauchbaren Tipps zu suchen, sich die nächsten paar Schritte durch den Einstellungsebenen – Dschungel zu schlagen, hätte mir eigentlich klar sein müssen.

Die Idee, sich von einem Survival – Ratgeber leiten zu lassen, schlug in meinem Fall also fehl. Was nun? Keine Lichtung in Sicht, aber, und das geht wohl fast jedem so, der beginnt, sich an Photoshop heran zu tasten: auch kein Weg zurück! Die Fotos im Internet, welche die Kinnlade veranlassen, herunter zu klappen und in diesem Zustand auch einige Zeit zu verweilen, verursachen ein Kribbeln im Bauch. Und sie wecken die Lust, es doch weiter zu probieren, Photoshop zu überlisten und zu einem guten Kumpel zu machen, mit dem man meist auf einer Wellenlänge ist.

Zweiter Versuch. Ausgangspunkt: Unterholz, immer noch. Mit ganz, ganz zaghaften Hinweisen aus dem Survival – Ratgeber im Gepäck. Und einer Erinnerung an alte Schulzeiten. Wie war das noch? Lernen durch Lesen, Hören, Visualisieren. Am besten gemischt. Und mit Wiederholung. Ich startete den nächsten Anlauf und machte mich auf die Suche nach Video – Tutorials. Der Weg aus dem Unterholz in Richtung der Lichtung war damit alles andere als kurz, einfach, gerade und gepflastert, aber, und das machte Laune, er führte in kleinen Schritten weg aus dem unüberblickbaren Dickicht. Bildbearbeitung in Photoshop visualisiert zu bekommen, zu hören, was der Überlebenstrainer gerade macht und warum und dazu noch die Tastenkombinationen eingeblendet zu sehen brachte mich einen Riesensprung weiter. Müheloser und schneller, als sich alleingelassen durch etliche Seiten zu kämpfen, bis man einen Fuß vor den anderen setzen kann.

Ein paar Macheten in Form von Grundwissen, um mich meinem Ziel zu nähern, hatte ich nun in der Hand. Die Lichtung war da, aber ich wollte wieder die freie Landschaft sehen, mit meilenweitem Überblick. Ein Bisschen erschöpft entschloss ich, nach meinem mutigen Ausflug ins Ungewisse jemanden zu engagieren, der mir helfen sollte, den Wald endgültig hinter mir zu lassen. Man muss sich ja belohnen für sein Durchhaltevermögen! Die Investition in einen Photoshop – Workshop bereue ich bis heute nicht. Vermutlich blieben mir damit mindestens ein halbes Jahr Selberlernen erspart, das durch acht Stunden Expertenwissen über den Photoshop – Dschungel ersetzt wurde.

Und heute? Nunja, es gibt ja mittlerweile ein paar ausgetretene Pfade, auf denen ich mich immer mal wieder in den Dschungel schleiche, denn die Abenteuerlust und die Neugier sind geblieben. Und dies führt dazu, dass ich auch gerne von den Pfaden abweiche, um Neues zu erkunden; Stellen, an denen ich vorher noch nie war. Mit dem Unterschied, eine Grundorientierung zu haben, die ich nach der langen Mühe nicht mehr missen möchte. Sich diese Orientierung zu verschaffen war ein hartes Stück Arbeit, aber es hat sich gelohnt!

Nun möchte ich Euch ein paar meiner kleinen Dschungel – Weisheiten nicht vorenthalten. Ganz KWERFELDEIN werde ich ein paar Tricks auflisten, die fester Bestandteil meines Workflows geworden sind und hoffe, dass für jede/n etwas Neues dabei ist, was ein Stückchen weiter hilft auf der Photoshop – Abenteuerreise.

 

Tipp 1: Shortcuts

Vokabeln lernen in der Schule hat meist keinen Spaß gemacht, nicht wahr? Deswegen habe ich Shortcuts lange ignoriert. Tastenkombinationen merken? Das hat mich wirklich zu sehr an mein Lateinvokabelheft erinnert! Bis ich in diversen Tutorial – Videos ein paar Tastenkürzel immer wieder um die Ohren geschmettert bekam und sie mir irgendwann ganz nebenbei gemerkt habe. Viele kann ich nicht auswendig, aber ein paar sind mir in Fleisch und Blut übergegangen und haben ihren festen Platz in meinem Survival – Paket errungen:

Drücken der Taste D (für ‚default‘) setzt die Vorder- und Hintergrundfarbe auf Schwarz und Weiß zurück. Das ist zum Beispiel dann nützlich, wenn man eine Ebenenmaske erstellt hat und mit dem Pinsel (den man mit der Taste B für ‚brush‘ aufrufen kann) auf der Ebenenmaske malen möchte. Um Vorder- und Hintergrundfarbe zu wechseln, kann man auf den kleinen Pfeil neben den Farbfeldern klicken (siehe roter Kreis), aber auch das X auf der Tastatur drücken, was das Arbeiten mit Masken beschleunigt.

 

Tipp 2: Retrofarben

Wie immer führen in Photoshop dutzende Wege zum Ziel, auch, wenn man eine bestimmte Farbstimmung erzeugen möchte. Dazu benutze ich gerne die Tonwertkorrektur. Über Bild -> Anpassungen -> Tonwertkorrektur gelangt man zum entsprechenden Fenster; noch schneller und unkomplizierter über die Einstellungsebenen. Das Klappmenü für die Einstellungsebenen findet man  in der schmalen Leiste unten im Ebenen-Fenster. Der Klick auf den kleinen, schwarz-weißen Kreis klappt das Menü mit allen zur Verfügung stehenden Einstellungsebenen auf.

Um Retrofarben zu erzeugen, wählt man im aufgerufenen Tonwertkorrektur – Fenster im kleinen Klappmenü den Blaukanal und schiebt die beiden Regler ganz unten zur Mitte hin, je nachdem, welche Effektstärke gewünscht ist.

Im vorher – nachher – Vergleich sieht das Ganze dann so aus:

 

Tipp 3: Schwarzweißumwandlung

Von den schnellen und unkomplizierten Möglichkeiten, ein Bild in Schwarzweiß umzuwandeln, mag ich das Erstellen einer Verlaufsumsetzung am liebsten, da die Methode mit wenigen Schritten im Gegensatz zum einfachen Entsättigen kontrastreiche Bilder hervorbringt.

Die in Tipp 1 gezeigte Vorder – und Hintergrundfarbe muss auf  Schwarz (vorderes Kästchen) und Weiß (hinteres Kästchen) stehen. Dann wird der Dialog für die Einstellungsebene ‚Verlaufsumsetzung‘ aufgerufen und mit ‚OK‘ bestätigt.

 

Tipp 4: Kontrasterhöhung mit einer Schwarzweiß – Ebene

Um den Kontrast eines Fotos zu erhöhen,  erstelle ich gerne eine Schwarzweißebene wie in Tipp 3 beschrieben. Dann setze ich den Blend Mode der SW-Ebene auf  ‚Weiches Licht‘.

Sind die Kontraste zu stark, besteht die Möglichkeit, mit Reduzierung der Deckkraft den Effekt abzumildern.

Der vorher – nachher – Vergleich zeigt die Kontrasterhöhung:

 

Tipp 5: Schwärzeres Schwarz

Um einem Bild mehr Tiefe zu geben, kann man mit Hilfe der selektiven Farbkorrektur das Schwarz noch intensiver machen. Dazu wählt man im Klappmenü ‚Schwarz‘ an und zieht den Regler für ‚Schwarz‘ noch weiter nach rechts.

Möchte man die Tiefen tonen, kann man, statt nur den Regler für Schwarz weiter nach rechts zu ziehen, auch die anderen Regler verschieben. Ein Verschieben der Regler für Gelb und Magenta jeweils um ein paar Prozent nach rechts gibt den Tiefen einen wärmeren, satteren Ton.

 

Tipp 6: Tutorial – Videos auf Youtube

Ja, es ist ein bisschen wie die Suche nach der Nadel im Heuhafen, aber mit ein wenig Geduld und Stichworten wie ‚Retro Look‘, ‚Cross Processing‘, ‚Dodge and Burn‘ und ‚Skin‘ in Kombination mit dem Suchwort ‚Photoshop‘ sind hilfreiche Photoshop – Lernvideos auf Youtube zu finden. Hilfreich für mich war definitiv diesesdiesesdieses und dieses Video. Also: Kekse und Tee bereit stellen, zurück lehnen, stöbern und schauen!

Nein, halt! Bevor Ihr Euch zurück lehnt, teilt doch mit den LeserInnen und uns Eure Links zu interessanten Tutorials, Video-Tutorials oder informativen Photoshop-Foren! Okay, jetzt aber ran an Tee und Kekse ;).

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