02. Juni 2011 Lesezeit: ~5 Minuten

Das ungeplante Moment beim Fotografieren

Ich mache am liebsten das, was man Modefotografie nennt: Professionelle Modelle, tolles Make-up, schöne Kleidung, interessante Umgebung. Um eine solche Inszenierung umzusetzen, müssen die einzelnen Faktoren eines Shootings geplant werden und es bedarf der Zusammenarbeit mit verschiedenen Menschen.

Trotzdem oder gerade deswegen ist man immer wieder mit überraschenden Situationen konfrontiert, auf die man spontan reagieren muss. Genau das macht aber auch den Reiz des Fotografierens aus.

Als Tessa Bergmeier mich anschrieb und fragte, ob ich sie fotografieren mag, freute ich mich. Ich hatte sie im Fernsehen und auf Fotos gesehen und fand, dass sie ein ausdruckstarkes Modell mit jeder Menge Energie ist. Wir verabredeten uns für einen Mittwoch um 14.00 Uhr. Da es fast noch Sommer war, sollte das Shooting draußen am Elbstrand stattfinden.

So weit, so gut. Leider regnete es am geplanten Tag in Strömen, so dass man draußen nicht fotografieren konnte. Ich fragte Tessa, ob wir das Shooting verlegen können, aber sie war an den anderen Tagen schon ausgebucht. Wir warteten noch zwei Stunden, aber das Wetter wurde eher schlechter als besser.

Währenddessen zerbrach ich mir den Kopf, wo wir hingehen könnten. Eine Blitzanlage besaß ich zu dem Zeitpunkt nicht, ebenso wenig ein Fotostudio, so dass wir nicht ohne weiteres drinnen fotografieren konnten. Aber wo war es trocken und hell genug, um schöne Bilder zu machen?

Mir fiel das Auditorium meiner Uni ein; die Außenmauern sind von einer Glasfront umgeben und in den ca. 2m breiten Zwischenraum fällt viel Licht. Natürlich hatte ich dort noch nie fotografiert und bei dem Gedanken, während des Vorlesungsbetriebs mit Kamera und Modell rumzuturnen, war mir nicht ganz wohl. Eine andere Möglichkeit fiel mir aber so schnell nicht ein.

Ich holte Tessa von der S-Bahn ab, als sich das nächste Problem stellte: Da wir das Shooting um zwei Stunden verschoben hatten, hatte die Visagistin, die eigentlich Haare und Make-up machen wollte, keine Zeit mehr. Wir versuchten, zu zweit ein gutes Foto-Make-up hinzubekommen und durchforsteten meinen Kleiderschrank nach einem schönen Outfit. Schließlich machten wir uns auf den Weg zur Uni.

Glücklicherweise fanden dort gerade einige andere Termine statt, so dass wir uns relativ unbeachtet eine Nische suchen konnten. Beim Shooting selbst war Tessa derart positiv, gut gelaunt und professionell, dass sie sich durch die widrigen Umstände kein bisschen beirren ließ. Schnell stellte sich der berühmte Moment ein, wenn die Chemie zwischen Fotograf und Modell stimmt und wenn man merkt, dass die Bilder mehr werden als eine bloße Abbildung des Vorhandenen.

Ich bereite meine Shootings in unterschiedlichem Maße vor: Manchmal habe ich sehr genaue Vorstellungen davon, wie eine Serie aussehen soll, manchmal fertige ich mir sogar eine Skizze für ein einzelnes Bild an. Manchmal lasse ich mich aber auch vom Moment überraschen.

Es kommt natürlich auch darauf an, welchem Zweck ein Shooting dient: Wenn ich z.B. für junge Modedesigner fotografiere, sollen alle Teile einer Kollektion abgebildet werden. Wenn ich für Visagisten fotografiere, müssen die Haare und das Make-up besonders zur Geltung kommen. Insofern hatte ich bei diesem Shooting größtmögliche Freiheit: Es ging nur darum, dass wir Bilder machen, die uns beiden gefallen.

Bei den ersten Aufnahmen probierte ich verschiedene Kameraeinstellungen aus. Ich arbeite grundsätzlich sehr gern mit Tageslicht, in diesem Fall fand ich eine Unterstützung durch meinen Aufsteckblitz (Metz mecablitz 48 AF-1) aber sehr passend. Das Blitzlicht lässt die Bilder künstlicher wirken und da wir Kleidung in knalligen Farben gewählt, mein Modell starke Posen und Gesichtsausdrücke konnte und die Umgebung eher strenge geometrische Formen aufwies, schien mir der Effekt sehr passend.

In einer kurzen Regenpause gingen wir auch nach draußen vor das Gebäude und fotografierten nur mit natürlichem Licht; die dort entstandenen Bilder haben eine andere Stimmung, auch sind die Farben reduzierter. Nach etwa zwei Stunden wurde es endgültig zu dunkel zum fotografieren; auch der Blitz konnte die Bilder nicht mehr ausreichend aufhellen und ich wollte den Isowert meiner Kamera nicht noch höher stellen.

Die entstandenen Bilder habe ich später in Photoshop relativ wenig bearbeitet. Hauptsächlich habe ich die Kontraste verstärkt und das eine oder andere Bild gedreht. Die endgültigen Bilder sind zwar ganz anders zustande gekommen, als wir es ursprünglich geplant hatten, aber wir mögen die Ergebnisse beide sehr gerne. Auch Tessas Agentur hat eins der Bilder für ihre Sedcard gewählt.

Ähnliche Artikel

11 Kommentare

Schreib’ einen Kommentar

Netiquette: Bleib freundlich, konstruktiv und beim Thema des Artikels. Mehr dazu.

  1. Da hätte ich nur die Frage: ist sie in echt wirklich so anstrengend wie es im Fernsehen rüberkam oder musste sie ihren Charakter so spielen? ich fand sie damals wirklich SEHR anstrengend/zickig/aufmüpfig und hab daher ihre Leistung als schlechter bewertet. Die Fotos sind aber wirklich gut geworden.

    • Hast du denn gelesen, was Svenja geschrieben hat? Ich zitiere: „Beim Shooting selbst war Tessa derart positiv, gut gelaunt und professionell“ und „Schnell stellte sich der berühmte Moment ein, wenn die Chemie zwischen Fotograf und Modell stimmt und wenn man merkt, dass die Bilder mehr werden als eine bloße Abbildung des Vorhandenen.“
      Klingt für mich nicht danach, dass es (oder sie) anstrengend war. :)

  2. Sehr schrille Fotos unterstrichen durch knackige und voluminöse Farben. Also rundrum ein gelungenes Foto für das Modell speziell .

    Aber um so länger ich sie beschaue, fehlt mir ein wenig der charakterliche Ausdruck ihres Gesichts .

  3. Hm. Habe mir die Bilder lange angeschaut. Irgendwie passt da keins zum anderen. Die Bilder kippen. Die Anschnitte sind oft unglücklich. Ist beabsichtigt, könnte man sagen. Für mich sieht es aber nach einem „He, ein Gesicht mit einem gewissen Bekanntheitsfaktor. Mal draufhalten“ aus.

    Alles in allem nicht mein Fall. Muss ja aber auch nicht ;)

  4. Naja. Für eine Rechtswissenschaftlerin (interressenshalber: also eine Juristin?) die hobbymäßig ein wenig nebenher knippst, ist das doch nicht schlecht :)

  5. Heißt es nicht eher „der ungeplante Moment…“? Wüsste nämlich nicht wie man hier eine Verbindung zum physikalische Moment (das Moment) herleiten könnte. Naja, die Bilder sind sonst ganz ok geworden, obwohl ich Tessa als Model wirklich nicht gut finde. Zu aufgesetzt und unnatürlich ,aber da kann die Fotografin ja nichts dafür.

  6. Sehr interessanter Shooting Bericht !

    Auch wenn der Einleitungssatz nicht gerade hält was der Artikel verspricht.

    („schöne Kleidung“ -> wir durchforsteten meinen meinem Kleiderschrank nach einem schönen Outfit.)
    („interessante Umgebung“ –> irgend ein Treppenhaus und vor einer Wand)
    aus dem Artikel kann ich folgendes Schlußfolgern:
    Als schlußfolgerugn sehe ich, das die oberen Punkte sowie Regen / kein Studio / keine Visa ect. gar nicht so schlimm sind,wenn

    a) ein bekanntes Model vorhanden ist das Shooting rettet
    b) Photoshop den Kontrast rettet.

    Ich würde es echt klasse finden auch mal einen Bericht zu lesen bei dem es um praktische Tips zum Thema Troubelshooting gehen würde. Wie das obere Shooting gerettet wurde ist glaube ich nicht reproduzierbar.

  7. Blogartikel dazu: browserFruits Mai, Ausgabe 4 › kwerfeldein - Fotografie Magazin | Fotocommunity