21. März 2011 Lesezeit: ~3 Minuten

Die Entstehung eines Bildes

Ich werde oft gefragt, wie meine Bilder entstehen. Ganz ehrlich? Vor allem durch viel Glück und eine konkrete Vorstellung. Anhand meines ersten Levitationsfotos möchte ich einen kurzen Einblick in meine Arbeitsweise geben.

Als ich vor ein paar Tagen in einem benachbarten Garten ein Trampolin stehen sah, mußte ich sofort an die Bilder von Natsumi, die ich bereits hier vorgestellt habe, denken. Das Trampolin stand direkt vor einer hellen Hauswand. Bei diesem Anblick war auf einmal ein konkretes Bild in meinem Kopf: Ein waagerecht schwebendes Mädchen, zentriert und minimalistisch vor dieser Wand in einem feenhaften Kleid.

Die Umsetzung eines Bildes im Kopf zu einem fertigen Foto ist jedoch oft gar nicht einfach. Eine Vorgehensweise hat sich dabei für mich besonders bewährt: Lernen durch Versuch und Irrtum. Ich experimentiere sehr viel, bis das Bild meiner Vorstellung entspricht. Dass meine Modelle dabei immer so geduldig sind, ist wirklich Glück. Das Modell für dieses Bild war Genevieve.

Beim Springen stellten wir schnell fest: Waagerecht zu fallen ist beinahe unmöglich. Die Angst vor dem Aufprall spiegelt sich zu stark im Gesicht wider und auch der Körper ist sehr angespannt. Also sprang Genevieve senkrecht, denn vor der Wand ließ das Bild sich ganz einfach drehen und wirkte dann, als würde sie tatsächlich fallen.

Sie musste 134 Mal springen, bis ich zu 100% zufrieden war. Mal fielen ihr die Haare vor das Gesicht, ein anderes Mal waren die Finger zu stark gekrümmt und oft schnitt ich ihr den Kopf oder die Füße an, da ich mit meinem 50mm-Objektiv recht eingeschränkt war und bereits an der gegenüberliegenden Hauswand lehnte.

Ich bin meist viel zu neugierig auf das Endresultat, um länger mit der Bearbeitung zu warten, also habe ich direkt angefangen. Auch dabei arbeite ich nach Gefühl, verschiebe da und dort einen Regler, bis mir das Ergebnis gefällt. Bei diesem Bild habe ich zunächst entsättigt und an verschiedenen Kurven (vorallem Gradations- und Farbkurve) gedreht.

Jedoch fehlte etwas. Das Mädchen war mir noch nicht zentriert genug. Um sie wirklich in den Mittelpunkt zu stellen, musste das Foto quadratisch werden und es sollte viel mehr Raum zwischen Rand und Motiv geben, den ich beim Shooting ja nicht direkt aufnehmen konnte. Das fliegende Mädchen sollte auf einem quadratischen, größeren Hintergrund schweben.

So kam es, dass ich für dieses Bild das erste Mal ein Motiv freigestellt habe. Ich habe die nötigen Handgriffe dafür einem YouTube-Video entnommen. Dass ich durch Zufall direkt auf ein Video gestoßen bin, in dem es um das Freistellen mit Kanälen ging, war Glück. Durch den hellen Hintergrund  und die recht dunklen Konturen des Mädchens war es nur noch eine reine Fleißarbeit. Ohne größere Probleme ließ sich das Motiv des Mädchens auf den anderen hellen Hintergrund montieren. Zum Schluß glättete ich die Kanten und fügte eine leichte Vignette ein. Ich bin eigentlich niemand, der viel bearbeitet, daher war diese starke Veränderung des Originalbildes neu für mich.

Das Endresultat ist praktisch identisch mit dem Bild, das ich während des Shootings und der Bearbeitung im Kopf hatte. Wenn das funktioniert, freue ich mich meist tagelang über das fertige Foto, bis die nächste Idee in meinem Kopf entsteht.

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