08. Dezember 2010 Lesezeit: ~3 Minuten

Einmal Sylt und zurück

Sylt hat mich gefangen und lässt mich nicht mehr los. Das ist mein Gedanke, wenn ich auf die letzten anderthalb Jahre zurückblicke, in denen mich die Insel geprägt und verändert hat.

Als ich Sylt das erste Mal als Fotograf bereiste, stand bereits fest, dass ich eine Weile auf dem nördlichsten Eiland Deutschlands verweilen würde. Fotografisch war die Insel für mich eine wunderbare Möglichkeit mich weiter zu entwickeln, neue Techniken zu studieren und meine Art, allgegenwärtige Motive dem Betrachter zu präsentieren, neu zu formen.

Ich war froh keinen Sylter Fotografen entdecken zu können, der die Dinge so präsentierte, wie ich sie zeigen wollte.

Mir imponierte von Beginn an die Weite und die Stille, die man trotz tosender Nordseebrandung regelrecht fassen konnte. Buhnenreste im Wasser wurden sichtbar und verschwanden im nächsten Moment, um kurz darauf wieder aufzutauchen.

Die morgendliche See zeigte mir eine Friedlichkeit, wie ich sie selten so ausgeprägt erlebt habe. Es gab nichts Schöneres, als morgens vor Sonnenaufgang, den Strand zu betreten und, die spiegelglatte Nordsee zu Füßen, den weit entfernten Möwen zu lauschen, während die Sonne langsam über den Horizont kroch.

All diese Gefühle wollte ich in meinen Fotos einbinden, bzw. mit dem Medium Fotografie transportieren.

Da ich mich schon vor Sylt mit Langzeitbelichtungen beschäftigte, lag es nahe die Nordsee aufgrund der Motivvielfalt und Wassernähe, mit dieser Technik zu visualisieren.
So ist die Fotoserie Söl geboren. Das Wort Söl bedeutet aus dem Friesischen übersetzt schlicht und einfach „Sylt“, und so schlicht und minimal wie der Name der Serie sollten auch meine Fotos nur das Nötigste zeigen, um dem Betrachter das erwähnte Gefühl der Stille näher zu bringen.

Das Fertigen der Fotografien, die größtenteils durch Langzeitbelichtungen entstanden, war aufgrund des Windes und der Unberechenbarkeit des Meeres nicht immer einfach. Oft stand ich urplötzlich knietief im Wasser oder musste das Stativ regelrecht sichern und festhalten, um einem plötzlichen Verwackeln vorzubeugen.

Die nächste Tücke waren die Gezeiten, die mir nur allzu oft einen Streich spielten. Da ich ausschließlich mit dem Fahrrad die Insel erkundete, war es meine eigene Schuld, dass ich mich nicht rechtzeitig über Ebbe und Flut informiert habe, und so des Öfteren am begehrten Motiv ankam, dass entweder vollkommen von der See verschluckt wurde oder aber bei Niedrigwasser im braunen Schlick keine schöne Wirkung entfalten wollte.

Kam es aber zur Möglichkeit, das Wetter und die Gezeiten voll nutzen zu können, war es wie eine Erfüllung, den Auslöser zu betätigen und zu warten.

Wetterphänomene gab es auf Sylt genug. Vom plötzlichen Seenebel, der  tagsüber vom Meer her über den Strand kroch, über dicke Schneestürme zu Sturmfluten und außergewöhnlichen Wolkenstrukturen konnte man alles erleben, wenn man sich dieser tollen Insel nur hingab.

Noch immer schaue ich mir gerade diese Serie gern an, da ich unzählige Erinnerungen und Momente mit jedem Foto verbinde und ab und an schmerzt es mich schon, diese Insel wieder verlassen zu haben. Aber… ich komme wieder.

Ganz bestimmt!

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40 Kommentare

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  1. Toller Artikel und sehr schöne Bilder! Ich habe einige von dir schon bei „Länge mal Breite“ in Wenningstedt gesehen. Bin selber einige Wochen im Jahr auf der Insel und entdecke diese immer wieder neu. Sylt ist ein ganz besonderer Ort. Wie heißt es doch so schön „Wer einmal auf Sylt war, kommt nie wieder – oder ein Leben lang!“

  2. Hm, wird kwerfeldein nun zum showroom? In den letzten Tagen gabs nun gleich 3 Artikel, in denen man zwar durchaus hübsch anzusehen Bilder hat, aber ansonsten ist der Inhalt eher dünn. Ich mein, man kann doch sicher recht viel schreiben darüber was man zum Beispiel bei Langzeitbelichtungen beachten muss, welchen Filter man nimmt, welcher ggf. nix taugt, wie man die s/w Umsetzung dann derart kraftvoll gestaltet…. aber all diese, für mich als kwerfeldein-Leser interessanten Infos gibts nicht.

    • Muß Dir da recht geben. Finde die Bilder auch sehr gelungen. Allerdings kann ich mir das auch auf zig anderen Plattformen ansehen. „Früher“ gab es doch mehr Hintergrundinfos, und das ist es ja auch was KWERFELDEIN so interessant macht.

      VG
      Stefan

    • Es ist aber auch interessant zu erfahren, was andere Fotografen inspiriert und welche Sicht sie auf ihre Umwelt haben. Die Technik ist ja eh immer abhängig von der jeweiligen Situation und somit nur bedingt übertragbar. Ich persönlich finde, zu erfahren, was andere Menschen antreibt erweitert den eigenen Horizont mehr als technische Hintergrundinfos. Und zum Glück gibt es kein Universalrezept auf tolle Bilder, das würde unsere Welt sehr eintönig machen…

      • Hm, könnte mir vorstellen, dass hier zwei Welten aufeinander prallen. Ich gebe eher Stefan recht, denn als noch nicht so technisch versierter Fotograf interessieren mich Aufnahmedetails: wie wurde es gemacht, was kann ich lernen, mit meiner Kamera besser umzugehen und Blende und Belichtungszeit sinnvoll einzusetzen? Wer fortgeschrittener ist, erkennt sicherlich technische Umsetzungen auch eher und ist deshalb nur bedingt hilfreich für Dich, Alex.

  3. Diese Gefühle kommen bei mir auf jeden Fall an, ich liebe diesen Stil der Fotografie. Möchte das schon seit langem ausprobieren, jedoch fehlte mir dazu bisher immer die See/Meerlandschaft :)

    Ich bin wirklich beeindruckt von der Tiefe deiner Bilder. Einfach wunderbar und auf jeden Fall Fotos zum An-die-Wand-hängen.

  4. Hi Ronny,

    mir gefallen deine LZ-Belis ausgesprochen gut. Es ist, wie wenn die verrinnende Zeit sichtbar gemacht wird. SW passt wunderbar dazu.

    Kannst du mir einen ungefähren Anhaltspunkt geben, welche Filterstärke du nutzt und mit welchen Belichtungszeiten du arbeitest?

    Danke + Gruß
    Oli

    • Hallo Oli,

      danke Dir!
      Ich benutze Dichtefilter verschiedener Stärken aber größtenteils verwende ich den 1000-Fach Dichtefilter um ausgesprochen lange Belichtungszeiten zu erhalten. Diese bewegen sich im Rahmen von 20 s bis aufwärts zu 600 s und mehr. Je nach Wetterlage, Licht und natürlich auch Lust und Vision!

  5. Großes Kino.
    Es ist aber wahr das die Gegend am Meer eine ganz andere Stimmung ausstrahlt als jeder andere Ort der Welt. Man kann sich Stundenlang vom Rauschen des Meeres berieseln lassen als auch versuchen fotografisch das Land zu entdecken.
    Die Bilder haben mir einen neuen Reiz gegeben im neuen Jahr wieder die Nord oder Ostsee zu bereisen, vorzugsweise bei schlechtem Wetter diesmal.

  6. Denn diese eine Liebe / wird nie zuende geh’n! / Wann werd ich sie wiederseh’n?

    Wunderbare Bilder! Wirklich klasse wie du die Weite des Meeres und die Ruhe eingefangen hast!

  7. Deine Fotos gefallen mir sehr gut ich mag diese pure Art der schwarz weiss Fotografie. Habe dann aber auch zwei Frangen an Dich. Wie lange warst Du auf der Insel und wann hast Du deine besten Aufnahmen gemacht. Also eher am Anfang Deines Aufenthalts oder am Ende.

  8. Hallo Arek.
    Vielen Dank! Auf der Insel habe ich ca. anderthalb Jahre gelebt. Da ich mich fotografisch weiter entwickelt habe, gefallen mir ein paar der neueren Aufnahmen lieber. Es existieren aber auch Favoriten aus der Anfangszeit. Gefallen tun sie mir jedoch alle Fotos, sonst würde ich sie nicht ausstellen.

    Hallo Flo,
    Ronny Ritschel ist ein befreundeter Fotograf mit dem ich schon auf gemeinsamer Fototour unterwegs war und dessen Arbeiten ich sehr schätze! Schaut man genauer hin erkennt man stilistisch jedoch große Unterschiede. Nächstes Jahr lassen wir uns auf ein gemeinsames Projekt in einem weit entfernten Land ein. Man darf gespannt sein.

    • Hallo Flo,

      da ich in Hamburg lebe und Sylt gerade mal ein paar Stunden entfernt ist, war ich mit Ronny vor ein paar Monaten auf gemeinsamer Fototour. Oberflächlich gesehen ähnlich sich ein paar Aufnahmen, dennoch arbeitet Ronny fast ausschließlich im S/W und 1:1 Bereich, während ich hier und da in andere Fotografiebereich abschweife.

      In der Tat gibt es ein gemeinsames Projekt, welches jetzt noch nicht verraten wird. Die Vorstellung findet im Frühjahr auf meinem Fotografieblog BlogTimes statt. Ich für mich freu mich bereits jetzt wie ein Schnitzel….

  9. Interessant, ich war im Herbst auch auf Sylt, leider nur für 2 Stunden. Sollte ein Tagesausflug werden, haben uns aber etwas verplant mit der Zeit :)

    Das letzte Foto ist genial, das erinnerte mich sofort an eine Szene aus Fluch der Karibik, ich glaube aus dem dritten Teil.