title
09. Juli 2010 Lesezeit: ~ 9 Minuten

3 Tage Island – Reisefotografie mit Zeitdruck

Island empfängt uns strahlend hell. Sonnenschein und frühlingshafte Temperaturen. Von dunkler Asche keine Spur. Ende Mai habe ich die Möglichkeit, die Insel im Nordatlantik, die durch den Ausbruch des Vulkans Eyjafjallajökull im Frühjahr in aller Munde war, zu besuchen.

Der isländische Funktionsbekleidungshersteller 66°North hat mich zusammen mit ein paar weiteren europäischen und amerikanischen Journalisten eingeladen, an einer Besteigung des Hvannadalshnúkur teilzunehmen, des höchsten Gipfels der Insel.

Gemeinsam mit der Isländischen Bergführergesellschaft (IMG) veranstaltet 66°North bereits zum dritten Mal ein Programm, das Teilnehmern die Gelegenheit gibt, den Gipfel von Europas größtem Gletscher zu erklimmen. Drei Tage sind wir auf Island, in denen uns 66°North die Firma, das Land und vor allem den 2110 m hohen Berg näher bringt.

Neben der Bergtour, die als 15-stündiges Auf und Ab für den zweiten Tag angesetzt ist, wollen wir weitere sehenswerte Orte besuchen. Stoff für eine spannende Geschichte wird es demnach reichlich geben, nur wie bei Pressereisen üblich, ist alles in einen engen Rahmen gequetscht. Zeitdruck ist aber nicht unbedingt das, was man sich als Fotograf wünscht, um gute Bilder mit nach Hause zu bringen. Tja, so ist die Situation – also versuche ich, das Beste herauszuholen.

Island – Reisefotografie

Bevor es so richtig losgeht, wird uns bei einem gemeinsamen Abendessen in aller Nachdrücklichkeit mitgeteilt, dass es Island gut geht! Die Insel leidet nicht unter der Aschewolke und von all den Vulkanen geht auch keine Gefahr für Leib und Seele aus. Ein 20-prozentiger Einbruch im Tourismus lässt viele Reisende im Moment jedoch einen Bogen um Island machen. Da hofft man, dass wir mit guten Worten in aller Welt die Werbetrommel rühren werden und bald alles wieder seinen gewohnten Gang nimmt.

Nach dem Essen schlendern die meisten in eine dunkle Bar. Zu isländischem Bier oder gar „Schwarzem Tod“ – The Original Icelandic Schnapps. Mir ist lieber nach frischer Luft zumute und ich laufe hinüber zum Hafen von Reykjavik und dem Meer, über dem zu später Stunde langsam die Sonne untergeht. Blaues Wasser und warmes Licht verschmelzen. Mit langer Belichtungszeit und einem leichten Kameraschwenk mache ich Fotos der seichten Wellen. Malerisch ist das Bild und so ruhig wie die stille Abendstunde.


Island – Reisefotografie

Tag 1

Wir machen uns auf den Weg gen Osten und Richtung Hvannadalshnúkur. Auf der Fahrt über die Ringstraße entlang Islands Südküste reiht sich ein Highlight ans Nächste. Neben wenigen kurzen Stopps müssen wir die Landschaft, die zunehmend in Wolken und Nieselregen eintaucht, aus den Busfenstern genießen. Einer fotografischen „Regel“ nach, sollte man bei der Fahrt nicht durch das Fenster fotografieren, da ohnehin nichts Brauchbares dabei herauskommen wird. Ich mache aus der Not eine Tugend und tue es trotzdem. Jedoch erneut mit langer Belichtungszeit. Ich möchte einen Wischeffekt erzielen, der gerade verdeutlicht, dass das Bild während der Fahrt entstanden ist. So ragen die Westmännerinseln über einem Gletscherfluss auf und in den düsteren Wolken spiegelt sich das Busfenster.

Island – Reisefotografie

Am Seljalandsfoss der nächste Halt. 15 Minuten Zeit, um diesen Wasserfall zu erkunden, dann sollen wir zurück im Bus sein. Viel zu wenig. Also werden wir unserem neugierigen Journalistendasein gerecht und dehnen die Zeit auf das dreifache aus. Über die ehemalige Küstenlinie stürzt der Wasserfall in die Überschwemmungsebene des Markarfljót. Er gehört zu den bekanntesten Islands und Fotos davon finden sich in jedem Reiseführer. Seine Besonderheit: Ein Pfad führt hinter dem Wasserfall herum und man kann durch das Wasser auf das Land davor blicken. Wie bei jedem Stopp, zücken alle ihre Kameras und mir scheint, als würden alle die gleichen Bilder machen. Tausendmal gesehen. Nichts Neues.

Ich versuche in der Kürze der Zeit einen anderen Blickwinkel zu finden. Durch den Wasserfall sehe ich, dass Vögel davor umher fliegen. Ich mache einige Bilder, nur mit einem engen Ausschnitt der grauen Wassermassen, und habe Glück. Auf einem Bild erkennt man einen Vogel in schöner Flugpose. Es ist meine Interpretation des Seljalandsfoss.

Island – Reisefotografie

Tag 2

Die Nacht im Hotel Skaftafell ist kurz. Frühstück um 4 Uhr, Aufbruch eine Stunde später. Wolken hüllen den Hvannadalshnúkur ein. Am verlassenen Bauernhof Sandfell warten 18 Mountainguides, die an diesem Tag eine große Gruppe zum Gipfel führen. Mehr als 150 Teilnehmer des Trainingsprogramms teilen sich in kleinere Gruppen auf, nach Leistungsstärke sortiert. Wir schließen uns den Trüppchen an, die alle einen Guide bekommen, der von nun an Tempo und Richtung bestimmt.

In langer Schlange ziehen wir über steile Geröllhänge bergan. Nebelfeucht. Auf dem schmalen Pfad ist es kaum möglich zur Seite zu treten, um Bilder der Gruppe zu machen. Also nehme ich die Kamera im Gehen aus meiner Bauchtasche und mache Fotos im Aufstieg und aus der eigenen Bewegung heraus. Vor mir unser Guide Gísli mit dem Seil und weitere Bergsteiger, die hinauf steigen in die helle Gletscherwelt.

Island – Reisefotografie

Der Wettergott meint es gut mit uns an diesem Tag – auf etwa 1000 m Höhe durchbrechen wir die Wolkendecke. Blauer Himmel und Sonnenschein taucht die Gletscherlandschaft in ein Licht, so strahlend hell, wie man es sonst nur aus dem Flugzeug kennt, das über einem Meer aus Wolken seinem Ziel entgegen fliegt. Nun ja, wir fliegen nicht, sondern stapfen, von nun an angeseilt, Schritt für Schritt höher und überqueren Spalten im Eis. Stunden vergehen, bis wir den steilen Gipfelaufbau erreichen, den wir mit Steigeisen an den Füßen auch noch erklimmen.

Um 14 Uhr stehe ich gemeinsam mit nahezu 30 weiteren Bergsteigern bei Windstille 2110 Meter hoch am höchsten Punkt von Europas größtem Gletscher. Es werden die obligatorischen Gipfelfotos geschossen – Seilschaften in Siegerpose. Und Ausblicke über die Landschaft, die Gletscherwelt zu unseren Füßen. Aber mir fehlt noch ein Motiv, auch hier eine kleine Geschichte. Ich finde sie in zwei jungen Frauen, die dabei sind, sich am höchsten Punkt – einem verschneiten Steinmann – gegenseitig in aller Freude zu fotografieren. Ein Dokument der Dokumentation.

Island – Reisefotografie

Der Abstieg verläuft nicht bedeutend schneller. In einer der Pausen fragt mich Michelle Theall, Editor-in-Chief des amerikanischen Women’s Adventure Magazine und mit mir in einer Seilschaft, ob ich nicht ein Bild von Beate machen könnte, wie sie mit dem Gipfel des Hvannadalshnúkur im Hintergrund im Schnee liegt. Vielleicht könne sie die Aufnahme für eine Doppelseite im Heft gebrauchen. Rasch dirigiere ich den Rest unserer Seilschaft aus dem Weg und mache einige Bilder von Beate im Schnee. Ein Hauruck-Minifotoshooting an Ort und Stelle, durch ein Seil verbunden und im prallen Licht der Nachmittagssonne. Ob es wohl eines der Bilder in das Magazin schaffen wird?

Island – Reisefotografie

Island – Reisefotografie


Tag 3

Müde in den Beinen klettern wir am dritten Tag wieder in den Bus. Es geht zurück nach Reykjavik. In Vík gibt es zu Mittag isländische Fleischsuppe. Wieder einmal hängen die Wolken tief und die kleine Kirche oberhalb des 300-Seelen-Nestes verschwimmt im Nieselregen. Ein Bild wie Hitzeflimmern und so mystisch wie der Ort. Vor der Küste am Strand von Reynisfjara ragen die Reynisdrangar-Säulen aus dem Meer empor.

Der Legende nach entstanden sie, als zwei Trolle einen Dreimaster zur Küste schleppen wollten und die Sonne unerwartet durch die Wolken brach. So erstarten die beiden zu Stein. Das Wetter ist kaum brauchbar für ein schönes Bild. Fahler Himmel, dunstige Luft. Erneut ist es ein einzelner Seevogel, der die Szenerie aufpeppt.

Island – Reisefotografie

Island – Reisefotografie

Später am Abend, besser gesagt in der Nacht, komme ich auf dem Weg vom Reykjaviker Restaurant Square zum Hotel Loftleidir an der markanten und das Stadtbild überragenden Hallgrímskirkja vorbei. Um kurz vor 1 ist an ein „gutes Bild“ nicht mehr zu denken. Obwohl es in den Nächten nicht dunkel wird, sind die Belichtungszeiten trotz hochgedrehter ISO-Zahl zu lang und ein Stativ habe ich nicht dabei.

Auf ein Bild der Kirche möchte ich aber nicht verzichten. Also entschließe ich mich bewusst dazu, erneut eine lange Verschlusszeit zu wählen und verdrehe während der Auslösung zudem den Zoomring am Objektiv. So erlangt die Kirche eine strahlende Erscheinung. Nicht perfekt, aber eine schöne Erinnerung.

Island – Reisefotografie

Nachwort

Es war der Versuch, in 3 Tagen Island etwas andere Bilder zu machen. Nicht die, die jeder macht, wenn er mit vielen Anderen denselben Ort besucht.

Wie sind Eure Erfahrungen mit der Reisefotografie? Habt Ihr immer ausreichend Zeit? Oder muss es auch schon mal schnellschnell gehen?

Unterstütze kwerfeldein

Wenn Dir dieser Artikel oder das ganze Magazin gefällt, kannst Du die weitere Arbeit von kwerfeldein gern via Paypal, Überweisung oder Dauerauftrag mit dem, was es Dir wert ist, unterstützen. Vielen Dank!

kwerfeldein finanziert sich neben Werbeeinnahmen auch durch Provision von Verkäufen auf Amazon und freiwillige Beiträge der Leser*innen, um unabhängig zu bleiben.

Paypal


Überweisung

kwerfeldein
IBAN: DE0837050198 1933436766
BIC: COLSDE33XXX

Amazon
kwerfeldein @ Spreadshirt


36 Kommentare

Schreib’ einen Kommentar

Netiquette: Bleib freundlich, konstruktiv und beim Thema des Artikels. Mehr dazu.

  1. Hallo Martin, vielen Dank für diese wunderbaren Eindrück! Obwohl ich einige Monate in Island gelebt habe und nun wieder lebe, habe ich es noch nicht auf einen Gletscher geschafft. Deshalb: Vielen Dank für diese anderen, neuen Eindrücke und Bilder. Ich mag v.a. das von der Ameisenstraße im Schneefeld und der Möwe hinterm Wasserfalle. Bisher hatte ich immer genug Zeit auf meinen Reisen, zu fotografieren, zu recherchieren – ich war aber auch allein unterwegs und nicht auf Pressereisen.

  2. Hallo Martin,

    klasse Bilder und toller Bericht, habe auf meinem Blog auch gleib Werbung dafür gemacht.

    Auf Reisen versucht man ja immer die momentanen Erlebnisse einzufangen um auch Wochen/Jahre an die tolle Reise erinnert zu werden. Nur wie es bei Kurztrips so ist, ich bevorzuge Kurztrips, stiefelt man von einer Atraktion zur nächsten und ist häufig mehr damit beschäftig, das Objekt richtig in Szene zu setzen und für zu Hause einzufangen. Ich konzentriere mich daher wie du eben auch geschrieben hast mich auf besondere Blickwinkel zu konzentrieren und dann die Standardbilder von meinen Mitreisenden zu nutzen. :)

    Liebe Grüße

  3. Blogartikel dazu: | Foto Rundreise

  4. Blogartikel dazu: Martin Hülle | Fotografie & Expeditionen – Blog » 3 Tage Island – Gastbeitrag im Kwerfeldein Fotografieblog

  5. Hallo Martin,
    ein überaus interessanter Reisebericht mit großartigen Aufnahmen. Aus eigener Erfahrung weiß ich, dass in den Bergen zu fotografieren nicht immer einfach ist. Dennoch bereitet es mir immer wieder großen Spaß.
    Eine Frage: In welcher Höhe habt ihr denn angefangen zu wandern bzw. wie viel Höhenmeter hab ihr insgesamt bewältigt?
    Viele Grüße,
    sensorpixel

    • @Sensorpixel
      Wir haben die Bergbesteigung auf ca. 70 m Höhe begonnen. Es waren insgesamt demnach etwas über 2000 Höhenmeter im Auf- und Abstieg. Hinzu kam eine Wegstrecke von komplett ca. 25 km. Daher auch der lange Tag – meine Gruppe war 14,5 Stunden unterwegs …

  6. Hallo Martin , mit Interesse habe ich Deinen Bericht gelesen , Island war ja nicht nur wegen der Aschewolke im Gespräch ….. , ich habe es noch auf meiner ToDo Liste . Deine Bilder beiendrucken mich sehr , die Kirche ist wie Du schon beschrieben hast sehr mystisch – das hat was ! Mein persönlicher Favorit – ist die “gezoomte” Kirche – geniale Idee – da hast Du ein “Kunstwerk” geschaffen – Danke für Deine Inspiration .

    Ralf

  7. Du bist auf dem Profilbild oben ja kaum wieder zu erkennen! Ich kanns nicht genau drauf erkennen: bist Du noch mit der D300 unterwegs oder hat Dich das Vollformat doch erwischt?
    Grüße Blue

  8. Wow… ich hab letztes Jahr 3 Wochen (auch viiieeel zu kurz) durch Island getourt. Island ist einfach einzigartig und wenn ich ehrlich bin auch der Grund, warum ich jetzt eine DSLR besitze…Hab mich dort jeden Tag geaergert, dass ich nur eine Kompaktkamera dabei hatte (auch wenn mit dieser auch schoene Bilder entstanden sind – wie z.B. mein Avatar).

    Will auf jeden Fall noch mal dorthin…mit DSLR!
    Wie kommt man denn eigentlich an so eine Pressereise?

  9. Ein wirklich sehr interessanter und lesenswerter Bericht. Aber auch die anderen Berichte in dem Weblog von Martin sind sehr lesenswert.

    Ich finde die Bilder sehr schön, vielleicht auch weil sie so “anders” sind. Einen Nachteil von solchen Versuchen – bekannte Motive anders zu fotografieren – ist aber oft, das die Motive ohne zusätzliche Erklärungen kaum noch erkennbar sind und der Rahmen – in denen sie eingebettet sind – fehlt.

  10. Jap. Urlaub! Kamera geht mit – doch die Zeit wo bleibt sie???? Ja ich nehme mir jedes mal vor, schöne Bilder zu machen! Im Urlaub bin ich ja entspannter, und so… nun ja das Resultat sind ständige Schnappschüsse und bloss alles auffangen und da hin und dort hin… Aber trotztdem immer wieder schön an anderen Orten zu gehen. Fotografieren macht einfach Spass! Schöner Beitrag!! Schöne Bilder!! gruß cagi

  11. Danke Martin,
    die Bildauswahl ist spannend, selbstbewusst und professionell!
    Lässiger Bericht dazu. Ein Spass gemeinsam mit Dir in der Seilschaft zu marschieren. Der Trip war so voller Eindrücke, dass ich danach 3 Tage schlafen hätte können. 3 Tage Island kamen mir vor wie 3 Wochen.
    Bis ganz bald am Bodensee,
    Matthias

  12. Jo Island immer eine Reise Wert. Obwohl du hattest echt gutes Wetter :) Apropo muss endlich den Reisebericht vom letzten Jahr fertig machen … Ich finde deine Bilder wie immer genial ,,,

  13. Hallo Martin,

    wirklich tolle Bilder! Ebenso der Text war angenehm zu lesen :-)
    Kannst du vielleicht Web-Sites empfehlen welche sich Fotografisch mit dem Thema “Reisen” auseinandersetzen?

  14. Hallo Martin,
    nein, es ist ist nicht immer genug Zeit Bilder zu machen, wenn ich an meine Aktivitäten der letzten beiden Jahre in den Alpen denke. Deshalb hat mich Dein Bericht nun auch sehr angesprochen. Schön geschrieben und viele schöne Ideen.
    Aber es kamen immer mal wieder ein paar gute Bilder zustande. Und das freut mich dann.

    Mach weiter so, beeindruckend, was Du machst, gefällt mir.

    Grußaus Westfalen, Bernd

  15. Hi Martin,danke für die schnelle Rückantwort. Nun doch auch mal zu Deinen Bilder und vor allem: Respekt vor der physischen und psychischen Leistung!!! Die Bilder finde ich zum großen Teil sehr gelungen. Besonders gelungen ist das mit den Wanderarmeisen und eines, dass ich “unterwegs” nennen würde, also während des Laufens in der Gruppe.
    Für nicht so gelungen halte ich das Bild vom Wasserfall. Wenn das Bild an sich doch ungewöhnlich ist, so könnte es prinzipiell an vielen Orten der Erde sein – da fehlt mir das Besondere vor Ort, da wirkt mir das “ich machs jetzt anders als alle anderen” doch ein wenig gewollt und erzwungen. Nur weils eine ganze neue Sichtweise ist, muss sie nicht auch überzeugen – hier hätte ich mir eher ein klassisches Bild gewünscht – ist aber natürlich persönlicher Geschmack. Ebenfalls persönlicher Geschmack ist das Bild von der Kirche. Ja, kein Stativ dabei, das ist natürlich schwierig. Das Ergebnis würde ich als “Kunstwerk” werten, aber als Doku-Foto will es mir nicht so recht gefallen (muss es ja auch nicht, klar).
    Soweit! Vielen Dank für den wieder sehr interessanten Bericht!
    GRüße Blue

    • @Blue
      Danke für Deine “kritischen” Anmerkungen.

      In den heutigen Browserfruits zeigt uns Martin ja auch ein Bild des Seljalandsfoss in klassischer Perspektive. Ich habe dort das “anders sein” eben auf die Spitze getrieben und wollte hier mal zeigen, dass es durchaus auch mal lohnen kann, ein Motiv im wahrsten Sinne des Wortes von der anderen Seite abzulichten. Denn meines Wissens gibt es auf Island keinen anderen Wasserfall, bei dem man hinter dem Wasser herumlaufen und so durch das Wasser auf das Land davor blicken und fotografieren kann.

      Das Bild der Kirche würde ich weder als “Kunstwerk” noch als klassisches Doku-Foto betrachten. Wie ich schon im Artikel schrieb, ist es nicht perfekt und daher für mich kein Kunstwerk. Dafür hätte ich auch bei dem gezeigten Bildeffekt ein Stativ verwenden müssen, um jegliche Verwacklungsunschärfe auszuschließen. Aus der Hand fotografiert ist es so nicht zu 100 % perfekt – und daher für mich eher eine schöne Erinnerung …

      • …es gibt mindestens einen weiteren Wasserfall auf Island, den man “hintergehen” kann, nämlich den Kvernufoss (gar nicht weit vom Skógafoss).

        Ich finde deine Interpretation des Seljalandsfoss sehr gelungen, und mir genügt auch der gegebene Kontext – für mich der Höhepunkt deiner Serie.

  16. OK – Island. Eine schöne Insel, sie gehört auch zu den beiden Reisezielen, die ich in meinem Leben noch besuchen möchte. Die Bilder könnten zwar auch in anderen Orten gemacht worden sein, irgendwie fehlt mir da auch der Bezug zur Insel, aber das kann natürlich auch gewollt sein.

    Allerdings geht es gar nicht, dass man ein Bild mit schiefen Horizont veröffentlicht. (Bild 10, von oben)

    • @Teatime
      Deinen Kommentar “verstehe” ich im Grunde nicht … Wieso fehlt Dir bei den Bildern der Bezug zur Insel, wo doch zahlreiche Motive eindeutig isländische Orte zeigen (die Westmännerinseln, den Gipfel des Hvannadalshnúkur, die Hallgrímskirkja, die Reynisdrangar-Säulen, die Kirche in Vik, den Öræfajökull)?

      Deinem Blog entnehme ich, dass Du seit 30 Jahren als Fotograf arbeitest. Und da hast Du nie mal etwas schief fotografiert? Ob das bei diesem Bild Sinn macht oder nicht, sei dahingestellt – aber es als grundsätzliches Unding abzuschreiben, finde ich von der Aussage her sehr gewagt …

      Übrigens: Kennst Du Andy Spyra, den mit Preisen dekorierten jungen deutschen Reportagefotograf (http://www.andyspyra.com)? Bei ihm ist fast jedes zweite Bild schief …

      Mehr zum Inselbezug und Bild 10 in meiner Reaktion zum Kommentar von Alex weiter unten.

      P.S. Bild 3 ist übrigens auch schief :-)

  17. Hallo Martin,
    3 Tage sind natürlich viel zu kurz für so ein schönes Land wie Island. Danke trotzdem, für deinen interesanten Bericht, sehr schön zu lesen. Aber irgendwie wollen mir viele Fotos nicht richtig gefallen. Das Foto vom Wasser im Hafen von Reykjavik zum Beispiel. In dieser Stadt gibt es soviel spannendes zu entdecken und dieses “Wasserbild” hätte auch überall anders entstanden sein können. Eben kein Bild, was ich mit Reykjavik verbinden würde.
    Auch das Bild von den Felsen vor Vik finde ich technisch nicht so berauschend. Ein wenig geraderücken und etwas mehr “Bearbeitung im generellen Sinne” wären dem Bild sicherlich zu Gute gekommen. Auf mich wirkt das Bilder leider so, als wäre es “nur mal schnell” geschossen und eben auch genauso belassen.
    Wie gesagt, trotzdem ein sehr schön zu lesender Bericht, aber die Fotos können meiner Meinung nach nicht mit dem Text mithalten (das Bild von der Kirche in Vik gefällt mir jedoch sehr gut.)
    Ich hoffe und denke jedoch, dass du genau das getan hast, was der Veranstalter von dir erwartet hat: Mit einem spannenden und schönen Bericht den Menschen Lust zu machen, dieses wunderbare Land zu besuchen.
    Viele Grüße

    • @Alex
      Auch Dir ein Dank für Deine “kritischen” Worte.

      Dieser Beitrag hatte ja nicht in erster Linie zum Ziel, Island zu zeigen. Sondern zu verdeutlichen, was es heißt, mit Zeitdruck “brauchbare” Bilder zu machen.

      Das “Wasserbild”. Warum gefällt es Dir nicht? Nur weil Du keine Verbindung zu Reykjavik siehst? Das war auch nicht mein Anliegen bei diesem Bild. Es sollte “nur” eine Stimmung vermitteln, die durchaus auch andernorts hätte aufgenommen werden können. Muss in der Reisefotografie ein Bild, das an Ort XY aufgenommen wird, immer auch eine Verbindung zu diesem Ort erkennbar sein? Darf es nicht auch alleinstehend wirken?

      Die Felsen vor Vik. Hattest Du den Text dazu gelesen: “Das Wetter ist kaum brauchbar für ein schönes Bild. Fahler Himmel, dunstige Luft. Erneut ist es ein einzelner Seevogel, der die Szenerie aufpeppt.” Dies sagt doch, dass ein gutes Bild, wie Du es Dir hier wohl wünscht, eigentlich gar nicht möglich war. Und warum soll ich die Szenerie nachträglich “verschönern” und nicht das Bild so wirken lassen, wie es real war? Eben dunstig und fahl. Zudem ist das Bild bewusst “schief” fotografiert, um so zu unterstreichen, dass dieses Bild nur einen “Eindruck”, einen Blick auf die Landschaft zeigt. Es soll kein “durchgestyltes Landschaftsfoto” sein – und ist es im Grunde doch, denn es ist eben nicht “nur mal schnell” geschossen, sondern so gewollt und auch bearbeitet.

  18. Ein wunderschönes Land und wunderschöne Bilder.
    Du bist zudem ein toller Fotograf und die Kamera ist auch klasse!
    Ich glaube, Natur und Geschehnisse zu fotografieren, liegt dir im Blut.
    Weiter so :)
    LG, Mari

  19. Blogartikel dazu: Fundstücke der Woche #2 | gwegner.de

  20. Ja, das Problem mit der Zeit…. Ich habe genug Zeit, meine Mitreisenden, speziell meine Frau ist natürlich nicht sonderlich begeistert wenn ich mein Stativ auspacken und anfange LZB zu machen. Schön ist aber, dass hinterher alle Kopien haben möchten da die Fotos so schön geworden sind. :)

    VG Jan

  21. Blogartikel dazu: Kwerfeldein: 3 Tage Island – dvux