Unschärfe
23. August 2012 Lesezeit ~ 3 Minuten

Essay: Alles darf, nichts muss

Als ich anfing, zu fotografieren, verbrachte ich oft die Zeit damit, mich in Zeitschriften oder Foren über Fotografie zu informieren. Um es gleich vorwegzunehmen: Heute weiß ich, dass ich bessere Zeitschriften hätte lesen sollen und dass es in Foren ungewöhnlich viele Experten gibt. Wortsammlungen wie „knackige Schärfe“, „super Autofokus“ oder „tolle Haptik“ schienen damals so etwas wie eine Art Elfmeter für gute Fotos zu sein.

Dem ist natürlich mitnichten so. Irgendwann ist mir klar geworden, dass ein guter Autofokus und eine hervorragende Schärfenabbildung für viele Fotos meines Geschmackes eher unbedeutend sind.

Hätte ich dieses Foto mit einer kürzeren Belichtungszeit aufgenommen, so dass alles scharf gewesen wäre, hätte das gleiche Objekt möglicherweise eine ganz andere Wirkung auf den Betrachter gehabt. Achtung, nun folgen Mutmaßungen: Vermutlich hätte es Leute gegeben, die darauf geachtet hätten, ob der Bart vernünftig geschnitten ist, die Augenbrauen gezupft wurden, wie die Haare liegen oder welche Form mein Kopf hat.

Da der Betrachter durch die Unschärfe jedoch weniger Informationen zur Verfügung hat, lässt er das Bild anders auf sich wirken. Man könnte auch sagen: Unschärfe betrachtet man im Ganzen, Schärfe im Detail.

Zweifellos braucht es auch Fotos, bei denen Schärfe zwingend notwendig ist, so kann man mit einem unscharfen Fliegen-Makro nur wenige Leute begeistern. Jedoch möchte ich hiermit so manchen Leser auch zum Nachdenken anregen. Muss immer alles perfekt sein? Ist es nicht manchmal viel wichtiger für ein Foto, was es transportieren kann?

Nur, weil die Werbung für eine Kamera oder ein Objektiv meint, dass es von höchster Güte sei und ganz besonders tolle Abbildungsleistungen aufbieten kann, müssen wir noch lange nicht solche scheinbar perfekten Fotos machen. Alles andere als perfekt ist das folgendes Foto. Licht fällt in den Rücken, Gesicht dunkel, die Heizung mag auch stören.

Es gefällt mir trotzdem. Geschmacksache? Ja, bestimmt! Aber was ist nun wieder Geschmack, kann jemand ohne Geschmack behaupten, dass es nicht sein Geschmack ist? Geschmack hin oder her, wichtig ist, was man selbst mag, ob mit oder ohne ich schreib das Wort jetzt nicht noch einmal ist dann am Ende egal.

Sicherlich ist es sinnvoll und auch wichtig, über Fotos zu sprechen, aber warum muss zusätzlich immer soviel über die Technik diskutiert werden? Die Frage nach der Ausrüstung ist an sich noch nicht zu verteufeln, die Gewichtung darauf jedoch schon. Bemerkenswert finde ich, wie oft Objektive empfohlen werden, obwohl man selbst noch kein anderes Objektiv der gleichen Brennweite in der Hand hatte. Getreu dem Motto: „Das habe ich auch und kann es daher nur empfehlen.“

Stattdessen sollten wir uns mehr über Bildaufbau, Perspektive und Lichteinsatz unterhalten. Das hilft gerade Anfängern oftmals viel mehr, als ihnen mit Tech-Talks Kopfschmerzen zu bereiten, weil sie nicht wissen, ob sie sich jetzt das Nikon 50mm 1.4. L Planar oder doch lieber die Canon D700 von ihrem Ersparten kaufen sollen.

Was ist richtig, was ist falsch?

Auf diese Frage kann es keine Antwort geben. Es wird Betrachter geben, die es stört, dass die Person auf dem Foto nicht scharf abgebildet ist und andere werden sagen, dass es dadurch erst interessant wird. Ein Dogma, das aussagt, dass ein unscharfes Foto in Tonne gehört, wird es bei mir jedenfalls nicht geben.

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47 Kommentare

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  1. … uiuiuiui, so früh und schon Zeit für Chips und Bier ? ;)

    Normen, Du sprichst mir so aus der Seele …

    « The day and the age of digital cameras has given rise to a wild herd of photographers that are skilled in doing but not seeing »

  2. So ein Artikel motiviert einen doch seinen eigenen Stil zu finden und vor allen Dingen weiter nach Motiven zu suchen und diese dann so abzulichten wie man es persönlich mag…Und vor allen Dingen solchen Sachen wie Fotocomunity den Rücken zu kehren ;)

  3. Hi Norman,

    du sprichst mir da aus dem Herzen. Ich bin zudem der Meinung, dass aus jedem Foto, welches als technisch verhunzt gilt, eine Daseinsberechtigung hat. Denn mit den heutigen Bearbeitungstechniken kann vieles kreativ umgewandelt werden.

  4. Wow, echt cool!
    Ich war mal eine Zeit lang auf so einem Fotostammtisch der sich nur mit Kameras meines Herstellers beschäftigt (mehr möchte ich da nicht sagen). Das war dort ein absolutes Schw…längen messen (kann ich das so schreiben?). Es gab dort nicht ein Bild zu sehen. Im Forum dazu wurden meine Bilder über haupt nicht beachtet und wenn doch dann waren sie prinzpiell Sch… (kann ich das auch so schreiben?). Ich bin Anfänger versuche mein bestes, Gestaltungsregeln sind für mich sehr Theoretisch, Feininger habe ich hoch und runter gelesen, nur beim Fotorafieren erkenne ich nichts davon. Doch habe ich noch niemanden gefunden mit dem ich an Beispielen über Gestaltung reden kann um so weiter zu kommen.

    Mein Verdacht ist, dass es einafacher ist theoritisch gute Fotos zu machen als praktisch es in die Tat umzusetzen, eben blinde die von Farben reden.

    Gruß
    Oli

  5. Das ist ein angenehmer Einstieg in den Tag am Arbeitsplatz :D Nein, also inhaltlich einfach mal wieder sehr passend, stilistisch ebenfalls ein toller Artikel. Ich hab übrigens die Canon D700 und kann sie jedem auch nur empfehlen, damit macht man die besten Fotos. Guten Tag.

    • Zitat:
      “Ich hab übrigens die Canon D700 und kann sie jedem auch nur empfehlen, damit macht man die besten Fotos”

      Unsinn!

      Ein guter Fotograf macht selbst mit einer schlechten Ausrüstung noch gute Fotos….
      …ein schlechter Fotograf macht selbst mit der besten Ausrüstung keine guten Fotos!

  6. Hallo Normen,

    vielen Dank für den Artikel.Er spricht mir ein wenig aus der Seele.

    Mich stört es mittlerweile, wenn man über Fotos redet und die spätestens dritte Frage die nach der verwendeten Ausrüstung ist (und zwar nach Marken- und Artikelnamen, nicht nur nach Blende, Verschlusszeit oder Brennweite). Denn “am Ende des Tages” will ich mich fotografisch weiterentwickeln, wenn ich anderen meine Fotos zur Diskussion stelle. Ich will wissen, was ich vielleicht zur besseren Bildwirkung verändern kann. Für diese Art der Diskussion braucht es aber vor allem eins: Kritikfähigkeit in beide Richtungen. Und ich glaube, dass diese Notwendigkeit einer von vielen Gründen ist, der Bildbesprechungen vermehrt auf eine Ebene des Ausrüstungsvergleiches verschiebt.

    Ich habe als Reaktion darauf für mich aufgehört, Bilder von mir online zur Diskussion zur stellen (aber vielleicht kommt das ja mal wieder). Denn es macht einfach viel Unterschied und kann aus meiner Sicht am Ende auch zwischenmenschlich nur positiv sein, wenn man sich bei Bilddiskussionen in die Augen sieht.

  7. Ich bin auch ein Freund von Unschärfe.

    Du schreibst: “Da der Betrachter durch die Unschärfe jedoch weniger Informationen zur Verfügung hat…”

    Dazu habe ich die Theorie, dass bei fehlenden Informationen in einem Foto das menschliche Gehirn des Betrachters die fehlenden Daten unbewusst im Kopf ergänzt, dass es schön ist. Und das ist individuell!

    Gut gemacht! :)

  8. Der Satz “über Geschmack lässt sich nicht streiten”, der hinter der offensichtlichen Botschaft noch viele weitere Geheimnisse bereithält, ist so alt wie die Menschen. Schon der eigene Geschmack befindet sich ständig im Prozess, oder sollte er. Ich könnte mich mit mir über meinen Geschmack streiten. Die Fotos, welche ich noch vor einem Jahr mochte, kann ich heute nicht mehr sehen. Ganz zu schweigen von denen vor zehn Jahren. Und viele von den Fotos die ich nicht mochte, mag ich nun. Trugschluss wäre zu glauben, ich sei am Ende meiner Entwicklung. Nur wenn ich bereit bin zu akzeptieren, dass ich in Zukunft andere Fotos mögen werde als jetzt – egal in welche Richtung – wird das eine schmerzfreie Entwicklung.
    Ich denke, es ist natürlich, dass man zu Beginn der Fotografie die Knackscharfen Fotos mag. Und man wird sich auch darüber streiten, ob Nikon, Canon oder Leica die beste Kamera baut und ob ein 35mm besser als ein 50mm ist. Auch, ob und wie ein Foto nachbearbeitet werden darf, ist weltweit ein gern genommenes Thema.
    Ich habe vor Zehn Jahren, auf einer Preisverleihung, einen Fotografen kennen gelernt. Damals hätte ich ihm für seine Aussage ein Bein abbeißen können. Heute bin ich seiner Meinung.
    Er sagte: Es ist völlig egal, wie das Foto geschossen und wie es nachbearbeitet wurde. Alles was zählt ist die emotionale Wirkung auf den Betrachter.
    Sprich, ein technisch Perfektes Foto, was diese emotionale Wirkung nicht erzeugt, ist kein gutes Foto.

    André

    • “Sprich, ein technisch Perfektes Foto, was diese emotionale Wirkung nicht erzeugt, ist kein gutes Foto. ”

      Wie war das eben noch mit der Geschmackssache? Genauso kann ein scharfes (oder unscharfes) Foto auf den den einen hochemotional wirken, den anderen aber völlig kalt lassen.

  9. Hallo Normen,
    Du hast Recht. Im Punkt des Einsatzes von Unschärfe hast Du vor allem insoweit Recht, als Du für Dich eine Begründung für unscharfe Fotos hast. Die kann ich sogar nachvollziehen.

    Leider bekomme ich persönlich bei der Betrachtung unscharfer Bilder (egal ob Bewegungsunschärfe oder fehlender Fokus) oft das Gefühl, dass diese oft im besten Fall ein Zufallsprodukt sind, wenn sie nicht ursprünglich sogar hätten scharf sein sollen. Dann wird im Nachhinein mühsam (vom Autor oder auch von der wohlmeinenden Schar der Betrachter) ein Sinn „hineingeheimnist“, der bestenfalls beliebig ist. Wäre das tatsächlich Dein Ziel?

    Meines wäre es nicht. Ich benötige abhängig vom Sujet auch nicht unbedingt immer knackscharfe Bilder (das erwähnte Fliegenmakro sollte natürlich schon scharf sein, wenn man es in der Öffentlichkeit zeigen will), und meine eigenen schaue ich mir eigentlich auch nicht in der 100-Prozent-Ansicht an. Hier in Kwerfeldein gelegentlich gezeigte romantische und mit großem Aufwand erstellte Landschaftsbilder finde ich (u. a.) wegen der penetranten Schärfe auch eher gruselig. Ich finde es aber doch hilfreich, wenn ich als Betrachter nicht ganz der Beliebigkeit überlassen werde. Und ein wichtiges Mittel dazu ist nun einmal Schärfe, gerne sehr selektiv und punktuell.

    Bei Deinen beiden unscharfen Bildern im Artikel erkenne ich, dass das Mittel der Unschärfe sehr bewusst eingesetzt worden ist, so dass Dich selbst meine Kritik eigentlich nicht trifft… Leider aber unterstützt der Artikel trotzdem die Tendenz einer gewissen Gruppe von Fotografierenden, die offensichtlich recht kritiklos unscharfe Fotos per se schon mal toll findet (und noch besser, wenn noch vergilbte 70er-Jahre-Farben dazukommen – ich weiß, ich übertreibe schamlos).

    Den Märtyrer im ersten Bild – das assoziiere ich jedenfalls -, finde ich nach etwas längerer Betrachtung übrigens gut!

    • Hallo Ulf,
      das sehe ich genauso. Mansche Bilder werden mit Gewalt auf alt getrimmt, dass ich mich frage warum achte ich eigentlich auf gescheite Optik oder warum brauchte er jetzt für dieses Bild das 6000 Euro Objektiv. Manschmal werden Effekte der Effekte wegen und nicht wegen des Bildes bzw. seiner Wirkung eingesetzt, siehe HDR, tilt/schift usw.
      Aber da geht es dann wohl auch wieder mehr um die Technik als um das Bild.
      Gruß
      Oli

    • “Wäre das tatsächlich Dein Ziel?” – ich verstehe was du meinst, aber ich möchte dem Betrachter keinen Sinn vorgeben und werde den Teufel tun, dem Betrachter meine Sicht auf das Bild aufzudrängen.

      Zum Thema Zufallsprodukt habe ich folgende Meinung: Es wäre schade um jedes tolle Zufallsprodukt das nicht gezeigt würde, weil es ein Zufallsprodukt war.

      Danke für deinen Kommentar!

  10. Geschmack ergibt sich aus der Summe von Informationen, die du aus deinem Habitus bekommst,
    Es ist nicht frei wählbar aber erlernbar – nach Bourdieu
    Technick ist zweitrannig – gute Bilder entstehen mit Kopf & Herz

  11. Ich diskutiere auch lieber ueber stilistische und kreative Fragen der Fotografie als ueber die neuste Technik. Man muss aber anerkennen, dass Fotografie zu einem Hobby der Massen geworden ist und dementsprechend auch die Menge an Menschen (oder besser Maennern) gross ist, die eine Kamera als Gadget sieht und sich eben mehr fuer die Technik als fuer Inhalte interessieren. Ich kann da aber auch nichts Schlimmes dran finden. Solange es nur ein Hobby ist, kann doch jeder tun und lassen was er will. Und wenn es Foren gibt, in denen nur ueber Technik diskutiert wird und als einzige Bilder, solche von Ziegelmauern, Testcharts und Gartenzwergen gezeigt werden, dann ist das doch ok.
    Das Internet ist ja zum Glueck sehr gross und es gibt auch genuegend Blogs und Foren wo der Inhalt zaehlt. Man muss sie vielleicht nur etwas laenger suchen.

  12. Danke, hier ist alles gesagt, was schon lange mal hätte gesagt werden sollen!
    Leider sind die “Professionellen”, die “Experten”, die ewigen “Diplom-Besserwisser” immer noch in der Überzahl und mir tun ab und an schon mal die Öhrchen ein wenig weh vom “konzentrierten Weghören”!
    Lieben Gruß
    moni

  13. Hm, dein Artikel versetzt mich um 20 Jahre zurück als ich anfing zu fotografieren und somit zurück zu den Wurzeln. Ich bin aus den, von dir aufgeführten Gründen, der analogen Fotografie treu geblieben. Inklusive eigener Entwicklung etc. Nicht weil ich ewig gestriger bin, oder ein hoffnungsvoller Romantiker sondern weil man in der analogen Fotografie denken muss…

  14. ich bin viel in foren unterwegs um ideen zu holen, inspiration oder sonstwas. deine 3 fotos hier sind das beste was ich in den letzten wochen gesehen habe. in foren lade ich schon lange nix mehr hoch. gute kritik kriegt man da eigentlich so gegen null. und mit gut meine ich was mich weiterbringt. gefällt mir was du da machst. danke dafür.

    • Hallo Micha,
      genau da sehe ich auch das Problem, gute Kritik die mir hilft besser zu werden ist selten. Entweder sind die Bilder supper Schei… oder supper gut. Woran liegt das? Will einem niemand helfen oder kann keneiner?
      Gruß
      Oli

  15. Danke für den Artikel, der doch Mut macht, seinen eigenen Ideen und seiner eigenen Kreativität zu folgen. Tatsächlich wird im Netz unheimlich viel über Technik -also das Was – und (meiner Meinung nach) viel zu wenig über das Wie geredet.
    Genau das aber entmutigt, wenn man dann nicht über das nötige Kleingeld verfügt, um sich Lichtstärke etc. leisten zu können. Insofern ist dieser Artikel ein richtiger Mutmacher!

  16. Nicht das Wie zählt, sondern das Ergebnis. Und da geht es nicht nur ums Gefallen, sondern auch darum, wofür ein Foto gebraucht wird. Unschärfe, SW und gewollt künstlerische Spielereien haben in der Pressefotografie nichts, in der Reportagefotografie wenig zu suchen, mit ganz wenigen Ausnahmen. Auf anderen Feldern sieht das ganz anders aus. Das beweisen die Bilder oben, die beziehen ihre Spannung tatsächlich aus der Unschärfe und dem SW. Wenn ich das so sage, teile ich mit, wie das Bild auf mich wirkt. Wie es gemacht worden ist, ist mir in dem Zusammenhang herzlich egal.

    • Im Bild bestimmen neben der Perspektive LICHT und SCHATTEN die räumliche Wirkung oder Plastizität des Sujet! Dieses bildnerische Gestaltungsmittel bedingt jedoch auch hohe Motivkontraste mit diversen Seiteneffekten. Und hier zeigt sich im (ästhetischen) Ergebnis stets die Auswahl der Fotoausrüstung – insbesondere die Güte der Optik …

    • Genau solche Diskussionen wie im DSR-Forum meine ich.Hier hat der Autor Bilder gezeigt die er gemacht hat. Andere Diskutieren über Bilder und machen sie schlecht, was ggf. ja stimen mag, aber haben selbst nie ein Bild von sich gezeigt oder zur Disukussion gestellt. Welchen Nutzen soll es haben wenn einer schreibt: “man kann sich seine Bilder auch schön reden”?

      Gruß
      Oli

  17. Zweifellos gäbe es zu dem Thema … nein, zu den diversen angerissenen Themen einiges zu sagen. Leider tut es der Artikel nicht. Stattdessen ein bisschen Nörgelei a la ‘Warum muss immer?!’, ‘Stattdessen sollten wir mehr!’ und ein diffuses ‘So ist es doch auch schön, alles nur Geschmackssache’-Statement.

    Wenn die zentrale Frage lautet: “Muss immer alles perfekt sein? Ist es nicht manchmal viel wichtiger für ein Foto, was es transportieren kann?”, dann lautet die Antwort darauf, es ist immer entscheidend für die Bewertung eines Fotos, was es für den Betrachter transportiert. Manchmal wird dies durch “knackige Schärfe” unterstützt, manchmal ist sie nicht notwendig, manchmal sogar störend etc. Soweit, so unoriginell.

    Anhand der illustrierenden Fotos hätte man z.B. erklären können, was hier transportiert wird (natürlich subjektiv) und warum. Ein “es gefällt mir trotzdem” ist mir ein bisschen wenig, darüber bedarf es keines Artikels. “Stattdessen sollten wir uns mehr über Bildaufbau, Perspektive und Lichteinsatz unterhalten.” Na aber gerne doch. Oder über die Wirkung von Unschärfe, oder darüber, warum Kreativität keine Frage der Technik ist, oder …

      • Du hast es “bewusst so” geschrieben? Ja, davon bin ich ausgegangen. Was denn sonst?

        Und ich habe es bewusst so kritisiert.

        Was ich allerdings nicht kritisiert habe, sind fehlende objektive Nachweise und definitive Antworten. Vielmehr war mein anscheinend nicht hinreichend klar fomulierter Kritikpunkt, dass sich dein Essay in der Beliebigkeit verliert. Unscharfe Begrifflichkeit -> Da wird Perfektion mal eben mit Schärfe gleichgesetzt. Unscharfer Gedankenlauf -> Wenn ‘alles darf, nichts muss’, es irgend jemandem garantiert immer gefällt, da alles nur Geschmackssache … warum dann “mehr über Bildaufbau, Perspektive und Lichteinsatz” unterhalten? Unscharfes Thema, unscharfe Kritik etc. Ja, ja, ich weiß, “Unschärfe betrachtet man im Ganzen”.

        Im Ganzen betrachtet kommt für mich kein origineller Gedanke, keine anregende Frage zum Tragen. Aber ich nehme an, dir gefällts trotzdem. ;-)

        Dazu fällt mir – ich hoffe passend zum Thema – ein:
        https://secure.flickr.com/photos/web-stark/4453077803/lightbox/

  18. Da kommen so viele fragen auf: Ist es Dokumentarisch oder Fineart? usw. – die Bildwirkung ist wichtiger als alles andere, aber ein schiefer Horizont an einer Mauer im Hintergrund kann das gesamt Bild zerstören.

    Konstruktive Kritik gibt es wenig, ich bin gerade dabei einen Artikel zu diesem Thema zu verfassen. Ich hoffe damit die Ansichten so mancher etwas ändern zu können, den womit du recht hast ist, das in Foren viel zu viel über Technik geschwafelt wird.

    Wenn man die Fotos für sich macht, ist es im Übrigen egal ob sie anderen gefallen, die anderen kommen erst dann ins Spiel, wenn man diese Bilder verkaufen möchte oder seine Dienstleitung anbietet, z.B. Hochzeitsfotograf, etc.

  19. Schön, dass man in letzter Zeit immer mehr Artikel ließt, die in diese Richtung gehen.
    Wie in vielen anderen Bereichen des Lebens, geht es auch in der Fotografenszene doch sehr oft mehr um das “Haben” als um das “Sein”.
    Gute Fotos lösen in erster Linie Emotionen aus, egal ob sie teschnisch perfekt sind oder nicht.

  20. ich dachte, wir stecken mitten im analoghype? diana, holga, lomo usw.
    dann noch auf die technik-foristen einzuschlagen, erscheint mir da etwas altbacken.
    vor allem muss unschärfe als gestalterisches mittel genauso gut eingesetzt werden, wie “knackscharf”. und ein “knackscharf”-dogma gab es in der fotografie meines erachtens auch noch nicht so wirklich.

  21. der Artikel hat mir aus der Seele gesprochen! Ich beginne gerade mich mit der Fotografie vertraut zu machen und wundere mich darüber, daß oft nur die Perfektion Anerkennung findet! Oftmals sind die Bilder ohne Anspruch die interessanteren. Hoffentlich bleiben nicht die Unterpriviligierten Fotografen auf der Strecke, weil die Perfektionisten alles niedermachen was nicht mit hochwertigen und technisch ausgereiften Fotoausrüstungen hergestellt wurde!

  22. Ich denke, dass die Schärfe wohl den meisten Menschen besser als die Unschärfe gefällt, weil sie gewohnt sind die Dinge mit ihren Augen scharf zu sehen.

    Der Grad der Schärfe (und somit auch die Unschärfe), gehört zu den Stilmitteln, wie die Belichtung, der Ausschnitt, etc. und sollte die Bildaussage unterstützen. Eine bewusste Auseinandersetzung mit dem Bild ist voraussetzung, dies zu erkennen – sowohl für den Fotografen, als auch für den Betrachter.
    Und da will ich einigen meiner Vorpostern zustimmen: viele im I-Net veröffentlichte Bilder machen auf mich den Eindruck, dass die gezeigte Unschärfe eher dem “nicht können” als dem “bewusst Einsetzen” geschuldet ist. Das trifft im weitesten aber auch auf andere Gestaltungsmittel zu.

    Mich interessiert, wann z. B. Unschärfe ein Bild für mich interessant macht – und wann ich den Zusammenhang mit dem Inhalt (der natürlich von mir in das Bild hinein interpretiert wird) nicht mehr herstellen kann, ich das Bild somit auch nicht mehr verstehe.

    • Guter Artikel! Du sprichst mir und sicherlich vielen anderen aus der Seele!

      Allerdings finde ich den Artikel ein klein wenig zu undifferenziert.

      Das Bestreben nach sauberer Technik ist vielen Fotografen gemein und hat wie ich finde seine Berechtigung. Was saubere Technik jedoch ist, hängt von dem gewollten Resultat ab. Auch Unschärfe muss sauber und ordentlich eingesetzt werden, wenn es dem Ergebnis dient. Wichtig ist einfach zu wissen wann man auf welche Details und Stilmittel achten muss und wann man sie vernachlässigen kann.

      Ein perfektes Bild an Schärfe, Farbe oder anderen Dingen festzumachen ist nicht die Lösung, keine Frage. Jedoch gelten in vielen Genres gewisse Regeln, die zwar gebrochen werden können, aber wo es eigentlich mehr Sinn macht sie einzuhalten. In der Sportfotografie wird man mit unscharfen Bildern keinen Erfolg haben, folglich wird das perfekte Sportfoto sehr wahrscheinlich knackscharf sein.

      Ich denke gerade viele Anfänger suchen einfach nur nach Orientierung in der Fülle an Möglichkeiten. Das macht es einfach, vermeintlich gute Ergebnisse zu erzielen. Technisch gut, jedoch vielleicht ohne Seele. Das wird später kommen, wenn man sich fotografisch weiterentwickelt. Dieser Prozess wird glaube ich nie richtig aufhören, was eigentlich gut ist, da man mit verschiedenen Stilmitteln experimentiert, einige verwirft, andere beibehält und wiederum andere weiterentwickelt.

      Dein Essay wird hoffentlich viele dazu bringen die sterotypischen Ratschläge nach Schärfe etc. zu umgehen und einen eigenen Stil zu entwickeln.

      Und noch was: ich meine durch Foto-Foren wird niemand ein guter Fotograf. Das wird man nur durch eines: viel, sehr viel fotografieren ;-).

  23. Ein sehr interessanter Artikel, auch wenn ich mit derartiger Unschärfe nichts anfangen kann und mir persönlich Schärfe in den meisten Fällen wichtig ist. Gestern hatte ich einen Workshop zum Thema “available Light” und der Dozent -ein Kameramann- hat genau DAS gesagt: es gibt kein richtig oder falsch, es kommt immer drauf an, was man selber (aussagen) will. Wobei man natürlich auch aufpassen muss …. nicht jedes verwackelte oder unscharfe Foto hat eine Aussage und im digitalen Photoshop-Zeitalter wird viel zuviel aufgehoben und für toll befunden, was eigentlich in den Papierkorb gehört. Ob das den fotografischen Blick schult, weiß ich nicht.
    Ich finde den Artikel dennoch sehr lesenswert, er regt zum Nachdenken an.
    Was ich mich nur frage: wo kann man eine CANON D700 kaufen?

  24. Sehe ich genauso!
    Ich habe im Oktober letzten Jahres vor der Entscheidung gestanden, DSLR, Bridge-oder-was??
    Hab mir dann eine FZ45 gekauft, bin raus und hab einfach drauflos fotografiert. Am Anfang noch mit jpeg, später dann RAW.
    Automatik-Modus? Wenn er mir hilft – Klasse!

    Ich habe festgestellt, daß oft ein Motiv erscheint, oft unerwartet. Dann habe ich entdeckt, daß mein Blick darauf sich wandelt und ich fast schon ein Foto im Kopf habe. Oft ist dann auch etwas Unschärfe da, der Blickwinkel vielleicht nicht der korrekteste und dem goldenen Schnitt habe ich gehörig den Stinkefinger gezeigt.
    Aber:
    Das Bild ist schön! Es gefällt mir und transpotiert etwas: Gefühl, Stimmung oder was-weiss-ich…

    Auf dieses Technikgehabe lege ich wenig Wert. Es ist sogar so, daß ich den Plan, eine DSLR zu kaufen, noch zurückgestellt habe, weil die FZ45 spontaner ist. Müsste ich dann im entscheidenden Moment noch ein Objektiv wechseln, wäre die Stimmung futsch.

    Mir ist es auch wichtig, daß der Moment genau so konserviert wird, wie ich ihn gerade erlebe. Im Real-Life ist manches auch mal unscharf, verwackelt, disharmonisch.
    Meine persönliche Feststellung: Fotografieren ist wie Angeln: weniger die Technik macht es aus, sondern letztendlich kommt es auf den Moment an, wo der Fisch anbeisst!

    Deshalb nochmal: Danke für diesen Artikel!

  25. Guter Artikel, den ich so unterschreibe. Auch ich experimentiere sehr gerne mit (Bewegungs)unschärfe und habe auch diesen kreativen Prozesse durchgemacht von der “Lehrbuch”-Fotografie hin zur kreativen Fotografie.
    Natürlich ist es wichtig, die Technik zu beherrschen, damit man weiß was man tut. Aber technisches Know-How ersetzt keine Kreativität. Viel wichtiger als technische Fragen (“Wie bekomme ich ein kanick scharfes Foto?”) sind die kreativen Fragen: “Was will ich eigentlich ausdrücken?”, “Was ist mein Stil, meine Ästhtetik?”…Letztere Fragen sind übrigens meist auch viel schwieriger und langwieriger zu beantworten. Auf den Weg dahin kann ich nur alle Fotografen ermutigen: Brecht die Regeln und traut euch was!

  26. Du sprichst ein wahres Wort gelassen aus. Ich habe mich in einem Fotografieforum angemeldet und finde das manchmal ziemlich demotivierend. Genau wegen den genannten Begriffen ”knackige Schärfe” usw.
    Nun könnte man natürlich sagen, dass ich das nur deshalb nicht so prickelnd finde, weil ich selbst technisch noch nicht versiert genug bin. Zum Teil mag das auch stimmen, aber zum anderen finde ich ganz ehrlich auch, dass ein Bild das gewisse Etwas üblicher Weise nicht durch technische Perfektion bekommt.
    Ich habe mir heuer eine Helmut Newton-Ausstellung angeschaut und das erste, was mir – die viel zu viel zum Thema gelesen hat, weil einen das schnell befangen werden lässt – aufgefallen ist, ist die Tatsache, dass Newton vielen seiner Models die Füße genau bei den Sprunggelenken abgeschnitten hat. Angeblich ist das ja ein No go: aber wenn man mal gut genug ist, darf man das…dann ist es ja gewollt…