Schon in der Kindheit habe ich mir Geistergeschichten ausgedacht und jene nicht fassbaren Wesen vor allem in der Nacht hinter dem Fenster, unterm Sessel und in den Ecken und Winkeln unserer Wohnung vermutet.
Sie waren die stillen Beobachter meiner Jugend. Meine Eltern hatten scheinbar keine Angst vor meiner blühenden Fantasie und unterstützten diese Neigung mit Geschenken in Form von Büchern über angebliche Geisterfotos.
Im späten 19. Jahrhundert, in einem kleinen Kämmerlein irgendwo in Boston passierte nämlich eine schauerliche Absonderlichkeit. William H. Mumler, von Beruf Graveur und Fotograf, machte ein Selbstbildnis und entdeckte anschließend auf dem Bild neben seinem Konterfei das unscharfe und geisterhafte Portrait seiner 12 Jahre zuvor verstorbenen Cousine.

links: Master Herrod mit Geist.
rechts: Conant mit dem Geist ihres Bruders.
© William H. Mumler
Aber wie so oft gab es natürlich auch dafür eine wissenschaftliche Erklärung – leider. Für das Foto hatte er eine nicht ordentlich gereinigte Platte benutzt und das Produkt war eine Doppelbelichtung. Er erkannte ziemlich schnell, was für einen Schatz er mit dieser Fahrlässigkeit aus den tiefen unser fantasievollen Seele gehoben hatte. Er gab sich fortan als Medium aus und eröffnete 1869 in New York sein Geisterstudio.
Die Geisterfotografie erfreute sich großer Popularität, sodass viele andere Fotografen seinem Beispiel folgten und ihre gläubigen Kunden zum Narren hielten, indem sie ihr Handwerk begriffen und geisterhaft einsetzten. Es entstand eine neue Dienstleistung im Bereich des Paranormalen und viele Portraits mit verstorbenen Verwandten überschwemmten die Stuben der Hinterbliebenden.

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