22. September 2021 Lesezeit: ~5 Minuten
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Wie finde ich Testshoots mit Modellen?
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Wie finde ich Testshoots mit Modellen?

Portraits sind wohl das beliebteste Genre in der Fotografie. Das Problem der meisten Menschen, die gerade am Anfang der Fotografie stehen, ist jedoch: Man braucht ein Modell, das vor der Kamera stehen möchte. Also überzeugt man zu Beginn vielleicht Bekannte oder fotografiert sich durch die eigene Familie.

Irgendwann traut man sich nach und nach, auch Hobbymodelle auf TFP-Basis zu portraitieren. Aber wenn man die Technik dann beherrscht, werden die Ambitionen auch größer. Und dann erreichen uns Fragen wie diese:

Wie finde ich Testshoots? Kann ich mich auch als unbekannte Fotografin trauen, Modell-Agenturen anzuschreiben? Was muss ich dafür mitbringen?

Kein Problem, ich habe alle Antworten. Und natürlich hatte ich dafür Hilfe. Ich habe jemanden gefunden, der definitiv weiß, wovon er spricht: Christian Köller. Er arbeitet seit 15 Jahren als Booker und Ausbilder bei Modelwerk und hat schon etliche Anfragen von Fotograf*innen gesehen.

Wie bekannt Ihr seid, ist einer Agentur egal, aber bevor Ihr eine Anfrage schreibt, solltet Ihr bereits ein professionelles Niveau und professionelle Bildqualität erlangt haben. Am besten vergleicht Ihr ganz realistisch Euer Portfolio mit dem, was online auf der Webseite der Modellagentur zu finden ist. Dabei geht es nicht darum, Eure bisherigen Modelle mit denen der Agentur zu vergleichen, sondern wirklich nur um die Bildqualität.

Könnt Ihr daran einen Haken setzen, geht es weiter mit einem guten Konzept. Christian bekommt tatsächlich hin und wieder Anfragen nach dem Motto: „Hey, ich habe Lust zu testen… schickt mir mal bitte Vorschläge.“

Es ist aber nicht die Aufgabe der Agentur, Euch eine Fotosession zu planen. Ihr müsst ein Konzept erarbeiten und dabei am besten auch mit Menschen aus den angrenzenden Branchen zusammenarbeiten: Sucht Hair- und Make-Up-Stylist*innen. Baut Euch ein Netzwerk auf. Auch in diesen Bereichen gibt es immer Menschen, die noch am Anfang stehen und dringend gute Bilder und Erfahrungen brauchen, die Ihr Portfolio noch aufbauen und sicher auch kostenfrei mit Euch arbeiten.

Habt Ihr also einen professionellen Level erreicht und gemeinsam mit anderen aus der Branche ein Konzept erarbeitet, könnt Ihr die Anfrage an die Agentur schicken. Für Christian sind die folgenden Punkte dabei besonders wichtig:

  • Stellt Euch kurz vor, verlinkt Eure Webseite und Euren Instagram-Account.
  • Hinterlasst eine Handynummer.
  • Wann wollt Ihr den Test machen? Wenn Ihr Start und Ende als Uhrzeit schon wisst, umso besser!
  • Location: Die Stadt reicht in der ersten E-Mail und die Information, ob Ihr In- oder Outdoor fotografieren wollt.
  • Wer gehört zum Team? Nennt alle Leute, die beim Shoot mitwirken und verlinkt auch ihre Webseiten und Instagram-Accounts.
  • Was ist das Thema des Shoots? Beauty oder Fashion? Beschreibe die Aufgabe und Rolle des Modells.
  • Erstellt ein Moodboard: Eine Art Collage, zusammengestellt zum Beispiel mit Fotos aus dem Netz, die dabei helfen, Eure Idee besser zu visualisieren.

Nach der Anfrage bekommt Ihr Modelle vorgeschlagen, die in Euer Konzept passen und noch neu in der Agentur sind. Bedenkt dabei, dass diese genau wie Ihr noch wenig bis gar kein Geld damit verdienen. Einige haben schon Jobs, aber das noch sehr unregelmäßig, darum ist es sehr gut, wenn Ihr mögliche Reisekosten übernehmt. Das steigert ebenfalls die Chancen, ein Modell, das nicht aus Eurer Region kommt, für den Test zu gewinnen.

Ein etwas trauriger, aber wohl leider notwendiger Hinweis von Christian ist, dass man beim ersten Test nicht gleich nach „sexy Shootings“ oder „Wäsche-Tests“ fragen sollte. Viele Fotograf*innen vermitteln damit einen unseriösen Eindruck und suchen wohl eher nach einer Möglichkeit, ihre Foto-Fantasien und Träume umzusetzen.

Nach dem Test erwartet die Agentur natürlich auch Bilder. So ein Test dient schließlich dazu, das Portfolio des Modells aufzubauen. Das Modelwerk erwartet deshalb von Euch:

  • Mindestens fünf bis neun professionelle, bearbeitete Fotos in hoher Auflösung.
  • Die Wiedererkennbarkeit des Modells auf den Fotos sollte gegeben sein. Kunstfotografie ist zwar super, aber man findet solche Fotos in der Regel nicht in Modellbüchern wieder.
  • Der technische Minimalanspruch: jpg-Dateien, 300 dpi, in einer Druckauflösung von 24 x 30 cm. (Umgerechnet also wenigstens 10 Megapixel.)
  • Diese Fotos sollten in der Regel innerhalb von drei bis vier Wochen nach der Aufnahme gebündelt in einer E-Mail zum Beispiel via WeTransfer-Link zugeschickt werden.

Allen beteiligten Personen des Testshoots ist es erlaubt, die Fotos für ihre Eigenwerbung zu nutzen. Ihr dürft die entstandenen Aufnahmen also auf der eigenen Webseite, in einer Fotomappe bzw. einem Buch für persönliche Präsentationen und in den sozialen Medien zeigen.

Man darf sie jedoch nicht ohne schriftliche Absprache mit der jeweiligen Modellagentur anderweitig veröffentlichen, nutzen, verkaufen oder in Magazinen publizieren. Christian rät Euch: Wenn Ihr Gegenteiliges mit der Agentur per E-Mail abgesprochen habt, hebt diese E-Mail unbedingt gut auf und druckt sie Euch zusätzlich aus – sonst entsteht gern mal Stress wegen nichts.

Ich hoffe, Ihr habt nach all diesen Infos immer noch große Lust darauf, mit professionellen Modellen zu arbeiten. Ein großer Dank geht an Christian und das Modelwerk. Und wenn Ihr noch weitere Fragen zu diesem oder auch einem ganz anderen Thema habt, dann schickt sie uns doch einfach. An: kk@kwerfeldein.de In diesem Sinne: Nächste Frage, bitte!

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1 Kommentar

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  1. Was genau ist „Beauty“, und „Fashion“, und „Portrait“?

    Haltet ihr euch, falls ihr Amateure seid, an solche Kategorien?

    Und diejenigen unter euch, die (semi-)professionell arbeiten?

    Sollte man sich an solchen Genrebezeichnungen orientieren, um nicht Models, MUAs und Agenturen (und vielleicht auch die Betrachter der Bilder) zu vewirren?