Unscharfe Aufnahme von gelben Taxis
12. Oktober 2020 Lesezeit: ~3 Minuten

52 Wochen – Thema 41: ICM-Technik

Falls Ihr mit dem Begriff ICM nichts anfangen könnt: Keine Sorge, ich habe ihn auch erst im letzten Jahr das erste Mal gehört. Die Technik dahinter ist simpel, denn ICM steht für „intentional camera movement“, also das absichtliche Bewegen der Kamera während der Aufnahme.

Dadurch entstehen tendenziell abstrakte Bilder, auf denen je nach Bewegung der Kamera, die Motive kaum mehr erkennbar sind. Und es gibt natürlich unterschiedliche Arten, die Kamera zu bewegen: Ihr könnt sie während der Aufnahme nur einige Zentimeter verschieben oder Ihr dreht sie an der Kameraschlaufe festhaltend mehrfach im Kreis. Aber Vorsicht, achtet bei all den Experimenten bitte auf die Sicherheit!

Im Magazin haben wir erstaunlich wenige Beispiele, die diese Technik verwenden. Die meisten Fotoserien, die auf den ersten Blick so wirken, arbeiten mit der Bewegung der Motive und nicht der Kamera. Typische Langzeitbelichtungen von fahrenden Autos zum Beispiel. Einige wenige habe ich dann aber doch gefunden.

Verwischtes Bild

© Holger Nimtz

Inspiration

Holger Nimtz zum Beispiel arbeitet schon seit mehreren Jahren an seinen „abstract seascapes“. Im Artikel „Die Kunst der Abstraktion“ berichtet er von der technischen Vorgehensweise. Ganz ähnlich nutzt auch Sven Seebeck diese Technik unter dem Namen „Panning“ in seiner Landschaftsfotografie.

Wie genau Nasos Karabelas bei seinen surrealen Portraits vorgeht, verrät er nicht. Aber ich kann mir gut vorstellen, dass er dafür auch mit der Bewegung der Kamera während der Langzeitbelichtung arbeitet. Martin Gommel hat die Technik in seiner Straßenfotoserie „Insomnia“ genutzt.

Das Projekt „360Grad Ringbahn Berlin“ von Marc Leppin ist ganz streng genommen nicht mit der ICM-Technik entstanden, denn schließlich bewegt sich nicht die Kamera, sondern die Bahn, in der die Kamera steht. Aber wir wollen nicht zu kleinlich sein – das Ergebnis ist ähnlich und sehr beeindruckend.

Triptychon aus verschwommenen Landschaften

© Marc Leppin

Im Frühjahr hatten wir bereits eine Wochenherausforderung zum Thema Unschärfe. Und in den Ergebnissen gab es damals bereits einige Bilder, die mit der ICM-Technik entstanden sind.

Wenn Ihr gerade noch skeptisch seid, lest gern den Artikel „Zufälligkeit in der Fotografie“ von Kai Kutzki. Er spricht darin nicht konkret von der ICM-Technik, macht aber Mut, Neues auszuprobieren und sich auf Experimente einzulassen. Und gerade bei dieser Technik lässt sich nur schwer vorhersagen, was am Ende dabei herauskommt.

Ihr seht, wir haben dieses Mal nicht viele Beispiele. Aber vielleicht lässt gerade das Euch mehr Möglichkeiten, unvoreingenommen an diese Technik zu gehen. Ich bin sehr gespannt auf die Ergebnisse!

surreales Schwarzweiß-Bild

© Nasos Karabelas

surreales Schwarzweiß-Bild

Ablauf

Ihr habt wieder eine Woche Zeit, um ein Foto zum Thema zu erstellen. Ihr könnt diese kleine Hausaufgabe ganz für Euch selbst machen, sie aber auch sehr gern mit uns teilen. Verlinkt Euer Bild in den Kommentaren, nutzt den Hashtag #kwerfeldein52 oder schickt uns Euer Foto ganz einfach bis zum Dienstag, den 20. Oktober 2020 per E-Mail. Wir zeigen jeden Samstag eine Auswahl der Einreichungen.

Auch wenn das Projekt „52 Wochen“ heißt, könnt Ihr jederzeit mit einsteigen, nur jede zweite Woche mitmachen oder wann es Euch zeitlich oder thematisch am besten passt. Aber bitte reicht keine Archivbilder ein, auch wenn sie perfekt zum Thema passen. Das Projekt soll eine Herausforderung sein, Neues zu kreieren!

Das Titelbild stammt von Scott Umstattd. Vielen Dank!

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12 Kommentare

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  1. Den Begriff ICM lese ich zum ersten Mal, die Technik ist mir und den meisten Fotografen, die ich kenne, eigentlich schon immer bekannt. Bei ICM denke ich an das Münchner Kongresszentrum. Wer hat sich denn diese Abkürzung ausgedacht?

  2. Wir haben Mitte Oktober, und es ist die Zeit der bunten Blätter, der Stoppelfelder, der an langen Schnüren hin und her zuckenden Drachen dort hoch oben. Soweit gut und schön, aber was seit Wochen komplett fehlt, ist der für diese Jahreszeit typische Wind! Also herbei damit, alles muß man selber machen… ;-)
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