panning
30. Oktober 2010 Lesezeit: ~ 3 Minuten

Panning in der Landschaftsfotografie

Heute möchte ich Euch eine Technik vorstellen, die mich nunmehr schon eine ganze Weile begleitet und auf die ich immer wieder gerne mal in der Landschaftsfotografie zurückgreife: die Panning Technik.

Diese Technik wird für gewöhnlich bei bewegten Objekten angewendet mit dem Ziel, das Objekt relativ scharf vor einem verwischten Hintergrund abzulichten. Eine schnelle Suche auf Flickr bringt entsprechende Beispiele. Auf die Idee, diese Technik allerdings in der Landschaftsfotografie anzuwenden, bin ich jedoch durch einen Artikel über den englischen Fotografen Ted Leeming in dem Magazin Outdoor Photography aufmerksam geworden.

Ein Teil seiner Arbeit zeichnet sich durch die Verwendung eben dieser Panning Technik in der Landschaftsfotografie aus. Da in dem Artikel nicht beschrieben war, wie er seine Fotografien erstellt, musste ich es eben selbst heraus finden.

Im Grunde genommen handelt es sich hierbei lediglich um eine Langzeitbelichtung, bei der man während der Belichtung gewissermassen durch das Motiv die Kamera zieht (oder dreht), um den Effekt des Verwischens zu erreichen. Hier sind der Kreativität keinerlei Grenzen gesetzt. Man kann die Kamera von oben nach unten, oder umgekehrt, von links nach rechts ziehen oder einfach kreisen usw. Auf dem Display kann man schnell das Resultat sehen.

Ich will hier keine Regeln aufstellen, aber ich habe gute Erfahrungen damit gemacht, die Kamera entsprechend dem Motiv zu Bewegen. Zum Beispiel bei Bäumen vertikale Bewegungen und bei Szenen mit einer klaren Linie am Horizont, horizontale Bewegungen. Laub auf dem Boden macht in einer rotierenden Bewegung eine gute Figur.

Hier alles erlaubt was gefällt und man muss viel experimentieren. Wichtig ist jedoch, das die Belichtungszeit ausreichend lang ist, obwohl dies natürlich auch von der Geschwindigkeit der Bewegung abhängig ist. Ist die Belichtungszeit zu Kurz, wirkt das Bild schlicht, nur unscharf und nicht gewollt verwischt.

Belichtungszeiten von 0,5 Sekunden sind in der Regel schon ausreichend und ich fand den Effekt am Besten, wenn man die Kamera während der Bewegung auslöst und nicht schon vorher.

Um entsprechende Belichtungszeiten auch bei Tageslicht zu erreichen, sollte man auf jeden Fall die niedrigste ISO verwenden, die die Kamera hergibt. In den meisten Fällen wäre dies wohl ISO 100 oder wie bei einigen Modellen (z.B. Canon’s 5d’s) ISO 50 im erweiterten Modus. Auch einige Point’n Shoot Kameras haben diese Funktion. Gelegentlich nennt es sich dann ND Filter.

Hat man die niedrigste ISO ausgewählt, ist es am einfachsten, im TV Modus (Zeitmodus) zu arbeiten und die gewünschte Belichtungszeit einzustellen. Die Kamera übernimmt dann die Auswahl der entsprechenden Blendenöffnung. Meist wird dies eine recht kleine Öffnung sein, wahrscheinlich f/11 oder kleiner, wenngleich dies selbstverständlich aber auch von den Lichtverhältnissen abhängig ist. Aus reiner Gewohnheit arbeite ich allerdings im AV- oder Manuellen Modus und stelle ich Kamera entsprechend selbst ein. Schärfentiefe ist bei dieser Technik kein Problem – etwaige Verzerrungen durch eine extrem kleine Blende (z.B f/32) fallen hier nicht ins Gewicht.

Reizvoll finde ich diese Technik, da man durch sie nicht unbedingt von besonders spektakulären Szenen und besonderes fotogenem Wetter abhängig ist. Mit dieser Technik kann man auch schon im eigenen Garten/Hinterhof gute Ergebnisse erzielen. Langweiliges, graues Wetter ist auch hilfreich, um entsprechende Belichtungszeiten bei Tage zu bekommen.

Falls Euch diese Technik gefällt und Ihr selber damit experimentiert, verlinkt doch einfach zu Euren Ergebnissen in den Kommentaren. Danke!

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59 Kommentare

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  1. Schöne Bilder, ich mag diese Abstraktion sehr. Andererseits hätte ich persönlich Hemmungen, sowas selber zu machen (bzw. zu veröffentlichen), irgendwie ist der Effekt dann doch sehr plakativ und wirkt schnell “abgekupfert” (bitte nicht als Vorwurf missverstehen).

  2. Hey ich bin begeistert!

    Endlich mal wieder eine neue Aufnahmetechnik, danke!!!

    Ich habe zwar schon solche Bilder gesehen, wusste aber nie so richtig wie das geht. Das werde ich bestimmt bald mal ausprobieren.

    Gruß Arne

  3. Hm, irgendwie weiß ich nicht wie ich drüber denken soll, die Bilder sehen sehr einzigartig und genial aus, wie ich finde. Was ich aber schlimm finde. Ich verstehe es irgendwie garnicht, wie man es jetzt so hinbekommt o.O.

    MfG Artur

    • So wie hier beschrieben: Geringe ISO, länger Verschlusszeit (z.B. 0,5 sec.) dann die Kamera möglichst in eine Richtung bewegen und dabei auf den Auslöser drücken … am besten wie hier beschrieben z.B. von oben nach unten bei vertikalen Motiven (Bäumen) oder von links nach rechts bei horizontalen Motiven (Landschaft) … Übung macht den Meister!

  4. Hi, auch ich bin besonders vom letzten Bild oder besser der ganzen Scene beeindruckt!!

    Ich glaube das muss ich auch mal versuchen, danke für die Anregung!!

    Gruß Ralph

  5. Kwerfeldein geht zurück zu den Wurzeln: Landschatfsfotografie.

    Sehr interessante Technik mit beeindruckenden Ergebnissen sehr verständlich erklärt. Danke dafür, jetzt hats mich auch gepackt und ich gehe gleich mit der Cam raus ;-)

    Gruß aus Züri,

    Martin

  6. Sensationelle Fotos. Ich kannte diese Technik bis dato noch nicht. Nun ist aber meine Neugier geweckt und ich muss das gleich mal testen. Bin schon auf die Ergebnisse gespannt. Danke für den Tipp.

    Micha

  7. Oh, was für ein Zufall. Ich hatte letztens wieder so ein Foto (wie deines vom Meer und Himmel) in der FC gesehen und nachgefragt, wie das genau funktioniert. Aber leider war der Fotograf nicht bereit, sein “Geheimnis” zu verraten. Und nun finde ich hier des Rätsels Lösung. Danke! LG Frau Zausel

  8. Ich hab sowas in der Art schonmal bei Lumas gesehen. Sowohl von Sabine Wild (die aber, so wies aussieht auch mit PS nachgeholfen hat http://www.kunstwild.de/vertikale_5.shtml) als auch von David Burdeny (http://www.davidburdeny.com/ siehe “Drift”). Einmal in der Vertikalen und einmal in der Horizontalen “verwischt”.

    Und ich selbst habe das dann auch mal ausprobiert, und zwar auf der Autobahn aus dem fahrenden heraus: http://picasaweb.google.com/Ismaningo/Autobahn02#slideshow/5504633676589797938
    Das ergibt mit der Leitplanke und den Straßenmarkierungen auch manchmal was hübsches. Allerdings stören die Spiegelungen vom Fenster.

  9. Hi,

    eine tolle Idee!
    Besonders interessant finde ich das erste und das letze Bild.
    Was sieht man auf bzw. wovon stammt das erste Foto? Ich kann diese kreuzförmigen Strukturen nicht ganz zuordnen, hast du die Kamera in mehrere Richtungen geschwenkt?

    Vielen Dank für den Denkanstoß, werd ich bei nächster Gelegenheit ausprobieren!

    Lasse

  10. Ich habe es heute ausprobiert, aber die Ergebnisse waren nichts. Lag aber vielleicht auch am Motiv und am Licht. Ausserdem befürchte ich, dass mein 50 mm, 1,8 zu lichtstark für so was ist. Und ich hatte auf jedem Foto so einen blauen Lichtreflex mitten im Foto, dabei schien gar nicht die Sonne. Woher kommt denn sowas? *grübel* Aber ich bleib dran und versuch das noch mal! LG Frau Zausel

    • “zu lichtstark” kann eigentlich nicht sein, du kannst schließlich abblenden ;) Es kann allerdings vorkommen, dass du selbst bei weitestmöglich geschlossener Blende und niedrigster ISO-Stufe noch nicht lange genug belichten kannst, ohne dass es zu Überbelichtungen kommt. Dann ist es schlicht und ergreifend zu hell (unabhängig vom Objektiv) und du brauchst einen Graufilter.

  11. Hi,

    David Burdeny hängt bei mir an der Wand. Witzig, hab immer überlegt wie er seine bilder macht. Habe es eben selbst ausprobiert. Allerdings noch mit recht bescheidenem Erfolg.

    Gruss
    Christian

  12. Das letzte und vor allem das mit den Wellen finde ich genial. Wobei ich glaube dass man das auch einfach nachträglich mit Photoshopfiltern beeinflussen kann. Aber das ist ja nicht Sinn der Sache ;-)

  13. Mit der Technik habe ich auch schon experimentiert und Martin Gommel hat darauf auch in den Browserfruits schonmal hingewiesen: http://www.martin-huelle.de/blog/?p=681

    Bei hellem Wetter reicht aber oft die geringste ISO-Zahl und kleinste Blendenöffnung nicht aus, um eine Belichtungszeit zu bekommen, die lang genug ist. Dafür setze ich dann einen starken, neutralen Graufilter ein.

    Auch habe ich festgestellt, dass ich mit längeren Zeiten ab 2 Sekunden besser zurecht komme als mit Zeiten um eine Sekunde.

    P.S.
    Sehr schöne Bilder – vor allem auch das vierte.

  14. Vielen Dank für Eure Kommentare, freut’ mich das Euch der Artikel und die Bilder gefallen und zum Experimentieren anregen.

    Hätte schon früher geantwortet, wenn nicht das Wetter, den Flugbetrieb zum erliegen gebracht hätte. Aber was solls..

    @Martin Hülle:
    Stimmt, bei sehr hellem Licht muss man ggfs. mit ND-Filtern nachhelfen. Mache ich auch ab und an, oft ist es hier aber eh’ nur dunkel ;-)

    @Frau Zausel: Mit dem 50mm müsstest Du gut klar kommen. Achte aber darauf, das Du eine kleine Blende f11 aufwärts, und auf jedenfall ISO 100 verwendest. Versuche Dich zum üben, evtl. erst einmal an einer recht Schattigen Stelle (Wald, Gebüsch) und versuche den Himmel aus dem Bild zu halten. Dann sollte es schon irgendwie gehen.

    @Lasse: Stimmt, wenn ich mich richtig erinnere, war es eine Bewegung von Links nach Rechts und wieder zurück. Es war gelbes Herbstlaub vor einen Tannenwald.

    @Astrid: Aus dem Auto heraus ist auch eine gute Technik. Da ich meistens selber fahre, hab ich’s selber noch nicht probiert. Julianne Kost vom Lightroom Team hat da auch mal ein Projekt gemacht.

  15. Eine Anmerkung noch: Bilder, die man dieser Technik macht, werden erst richtig gut, wenn man ein Stativ verwendet. Insbesondere senkrechte oder waagerechte lineare Bewegungen gelingen so besser.
    Das soll kein Dogma sein, aber es sieht besser aus, wenn die Bewegungsrichtung möglichst genau der “Bildrichtung” entspricht, also z.B. im Wald -> Bäume -> senkrecht, am Strand -> Horizont -> waagerecht.
    Aber natürlich kann man auch bewusst davon abweichen… :-)

  16. danke für den Bericht…
    ich hab schon einiges in diese Richtung versucht, bin aber durch einen Zufall darauf gekommen…eigentlich dachte ich, das Foto wäre misslungen, dann sagte eine Freundin, *das schaut ja toll aus*…so hab ich weiter experimentiert…besonders am Abend – bei Regen und mit Beleuchtung kann man schöne Effekte machen – finde ich…
    hier gibt es ein paar meiner *Farb-Spielereien*
    http://www.facebook.com/album.php?aid=22981&id=100000044288323&l=bc48080efc

    viel Spass

  17. Hi Sven,

    schöne Anleitung für diese Technik. Gut gemacht!

    Hab diese Technik schon vor langer Zeit mal für etwas ähnliches ausprobiert und zwar Langzeitbelichtung von sich bewegenden Motiven wie Autos od. Motorrädern. Belichtungszeit zwischen 0,5 und 2 sec sind auch hier optimal. Am besten wirkt ein Objekt, wenn es sich vor einem recht abwechslungsreichen Hintergrund oder genau das Gegenteil, einem monotonen Hintergrund bewegt.

    http://www.fotocommunity.de/pc/pc/mypics/4563/display/276811

    lg Chris

  18. Hast du dabei denn ein Stativ verwendet?
    Oder kreigt man aus der Hand auch solche “geraden” verwischeungen hin?
    Könnte mir gut vorstellen, dass das gerade wenn man an der Horizont-Linie verwischt hilfreich sein könnte…

    Grüße

  19. Auch wenn ich jetzt gegen den Strom schwimme: Ich bin kein großer Freund dieser Wischi-Waschi-Fotografie. Bis auf einige Aufnahmen (ist finde das erste von dir Sven ganz schick), sehen sie irgendwie alle gleich aus. Das Wald-Motiv ist da schon das klassische Beispiel für. Ich finde auch, dass solche Bilder nicht unbedingt das Ergebnis des Fotografen sind, sondern hier überwiegend der Zufall die Bildregie führt. Das kann mal ja ganz nett sein, aber man sollte aufpassen, dass man nicht nur in diese Schiene abdriftet. Denn dann sieht jedes Bild irgendwie gleich aus.

    Ich muss aber auch dazu sagen: Bei Naturfotowettbwerben sind solche Fotos meist immer mit vorne dabei. Das ist jedoch wahrscheinlich der Vielfalt der sonst eher dokumentarisch geprägten Naturfotografie geschuldet.

  20. Ich habe es heute mit meinem 35mm, f1.8 ausprobiert. Zum Ergebnis:

    Zitat: “etwaige Verzerrungen durch eine extrem kleine Blende (z.B f/32) fallen hier nicht ins Gewicht” stimmt,

    aber

    der Dreck auf dem Sensor kommt sehr störend zur Geltung. ;-)

  21. Blogartikel dazu: Erste Schritte « aufdenerstenblick

  22. toller effekt, ich hab auch herumprobiert, mir gefällt die variante normale aufnahme und nachbearbeitung im photoshop allerdings besser, filter bewegungsunschärfe, hier kann man sämtliche winkel für den verwischeffekt verwenden oder sogar mit mehreren ebenen kombinieren
    übrigens eine tolle blogseite!