04. August 2020 Lesezeit: ~7 Minuten

Einstieg in die Infrarotfotografie

Die Infrarotfotografie nutzt zur Abbildung Licht jenseits des sichtbaren Spektrums mit den Wellenlängen von 700 bis 1000 nm (Nanometer). Dieser Effekt wurde 1910 von Robert W. Wood publiziert und wird jetzt auch nach ihm Wood-Effekt genannt. Die Bezeichnung hat also nichts damit zu tun, dass die Blätter der Bäume so hell abgebildet werden.

Es werden teilweise auch Filter unterhalb von 700 nm eingesetzt. Diese nutzen dann auch einen Teil des sichtbaren Lichtes, das Wellenlängen zwischen ca. 380 und 780 nm umfasst. Dies mache ich jedoch nicht, da ich den starken Infrarot-Look ganz besonders mag. Meistens werden Infrarotfotos in Farbe gezeigt. Das ist natürlich Geschmackssache, genauso wie die Darstellung eines Motivs in Schwarzweiß generell eine starke Verfremdung der farbigen Szene ist.

Die Schwarzweißfotografie war für mich schon immer die Fotografie. Die Konzentration auf Licht und Schatten, auf die Formen und Strukturen, ohne die Ablenkung durch Farben, die uns ein Bild zeigt, wie wir es sonst wahrnehmen. So mache ich die Infrarotfotos ausschließlich in Schwarzweiß. Ich benutze bisher Filter von 715 oder 720 nm, in der letzten Zeit aber immer öfter Filter für 850 nm.

Ein dunkler Berg, im Vordergrund weiß erscheinendes Gras

Lanzarote, Sony A7R IR converted 720 nm

Dazu braucht man dann auch ein Medium, das empfindlich für diese Wellenlängen ist.

Analog: Zur Zeit von Robert W. Wood gab es so etwas noch nicht und musste erst experimentell entwickelt werden. Das hat sich in den vergangenen Jahrzehnten stark gewandelt und infrarotempfindlicher Film wurde in vielen Anwendungen genutzt. Leider gibt es viele der Infrarotfilme nicht mehr, aber einige wie zum Beispiel der Rollei Infrared und der Superpan sind dazu gekommen.

Digital: Die meisten Digitalkameras besitzen einen Infrarot-Sperrfilter. Damit werden störende Einflüsse der Infrarotstrahlung auf die Abbildungsqualität des Sensors vermieden. Es ergeben sich verschiedene Möglichkeiten für die digitale Infrarotfotografie:

Filter

Man setzt den Infrarotfilter wie jeden anderen Filter vorn auf das Objektiv. Da diese Filter natürlich dem internen Infrarotsperrfilter entgegenwirken, werden lange bis sehr lange Belichtungszeiten erforderlich. Es geht also nicht ohne Stativ bei möglichst statischen Motiven. Je höher der Filter Infrarotlicht durchlässt, desto weniger Licht kommt auf dem Sensor an oder es wird sogar ganz sinnlos, etwa bei 850 nm.

Bei normalen Digitalkameras werden die Bilder natürlich dunkelrot. Man hat aber den Vorteil, dass man zwischen normalen Aufnahmen und der Infrarotfotografie beliebig wechseln kann.

Wiese und Baum in roten Farbtönen

Infrarotfotografie NEX-7 Infrared converted 720 nm, RAW

Wiese und Baum in Schwarzweiß

Das Ergebnis nach der Schwarzweiß-Umwandlung und weiterer Bearbeitung in Lightroom.

Eine Besonderheit bilden digitale Kameras mit einem Monochrom-Sensor. Diese Kameras erzeugen ausschließlich monochrome Schwarzweißbilder. Der Infrarot-Filtereffekt lässt sich aber auch damit sehr gut erreichen. Mit der Leica M Monochrom 246 habe ich vor einiger Zeit festgestellt, dass ich sogar Infrarotbilder aus der Hand machen kann, wenn ich die hohen ISO bis 10.000 zulasse, bei denen der Sensor noch mit Abstrichen nutzbar ist.

Ein kahler abgesägter Baum vor Urnengräbern

Leica M Monochrom 246, IR 720 nm, ISO 10.000. Friedhof Puntagorda, La Palma

Umbau der Kamera

Man kann die Kamera durch eine*n Spezialist*in für die Infrarotfotografie umbauen lassen. Dafür wird der Infrarotsperrfilter entfernt und der gewünschte Infrarotfilter vor dem Sensor eingebaut, im meinem Fall 720 nm.

Man kann dann mit der Kamera ganz normal aus der Hand fotografieren. Mein Eindruck ist sogar, dass der Sensor etwas empfindlicher wird, aber das habe ich natürlich nicht gemessen. Ein weiterer großer Vorteil des eingebauten Sensors ist, dass man (fast) jedes Objektiv verwenden kann, also auch Objektive mit stark gewölbter Frontlinse wie etwa Fisheyes, die nicht mit aufschraubbaren Filtern kompatibel wären.

Eine Besonderheit: Da der eingebaute Filter beispielsweise Licht ab 720 nm durchlässt, kann man ohne Probleme durch einen externen Filter diese Grenze weiter nach oben verschieben. Ich habe in der letzten Zeit sehr viel (und begeistert) externe Filter für 850 nm verwendet. Gerade auf den Kanarischen Inseln, auf denen einige dieser Aufnahmen entstanden sind, wird der Himmel dann fast schwarz und die Blätter, besonders beeindruckend bei den Palmen, wiederum fast weiß.

Tor mit Palmen, die weiß wirken. Der Himmel scheint schwarz

La Palma, Sony A7R IR converted 720 nm, extern 850 nm

Vollspektrumkameras

Die meisten digitalen Bildsensoren sind von etwa 350 nm bis 1000 nm empfindlich. Wenn man nur den Sperrfilter ausbauen lässt, hat man eine sogenannte Vollspektrum-Kamera, kann also durch die Wahl von entsprechenden externen Filtern je nach Einsatz die gewünschte Filterwirkung erreichen. Diese Kameras werden oft auch für die Astrofotografie eingesetzt.

Probleme, die bei Infrarotfotografien auftreten können

Ein „Hotspot“ ist ein mehr oder weniger heller Bereich in der Mitte einer Infrarotaufnahme, der dadurch entsteht, dass die Objektive eigentlich für das sichtbare Spektrum berechnet und konstruiert wurden. Dieser Effekt tritt nicht bei allen Objektiven merklich auf, aber es gibt viele, bei denen es sehr störend sein kann. Im Internet gibt es Tabellen, die für viele Objektive ausweisen, wie ausgeprägt der Hotspot ist. Bei meinem Sony 16–35 mm f/4 macht er sich bei bestimmten Motiven bemerkbar, lässt sich aber meistens in Lightroom oder Photoshop korrigieren.

Ich habe nur spiegellose Kameras für die Infrarotfotografie benutzt. Damit habe ich nie Probleme mit dem Autofokus gehabt bzw. habe mit der Fokuslupe fokussiert. Bei DSLRs kann es anders sein, dazu kann ich aber nichts sagen.

Bei Objektiven aus der analogen Zeit findet man manchmal noch eine besondere Marke für infrarot auf der Schärfetiefenskala. Eine Orientierung kann man bekommen, wenn man auf die Marke der zweitgrößten Blende fokussiert, also bei einem Objektiv mit Blende f/2.8 auf f/4 oder f/5.6.

Schwarzweißaufnahme von Bäumen und langgezogenen Wolken

Sony A7R infrared 72 nm mit dem Laowa 10–18 mm f/4.5–5.6 FE Zoom @ 10 mm

Die Technik bei analogen Kameras ist dagegen relativ einfach

Man verwendet einen Film, der bis in den Infrarotbereich hinein empfindlich ist und setzt den Infrarotfilter wie jeden normalen Filter auf das Objektiv. Infrarotempfindliche Filme werden immer noch bzw. wieder angeboten. Ich habe zuerst den Rollei Infrared (mit ISO 400 angegeben) und den Ilford SFX 200 benutzt. Jetzt verwende ich meistens den Rollei Superpan 200. Als Verlängerungsfaktor rechne ich x4 oder x5. Wenn man nicht die Verschlusszeitenreihe sicher im Kopf hat und an den Fingern abzählen möchte, ist etwa die App PhotoPills eine ideale Hilfe inklusive Timer! Analog geht es natürlich nur mit Stativ.

Infrarotbilder, die man im Internet findet, sind sehr oft Farbbilder mit ungewöhnlichen „Falschfarben“. Diese Bilder sprechen mich überhaupt nicht an. Bei meinen Bildern geht es ausschließlich um Schwarzweißbilder. Von der umgebauten Sony wandle ich die roten Bilder in Schwarzweiß um, entweder durch Lightroom und/oder mit Nik Silver Efex. Die Bilder aus der Leica Monochrom müssen bis auf Feinheiten kaum bearbeitet werden.

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9 Kommentare

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  1. Schöner Artikel mit tollen Bildern. Danke dafür.

    Ich hätte noch zwei Fragen.

    Wie funktioniert das denn mit der Nachbearbeitung bei den Digitalbildern?

    Sind die eingescannten Negative dann ebenfalls rot?

    Gruss

  2. Hallo David,
    bei einem Farbsensor, wie er in den meisten Digitalen steckt, sieht das Bild durch einen Rot/Infrarotfilter natürlich rot aus. Kannst du ausprobieren, in dem du z.B. durch eine beliebige farbige Folie siehst (mit Live View) oder fotografierst.
    Das rote Farbbild wird dann in ein S/W Bild umgewandelt (mit Lightroom, Photoshop und allen weiteren Programmen) und dann nach deiner Bildvorstellung bearbeitet.
    Das gilt natürlich nur für Infrarotbilder in S/W, farbige IR Bilder werden anders behandelt. Dazu kann ich wenig Auskunft geben, da ich die Ergebnisse einfach nicht mag.
    Anders ist das natürlich, wenn der Sensor (wie bei der Leica M Monochrom) oder der S/W Film keine Farben sieht. Dann bekommst du natürlich ein entsprechendes S/W Bild und bearbeitest dieses dann je nach deiner Vorstellung.
    VG dierk

  3. Vielen Dank für den guten Artikel. Er bestärkt mich, nun endlich damit analog auch anzufangen.
    Den Rollei-Film und die App kannte ich noch nicht, also auch Dank für diese Hinweise.

  4. Vielen Dank für den Artikel.

    Ich habe auch immer mal wieder im Infrarotenbereich gespielt, ganz früher mit dem Kodak IR Film , in der Digital-Zeit war mein erster Versuch mit meiner alten Nikon D-70, bei der ich selber den Sperrfiltter ausgebaut habe (geht da ganz easy, Anleitung dazu gabs/gibts im Netz).

    Vor Jahren bin ich auf Fuji umgestiegen und die können von Haus aus IR, mit der XPro1 ging da schon was, aber die XPro2 hat noch mal deutlich zugelegt.

    Mit einem 720nm Filter zb. auf dem 18/2 kann ich noch aus der Hand photografieren, sogar der Autofocus geht, man hat quasi ein normales Sucherbild/Display, nat. dreht dabei ordentlich die Isozahl inkl. Rauschen hoch, aber das kann man ja auch krativ sehen. Die Fujis liefern da ja ehr eine Art Filmkorn statt Rauschen finde ich, gefällt nicht jedem, mir schon :) Sonst ISO runter, Blende zu und IR mit Langzeit kombinieren, auch eine schöne Spielwiese.

    Gute out-of-the-camera Ergebnisse bekommt man übrigens sofort ganz ohne Rot-Stich und Umwandlung, wenn man in .jpg photografiert mit einer SW-Filmsimulation.

    vG
    Joerg

    • wie ich sehe, hast du dir ein spezielles IR Objektiv zugelegt.
      Nach meiner Erfahrung ist das überhaupt nicht erforderlich, zumal ich IR eher mit Weitwinkel mache, der Himmel und die Wolken kommen einfach sehr gut damit. Versuche einfach deine normalen Objektive und der AF sollte auch gut funktionieren.