Jugendliche spielen Fußball auf sandigem Boden
24. Juli 2020 Lesezeit: ~4 Minuten

Mosambik – Über Bilder und unsere Wahrnehmung

Bilder zeigen wie kein anderes Medium unsere Wahrnehmung der Welt.
Bilder erzählen die Geschichte und prägen die Gegenwart.
Bilder zeigen Wahrnehmungen und werden zu unseren eigenen.

Bevor ich im Januar 2020 nach Sovim in Mosambik aufbreche, suche ich nach diesen Bildern. Ich möchte mir ein Bild machen von dem Land, in das ich für die nächsten drei Monate gehen werde. Um vorbereitet zu sein, um zu wissen, was auf mich zukommt.

In Mosambik werden mehr als 40 Sprachen gesprochen. Warum fange ich dann an, Portugiesisch zu lernen, die Sprache der Kolonialzeit zwischen 1457 und 1975 und heutige Amtssprache, die aber lediglich von rund der Hälfte der Bevölkerung gesprochen wird?

„Mosambik“ – ich lese den Artikel in der Wikipedia und alles, was ich auf Google finde. Ich möchte mir ein Bild von der Landschaft machen, von der Region. „Sovim, Mosambik“ – die Suche in Google Maps ergibt keine Treffer. Aber ich weiß: von Tica aus nach Südwesten. Dort, wo die Karte eine graue Fläche mit grünen Flecken zeigt. Unkartiert. Der „weiße“ Fleck auf der Landkarte? Unsichtbar?

Eine Landkarte, die nur grüne und weiße Flecken zeigt.

Screenshot von Sovim aus Google Maps

Ein Kartenausschnitt zeigt einen See, Straßen und Häuser

Screenshot von meinem Heimatdorf aus Google Maps

Aus Neugier suche ich zum Vergleich einmal meinen deutschen Geburtsort. Google zeigt 11.200.000 Ergebnisse an. Das Haus meiner Eltern samt Gartenhäuschen ist in Google Maps kartiert. Ich – meine Lebenswelt ist sichtbar.

Ich erweitere meine Suche auf „alle“. Die ersten drei Treffer sind von den Grünhelmen. Eine deutsche Organisation zeigt mir also die „wichtigsten“ Informationen über einen mosambikanischen Ort. Im März 2019 hatte der Zyklon Idai über Malawi, Simbabwe, Madagaskar und Mosambik gewütet. Seit August wird für die Grundschule EPC Eduardo Mondlane Sovim ein neues Schulgebäude gebaut, mit Unterstützung der Grünhelme. Dort werde ich in den nächsten drei Monate leben, mitarbeiten und Bilder machen.

Lächelnder Junge steht mit einem Schreibheft an der Tafel

Bilder, die mir die Welt erklären und meine Wahrnehmung prägen

Der weiße Blick ist allgegenwärtig. Er tritt auf, wenn Menschen Schwarze Kreationen im Rahmen des weißen Ethnozentrismus betrachten. Dies beinhaltet den Gedanken, die eigene Kultur als den höchsten Standard „guter“ Kultur zu betrachten. (Malik Pitchford)

Auf der Satellitenansicht sehe ich auf Google Maps, was für unsere Karten nicht von Bedeutung ist. Auf dem „weißen“ Fleck gibt es viel mehr als nur ein paar grüne Sprenkel. Da sind haarfeine Linien zwischen beigen Punkten. Grüne Wiesen, auf denen Bäume zu erkennen sind. Braune Flächen, auf denen Pflanzen in einer Reihe stehen. Es sind kleine Häuser zu erahnen. Die Höfe von Theresa Pedro und ihren Söhnen Noe Pedro und Mateus Pedro. Der Hof von Lucia und Antonio Mare. Der kleine Laden von Jose.

Dort ist der Ort, an dem Manuel Joaquin, Manuel Joao und viele andere mittwochs und samstags ihren Gottesdienst feiern. Der Fußballplatz direkt neben der Schule. Der Brunnen, an dem die Frauen aus der Umgebung dreimal täglich Wasser holen gehen. Der kleine See, in dem die Kinder baden gehen. Und der Hof, auf dem ich das Bild einer Frau und ihres alten Mannes mit weißem Bart gemacht habe. An ihre Namen erinnere ich mich nicht mehr.

Kinder baden in einem See im Grünen

Zurück in Europa fragen viele, wie es denn so war, in Afrika

Afrika ist nach seiner Ausdehnung und Bevölkerung der zweitgrößte Kontinent nach Asien und in 55 Länder unterteilt. Eines dieser Länder ist Mosambik. Ein ostafrikanisches Land, doppelt so groß wie Deutschland. Sovim wird nicht als Urlaubsziel beworben, hat keine reichen Rohstoffvorkommen, ist kein Wirtschaftszentrum und findet in unserem Interesse keinen Platz, ist ein „weißer“ Fleck auf unseren Karten.

Ich hatte viele Bilder nach Sovim mitgenommen, keines von mir. Manche haben es leicht gemacht, andere schwer, die Menschen dahinter zu sehen. Zu merken, was ich nur aufgrund meiner Erwartungen sehe. Viele dieser Erwartungen und Vorurteile wurden aufgebrochen und zeigen die Rassismen, die sie reproduzieren.

Portrait auf einem Weg im GrünenPortrait vor einem Baum

Ich habe viele Bilder aus Sovim mitgebracht.

Bilder gaukeln uns vor, sie bildeten die Realität ab.
Bilder zeigen immer nur einen Ausschnitt.
Bilder verallgemeinern.
Bilder werden mit einer Intention gemacht.

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1 Kommentar

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  1. Sehr bewegend, vielen Dank für die Einblicke. Die meisten Bilder aus Afrika trage ich im Herzen, da ich mit oft nicht traute die Kamera zur Hand zu nehmen.