23. Juni 2020

Einkaufswagen

Einkaufswagen: Ohne Aufsehen zu erregen, stehen sie tagein, tagaus aufgereiht vor dem Supermarkt. Werden sie jedoch aus ihrer gewohnten Umgebung gerissen, entwickeln sie eine sonderbare Anziehungskraft. Meine Arbeit beschäftigt sich mit der Thematik der Zweckentfremdung und möchte dazu anregen, eigene Handlungen sowie ihre Folgen zu reflektieren.

Der Umgang mit unserer Umgebung und unserer Umwelt, sowohl in der Stadt wie auch in ländlichen Gebieten, ist fragwürdig. Oftmals wird der öffentliche Raum als Zone gesehen, in der man sich austoben und Dinge machen kann, ohne die Konsequenzen dafür tragen zu müssen. Ich stelle mir seit einiger Zeit gewisse Fragen dazu. So unter anderem, warum so viele Gegenstände weggeworfen werden oder aus welchen Gründen brauchbare Dinge mutwillig beschädigt werden – und so zu unnützem Abfall werden. Ist dies schlicht auf die Gleichgültigkeit der Leute zurückzuführen?

Einkaufswagen an einer umgekippten Säule

Ein Einkaufswagen vor AltglascontainernEin Einkaufswagen umgekippt auf einer Wiese
Ein umgekippter EinkaufswagenEin umgekippter Einkaufswagen

Einkaufswagen im Grünen

Einkaufswagen draußenZwei Einkaufswagen vor einem Polizeiauto

Umgekippter Einkaufswagen an einer Baustelle

Einkaufswagen versteckt an einem BaumEinkaufswagen auf einem Weg

Laut Definition ist ein Einkaufswagen „ein meist aus einem Drahtkorb mit vier selbstlenkenden Castor-Rädern bestehender Schubwagen, der zum Transport der Waren des Kunden in Supermärkten genutzt wird“. Der letztgenannte Aspekt wird jedoch häufig vergessen; die Kundschaft nimmt ihren Einkaufswagen auch gern mal mit nach Hause. Das kann in der Tat ganz schön praktisch sein. Doch was passiert danach damit?

Häufig wird der Einkaufswagen zurückgebracht, ab und zu wird er jedoch auch einfach auf die Straße gestellt. Ab diesem Zeitpunkt beginnt eine neue Geschichte. Die Wagen werden von Vorrübergehenden – häufig in der Nacht – mitgenommen, umplatziert, herumgeworfen oder mutwillig beschädigt. Und vielleicht habe ich diesen herumliegenden Wagen am nächsten Tag auf einem meiner vielen Spaziergänge entdeckt und fotografiert.

Während den letzten drei Jahre habe ich ungefähr 600 Einkaufswagen abgelichtet, in verschiedensten Positionen, zu allen Jahres- und Tageszeiten. Was haben diese für eine Funktion auf der Straße? Gehören sie überhaupt da hin? Auf diese Fragen versuche ich mit meinen Fotos mögliche Antworten zu geben, wobei die Subjektivität der Betrachtenden nicht infrage gestellt werden soll. Das Projekt soll keine Lösungen oder Bewertungen per se vermitteln, sondern vielmehr Denkanstöße bieten, wie die aktuelle Situation interpretiert werden könnte.

Das Buch Einkaufswagen wird Ende August im Verlag Kerber erscheinen. Derzeit läuft ein Vorverkauf per Crowdfunding. Für 32 € kann ein signiertes Exemplar bestellt werden (versandkostenfrei), dazu gibt es auch die Möglichkeit, mehrere Bücher oder Drucke zu erwerben. Ich freue mich über jede Unterstützung.

Informationen zum Buch

„Einkaufswagen“ von Luca Ellena
Sprache: Deutsch und Englisch
Einband: Hardcover
Seiten: 96
Maße: 17 × 24 cm
Verlag: Kerber
Preis: 32 € (inkl. Versand)

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7 Kommentare

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    • Hehe, das werden wir sehen.
      Der Ansatz, ein Buch/Projekt ausschliesslich auf ein Subjekt zu beziehen ist aber sicherlich nichts was ich „erfunden“ habe. Hier kann man bspw. auf das kürzlich bei MACK erschienene Buch „Island Position“ von John Lehr verweisen. Oder auch Michael Wolf, ein Fotograf den ich sehr bewundere, hatte ähnliche Ansätze bei seinen HONG KONG Büchern (Diese haben sich übrigens auch sehr gut verkauft).

      Herzlich
      Luca

  1. „Während den letzten drei Jahre habe ich ungefähr 600 Einkaufswagen abgelichtet, in verschiedensten Positionen, zu allen Jahres- und Tageszeiten.“

    Man muss wohl Schweizer sein, um so viel Zeit zu haben :-))

    • Nunja, bei mir war es eher so, dass ich bei meinem Job meistens die Schicht von 16.00-24.00 Uhr hatte – und dementsprechend viel Zeit während dem Tag, die ich fürs fotografieren genutzt habe (übrigens nicht ausschliesslich Einkaufswagen). ;-)

      Herzlich
      Luca

  2. Ich finde die abwertenden vor allem unsachlichen Meinungen an dieser Stelle wirklich herabblassend. Im Buch hat sich offenbar jemand mit dem Gegenstand des Einkaufswagens wirklich beschäftigt aus fotografischer Perspektive, die vielleicht letztlich auch einen sozialogischen Ansatz hat. So eine schlechte Idee ist das nicht und ist zunächst einmal zu respektieren.
    Für mich ist es nicht akzeptabel, sich über die Tageszeitgestaltung des Fotografen auszulassen.

    Grüße, Wilhelm