weiße Ballons auf einer Wiese mit Leiter
08. April 2020

Charles Pétillons visuelle Lösungen für Probleme

In Charles Pétillons Fotografien gibt es einen Doppelbezug zur Zeit. Obwohl sie durch den fotografischen Akt, der die Szene einfriert, angehalten wurde und sozusagen „schwebt“, kann nichts ihren Lauf wahrlich anhalten. Obwohl wir nur das Standbild betrachten können, haben wir nicht vergessen, dass es ein Vorher gab und ein Nachher geben wird.

weiße Ballons in einem Stollen

Obwohl das Bild als solches unbewegt ist, meinen wir, das leichte Schweben der Ballons wahrnehmen zu können. Dieses vermeintliche Quäntchen Leben steht im Kontrast zu verlassenen Landschaften oder der gähnenden Leere von Räumen, die von Menschen für Menschen gemacht worden sind und doch nur ihre Abwesenheit ausstrahlen.

Komposition, Farben, Texturen und Licht werden präzise kontrolliert. Um das zu erreichen, kreiert er regelrechte Plastikinstallationen, die manchmal komplex, umfangreich und sperrig sind, um Dutzende oder sogar Hunderte weiße Ballons ins Spiel zu bringen, die die Grundlage seiner Serie „Invasions“ bilden.

weiße Ballons in der Landschaft

Activités de plein air 2: Ballons fungieren mir als Symbol für das Stigma, das der Mensch seiner Umwelt zufügt. In gewisser Weise schaue ich damit in einen Abgrund, da die Ballons hier in einem Raum angeordnet sind, der als ehemaliger Bergbaustandort selbst bereits Wunden von der Menschheit zugefügt bekommen hat.

eine Reihe Menschen mit weißen Ballons

Copier-Coller: Dieses Bild habe ich in Shanghai aufgenommen. Was mich als Westler dort überrascht hat, war, wie ähnlich doch die Erwartungen sind, die Menschen auf vielen Kontinenten haben, obwohl es zwischen ihnen ganz grundsätzliche kulturelle Unterschiede gibt. Wir sind alle sehr unterschiedlich und doch sehr ähnlich.

weiße Ballons durchstoßen ein Haus

Baguette magique: Ermöglicht die Stadterneuerung die Veränderung der Lebensaussichten?

weiße Ballons auf einer Reihe Einkaufswagen

T.O.C. – Trouble Obsessionnel Compulsif: Es ist eine Störung, die durch das wiederholte Auftreten von Obsessionen oder Zwängen gekennzeichnet ist. Sind wir alle mehr oder weniger von dieser Störung betroffen?

weiße Ballons auf einem See

Igloo mobile 2: Was bedeutet Nomadismus heute? Um diese Frage zu beantworten, suchte ich nach einem Symbol und habe das ideale Objekt im Iglu gefunden. Interessanterweise ist es allen bekannt, ohne dass wir es tatsächlich gesehen haben. Es ist äußerst robust und doch so zerbrechlich. Es muss nur ein paar Grad über null sein, damit es verschwindet.

weiße Ballons zwischen Hauswänden

Anarchitectures: Standardisierung von Wohnraum. Verliert Architektur ihre Identität?

weiße Ballons quellen aus einer Garage

CO2: Das Automobil – Objekt der Lust, Objekt der Notwendigkeit, von dessen Verwendung man sich nur allzu schwer lossagen kann. Dieses Bild ist eine Metapher für das Ausufern des Individuums im täglichen Leben.

weiße Ballons schweben als Wolke in einem Raum

Cloud computing: Wärest Du bereit, Deine Familienfotos, Dein Tagebuch oder die Wohnorte Deiner Freunde einem Fremden zu geben?

weiße Ballons in einer Telefonzelle

Conversations: Das Zeugnis eines fast verschwundenen Objekts, das durch ein universelleres Telefon ersetzt wurde, das transportabler, aber völlig privat ist.

weiße Ballons zwischen Betonwürfeln

Fragilité: Menschliche Herrschaft – kann der Mensch gegen die Natur kämpfen?

weiße Ballons in einem ausgebrannten Auto

Folklore: Es ist ein Kommentar über das Verhalten der Menschheit, die manchmal unbesonnen ist. Der Titel erlaubt es mir, den Kontrast zu verstärken, in der Tat ein genialer Name für Verhalten, das Konsequenzen hat.

weiße Ballons auf einer Wiese

Igloo: Nomadismus im Wandel der Zeit auf der ganzen Welt. Wie hat sich der Nomadismus verändert?

weiße Ballons quellen aus einem futuristischen Gebäude

Invasions: Es verweist auf das Programm „Mille piscines“, dessen Modell „Sunflower“ in der Alltagslandschaft der späten 1970er und frühen 1980er Jahre sehr erfolgreich war. Mit Luftballons kann man einen Blick auf ein architektonisches Erbe werfen, das die Zukunft symbolisierte und jetzt mit Überalterung und dem Verschwinden konfrontiert ist.

weiße Ballons im Wald

Mutations 1: Diese Balloninstallation ist eine Art Vergrößerung der molekularen Struktur der DNA. Sie symbolisiert genetische Veränderungen. Indem man sie in einen malerischen, romantischen Kontext stellt, offenbart sich das Stigma, das der Mensch im natürlichen Raum hinterlässt, noch stärker.

weiße Ballons auf einem Basketballfeld

Playstation 2: Dieser Titel lässt uns offensichtlich an die berühmte Spielekonsole, die stellvertretend für die Welt der Videospiele steht, denken. Was ist der Einfluss von jeglicher Form von Spielen auf die Entwicklung unserer Gesellschaft?

eine Kette weißer Ballons über einer Wüste

Ribambelle 2: Fotografie in der Wüste – bevor die Installation dort erschien, gab es nur einen abstrakten Raum ohne Grenzen und ohne Bedeutung, der jeder Intervention fremd war. Wir berühren den Begriff des Unendlichen.

weiße Ballons quellen aus einem Bunker am Strand

Superpositions: Die wörtliche Übersetzung der Zeit. Was ist die Funktion von Objekten und Raum im Zeitverlauf?

weiße Ballons in einer Apotheke

Vae victis: Wehe den Besiegten! Wer möchte nicht gegen die Übermacht unserer Wirtschaftswelt ankämpfen? Es stellen sich viele Fragen. Was ist die besondere Beziehung der Franzosen zu Drogen? Wie lässt sich das Verschwinden von Geschäften in den Stadtzentren aufhalten?

Seine Projekte entstehen interessanterweise zuerst überwiegend in Form von Zeichnungen. Alles beginnt mit einer Idee, von der ausgehend es eine Frage der Formgebung eines Problems ist, dessen visuelle Lösung erst gefunden werden muss. Fotografien und Installationen sind eine natürliche Erweiterung des angestoßenen Denkprozesses: Sie verkörpern die geistige Projektion der Idee.

Von dieser Phase des Reifens bis zur endgültigen Aufnahme vergeht noch eine ziemlich lange Zeit, da nichts dem Zufall überlassen wird. Die Fotografien von Charles Pétillon sind keine Bilder, die blitzschnell aufgenommen werden, sondern solche, die bis ins kleinste Detail inszeniert sind.

 

 

Charles Pétillon, 1973 in Frankreich geboren, entdeckte im Alter von 11 Jahren die Fotografie für sich. Seit 2002 widmet er sich als freier Künstler fast ausschließlich seinen freien Arbeiten, verfeinert seine ästhetischen Forschungen und sein eigenes künstlerisches Feingefühl.

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4 Kommentare

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  1. Mir gefallen „Baguette Magique“ und „Invasions“ sehr.

    Mich erinnert das ein wenig an Christo. es ist immer wieder verblüffend, wie man mit so einfachen Ideen etwas Interessantes generieren kann.

    Den durch Christo verpackten Reichstag habe ich 1995 gesehen, weil ich auf Dienstreise in Berlin war, und war sehr beeindruckt. In Effectus sieht das dann immer viel eindrucksvoller aus als wennn man’s nur als kleines Foto sieht.

  2. Wirklich die erste Bilderstrecke, die ich hier kommentieren mag.
    Die Fotos berühren mich auf eine ganz andere Weise als die x-ten verträumten Landschaften mit (meistens) Frauen, die unter halbtransparenten Tüchern mit wehenden Haaren durchlaufen.
    Hier kommt eine ganz andere, eigene Bildsprache zum Tragen, und offenbar möchte er etwas. Und das kommt bei mir an.