25. Juli 2017

Reflections

Als ich 2002 zum Studium der Landschaftsarchitektur nach Berlin gezogen war, begann ich, viel über meist städtischen Freiraum und seine Gestaltung zu lernen. Es ging damals wie auch heute in meinem Beruf um Funktionalität und Ästhetik – um die Verknüpfung des Technischen mit gutem Design.

Die Fotografie spielte zu diesem Zeitpunkt schon eine große Rolle in meinem Leben. Auf der Suche nach einer eigenen Bildsprache und der fotografischen Identität verknüpfte ich unbewusst das Erlernte aus Studium und Beruf mit meinem Hobby und merkte schnell, dass mich auch hier eine klare Formensprache, die richtige Komposition und das Herausarbeiten des Wesentlichen ansprachen.

Anfang 2017 fragten mich befreundete Musiker, ob ich Lust hätte, eines ihrer Albumcover zu entwerfen. Ich bin dabei eher durch Zufall auf das Experimentieren mit gespiegelten Bildinhalten gestoßen. Diese recht simple Methode des Verfremdens von gewohnten Elementen aus Stadt und Landschaft ermöglichte mir, neuartige Strukturen, Formen und Muster zu entwickeln. Im daraus entstandenen Projekt „Reflections“ geht es um die Abstraktion von Alltäglichem und die Irritation.

Durch einfaches Ausblenden störender Elemente versuche ich, das Bild auf das Hauptmotiv zu reduzieren. Es ist eine Verfremdung der Wirklichkeit, oftmals eine Inszenierung des Unauffälligen sowie eine Vereinfachung der urbanen und ruralen Umwelt. Symmetrie, Geometrie und das Quadratformat spielen hierbei eine große Rolle und erzeugen eine gewisse Ruhe und visuelle Kraft. Manchmal wird die Reflexion so manipuliert, dass einzelne Elemente nicht der reinen Spiegelung entsprechen, die Symmetrie aufgebrochen wird und damit eine zweite Irritation und Dynamik entsteht.

Die bisherigen Bilder entstanden dabei größtenteils in Berlin und Umgebung. Ich gehe dabei bewusst mit dem Gedanken, Motive für dieses Projekt zu suchen, auf Entdeckungsreise durch Stadt und Landschaft. Dabei ist es nicht wichtig, ob es sich um klassische Fotomotive, wie beispielsweise das Haus der Kulturen der Welt, oder aber um eher unauffällige Elemente handelt. Vielmehr gilt es zu überlegen, wo Spiegelungen für mich Sinn machen, wo neue Formen, Strukturen oder Muster gebildet werden können.

Gespiegelte Krane

Gespiegeltes Gebäude

Gespiegelte Stadtlandschaft

Gespiegelte Stadtlandschaft

Gespiegelted Gebirge

Gespiegelte Menschenmasse

Gespiegeltes Haus

Gespiegelte Schafsherde

Gespiegelte Kirche

Gespiegelte Landschaftsaufnahme

Gespiegeltes Hochhaus

Gespiegelte Bäume und Laterne

Gespiegelter Baum

Gespiegelter Wald

Gespiegelter Zug

Zu Hause, während der eigentlichen Bearbeitung, fließen dann die ursprüngliche Idee, aber oft auch spontane, intuitive Gedankengänge in die Komposition ein. Ich spiegele zuerst horizontal, häufig auch noch ein zweites Mal vertikal und wenn es mir richtig erscheint, entferne ich in den gespiegelten Ebenen auch einzelne Elemente.

Manchmal ist das Ergebnis für mich sehr überraschend und inspiriert mich zu neuen Ideen. Ich finde es dabei interessant, wie sich Kontexte wandeln und etwas komplett Neues entsteht. Durch diese Art der Fotografie, die gezielte Suche nach Motiven und die nachträgliche Bearbeitung sehe ich Dinge aus einem neuen Blickwinkel.

Auf meinen Touren durch die Stadt fallen mir Objekte auf, die ohne dieses Projekt vielleicht untergegangen wären und so in den Fokus eines neuen Bildes geraten. Ich sehe dabei auch eine enge Verbindung zur Landschaftsarchitektur – genau wie in meinem Beruf geht es im Projekt „Reflections“ um das Verstehen eines Ortes, seine Interpretation und neue Gestaltung.

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5 Kommentare

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  1. Interessant: Die Bilder waren vielfältiger und interessanter, als ich im ersten Moment erwartet hätte. Allerdings “funktionieren” für mich einige Bilder besser als andere: Beispielsweise die Menschenmenge oder die Schafe sind für mich nichts, architektonisches gefällt mir sehr gut.

  2. Interessantes Konzept. Tolle Bilder. Gratuliere! Immer wieder faszinierend, wie das Alltägliche, wenn man es nur ein wenig anders darstellt, plötzlich zu neuen Sichtweisen und vielleicht ja auch zu einem neuen Denken führt. Fotografie, wie ich sie mag!

  3. @Marc Leppin: In welcher Bedeutung verwendest Du den Begriff ‘Bildsprache’, warum suchst Du eine ‘eigene’?
    Falls Du sie mit den gezeigten Bildern bereits gefunden zu haben glaubst, möchte ich anmerken, dass ich das bildsprachliche Vokabular noch deutlich ausbaufähig finde. Ich meine das gar nicht abwertend, sondern eher ermutigend. Denn die ‘neuartigen Formen, Strukturen und Muster’ kann ich in diesen Beispielen genausowenig finden, wie ich mich irritiert fühle. Vielleicht liegt es daran, dass Klecksographien spätestens seit 1917 zum Schlechtwetterprogramm von Kindertagesstätten gehören …