18. Mai 2017

Wir vertrauen auf Gott

Mein Name ist Ohad Zwigenberg, ich bin Fotograf, lebe und arbeite in Jerusalem. Es ist die vielleicht unglaublichste Stadt, was die konstante politische Spannung angeht. Das rührt daher, dass sie den drei großen Religionen heilig ist und es in der Stadt jeden Monat ein Ritual oder einen Feiertag gibt.

Ich bin kein gläubiger Mensch und zweifle immer wieder an der Welt und ebenso an mir selbst. Am meisten zweifle ich vielleicht an der Macht der Religion, dem blinden Folgen eines Gottes. Besonders fromm religiöse Menschen lassen mich das Thema Religion kritisch betrachten. Von außen, jedoch nah genug dran, um zu fragen, was die Natur der Religion eigentlich ausmacht.

Ich denke nicht, dass ich in der Position bin, über religiöse Gemeinschaften zu urteilen, egal ob es um jüdische, muslimische oder christliche geht. Mir geht es eher darum, das alltägliche Leben zu zeigen, die Rituale, Bräuche und Routinen, die die Menschen in ihrer Umgebung und ihrem Zuhause prägen. Auch die Momente, in denen Menschen außerhalb ihrer Lebenswelt nichts zu kennen scheinen.

In jedem Land der Welt gibt es eine Vielzahl religiöser Riten und Lebensstile – und doch wissen Menschen oft wenig über andere Kulturen. Fotograf*innen haben durch die dokumentarische Fotografie die Möglichkeit, Dinge aus ihrer einzigartigen Perspektive mitzuteilen.

In meiner Arbeit finden sich sowohl Humor als auch Kritik. Betrachter*innen können das jedem Bild entnehmen und als Denkanstöße nutzen. Was würde es nützen, wenn ich zwar Dinge dokumentieren würde, aber nichts zu sagen hätte? Es geht mir darum, der Welt etwas mitzuteilen, besonders, wenn es um religiösen Lebensstil geht.

Ich möchte hinterfragen, wie Menschen über Jahre hinweg ihrem Glauben nach leben. Halten Sie manchmal inne, reflektieren sie die Existenz Gottes und die Legitimation ihrer Bräuche? Die Existenz Gottes kann nicht als bewiesen angesehen werden. Es gibt eine Diskrepanz zwischen den als historisch betrachteten Geschichten der Bibel sowie anderer Bücher und der Schöpfungsgeschichte. Heute gibt es außerdem die Tendenz, Religion grundsätzlich radikal auszulegen. Ein religiöser Lebensstil, gepaart mit verbaler und physischer Gewalt sowie der Abwertung der Frau.

Ich selbst bin nicht in einem religiösen Zuhause aufgewachsen. Wäre ich nicht Fotograf geworden, wäre es mir gar nicht möglich, in einem religiösen Haus zugegen zu sein und religiöse Bräuche zu beobachten. Nur so kann ich mehr darüber lernen. Auch, wenn ich nie ein gläubiger Mensch war, sehe ich doch trotz meiner Kritik an Religion auch die Schönheit, die darin liegt. Ich sehe einen engen Zusammenhalt in Familien und Gemeinschaften und, im Vergleich zu säkularen Menschen, sehe ich optimistischere und glücklichere Menschen. Die depressiven Züge und Ablenkungen der säkularen Welt scheinen hier nicht zu wirken.

Mehrere Personen kauern auf dem Boden, bedeckt von weißem Schaum

Demonstration einer Gruppe Haredim gegen die IDF

Eine Person liegt am Boden, eine andere geht an ihr vorbei

Die Orthodoxe Öffentlichkeit trinkt Wein während Purim

Menschen stehen vor einer Wand und halten hölzerne Kreuze

Karfreitag in der Altstadt Jerusalems

Menschen stehen vor einer Wand und halten hölzerne Kreuze

Am Karfreitag in der Jerusalemer Altstadt

Kinder in orthodoxer Kleidung schauen in die Kamera

Am Palmsonntag in Jerusalem

Eine verschleierte Person geht an einer Wand entlang

Eine christliche Frau

Eine verschleierte Frau geht an einem Auto vorbei

Streng-orthodoxe Frau der Lev-Tahor-Gemeinschaft

Eine verschleierte Frau schiebt einen Kinderwagen

Streng-orthodoxe Frau der Lev-Tahor-Gemeinschaft

Kinder sitzen und stehen hinter einer Bank, davor liegt eine Person

Während Purim

Eine Gruppe Männer feiert

Während Purim

Ein Kreuz steht neben einer Tür, dahinter beten Menschen

Äthiopische Kirche in Jerusalem

Menschen in weiß taufen einen Säugling

Qasr al-Yahud, wo laut Johannes Jesus getauft wurde

Eine verschleierte Frau sieht einer Taufe zu

Qasr al-Yahud, wo laut Johannes Jesus getauft wurde

Eine Menschenmenge steht vor einem Kreuz

Qasr al-Yahud, wo laut Johannes Jesus getauft wurde

Menschen stehen in einem Raum voller Rauch

Opferzeremonie in einer samaritanischen Gemeinschaft

Menschen laufen in einer Reihe an einer Wand entlang

Marsch der Mutter Jesu in Jerusalem

Ein orthodoxer Jude reitet auf einem Esel

Orthodoxer Jude zur Zeit einer Feierlichkeit

Orthodox-jüdische Kinder sitzen auf einer Mauer

Orthodoxe Juden zur Zeit einer Feierlichkeit

Muslime beim Freitagsgebet

Muslime beim Freitagsgebet

Ein orthodoxer Jude bereitet Matzen für das Pessach-Fest vor

Ein orthodoxer Jude bereitet Matzen für das Pessach-Fest vor

Ich möchte verstehen, was Menschen dazu bringt, Tiere zu Opfern und ihre eigenen Leben, ihre Familien und ihren Besitz für den Glauben an Gott in Gefahr zu bringen. Außerdem möchte ich säkulare Menschen verstehen, die urplötzlich radikal religiös werden und beispielsweise Hunderttausende in religiöse Strukturen investieren. Religiöse Menschen, die nicht in der Armee dienen und sich als Beobachter verstehen, in gewisser Weise über dem Gesetz. Wie reflektieren sie die Existenz Gottes? Ist ihr Weg der richtige?

Dieser Artikel wurde für Euch von Chris Hieronimus aus dem Englischen ins Deutsche übersetzt.

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13 Kommentare

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  1. Interessante und gut gemachte Fotos – “mittendrin statt nur dabei”.

    Warum die Bearbeitung jeweils unterschiedlich ist und warum manche monochtom, andere farbig sind, erschließt sich mir allerdings nicht.

    Aber alles in allem sehr sehenswert. “TFS” (thanks for sharing) :-)

  2. Sehr ausdrucksstarke und interessante Fotos. Gefallen mir alle sehr gut, überall gibt es etwas zu entdecken, überall mach ich mir meine Gedanken dazu. Danke fürs Zeigen!

  3. Interessante Bilder, nur was meinst Du mit einem säkularen Menschen? Es wird immer Menschen geben, die an einen Gott oder sonstigen Humbug glauben. Aus zwei Gründen, weil es anderen Menschen nützt, dass Menschen das Diesseits erträglicher finden, weil sie auf ein Jenseits vertröstet werden. Und weil ihr geistiger Horizont nicht ausreicht, um zu erkennen, dass Gott eine Erfindung des Menschen ist.

    • “Gott” und “sonstiger Humbug”.

      Ihre Vermutung verrät weniger über das persönliche Motiv des Einzelnen, als vielmehr Ihre aus unserem alogischen Wirtschaftssystem resultierende Logik; wobei nach Türcke unser heutiges System samt Credo seinen Ursprung in Gott und Schuld findet, Jahrtausende vor unserer Zeitrechnung.

      Die einen haben Gott – die anderen ‘ne Vollkaskoversicherung, ‘ne Goretextjacke, Winterreifen oder ‘n Aktienpaket.

  4. Die Bilder scheinen sagen zu wolken: Halt, die Fotografie lebt! Ich dachte anfangs, es sind satirische Montagen – so unwirklich gut empfand ich sie. Der Text gibt mir nicht viel. Muss er auch nicht, wenn man so gute Bilder präsentiert bekommt. Ist alles bestens.