Ein Hochhaus in Froschperspektive
22. August 2015

Unter einem Dach

Ich fahre jeden Tag auf dem Weg zu meiner Arbeit mit dem Zug daran vorbei: Das Schwabencenter. Drei riesige Betonklötze mit 20 Stockwerken. Die größte Wohnanlage in Augsburg. 1200 Menschen wohnen in dem 1971 errichteten Gebäudekomplex mit integriertem Einkaufszentrum und riesigem Parkdeck.

Die ganz im Stil von Le Corbusier gehaltene Architektur – aus Stahl und Beton gebaute Wohnkomplexe mit einheitlichen Wohneinheiten – galt in den 70er Jahren als praktisch und modern. Doch das Gebäude ist in die Jahre gekommen, die Fassade ist grau und schmutzig, das Parkdeck ist sanierungsbedürftig und gesperrt, in der Einkaufszeile findet man nur noch Billigketten, Schnellimbisse und Handyshops.

Ein bunter Mix an Menschen und Kulturen leben hier „unter einem Dach“ zusammen. Ein Mikrokosmos mit Straßenbahnanschluss. Faszinierend und bedrückend zugleich. Mich interessiert: Wer wohnt hier? Ich möchte es herausfinden.

Ich werfe in 600 Briefkästen ein Infoblatt ein und bitte die Bewohner um ein kurzes Fotoshooting in ihrer Wohnung. Die Reaktion darauf ist nicht sehr ermutigend. Es melden sich nur ganz wenige, die bereit sind, mich in ihre Privatsphäre eindringen zu lassen. Die Bewohner sind skeptisch, ängstlich oder einfach nur desinteressiert.

Ich stelle mich stundenlang vor die Eingänge und spreche die Menschen an, die aus dem Hochhaus herauskommen oder hineingehen. Ich versuche, mein Projekt zu erklären und Vertrauen aufzubauen. Langsam öffnen sich die Wohnungstüren für mich…

Ein Paar und Sonnenblumen schauen in die Kamera.

Ein Mann in einem bunten Hemd und einer Schrankwand.

Eine Familie auf dem Sofa.

Zwei Männer stehen im Wohnzimmer.

Zwei Menschen auf einem Sofa.

Ein Hochhaus und kaputter Asphalt.

Ein Mann steht auf seinem Balkon.

Ein Mann sitzt vor seinem Schallplattenregal.

Ein Mann sitzt auf seinem Sofa.

Ein Mann steht vor seinem Bücherregal.

Eine Frau mit einer Katze.

Ein Paar in seiner Tacht.

Ein Mann vor seiner Stereo-Anlage.

Klingelschilder, Klingelschilder, Klingelschilder

… und ich lerne ein buntes Spektrum an Menschen und Wohnungen kennen. Von dem einfach eingerichteten Einzimmerappartment mit 30 m² bis hin zur luxeriös eingerichteten 8-Zimmer-Wohnung mit 200 m² Wohnfläche. Von der lichtdurchflutetenden Wohnung im 19. Stock bis zur fensterlosen Wohnung im Keller.

Ich fotografiere ohne Regieanweisungen. Jeder darf sich von mir so ablichten lassen, wie er gern möchte. So entstehen Bilder, die viel über die Menschen und ihre Wohnungen zu erzählen haben. Die gesamte Bilderserie der Reportage „Unter einem Dach“ könnt Ihr auf meiner Webseite ansehen.

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