28. Oktober 2016 Lesezeit: ~ 13 Minuten

Im Gespräch mit André Pfützenreuter

An einem grauen Oktoberwochenende besuchte ich den jungen Analogfotografen André Pfützenreuter in seinem Zuhause in Gießen. Da ich selbst auf Film fotografiere, finde ich es immer wieder spannend, mich mit Gleichgesinnten zu unterhalten und zu erfahren, wie sie diese Art der Fotografie für sich entdeckt haben. Mit André sprach ich über Kameras, Vorbilder und warum er seine Bilder als ausatmend bezeichnet.

Ich durfte André während des Interviews auch fotografisch begleiten.

Ein Mann fotografiert

Hände mit einer Kamera

Hinter den Kulissen

André, wie bist Du zur Fotografie gekommen?

Ich habe ungefähr vor fünf Jahren angefangen. Nicht direkt mit professionellen Frauenportraits, sondern mich hat immer die Fototechnik interessiert, die Optik und wie das Bild in der Kamera zustande kommt. Ich habe dann einfach meine Sammelleidenschaft für Kameras entdeckt, vor allem für analoge.

Hast Du für Dich auch ein Ausdrucksmedium gesucht oder ging es wirklich erst einmal um die Technik?

Bei mir war es wirklich so, dass die ganze Technik mich interessierte und ich dann irgendwann entdeckt habe: Man kann ja auch Menschen fotografieren! Ich habe mich erst komplett mit diesen ganzen technischen Aspekten beschäftigt, wie man dem Bild durch die Technik Ausdruck verleihen kann, zum Beispiel durch verschiedene Objektive. Es ging mir nicht darum, wie man verschiedene Bildwirkungen durch den Inhalt erzielt, sondern durch die Technik.

Erst später habe ich gelernt, dass man auch mit Licht spielen kann und mit Emotionen. Mir hat die Kombination von beidem viel Spaß gemacht. Ich wollte nicht schon von Anfang an Frauen fotografieren. Ich habe mir gern andere Bilder angeschaut und analysiert. Ich habe mir zum Beispiel total gern die Bildstrecken in der Vogue angesehen und mich gefragt, wie das und das geht, wie man solche Emotionen herausbringt und mich gewundert, warum da immer so wenig Unschärfe ist.

VergrößererMännerportrait
Ein Film wird in einer Kamera gelegt

Hinter den Kulissen

So habe ich versucht, immer besser zu werden. Ich habe digital angefangen und schon von Anfang an diese Kombination aus digitalen Kameras und analogen, manuellen Objektiven geliebt, weil ich den Charme im Digitalen vermisste. Mir war da immer alles zu perfekt und zu scharf. Ich habe digitale Portraits gemacht, aber diese waren nicht aussagekräftig für mich – technisch perfekt, aber mich hat immer etwas gestört.

Vor allem die Bearbeitung. Ich kann nicht bearbeiten. Ich hasse es, zu bearbeiten und ich bin sehr faul. Ich will, dass ein Bild schon fertig ist und brauche einen Look, der einfach wirkt. Ich bin so ein Typ, der gern etwas hat, was von der Masse heraussticht, was anders ist.

Also war das auch ein Grund für die analoge Fotografie?

Ja, ich hätte niemals mit einer Kamera fotografieren können, die zehntausend andere auch haben. Ich habe einfach gern etwas, was sonst keiner hat. Ich mag es, damit aufzufallen, deswegen hat mich das Analoge auch so gereizt. Das ist eine eigene Welt. Und da ich mit digital angefangen habe und ganz früh schon alle digitalen Sachen durch hatte, war es irgendwann langweilig.

Deshalb wollte ich in die Analogfotografie eintauchen. Ich habe dann angefangen, mich mit Kameras auseinanderzusetzen, mit Objektiven, Mittelformat, später auch Großformat, so ging es dann immer weiter zu Polaroid, selbst entwickeln, Farbe, Schwarzweiß, Dia.

Eine Frau lehnt an einer Wand

Also viel auch dieses Händische, das Selbermachen, was man beim Digitalen jetzt nicht unbedingt hat?

Ja, ich habe dieses original Analoge gemocht, mit Fusseln, mit Unschärfe, mit Körnung. Aber ich habe mich auch ein bisschen verändert und jetzt meinen Stil gefunden und der ist halt analog arbeitend, wahrscheinlich wegen der Kameras und wegen des Looks, den man erzielt, aber das alles auf eine sehr perfekte Art und Weise.

Du willst es dann irgendwo auch technisch perfekt haben? Du sagst, Du magst das Digitale nicht so, weil es einfach zu perfekt ist, aber man sieht bei Deinen Bildern ja kaum Fusseln oder Staubkörner – also es muss schon irgendwo eine gewisse Perfektion für Dich haben.

Es lag immer am Bildlook. Es haben mich immer analog arbeitende Fotografen interessiert und fasziniert. Ich verfolge kaum Fotograf*innen, die digital fotografieren und bei denen ich sage: „Die haben mich total umgehauen!“ Es war die Bildwirkung des Analogen, vor allem Mittelformat.

Es waren von Anfang an zwei Fotografen, die für mich absolut prägend waren und es immer noch sind, die mich inspiriert und motiviert haben, immer weiter zu machen und zu sagen: „Genau da will ich hin.“ Jetzt muss ich nur für mich herausfinden: Wie komme ich dahin? Deswegen teste ich dies und das und suche mir mein Setup, mit dem ich gut klar komme und mit dem ich auf diese Bildsprache komme.

Eine Frau sitzt auf dem Boden mit dem Kopf nach hinten aufs Sofa gelehnt

Jetzt wäre es natürlich spannend zu wissen, wer denn Deine Vorbilder sind.

Als erstes wäre das Hannes Caspar – ganz ganz wichtig – und Jan Scholz. Ich denke, ich kann mich mit Jan Scholz einfach super identifizieren, weil er jemand ist, der auch dieses Problem hatte, dass er mit dem Digitalen nie zufrieden war und dann mit einem Mal das Analoge für sich entdeckt und gemerkt hat, dass das genau der Look ist, den er haben will.

Er hat mal genau das gesagt, was ich auch gedacht habe, dass Bilder analog fotografiert, so aus der Kamera kommen, wie er sie haben will, ohne zu bearbeiten. Würde ich digital fotografieren, würde ich so bearbeiten, dass es am Ende analog aussieht.

Ich kann das beim Fotografieren gut nachvollziehen, ich mache das selbst ja auch so. Ich fotografiere analog, aber scanne die Bilder dann ein. Ist das nicht eigentlich total bescheuert? Warum fotografieren wir nicht gleich digital, um mich jetzt mal ein bisschen aus dem Fenster zu lehnen?

Ich nenne das „Hybrid-Fotografie“: Analog fotografieren und das Bild digitalisieren. Ich liebe das. Ich kann nicht komplett nur analog. Ich liebe es, meine Bilder zu zeigen, ich habe sie gern in digitaler Form und da ich gern diesen perfekten analogen Look mag, komme ich nicht drum herum, da man durch Scannen 100 % vom Film und alle Details bekommt. Ich arbeite ja nicht analog allein wegen der Kameras, sondern wegen des Formats, das in vielen Fällen größer ist als ein digitales überhaupt realisierbar ist und wegen des Looks, der dadurch entsteht.

Ich arbeite auch im Kleinbildformat, was digital gesehen ja Vollformat wäre. Ich beschreibe das immer so: Ein digitales Bild besteht aus Pixeln und Pixel sind eckig, ein analoges Bild besteht aus Korn und Korn ist rund. Und etwas Rundes wirkt meistens angenehmer als etwas Eckiges. Auch wenn es dann gescannt und digital ist, bleibt der Charme trotzdem erhalten.

Eine Frau auf einem Sofa

Findest Du es trotzdem wichtig, die eigenen Bilder zu drucken?

Ich finde es super schön und komme aus dieser Branche. Hätte ich einen Drucker zuhause, dann würde ich wahrscheinlich jedes Bild, das ich mache, direkt ausdrucken. Und hätte ich ein ordentliches Archivsystem, in dem ich alles ordentlich verstauen könnte, würde ich das auch machen. Dadurch, dass ich halt so eine Masse Bilder habe, ist das schwer. Man müsste noch einmal von vorn anfangen und alles, was man je gemacht hat, ausdrucken.

Du hast gerade gesagt, Du kommst aus der Branche, was heißt das? Verdienst Du mit der Fotografie Dein Geld oder was machst Du sonst beruflich?

Ich habe mit 16 Jahren eine Ausbildung zum Bogen-Offset-Drucker gemacht. Das ist ein indirektes, analoges Druckverfahren, weil ich mich auch schon immer für Druck und Bilder interessiert habe. Das war auch in der Zeit, in der ich mit der Fotografie angefangen habe. Und nein, ich verdiene mit meiner Fotografie kein Geld.

Eine Frau auf einem Bett

Hast Du es vor, irgendwann?

Sehr gern, ja. Nicht mit bezahlten Aufträgen, sondern mit Workshops. Ich würde gern anderen Menschen zeigen, wie einfach es ist, analog zu fotografieren und dass man nicht die mega Erfahrung haben muss.

Hast Du schon einmal etwas in die Richtung gemacht?

Ja, ich habe letztes Jahr sehr viele Coachings über die analoge Fotografie gemacht. Speziell auch diesen Hybrid-Fotografie-Bereich, weil es viele erst einmal abschreckt, mit Filmlabor und Filmtypen zu arbeiten und was man beim Kamerakauf beachten sollte. Ich habe mir irgendwann gedacht, ich habe mich so viel damit auseinandergesetzt und so viel Geld in die Fotografie gesteckt, jetzt muss ich davon profitieren und mein Wissen auch weitergeben.

seitliches Frauenportrait

Was ist denn Dein Lieblingssetup oder -equipment?

Das ist sehr komplex. Ich wechsle meine Kameras wie meine Unterhosen. Ich habe nicht so gern eine Kamera für immer und ewig, sondern ich muss alles ausprobiert haben. Ich habe immer das Gefühl, ich habe irgendetwas verpasst, eine Kamera, die genau das macht, was ich will. Deshalb habe ich auch viele Kameras getestet und bin natürlich auch hängengeblieben an verschiedenen Kameras, zum Beispiel am Nikon F-System – F1, F2, F3, F4, F5 … Speziell die F4, F3 und FE2.

Bei Objektiven arbeite ich, egal ob Kleinbild, Mittelformat, Großbild, im Normalbereich, also um die 50 mm bis maximal 35 mm Brennweite. Und im Telebereich bis maximal 70 mm. 40 mm ist für mich die perfekte Brennweite. Das wäre zum Beispiel das Voigtländer Nokton 40 mm f/1.4 , das ist für mich das absolute perfekte Objektiv. Im Mittelformat arbeite ich mit dem Pentax-67-System, ich habe aber auch schon andere Systeme ausprobiert. Ich liebe auch russische Kameras, aber zum Arbeiten nehme ich wirklich nur Kamerasysteme, die zuverlässig sind und das sind für mich Nikon und Pentax.

Eine Frau auf einem Bett

Und welche Filme nutzt Du gern?

Ich bin da relativ festgelegt und niemand, der bei Filmen gern viel herumexperimentiert – genauso wie bei der Entwicklung. Ich habe von Anfang an mit Kodak-Filmen gearbeitet und der TMAX 400 wird wahrscheinlich der Film sein, den ich immer benutzen werde. Die meisten Schwarzweißbilder, die ich von meinen Vorbildern kenne, wurden mit dem TMAX gemacht. Ich weiß nicht warum, mich zieht es einfach zu Kodak. Den TRI-X nutze ich gern, um zu pushen oder zu pullen, um einen dramatischen Look zu erzielen.

Die Farbfilme mag ich auch sehr. Ich habe früher kurz mit Diafilmen gearbeitet, habe aber dann gemerkt, dass das gar nicht meins ist. Ich liebe perfekte Hauttöne. Bei mir muss die Haut auf dem Bild genauso aussehen, wie sie ist. Das ist auch der Grund, warum ich den Kodak Portra nutze, er ist der perfekte Portraitfilm für mich. In 160 , 400 und 800 . Obwohl das alles Portra ist, hat jeder von den drei Filmen wirklich einen ganz anderen Look, vor allem in speziellen Lichtsituationen. Ich arbeite auch gern mit dem Ektar 100 , aber nur für Landschaften, nicht für Portraits.

Ein Frauenakt

Du fotografierst ja hauptsächlich Frauen, Dein Schwerpunkt liegt also mittlerweile auf Portraits?

Ich stehe total auf emotionale Portraits, emotionale Bilder. Frauen haben viel mehr Emotionen, viel mehr Körpersprache, viel mehr Ausstrahlung. Männer sind so statisch. Frauen eher dynamisch, sie sind nicht so steif. Ich als Mann schaue mir natürlich auch sehr gern Bilder von Frauen an.

Das kommt auch auf Deinen Bildern rüber. Deine Bilder sind sehr emotional und …

… ausatmend. Ich habe mich mal selbst gefragt: Wie definiere ich meinen Bildstil? Dann hat mir ein Modell gesagt, dass es auf meinen Bildern aussähe, als würden die Frauen beim Auslösen gerade ausatmen.

Eine Frau sitzt auf einem Boden

Was macht für Dich ein gutes Bild aus?

Man muss irgendwo hängen bleiben. Wenn ich ein Bild sehe, muss es mich faszinieren, von der Bildwirkung her sowie inhaltlich. Für mich persönlich ist das einerseits, wenn ich ein Großformatbild sehe, das mit einer ganz bestimmten Linse gemacht wurde, dann flasht mich das. Der Inhalt kann da egal sein, es kann ein schlichtes Portrait sein, aber für mich wirkt es dann einfach durch die Technik.

Andererseits ist es auch so, dass wenn das Gefühl im Bild stark ist, ist es auch egal, ob es mit einer Einwegkamera gemacht wurde. Wenn mich jemand nach einer Meinung zu einem Bild fragt, sage ich immer: Wenn Du das Bild ein bisschen weiter weg hängst und nur kurz drauf schaust, muss es schon wirken. Viele gucken sich das Bild digital an und zoomen ganz weit rein, um zu sehen, ob alles perfekt ist, aber im Ganzen das Bild irgendwo weiter weg zu sehen, das tut fast keiner so richtig.

Vielen Dank für das Gespräch und den Einblick in Deine Arbeit!

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26 Kommentare

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  1. Intressanter Artikel!!
    ich habe leider das Gefühl das André Pfützenreuter Bild von Fotografie und wie er mit dieser umgeht genauso veraltet ist wie seine Ansichten zu Frauen…..

    • Danke für dein Feedback! Warum Andrés Bild von und Umgang mit der Fotografie veraltet sein soll, musst du mir aber mal erklären. Und wie du darauf kommst, wie seine Ansichten zu Frauen sein könnten, erschließt sich mir leider auch nicht so ganz…

      • Ich denke dieser Kommentar bezieht sich auf den Schwerpunkt klassischer Schönheitsideale in der Motivauswahl und Aussagen wie diese: “Frauen haben viel mehr Emotionen, viel mehr Körpersprache, viel mehr Ausstrahlung. Männer sind so statisch. Frauen eher dynamisch, sie sind nicht so steif. Ich als Mann schaue mir natürlich auch sehr gern Bilder von Frauen an.” Kommt mir ehrlich gesagt auch nicht sonderlich modern vor und spiegelt sich in den Bildern wieder… Ist natürlich subjektiv, mein Fall ist dieser Art von “Menschenfotografie” allerdings auch nicht, da ich mir immer die Frage stelle nach dem “Nicht-Fotografierten” Part dieser scheinbar glatten Personen…

        Die technische Umsetzung der Fotografie ist davon unbenommen natürlich sehr ansehnlich. Auch wenn ich bezweifle, dass ohne den Verweis auf den analogen oder digitalen Ursprung die Erstehungsweise allein aus der Bildwirkung ersichtlicht ist. Natürlich ist für den Analogen-Look bei Digitalen (in einigen Fällen) eine weitergehende technisch Bearbeitung notwendig. Aber auch in der analogen Welt kommen Fotos nicht einfach “out of camera”.

      • Liebe Lisa_Marie

        jetzt habe ich mit zwie sätzen (die streng genommen nicht mal mehr seätze sind)
        doch wohl wirbel Ausgelöst…
        Nachdem ich mir alle kommentare durchgelesen hab merke ich das alle die das bild der fotografie bzw der frau von andre männer waren…mich wundert es doch sehr das eine magazin das vermeintlich für die abschaffung der geschlechter*INNEN ist dann soclhe forem des männlichen blicks offen so verhellinden zeigt!

        liebe grüße
        P

  2. Blogartikel dazu: Endlich mal wieder… | Candy Shop

  3. Lisa- Marie & André, Danke für den Beitrag!

    Ich mag Andrés Bilder sehr gerne, die meisten kannte ich auch schon vorher und doch finde ich immer wieder zwei Punkte die mich faszinieren und festhalten.

    1. Die Technik: Die meisten Bilder sind für mich handwerklich großes Tennis. Seit ein paar Monaten fotografiere ich auch immer mehr analog und kann seine Gedanken rund um diese “veraltete” Technik nachempfinden. Analoge Fotografie hat seinen eigenen Charme, den mit man eben auch nicht mit VSCO Presets mal eben nachempfinden kann. Diese Technik und der Charme kann nicht veralten , ebenso wenig die Vorlieben dafür. Entweder man erliegt dem alten und unperfekten oder eben nicht, eine Sache über die sich streiten lässt und dies ohne Ergebnis.

    2. Sicherlich sind ein paar Bilder sehr klassich und nahe an klassichen Klischees (insbesondere die “Bettbilder”, aber alle anderen haben und üben einen großen Reiz auf mich aus.
    Vielleicht liegt es im Auge des Betrachters, also in meinem, aber die Emotionen, die Ruhe und das beschriebene Ausatmen, beruhigen mich. Sie lassen mich, der tatsächlich sehr statisch und undynamisch ist ( gerade auf Bildern) , emtional werden, wecken einen Drang eben nach dieser Melancholie in mir, die ich mir selbst und eine Gesellschaft um mich herum verbieten. Bei solchen Bildern komme ich zur Ruhe und kann ausatmen. Ob dies mit Männerportraits gelingen würde kann ich fast nicht glauben, denn es würde mich am Ende verschrecken oder die Bilder mir lächerlich vorkommen. Ob diese Personen tatsächlich so ruhig und emotional sind, spielt für mich keine Rolle, denn für mich ist es Kunst ( und keine Reportage) und die darf und soll bewegen.

    Also André weiter so!

  4. Danke für diesen schönen Artikel.
    Ich fotografiere als Hobby digital mit manuellen alten Objektiven.
    Ich kann den analogen Reiz hier wirklich spüren. Man bekommt Lust darauf. Leider habe ich zu wenig freie Zeit. Da gehe ich lieber raus Fotos machen und stehe ungern in der Dunkelkammer (auch wenn als Handwerk spannend, ist das für mich genauso Nachbearbeitung). Schnappschüsse nehme ich die jpeg out of cam, Fuji hat schöne Filmsimulationen. Wenige Bilder bearbeite ich nach, meist auf Basis von presets.
    Analoges Mittelformat ist da natürlich eine andere Nummer: Wow. Tolle Bilder. Geht aber nur in der Dunkelkammer, sonst wirds teuer mit Speziallabor.

    Ich fände es ja dabei spannend, große Abzüge zu belichten und nicht zu drucken. Das wäre dann ganz konsequent.

    @philipp: Verstehe das Problem nicht
    Natürlich ist die Aussage zu den Frauen pauschal, stimmt aber oft. Ich finde solche Aussagen erfrischend, bevor so ein Artikel gendergerecht mit Füllwörtern nur noch holprig lesbar wird. Ist doch klar, dass das im Interview nicht als Pauschalaussage gemeint ist. Jesus, wo sind wir denn, dass da sofort wieder was abgeleitet wird. Die Frauen akte finde ich natürlich schön, aber schon oft gesehen. Die Portraits sind stärker. Wenn ein Bild wie Nr 10 auf veraltete Ansichten weisen soll, bin ich gern veraltet. Tausend mal spannender als das übliche Trauergesicht mit Weitwinkel im Gegenlicht, dass man so häufig sieht.

    • Das mit der Dunkelkammer muss nicht – es gibt hervorragende Entwicklungs und Scan Dienstleister (z.B. meinfilmlab.de). Wenn Du schon die Objektive hast, dann “schieß” einfach mal eine günstige, dazu passende Kamera und probiere es aus. Die Investition hält sich ja in Grenzen und mal ein paar Filme entwickeln und scannen lassen wird sich auch noch aus der Haushaltskasse bestreiten lassen. Alleine die Vorfreude auf die Bilder ist das schon wert :-)

      @André & Lisa-Marie: schöner Beitrag, auch die Bilderauswahl!

  5. ” Ich wechsle meine Kameras wie meine Unterhosen.”
    Na sowas.

    ” Ich hätte niemals mit einer Kamera fotografieren können, die zehntausend andere auch haben.”
    “…und bin natürlich auch hängengeblieben an verschiedenen Kameras, zum Beispiel am Nikon F-System – F1, F2, F3, F4, F5 … Speziell die F4, F3 und FE2…”
    Ach so, das sind dann Kameras, die sonst keiner hat, verstehe.

    “Analog” sowieso, “Mittelformat” natürlich, “Korn ist rund und Pixel sind eckig” … ja ja, alles schon tausendmal gelesen, schon tausendmal den Kopf geschüttelt, ignorieren wir lieber solche Plattheiten.

    Vom technischen Ergebnis her finde ich die Fotos wirklich sehr gut … Chapeau!

    Die Kompositionen: so macht man das halt, alle machen’s so, also: nichts zu meckern. Good Job.

      • Um ehrlich zu sein hab ich keinen blassen Schimmer was dieses ewige Analog vs Digital immer soll. Ich hab bisher immer das Gefühl gehabt, am Ende kommt ein Bild rum. Und im besten Fall schlägt es sich auf die Qualität des Selben nieder ob sich der Fotograf mit seiner Technik wohl fühlt. Ob Film oder Sensor ist dabei für den Betrachter doch extrem Banane.

        Allerdings ist die Aussage, dass man nie hätte Fotos machen können, mit denen zehntausende andere fotografieren…….na ja. Damit kann man sicher auch versuchen sich abzuheben. Andere machen das dann eher mit ihren Fotos. So findet halt jeder seine Nische.

    • Konrad,
      “für den Urheber der hier gezeigten Fotografien ist es erheblich”. Das mag sein. Und der sollte sich schon mit der Technik die er benutzt wohlfühlen. Meines Erachtens unbedingte Voraussetzung um damit zum gewünschten Ziel zu gelangen. Er ist aber nicht der Betrachter.
      “Es gibt Betrachter, die sehen da einen Unterschied.” Das mag auch sein.
      Ich gebe gerne zu, meine Kenntnisse im Bezug auf analoge Fotografie beziehen sich auf die amateurhafte Benutzung selbiger in den späten Achtzigern.
      Wenn ich mir aber anschaue, dass hier schon alleine nur durch die Auswahl des Films entscheidend Einfluss auf die Bildwirkung genommen wird und dann Techniken wie Abwedeln, Nachbelichten, unscharf Maskieren oder durch die Auswahl und Wirkdauer der unterschiedlichen Entwickler bei Verwendung verschiedenster Fotopapiere das schlussendliche Bild entscheidend bearbeiten wird, klingt das für mich eher wie ein stinknormaler Lightroom-Workflow. Und das sind nur die Techniken die ich kenne. Aber alles Dinge die in der Digitalen Fotografie ebenso genutzt werden. Eine Vielzahl von Techniken, die in Kombination angewandt, sei es digital oder analog, am Ende keinen Rückschluss mehr darauf zulassen ob der Fotograf einen Film oder einen Sensor genutzt hat. Maximal von Fotografen erahnbar bzw. erratbar. (ein Blindtest dazu wäre bestimmt interessant) Insofern für den Betrachter unwichtig da nicht nachvollziehbar. Was macht also diesen viel gerühmten analogen Unterschied aus. Was ist so anders?
      Und die Aussage, analog fotografierte Bilder müssten fast nicht nachbearbeitet werden ist doch wohl auch eher Wunschdenken.
      Aber wie Sie ja schon so treffsicher festgestellt haben, habe ich keine Ahnung.

  6. Tja was soll ich sagen betrachtet man sich so die Bilder fragt man sich doch sind die Frauen evt. all seine Liebschaften? Fotografiert er nur analog um sich von der Masse abzuheben um Besonders zu sein? Was mir den Bildern nicht gefällt der Bildaufbau ist stets gleich ich vermisse so ein bisschen das ausloten des Machbaren, es fehlt die Kreativität und das Spontane.
    Ich mag Portraits die einen Menschen so zeigen wie er ist und nicht wie er sein will.

  7. Analog

    Schöner Song vom Ringsgwandl:

    Er war einer, der sich alles kauft, was’s an Technik gibt,
    Hauptsach’ digital und ganz modern.
    Jetzt hat er wieder ein neues Teil, das super blinkt und piept,
    da kann man Surfen, Fernsehn, Handy und Radio hörn.
    Das lenkt ihn bißl beim Fahren ab, nur einen Augenblick,
    schon ist er auf der andern Spur, das ist Physik.
    Der LKW ist riesig und dann tut es einen Schlag,
    die wesentlichen Dinge passier’n noch immer analog.

    Er war der beste weit und breit, effektiv und fix,
    er drangsaliert die Leut’, so schlimm’s nur geht.
    Es gehör’n ihm dreißig Häuser, er kennt alle miesen Tricks,
    er sagt Mechaniker und denkt sich nur: Prolet.
    Doch während er so jahrelang in die Bilanzen starrt,
    hat sich seine Frau mit dem Mechaniker gepaart.
    Und zwar nicht nur im Dunklen, nein, ganz frech am hellen Tag,
    die wesentlichen Dinge passiern noch immer analog.

    Digital is genial, was wichtig ist, das gibt’s auf DVD.
    Ärger macht nur die Mechanik, alles, was sich bewegt,
    ist ein Problem.

    Die ganze Zeit am Bildschirm, tief bis in die Nacht,
    sein Hirn ist von der Arbeit schon ganz wirr.
    Es sind dringende Projekte und nur vier Stunden Schlaf,
    und auf einmal steht eine Frau da in der Tür.
    Sie lockt ihn weg vom Bildschirm, sowas hat er nie erlebt,
    es wird ihm schwindlig, und dann landen sie im Bett.
    Scheiß auf den Computer, das ist es, was er mag,
    die wesentlichen Dinge passieren noch immer analog.

      • “Um ehrlich zu sein hab ich keinen blassen Schimmer was dieses ewige Analog vs Digital immer soll.”
        “Ob Film oder Sensor ist dabei für den Betrachter doch extrem Banane.”

        Nein.

      • Ist die Feststellung ob analog oder digital in irgendeiner Weise relevant für die Wertung des Bildes? Etwa in der Art “Ach das Bild is nicht analog, na dann……”???

      • Böser Frosch,
        für den Urheber der hier gezeigten Fotografien ist es erheblich, das schreibt er ja sogar! Für mich übrigens auch.
        Es gibt Betrachter, die sehen da einen Unterschied. Und dieser Unterschied betrifft mehr als nur die Begriffe analog und digital.

        Du nicht. Das ist in Ordnung, aber dann bitte doch nicht in der 3. Person schreiben, vor allem wenn es heißt, Du hättest keinen blassen Schimmer.

  8. “Ausatmend…” – ich mag diese Beschreibung. Ich mag seine Fotos. Und – keine Frage – seine Leidenschaft für die Arbeit von Jan Scholz ist unübersehbar.
    Sollte sein Frauenbild ein schlechtes sein, dann stehe ich gern auf seiner Seite. Wie kommt man auf eine solche Idee? Was daran und was an seiner Art zu fotografieren ist denn “veraltet”? Was soll denn die neuzeitliche und mutmasslich bessere Alternative sein??
    Danke, Lisa-Marie, für den Beitrag und nebenbei ein Kompliment für Deine eigenen Bilder!

  9. Vielleicht sollte ich doch mal endlich die Analoge aus dem Schrank holen. Habe es ja schon sooo lange vor aber wie das immer so ist…

    Vielen Dank für den Artikel und vor allem für die wirklich schönen Bilder…

  10. Finde den Artikel interessant zu lesen und verstehe auch, was Andre meint.
    Ich arbeite zwar primär digital, finde die analoge Wirkung aber auch fesselnder.
    Egal ob analog oder digital, bei mir muss alles ooc stimmen. Heutzutage ist einfach zuviel nachbearbeitet und verfälscht und dieses Phänomen hat die digitale Fotografie nunmal verschärft, das ist Tatsache.

    Dass sich hier einige nicht mit Andre’s Ansicht und Stil/Absicht identifizieren können ist okay, aber sich derart zu echauffieren – für mich nicht verständlich.

    Mir bleibt zusagen: Gute Arbeit und weiter so!

    Beste Grüße,
    Chris