07. September 2016 Lesezeit: ~ 5 Minuten

Dies ist kein Foto

Ich war schon immer auf die eine oder andere Art an der Fotografie interessiert. Ich erinnere mich an Familienurlaube, als ich noch jünger war, bei denen ich mir die Kamera meines Vaters ausgeliehen hatte, um ein paar extra Bilder von unseren Ausflügen zu machen. Ich denke, ein für mich ausschlaggebender Moment war aber, als meine Zwillingsschwester von einer Modellagentur kontaktiert wurde und ein Portfolio zusammenstellen sollte.

Ich fühlte mich so professionell, als ich lernte, wie man den Hintergrund auf einem Foto verschwimmen lässt. Ich habe meine Schwester mit in unseren Garten genommen und ein paar Bilder vor einer Wand und den Bäumen gemacht. Es waren nicht die besten Portraits der Welt, aber mir gefielen der kreative Aspekt und die Photoshoparbeit, die ich in die Bilder steckte.

Ein Mann klettert eine Leiter nach oben

Meine Freunde auf Facebook kommentierten, wie professionell die Bilder aussähen und ich war irgendwie stolz darauf, etwas erschaffen zu haben, das von anderen Leuten das Prädikat „professionell“ erhielt. Ich habe mich auch mal an Videos versucht, sie aber nie online gezeigt. Als ich jünger war, habe ich mir sogar einen Greenscreen gebastelt, meine eigenen Musikvideos gefilmt und so viele Effekte hinzugefügt, wie ich nur konnte.

Heutzutage nehme ich die Inspiration für meine Bilder von praktisch überall her. Natur und Farben spielen eine wichtige Rolle für meine Arbeit. Das liegt daran, dass ich es liebe, draußen zu fotografieren. Es gibt meinen Fotos eine komplett neue Perspektive verglichen mit einem im Studio entstandenen Bild.

Für mich wirkt alles wesentlich realer und weniger gestellt. Ich habe das Gefühl, meine Arbeit kann die Menschen dadurch auf einer viel persönlicheren Ebene berühren. Es erlaubt ihnen, in meine eigene kleine Welt einzutreten und die Dinge aus meinem Blickwinkel heraus zu sehen.

Eine Frau zeichnet Vögel in den Himmel

In letzter Zeit mache ich immer mehr Bilder mit Figuren oder nur den Hinterköpfen der Menschen. Ich habe das Gefühl, es unterstützt den Aspekt des Geschichtenerzählens, weil man die Bilder dadurch nicht so sehr den jeweiligen Personen zuordnet, sondern seine eigene Vorstellungskraft stärker einsetzen muss.

Wenn ich eine Fotosession plane, sind die Schlüsselelemente für mich der Ort, Farben, Konzept und Licht. Der Ost ist immer das Wichtigste, weil er den Weg für das weitere Foto bereitet und damit die Basis darstellt. Farben sind das nächste Element. Ich versuche, zu den Farben, die ich bereits habe, Komplementärkontraste zu finden. Rot und grün ist eine meiner liebsten Farbkombinationen.

Eine Frau vor einem riesigen Buch

Das Konzept ist dann sozusagen meine Idee hinter dem Bild. Die Nachricht, die ich versuche, zu übermitteln. Zu guter Letzt ist natürlich das Licht ein wichtiges Element in meinen Fotos. Wenn ich ein eher dunkles und düsteres Bild machen möchte, warte ich auf einen bewölkten Tag, weil das unter strahlend blauem Himmel nicht funktionieren würde.

Die Hauptintention in meiner Arbeit ist es, meine Ideen auf eine spaßige und surreale Art rüberzubringen. Dazu benutze ich oft verschiedene Requisiten, mit deren Hilfe sich der Betrachter mit meinen Bildern identifizieren und mehr auf die Details achten soll.

Ein Mann mal den Himmel blau

Ich versuche, eine Geschichte zu erzählen, die widerspiegelt, wie ich mich fühle, worüber ich nachdenke oder die einfach nur von einem Erlebnis berichtet. Zum Beispiel bekam ich vor Kurzem viel Kritik über das Internet, in der es hieß, meine Fotos seien „Fake“, weil ich die Bilder in Photoshop manipuliere. Daraufhin machte ich ein Bild mit dem Titel „Dies ist kein Foto“ und habe digital so ziemlich alles verändert, um meinen Standpunkt klar zu machen.

Für mich spielt es keine Rolle, welche Schritte nötig sind, um zum gewünschten Endresultat zu kommen. Wenn man seine Bilder in Photoshop verändert, um sie besser aussehen zu lassen, warum nicht? Es gibt so viel Stigma um das Thema Retusche und eben dieses Stigma überträgt sich viel zu sehr auf Compositings und digitale Kunst. Die Leute fragten mich in den Kommentaren, was für einen Sinn es habe, dass ich mich Fotograf nenne, wenn ich meine Bilder doch sowieso stark bearbeite. Auch wären meine „sogenannten Fotografien“ Kopien von Konzepten, die es schon „tausend Mal zuvor“ gegeben habe.

Eine Frau mit Hasenmaske zwischen fliegenden Büchern

Meiner Meinung nach sollte die Fotografie-Community aber eher ein großes, sich gegenseitig unterstützendes Netzwerk sein, in dem man einander respektiert. Es gibt so viele verschiedene Genres in der Fotografie. Wir können uns in die Landschafts-, Portrait- oder Makrofotografie wagen und alles hat seine ganz eigenen Besonderheiten. Wer sind wir schon, uns zu erlauben, jemandes Arbeit herabzustufen, nur weil sie nicht unseren persönlichen Geschmack trifft?

Es gibt Genres, wie zum Beispiel meine Fine-Art-Bilder, deren Endresultat man unmöglich direkt in der Kamera erstellen kann, deshalb spielt die Nachbearbeitung eine so große Rolle in meiner Arbeit.

Dieser Artikel wurde für Euch von Christopher Wesser aus dem Englischen ins Deutsche übersetzt.

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1 Kommentar

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  1. Schöne Arbeiten und ein gutes Beispiel dafür, dass es keine klare Grenze bei der Menge der Nachbearbeitung gibt. Ich finde – wenn wir jetzt mal von der Reportagefotografie absehen – fast alles in Ordnung, solange es hilft die Vision des Künstlers umzusetzen und – und das finde ich wichtig – solange man offen damit um geht.

    Ich muss nicht bei jedem Foto direkt sagen, was ich alles gemacht habe, aber wenn mich jemand fragt, beantworte ich diese Frage bitte ehrlich und sag nicht die “Szene ist so gewesen!” wenn ich den Himmel ausgetauscht habe. Zu dem Thema gab es vor kurzem erst eine Blogparade :-D http://www.tripaphy.com/fotobearbeitung-blogparade/